Schwandorf Marktplatz 9

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Schwandorf Marktplatz 9
Datei:Schwandorf Marktplatz 9.jpg
Adresse:Marktplatz 9
92421 Schwandorf
Ansicht um 1910
Ansicht 1959
fehlendes Fassadenbild

Ein 1976 von Grund auf neu erbautes Haus.

Geschichte

Der älteste bekannte Eigentümer ist der Bäcker Johann Martin Auer. Er heiratete 1675 Apollonia Strobl geb. Röls, die Witwe des Neffen von Pfarrer Leonhard Strobl und die Schwester der sogenannten Röls-Buben aus dem Anwesen Pfleghofstufen 5. Das Wappen der Familie Röls befindet sich am Brunnen mitten auf dem Marktplatz.

Nach der Chronik und Topographie von Schwandorf, von Joseph Pesserl, Seite 385, haben die drei geistlichen Brüder Röls 1698 Schwandorf und ihre Eltern besucht. Die Geschichte hält einer Überprüfung nicht stand. 1698 waren beide Eltern bereits verstorben und das Elternhaus in fremde Hände verkauft. Die Eltern haben nur die Priesterweihe des ältesten Sohnes erlebt; nicht von allen drei Söhnen. Alle Berufungen in höhere kirchliche Ämter fanden nach dem Tod der Eltern statt. Wenn die Geschichte dennoch einen wahren Kern hat, dann könnten sie ihre einzige in Schwandorf verbliebene Schwester hier in diesem Haus besucht haben.

1731 kauft Jakob Jäger, ein Bauernsohn aus Ruiding in der Pfarrei Ensdorf, das Anwesen vom Onkel seiner Frau. Die Ehegatten und deren Erben führten die Bäckerei fort, die in der Steuerbeschreibung von 1727 bereits erwähnt ist.

Der nächste Verkauf stand 1817 an. Franz Josef Grabinger, ein Bauernsohn aus Haselbach wurde neuer Eigentümer. Doch der wirtschaftliche Erfolg blieb aus. 1828 ersteigerte dessen Neffe Karl Kleindienst das Anwesen.

Als 1839 das Liquidationsprotokoll angefertigt wurde, vermerkte der Beamte „das Ruidingerbäcker Haus“. Mehr als 100 Jahre und drei Generationen nach dem Kauf von Jakob Jäger war dessen Herkunft aus der Einöde Ruiding im Volksmund noch präsent.

1848 haben sich zwei Grundstückshändler auf des Anwesens gestürzt. Dabei wurden fast alle landwirtschaftlichen Parzellen separat verkauft.

1852 erwarb Johann Beck, der schon vorher als Bäckereipächter im Haus war, den Restbesitz nebst Anteil am Communbrauhaus. Seinen Erben gehört noch heute das Anwesen.

Am 11. März 1977 eröffnete in Schwandorf die erste Pizzeria „Torre di Pisa“. Diese wurde bis 2001 betrieben.

Nun wird die Bäckerei verändert als Konditorei und die ehemalige Communbrauschänke als Cafe von Pächtern fortgeführt.

Nach einem Zeitungsartikel vom 22. Juni 1976 stammte der rückwärtige Teil des Hauses aus dem 16. Jahrhundert, die Fassade jedoch aus dem 18./19. Jahrhundert. Ein Bild, entstanden um 1910, zeigt den Baubestand am Anfang des 20. Jahrhunderts. Darauf ist eine Haustür mit Rundbogen zu sehen, die für eine Durchfahrt nicht geeignet war.

Mit Bauplan von 1928 beantragte der Eigentümer den Einbau eines Ladens mit Schaufenster und eine Fassadenänderung. Die Fenster der Gaststube sollen vergrößert werden.

1959 begehrte der Besitzer die Aufstockung des gesamten Gebäudes. Das Landesamt für Denkmalpflege lehnte den Bauantrag allerdings ab. Doch 1976 genehmigte das Amt einen vollständigen Abbruch und Neubau. Während man in der Zeitung las: „In Kürze wird der Marktplatz um ein modernes „altes“ Gebäude reicher sein, ein Umstand, der vor allem die Stadtsanierer besonders freuen wird …“ haben im Hintergrund die Denkmalschützer den unwiederbringlichen Verlust originaler Bausubstanz und eine deutliche Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes des Marktplatzes beklagt.

Kunst am Bau

Am 14. und 15. Mai 1778 tobten über Schwandorf mehrere heftige Gewitter. Dabei Schlug der Blitz in das Gebäude ein, ohne jedoch zu zünden. Zur dankbaren Erinnerung an die glücklich abgewendete Gefahr wurde eine Votiv-Tafel mit dem Bilde der von zwei Blitzstrahlen bedrohten Stadt in der Kirche am Kreuzberg aufgehängt. Im Gegenzug bekam das Gebäude eine Blechtafel mit dem Bild der Gottesmutter von Kreuzberg an die Fassade. Die Blechtafel wurde 1976 beim Abbruch des Hauses abgenommen, sollte renoviert und am Neubau wieder angebracht werden. Der vorgesehene Platz ist bis heute leer geblieben.

Persönlichkeiten

  • Johann Martin Auer (gest. 14. Oktober 1702) Bäcker, 1678 bis 1687 Bote, äußerer Rat
  • Johann Martin Auer (geb. 15. März 1676) 1696 Studiosi der Philosophie
  • Georg Josef Martin Jäger (geb. 12. Januar 1769) ab 1801 Pfarrer in Hemau, ab 1808 Dekan, Distrikt Schulinspektor, resigniert 1821,