Schwandorf Marktplatz 22

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Schwandorf Marktplatz 22
Adresse:Marktplatz 22
92421 Schwandorf
Ansicht nach 1950

Ein 1961 von Grund auf neu erbautes Haus.

Geschichte

Hans Demleitner hat 1660 geheiratet und seine Ehefrau Margarethe, deren Geburtsname nicht überliefert ist, brachte das Haus mit in die Ehe. Nach dem Tod des jungen Familienvaters heiratete 1672 seine Witwe Jakob Maxenbacher, den Rößlwirtssohn, der nun als Lederer bezeichnet wird.

Jakobs Tochter Maria Barbara, die unverheiratet geblieben ist, lebte bis 1759 hier. Vor ihrem Tod verkaufte sie 1756 das Haus an Johann Jakob Erhard. Die Herkunft von Johann Jakob ist unbekannt, er wird als „nobili“ bezeichnet und war zu dem Zeitpunkt der Schloßverwalter von Fronberg. Freiherr Lorenz von Spiering hatte zu der Zeit seinen Wohnsitz in Tüschenbroich. Später übernahm Johann Jakob das Bürgermeisteramt in der Stadt, um 1778 erneute eine Schloßverwaltung, diesmal von Naabeck, zu übernehmen. Johann Peter von Oberlin auf Spielberg, passauischer Hauptmann, zog es offenbar vor sich mit seiner zweiten jungen Frau woanders aufzuhalten.

Nachdem sich keines der Erhard´schen Kinder in Schwandorf vermählt hat, kam es zum Verkauf des Anwesens. Der Nachbar Jäger, Bäcker im Haus Marktplatz 9, nutzte die Gelegenheit zum Erwerb für seine Tochter.

Der Schwiegersohn Andreas Nothaas nahm 1802 wieder das Ledergeschäft in die Hand. Bereits eine Generation später wechselte die Familie in das Anwesen Rathausstraße 1.

Im Gegenzug erwarb 1845 der Apotheker Hugo Kämmerer das Haus und zog von der Rathausstraße hierher. In der Literatur liest man: „Schwandorfs erste Apotheke wechselte auf den Marktplatz“. [1] Dies hält einer Überprüfung nicht stand. In den Kirchenbüchern finden sich Apotheker in den Jahren 1568 und 1691 usw.

Danach wechselte die Apotheke öfter den Besitzer bis 1960 die Bayerische Vereinsbank AG nun umbenannt in Bayerische Hypo Vereinsbank AG das Gebäude erwarb und durch einen Neubau ersetzte. Die Apotheke siedelte als Mieter in das Anwesen Marktplatz 7 um.

2023 hat die Bank nach mehr als 100 Jahren Geschäftssitz in Schwandorf ihrem Schalterbetrieb aufgegeben. Die Bayerische Vereinsbank AG wurde 1869 in München gegründet und ein Mitgründer ist Graf Maximilian von Holnstein aus Bayern wohnhaft in Schwarzenfeld und Sohn der Schloßherrin von Fronberg.

Das Gebäude sucht nun eine neue Verwendung.

Architektur

Das Baujahr des abgegangenen Gebäudes wurde nicht festgestellt, dürfte aber im 16. Jahrhundert liegen. Pesserl schreibt 1866: „ein durch Raum und Alter hervortretendes Privatgebäude ist das Nothaas-Haus“.

Das Gebäude hatte eine breite Durchfahrt vom Marktplatz her und wurde einmal um rund 4 Meter nach Westen verlängert. Dies zeigt sich darin, dass die westliche Außenmauer deutlich dünner ist als die nächstfolgende Innenmauer. Zudem lagen die Räume im Erdgeschoß des Anbaus alle um 3 Stufen tiefer als das Hauptgebäude. Damit war nach dem Anbau keine Durchfahrt mehr möglich.

Gleichzeitig wurde in den nun frei gewordenen Raum des Hausflurs ein Laden eingebaut. Dies könnte wohl mit dem Wechsel zur Apotheke und hier das Offizin entstanden sein. 1926 veränderte man die Schaufenster mit einen Rundbogen nach oben.

Das Gebäude trug zum Marktplatz hin einen Treppengiebel und zur Westseite ein Krüppelwalmdach. Wobei das Walmdach die Fläche des Anbaus überspannte.

Das Aussehen der heutigen Fassade orientiert sich am Altbau. Das Gebäude trägt nun ein Satteldach und zählt mit seinen rund 17 Meter Höhe zu den beiden höchsten profanen Bauwerken am Marktplatz.

Persönlichkeiten

  • Jakob Maxenbacher (geb. 1648, gest. 19. Februar 1698) Rößlwirtssohn, Lederer, 1684 äußerer Rat, 1689 Ziegelverwalter, 1697 Bürgermeister, 1698 Stadtcamerer, 1679 war das Kirchlein auf dem Kreuzberg vollendet. Eine Steinplatte an der Wand derselben unter der Kanzel enthält die Namen der ersten Förderer des frommen Werkes … Johann Maxenbacher, Rothgerber …
  • Johann Jakob Erhard (geb. 1717, gest. 19. Juli 1784), 1756 Schloßverwalter von Fronberg, Bürgermeister von 1768 bis 1784, von 1778 bis 1784 Schloßverwalter von Naabeck
  • Josef Jäger (geb. 24. September 1725, gest. 8. Juli 1794) Händler, 1794 Bürgermeister
  • Andreas Nothaas (geb. 5. März 1775, gest. 3. April 1831) Lederer, nachdem die königlich bayerische Regierung anordnete, dass die Gemeinden alle entbehrlichen Immobilien zu verkaufen haben, hat er 1807 das Schießhaus auf der Wöhr, heute der Stadtpark auf dem Hubmannwöhrl, gekauft. Daraufhin mußten die Schießübungen der Bürgerwehr und der Schützenvereine in den Klostergarten, heute Bahnhofstraße 7, verlegt werden.
  • Hugo Kämmerer (geb. 1792, gest. 3. Dezember 1848) Apotheker von 1843 bis 1848
  • Wilhelm Friedrich Klett, evangelischer Apotheker aus Rothenburg ob der Tauber, verheiratet mit der Bärenwirtstochter Eusebia Hubmann, Apotheker von 1851 bis 1862
  • Heinrich Schmid, Apotheker von 1862 bis 1863
  • Georg Bauer, evangelisch, Apotheker von 1863 bis 1879
  • Josef Ramer, Apotheker von 1879 bis 1882
  • Ignaz Klemens Jäger (geb. 31. August 1847) aus Landshut, Apotheker von 1882 bis 1897
  • Ferdinand Altnöder aus Tirschenreuth, (geb. 1. Juli 1870, gest. 6. März 1955) Apotheker von 1897 bis 1949

Einzelnachweise

  1. Alfred Wolfsteiner: Gesundheitswesen, Hygiene und soziale Einrichtungen in: Schwandorf in Geschichte und Gegenwart, 2001, Seite 582