Schwandorf Marktplatz 17
| Schwandorf Marktplatz 17 | |
|---|---|
| Datei:Schwandorf Marktplatz 17.jpg | |
| Adresse: | Marktplatz 17 92421 Schwandorf |
| BLfD-ID: | D-3-76-161-21 |

Ein zweigeschossiges Haus im Kern 16. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert verändert.
Geschichte
Der älteste bekannte Eigentümer ist der Gerber Johann Georg Dreer. Dessen Witwe heiratete 1725 Heinrich Grau einen Sohn aus dem Haus Marktplatz 5.
1782 erwarb Johann Eckelsberger, ein Strumpfstricker, den Besitz. Bereits 1713 ist dessen Stiefvater erstmals mit dem neuen Handwerk „Strumpfstricker“ in Schwandorf in dem Haus Spitzwegstraße 15 erwähnt. Nun eine Generation später konnte die Familie in das deutlich größere Haus am Marktplatz wechseln. Auch seine Lage zwischen Pfarrer und Pfleger begünstigte die Geschäfte.
Den Anfang nahm diese Entwicklung am Hofe von Ludwig XIV. in Frankreich. Die Männermode änderte sich. Nun trug der Mann engere und kürzere Hosen, zeigte Bein. Und diese Beine wurden in Seidenstrümpfe gehüllt.
Gleichzeitig kam es zu einer weiteren Entwicklung: Zum Herzogtum Pfalz-Neuburg gehörte die Baronie Rocca Gugliema [1] im Königreich Neapel an der Grenze zum Vatikan. Die Baronie besaß den sehr erträglichen Zoll auf Seide in Kalabrien und den Abruzzen. Als der spanische Vizekönig in Neapel die Ausfuhr von Geld verbat, wurden vermehrt Seidenstrümpfe und Seidenhemden ins Herzogtum Pfalz-Neuburg gebracht. [2]
Zudem begleitete der Pfleger von Quentel die herzoglichen Söhne auf ihre Kavalierstouren nach Neapel und zum Papst. Dort hat man dreimal erfolgreich einen Bischofsstuhl für die nachgeboren Buben von Philipp Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz eingehandelt. Auf der Rückreise befand sich wohl Seide im Gepäck.
Jeder der auf sich etwas hielt und es sich leisten konnte trug Seidenstrümpfe. Das Geschäft blühte. Zeitweise gab es in Schwandorf zwei voneinander unabhängige Familien, die mit dem Handel und der Reparatur von Strümpfen ihren Lebensunterhalt verdienten.
1822 kaufte Michael Härtl, ein Gürtler, das Haus. Den Beruf des Gürtlers findet man schon zu Beginn der Aufzeichnungen in den Pfarrmatrikeln. Doch Pesserl berichtet, daß nur eine Gerechtigkeit für dieses Handwerk in der Stadt vergeben war. Auch Michael Härtl nützte die Gelegenheit von der Spitzwegstraße auf den Marktplatz umzusiedeln.
Schon 1839 folgte erneut eine berufliche Rarität. Michael Kirchbauer, ein Goldschmid aus der Gegend von Neumarkt, eröffnete sein Geschäft. Zwar ist bereits für 1575 ein Goldschmid in Schwandorf beurkundet, doch nach dem Dreißigjährigen Krieg war man arm geworden. Die Nachfrage nach Goldprodukten in der Stadt nährte keine Familie. Erstmals 1839 taucht der Goldschmid wieder in den Kirchenbüchern als Berufsbezeichnung auf.
Ab 1851 wurde das Anwesen von den Familien Augustin, Bengler und Forster als Austragshaus genutzt.
Erst 1909 kam mit dem aus Burglengenfeld stammenden Schuster Karl Götz ein neues Gewerbe ins Haus. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt bereits in einem anderen Haus ebenfalls einen Schuster, der den Familiennamen Götz trug. So bildeten sich im Volksmund zur Unterscheidung die Bezeichnungen „Kirchengötz“ und „Wassergötz“, entsprechend der Lage der Geschäfte.
Heute befindet sich in dem Gebäude die Galerie M 17, sowie Büro- und Wohnräume.
Das Gebäude trägt als eines der beiden letzten Häuser am Marktplatz ein vollständiges Walmdach. Während bei der Steuerbeschreibung 1727 zum Besitz neben dem Haus noch ein Stadl und Stall sowie ein halber Stadl vor dem Ettmannsdorfer Tor gehörte, waren bis 1804 all diese Zubehörteile verschwunden. 1839 schreibt der Beamte: Wohnhaus und Stall unter einem Dache. Ein Terminus, den er bei keinem anderen Anwesen am Marktplatz benutzte.
Bei allen älteren Fotografien vom Platz tritt das Haus in den Hintergrund und sein Aussehen ist fast nicht zu erkennen. Um so wertvoller ist der Bauantrag des Eigentümers von 1909. Er begehrte den Einbau einer Schaufensteranlage und skizziert die Fassade vor und nach dem Umbau. An der Westseite des Hauses besitzt es eine hölzerne Altane, die Letzte ihrer Art am Marktplatz.
Persönlichkeiten
- Christian Augustin (geb. 27. September 1797, gest. 12. Januar 1877), Fleischhacker und Bürgermeister von 1853 bis 1869. Da seine 6 Kinder noch in den Windeln starben stiftete er Kapital für die Mädchenvolksschule, die Erweiterung der Pfarrkirche St. Jakob, für die Friedhofkirche St. Salvator und für in Schwandorf beheimatete Studenten. Sein Gemälde von 1874 hing im Sitzungssaal des Rathauses und ist jetzt im Stadtmuseum. Ihm wurde am 20. Dezember 1874 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die Stadt benannte 1912 die Augustinstraße nach ihm.
- Josef Götz (geb. 7. Februar 1906, gest. 15. März 1983) Schuhmachermeister, Stadtrat (CSU) von 1964 bis 1966 und 1971 bis 1972, Ehreninnungsobermeister
Einzelnachweise
- ↑ https://www.xn--weingrtner-schwandorf-91b.de/Rocca.html
- ↑ Karl Mayr: Pfalz-Neuburg und das Königreich Neapel im 17. und 18. Jahrhundert, 1939
Marktplatz 1 | Marktplatz 2 | Marktplatz 3 | Marktplatz 4 | Marktplatz 5 | Marktplatz 6 | Marktplatz 7 | Marktplatz 8 | Marktplatz 9 | Marktplatz 10 | Marktplatz 11 | Marktplatz 12 | Marktplatz 13 | Marktplatz 14 | Marktplatz 15 | Marktplatz 16 | Marktplatz 17 | Marktplatz 18 | Marktplatz 21 | Marktplatz 23 | Marktplatz 24 | Marktplatz 25 | Marktplatz 26 | Marktplatz 27 | Marktplatz 28 | Marktplatz 28.2 | Marktplatz 29 | Marktplatz 32