Schwandorf Marktplatz 8
| Schwandorf Marktplatz 8 | |
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| Datei:Schwandorf Marktplatz 8.jpg | |
| Adresse: | Marktplatz 8 92421 Schwandorf |


Ein 1913 kernsaniertes Gebäude, dessen Außenmauern noch aus dem 16. Jahrhundert stammen.
Geschichte
Der älteste bekannte Eigentümer des Hauses ist um 1663 Tobias Demleitner, Sohn des Abraham Demleitner. Die Familie läßt sich bis 1572 zurückverfolgen. Damals war ein Nikolaus Demleitner Richter in Schwandorf und Vertreter des Pflegers.
Tobias wurde als Lederer bezeichnet, ein Handwerk, das sich über Jahrhunderte auf dem Anwesen halten sollte. Die Witwe von Tobias heiratete 1689 den ledigen Kronenwirtssohn Andreas König. Auffällig ist dabei, daß die Kinder aus erster Ehe von Barbara gut verheiratet wurden und das Haus an die Abkömmlinge von Andreas zweiter Ehe ging. Somit haben sich in dem Anwesen keine Demleitner-Gene erhalten. Die Gene von Andreas sollten bis 1927 hier weiter vererbt werden. Durch weibliche Erbfolge wechselte der Familienname über Schmid zu Klob und zuletzt Weinzierl. Alle blieben dem Lederhandwerk treu, auch wenn die letzten Generationen sich nun Sattler nannten.
Bei der Seelenbeschreibung der Pfarrei 1886 ist die königliche Gendarmerie mit vier Gendarmen in dem Haus ansässig.
1919 verkaufte Josef Weinzierl das Sattlergeschäft an Karl Fürnrohr. Dieser zog mit dem Betrieb in ein anderes Haus. Daraufhin versuchte der Bruder des Hauseigentümers erneut ein Sattlerei aufzubauen. Dies scheitere offenbar, denn im Geschäftsverzeichnis von 1921 sind für dieses Anwesen das Modegeschäft Schlag und die Obst- und Gemüsehändlerin Rosa Wüstendörfer verzeichnet.
1927 erfolgte der Verkauf des Anwesens an Katharina Vogl und Anna Schmidt, beide die damaligen Besitzerinnen der Firma Schmidt-Bräu. Das Gebäude wurde in die Brauerei integriert. Die Verwaltung zog ein und die Wohnräume bezogen Mitarbeiter.
Lediglich das Ladengeschäft fand einen neuen Mieter, den Uhrmacher Peter Eisenhart, einen Abkömmling der Spengler-Dynastie. Auch diese Räume wurden später in die Verwaltung einbezogen.
Heute wartet das Gebäude auf eine neue Nutzung.
Das Haus selber steht seit alters her an drei Seiten völlig frei. Lediglich zum Hof hin war ein Stall angebaut. Das Grundstück hatte von der Spitzwegstraße her keine Einfahrt. Die Steuerbeschreibung von 1808 lautet: „Ein gemauertes Haus mit Stadl und Stall.“
Die älteste bekannte Fotografie vom Marktplatz zeigt das Haus mit einem Giebel zum Platz hin. Allerdings bei genauer Betrachtung erkennt man, daß das westliche Drittel des Daches eine andere Struktur aufweist. Mögliche Ursache könnte eine Reparatur sein, aber auch, daß ein Walmdach, wohl vor 1880, zu einem Satteldach umgebaut wurde. Letztere Annahme wird gestärkt durch den Umstand, daß der Giebel senkrecht gebaut ist. Wobei vergleichbare ältere Giebel am Platz alle eine leichte Neigung zum Gebäude hin haben. (Marktplatz 10, 13 und der abgegangene Giebel auf Haus 19) Auffallend ist auch, daß die Fassade baugleich mit der inzwischen abgegangenen Fassade von Marktplatz 20 ist.
Mit Bauplan von 1911 wurde der Einbau eines Ladens beantragt. Der Bau wurde nicht genehmigt. Der Plan zeigt jedoch die alte Raumaufteilung im Haus. Darunter befinden sich ein großer Backofen und ein deutscher Kamin, ein gewölbter nicht durchfahrbarer Flur und mehrere gewölbte Zimmer im Erdgeschoß. 1913 wurde eine vollständige Entkernung genehmigt und durchgeführt.
Persönlichkeiten
- Tobias Demleitner (geb. 28. November 1629, gest. 6. November 1687) Lederer, innerer, später äußerer Rat, Seelhausverwalter
- Andreas König (geb. 1661, gest. 30. Mai 1743) Lederer, 1712 Senator, Bürgermeister ab 1715 bis 1719)
- Johann Klob (geb. 1733, gest. 16. Juni 1825) Sattler, Bürgermeister von 1770 bis 1785, Stadtrat
- Franz Xaver Klob (geb. 22. August 1810, gest. 8. Juni 1859) Stadtpfarrmesner von 1838 bis 1859
Einzelnachweise
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