Schwandorf Marktplatz 31

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Schwandorf Marktplatz 31
Adresse:Marktplatz 31
92421 Schwandorf
Ansicht in den 1930er Jahren

Ein aus dem 16. Jahrhunderts stammendes Haus, das mehrfach umgebaut wurde, so daß heute nur noch ein geringer Teil der alten Bausubstanz vorhanden ist.

Geschichte

Der älteste bekannte Eigentümer ist der Bäcker Leonhard Strobel. Dabei handelt es sich um den Neffen des gleichnamigen Pfarrers von St. Jakob. Er stammte aus Wasserburg zu Unterviechtach und hat 1630 hier eingeheiratet. Die Ehefrau Magdalena Demleitner, eine Wirtstochter, wurde in einem anderen Haus geboren. Daher ist wohl anzunehmen, dass sie das Anwesen um diese Zeit gekauft haben.

Deren Enkel, erneut ein Leonhard Strobel, vertauschte das Anwesen mit Erhard Demleitner. Martin Hermann, ein Bärenwirtssohn, heiratete 1707 dessen Tochter Anna Maria.

Da Maria Anna, Martins Ehefrau, das Anwesen mit in die Ehe einbrachte, konnte sie auch bestimmen, was mit dem Haus geschieht. Nach zwei kinderlosen Ehen ging 1750 das Anwesen an die Nichte Maria Anna Holzbogen, also an die Kronenwirtsverwandtschaft, der westlichen Nachbarstochter.

Maria Anna Holzbogen blieb Zeit ihres Lebens unverheiratet und so ging das Eigentum an dem Haus 1788 wieder an eine Nichte namens Margarethe Kinskofer. Margarethe heiratete den Bärenwirt Peter Zenger, so kam das Anwesen wieder unter den Einfluß des östlichen Nachbarn. Da Margarethes Ehe kinderlos blieb, erbten 1799 deren Eltern, also wieder der Kronenwirt.

Bis 1863 blieben die Gene aus dem Kronenwirtshaus auf dem Anwesen, bis Josef Fischer den Besitz erwarb.

Der Bäcker Josef Fischer kaufte ein nahezu „leeres“ Haus, da sich die beiden Nachbarn immer wieder die besten Grundstücke vorbehalten haben. So erstand er 1874 einen Stadel vor dem Ettmannsdorfer Tor und 1881 einen Anteil an der Kommunbraugesellschaft. Weitere Grundstücke sollten folgen und zeigen so auch den wirtschaftlichen Erfolg der Familie.

Schon seit 1984 stand kein Bäcker aus der eigenen Familie mehr in der Backstube. Bis 2016 sollte das Geschlecht auf dem Haus bleiben und dabei wurden turbulente Erbschaftsfragen elegant lösen. Dann folgte der Verkauf in fremde Hände.

Heute befindet sich hier das Cafe und Bistro Kam In.

Architektur

Das Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert. Leider sind ältere Baupläne nicht vorhanden. Aber im Vermessungsplan von 1827 ist deutlich eine „Reiche“ zwischen den Anwesen 30 und 31 erkennbar. Diese mittelalterliche Brandschutzvorrichtung ist nicht mehr vorhanden. Somit ist das Gebäude nach Westen hin erweitert worden. Die Baumaßnahme hatte Einfluß auf den Dachstuhl und die Proportion des Nordgiebels. Beide Teile dürften wohl jüngeren Datums sein.

Nach dem Vermessungsplan war wohl auch eine Durchfahrt in den Hofraum möglich. Auf dem ältesten vorliegenden Bild von 1910 sieht man im Erdgeschoß zwei Fenster mit Läden und zwei nebeneinander liegende Haustüren. Diese beiden Haustüren haben wohl die Fläche der Gebäudeerweiterung und der Durchfahrt eingenommen.

Für das Jahr 1864 wird der Einbau eines Backofens bezeugt. Im Jahre 1905 führt der Eigentümer einen Umbau des Pferde- und Kuhstalles aus. Nach der Größe des Stalles hatten ein Pferd, maximal sieben Kühe und vier Schweine Platz. Interessant ist, dass eine Betondecke zwischen den Tieren und der darüber befindlichen Futter-Lagerfläche gebaut wurde.

Vor 1935 erfolgte der Einbau eines Schaufensters, das nun mit der Ladentür in Verbindung stand.

2016 wurden sämtliche Nebengebäude abgebrochen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus ersetzt. Das neue Gebäude hat einen Zugang von der Breite Straße her und auch die Hausnummer 14 erhalten.

2022 erfolgte eine Generalsanierung des Hauptgebäudes. Aus der Bäckerei wurde eine Gaststätte.

Das Hauptgebäude überdeckt ein Satteldach.

Persönlichkeiten

  • Leonhard Strobl (geb. 1601, gest. 13. November 1674), Weißgerbersohn, Bäcker, Bürgermeister von 1645 bis 1674; in seine Amtszeit fiel die Errichtung eines kommunalen Weißbierbrauhauses.
  • Jacob Strobl (geb. 21. Januar 1632, gest. 19. Januar 1697) Bäcker, Bürgermeister von 1678 bis 1697, großzügiger Stifter für die Pfarrkirche St. Jakob
  • Franziska Fischer (geb. 30. April 1907, gest. 12. Juni 1993) Schwester Dionisia vom Orden vom Heiligen Kreuz, Kinderheilstätte und Altenheim in Rupolding, 1936 Krankenschwester, dann Mission in Chile, ab 1949 in Argentinien im Blindenheim Buenos Aires, 1941 Spital in Rosaria, 1949 Kinderspital Santa Fee, 1971 Alterssitz in Quilmes.
  • Josef Fischer (geb. 2. Mai 1908) Pfarrer in Sarching
  • Peter Wilhelm, Bezirkskaminkehrermeister, seit 2007 Leiter des Aus- und Fortbildungszentrum für das Bayerische Kaminkehrer Handwerk in Mühlbach, seit 2007 Obermeister der Kaminkehrer-Innung Oberpfalz, seit 2016 ehrenamtlicher Richter am Finanzgericht Nürnberg, seit 2020 Stadtrat, 2023 Verleihung der Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Bayerische Wirtschaft

Einzelnachweise