Schwandorf Marktplatz 32.2

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Schwandorf Marktplatz 32.2
Adresse:Marktplatz 32
92421 Schwandorf
Bildausschnitt von 1957

Ein inzwischen mit dem Anwesen Marktplatz 32 vereinigtes Anwesen.

Geschichte

Die ältesten bekannten Eigentümer sind die Ehegatten Sebastian Weingärtner und dessen Gattin Anna Maria geborene Schreger. Sebastian war ein Bauernbub und stammte von Münchshöfe ab. Sein älterer Bruder ist Besitzer des Anwesens Marktplartz 7. Auch die Wiege von Anna Maria stand in einem anderen Haus am Marktplatz. So ist anzunehmen, dass sie den Besitz um 1705 anläßlich der Hochzeit gekauft haben.

Vor 1727 tauschten Sebastian Weingärtner und Paul Demleitner ihre Häuser. Sebastian zog mit seiner Metzgerei in die Rathausstraße und Paul mit seiner Lederei hierher.

Bis zum Jahr 1800 sollten die Gene und das Handwerk des Paul auf dem Haus bleiben. Durch weibliche Erbfolge änderte sich der Familienname von Demleiterner über Scgoff zu Huber.

Anton Huber veräußerte den Besitz an den aus Vilshofen stammenden Fleischhacker Konrad Forster. Die Familie Forster blieb 15 Jahre, dann zogen sie weiter in die Neubäckergasse 3.

Neuer Eigentümer wurde 1815 Peter Zenger, der Nachbar und Tafernwirt zum Schwarzen Bären. Peter kaufte das Anwesen wohl als Altersruhesitz für sich und seine dritte Ehefrau. Denn gleichzeitig hat er das Bärenwirtshaus seinem einzig überlebenden Kind, seiner Tochter Eusebia aus erster Ehe, und dem Schwiegersohn Thomas Hubmann, anläßlich von deren Hochzeit überlassen.

Nach dem Tod des Vaters erbte Eusebia den Besitz zum Alleineigentum, während ihr das Bärenwirtshaus zunächst gemeinsam mit dem Ehemann gehörte. Dies machte allerdings kaum einen Unterschied, denn nachdem Thomas Hubmann mit nur 41 Jahren in der Naab ertrunken war, führte sie 22 Jahre lang alleine den Betrieb fort.

1852 übergab Eusebia das Bärenwirtshaus ihrem Sohn Josef und behielt sich dieses Anwesen, wie einst ihr Vater, als Alterssitz zurück. Nach ihrem Tod entstand eine Erbengemeinschaft an diesem Haus, bestehend aus allen ihrer Kinder und den nachrückenden Enkeln. Kurze Zeit später lösten die Geschwister die Gemeinschaft auf und Josef übernahm den Besitz und begann beide Häuser zu vereinigen.

Die grundbuchrechtliche Vereinigung erfolgte aber erst 1933.

Architektur

Das abgegangene Gebäude stammte aus dem 16. Jahrhundert. Entsprechend dem Vermessungsplan von 1827 war eine Durchfahrt von der heutigen Friedrich-Ebert-Straße in die Breite Straße möglich.

1875 begann die bauliche Vereinigung der beiden Häuser 60 und 61. Die Gebäudeeinfahrt wurde mit einer Fensterreihe geschlossen. Die Mauer zwischen den beiden Häusern durchbrochen und ein zusätzliches Nebenzimmer für die Gaststätte geschaffen. Im Obergeschoß entstand ein Saal.

1881 errichtete man einen Anbau in dem Fremdenzimmer untergebracht waren.

Als Besonderheit hatte das Gebäude mitten in der Fassade einen Gebäudevorsprung. So dass ein kleines Fenster Platz hatte das den Blick in die heutige Friedrich-Ebert-Straße frei gab. Die ehemalige Baulinie und die Gebäudevorsprünge sind aus dem derzeitigen Vermessungsplan noch ablesbar.

Das Haus war mit einem Walmdach überdeckt, welches an der Ostseite mit einem Zwechhausgiebel unterbrochen war.

1972 erfolgte der Abbruch des Gebäudes und ein Neubau wurde errichtet.

Verkehr

Die Friedrich-Ebert-Straße bekam 1956 einen Bürgersteig. Dieser endete am Gebäudevorsprung des Bärenwirtshauses. Fußgänger mußten hier nun auf die Fahrbahn ausweichen und konnten nach einigen Schritten den Weg auf dem Bürgersteig fortsetzten. Mit steigendem Verkehrsaufkommen ereigneten sich in der Folgezeit mehrere Unfälle am „Hubmann-Eck“.

Am 11. Juni 1971 beschloß der Stadtrat einen neuen Bebauungsplan für die Friedrich-Ebert-Straße. Dieser Plan sah einen Ausbau der Straße auf drei Fahrspuren nebst Park- und Ladezonen vor. Dafür sollten die Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 23 und 25 sowie das Bärenwirtshaus geopfert werden.

Der Abbruch des Gebäudekomplexes Bärenwirtshaus erfolgte 1972. Dabei mußte zwischen 2,50 Meter und 5 Meter die neue Fassade zurückweichen, sprich nach Südwesten versetzt werden.

Da durch den Abbruch die Statik des Anwesens Marktplatz 31 in Gefahr kam, blieb ein Stück der Bärenwirtshauswand bis heute stehen.

Um dem Straßenverkehr mehr Raum zu geben entstanden bei den Anwesen Marktplatz 1 und Friedrich-Ebert-Straße 1, 2, 23 und 25 Passagen bzw. Mauerrücksprünge. Obwohl die Straße seit Mitte 1986 nur noch einspurig befahrbar ist, wurden diese Verkehrsopfer bisher nicht zurückgebaut.

Persönlichkeiten

  • Andreas Weingärtner (geb. 18. Juli 1724, gest. 14. November 1793) er kaufte 1766 die Taferne zur Schwanne in Ettmannsdorf und begründete die dort noch blühende Seitenlinie der Familie.
  • Paul Demleitner (geb. 24. Januar 1692, gest. 4. Juli 1757), Lederer, Stadtrat
  • Josef Scgrof auch Schoff (geb. 3. April 1733, gest. 24. Juni 1788) Lederer, consul extra von 1773 bis 1788

Einzelnachweise