Schwandorf Marktplatz 30
| Schwandorf Marktplatz 30 | |
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| Adresse: | Marktplatz 30 92421 Schwandorf |


Ein 1958 errichteter Neubau unter Einbeziehung älterer Mauern.
Geschichte
Bereits 1606 ist ein Fischhändler Andreas König beurkundet. Erst ab 1669 läßt sich dessen Sohn Abraham König zweifelsfrei als Kronenwirt mit dem Gebäude in Verbindung bringen.
Bei der Steuerbeschreibung 1727 zählte das Anwesen zu den höchsten Steuerzahlern und nannte als einer der Wenigen einen Weiher als sein Zubehör.
Bis 1911 sollten die Gene von Abraham auf dem Haus bleiben. Durch weibliche Erbfolge änderte sich allerdings der Familienname von Segenhofer über Holzbogen zu Kinskofer, Weigl und Forster.
In den Genen steckt offenbar auch ein Talent zur Musik. Nicht nur, dass in dem Haus ein großer Musiker geboren wurde. Der Volksmund erzählt, im Saal des Hauses stand eine von Studenten viel genutzte Orgel.
Die Ehe der Familie Forster blieb kinderlos. Daraufhin folgte 1911 der Verkauf an Johann Baptist Dirmeier, einen Gastwirt und Güterhändler aus Regensburg. Dieser behielt sich die verwertbaren Grundstücke zurück und verkaufte schon einen Monat später das nun „leere“ Haus an Christian Friedrich Streng, den Guts- und Brauereibesitzer von Naabeck. Dieser wollte sich nur die Bierlieferrechte ins Wirtshaus sichern, denn dort machte er schon seit 1895 offenbar gute Geschäfte. Schon einige Tage später wird Christians Bruder neuer Eigentümer und ein Pächter führte die Wirtschaft fort.
Die Konstellation brachte möglicherweise nicht den gewünschten Erfolg, denn 1913 kaufte Anton Kuttenlochner, Metzger und Schwiegersohn des Klosterbrauereibesitzers Ludwig Fischer das Anwesen. Doch auch er blieb nicht lang Eigentümer.
1914 erwarb Alois Reiner, Pflastermeister aus Weiding, das Anwesen. Mit neuer Brauerei eröffnete er die Gaststätte wieder und übte neben seinem Handwerk noch den Handel mit Holz und Brettern aus. Im Laufe der Zeit änderte sich das Geschäftsfeld der Familie Reiner, es kam ein Hutgeschäft dazu, die Gastwirtschaft wurde aufgegeben. 1929 zog die Bayerische Vereinsbank in die Räume. Neben Delikatessen bot der Sohn Alois auch Tabak an.
Als 1953 die Bank in neue Räume umzog, füllte sich der Laden mit der Firma Radio, Lautsprecher und Elektroartikel Friedrich Radtke.
Im Jahre 1957 erwarb der Schuhmacher Ludwig Gruber das Haus und zog mit seiner Firma von der Friedrich-Ebert-Straße 20 hierher.
Seine Nachfahren betreiben noch heute das Geschäft.
Architektur
Das abgegangene Gebäude wird nach den vorhandenen Bauplänen auf das 16. Jahrhundert datiert. Es hatte vom Marktplatz her eine große Durchfahrt in den Hofraum und zur Breite Straße. 1881 erfolgte der Neubau eines Nebengebäudes im Hof. 1903 wurden 38 Meter vom Hofraum nebst landwirtschaftlicher Gebäude abgemessen und an den Nachbarn Karl Ziegler verkauft. Seitdem ist eine Durchfahrt nicht mehr möglich. Um diese Zeit trennte man auch einen Teil vom Flur ab und richtete einen Laden ein. Mit Bauplan von 1921 erhielt das Gebäude ein Schaufenster und im Inneren entstand ein zweiter Laden. Bereits 1929 reiften Pläne zur vollständigen Veränderung des Hauses. Ein zusätzliches Stockwerk sollte aufgeführt werden. Nach längerem Ringen genehmigten die Stadt und das Denkmalamt die Pläne. Doch dann zog der Bauherr plötzlich das Vorhaben zurück.
1935 erfolgte die nächste Änderung. Die beiden Läden sollten erweitert und der Zugang verändert werden. Zunächst stieß das Vorhaben auf Wiederstand bei der Genehmigungsbehörde. Dann einigten sich alle auf die Errichtung einer Ladenpassage. Die Erste ihrer Art am Schwandorfer Marktplatz.
Im April 1958 rückten dann die Arbeiter an und zerbröckelten mit der Spitzhacke die Taferne zur goldenen Krone. Wenige Mauern blieben stehen, das Bauvorhaben gleicht jedoch einem Neubau.
Ursprünglich trug das Gebäude zum Marktplatz hin ein Walmdach und an der Südseite ein Krüppelwalmdach. Heute überdeckt ein Satteldach das Haus.
Persönlichkeiten

- Andreas König, Fischhändler, 1621 Leutnant,
- Abraham König (geb. 5. März 1628, gest. 18. Mai 1675) Kronenwirt, äußerer Rat
- Ambros König, 1678 kurfürstlicher Reiter
- Balthasar Berger (gest. 5. November 1690) 1658 domkapitelscher Kastner, innerer Rat
- Wolfgang Waffenschmid (gest. 7. März 1683) 1670 Schloßverwalter von Fronberg, 1675 Kronenwirt, 1678 domkapitelscher Kastner, Gerichtsschreiber
- Barbara Geburtsname nicht überliefert (gest. 3. Februar 1696) sie muß eine starke Persönlichkeit gewesen sein und wirtschaftlich unabhängig, denn sie hat nacheinander Abraham König, 1675 Wolfgang Waffenschmid und 1690 Balthasar Berger geheiratet und ist trotzdem als Kronenwirtin Barbara König, also unter dem ersten Ehenamen, beerdigt worden.
- Hans Georg Holzbogen (geb.1660, gest. 4. April 1720) Kronenwirt, Ratsherr, 1702 Ziegelverwalter
- Johann Georg Holzbogen (geb. 15. August 1727, gest. 7. September 1775) Er studierte Violine und Komposition in Padua und war Geiger im Hoforchester bei Herzog Clemens Franz, der 25 Jahre lang Kronprinz in München war. Johann Georg ist eine Straße in Schwandorf gewidmet, die Holzbogenstraße.
- Christian Friedrich Streng [1] (geb. 19. Oktober 1867, gest. 05. Juli 1942), Fabrikbesitzersohn aus Fürth, 1894 bis 1919 Brauerei- und Gutsbesitzer in Naabeck
- Friedrich Hyronimus Streng [2] (geb. 28. Dezember 1858) Pechfabrikbesitzer in Fürth
- Christine Reiner geb. Stiber Witwe Jobst (geb. 27. April 1884, gest. 3. Dezember 1971) Modistenmeisterin, arbeitete zunächst im Kaufhaus Krell, eröffnete im September 1914 einen Hutsalon im Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 34, den sie dann 1935 hierher verlegte und über 40 Jahre führte.
- Rosina Straller geb. Schmid (geb. 25. April 1904, gest. 17. April 1945) Bergarbeitergattin, Hebamme von 1926 bis 1945
Einzelnachweise
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