Schwandorf Marktplatz 19

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Schwandorf Marktplatz 19
Adresse:Marktplatz 19
92421 Schwandorf
Bild von 1907

Ein 1567 erbautes Haus, das mehrfach umgebaut wurde.

Geschichte

Durch ein dendrologisches Gutachten wurde als Fälljahr für das Holz des abgegangen Dachstuhls das Jahr 1567 festgestellt.

Der älteste bekannte Eigentümer ist Johann Faber. Er stifte am 23. Juni 1638 einen Jahrtag in die Filialkirche nach Kronstetten und legte den Ewigzins auf sein privates Wohnhaus. Diesen Zins mußten die jeweiligen Eigentümer bis ins 19. Jahrhundert bezahlen.

Aus dem Jahre 1668 ist ein Register der Kirche von Kronstetten erhalten. Darin wird Martin Wagner, ein Seiler, als zinspflichtig aus dem Haus bezeichnet. Martin hat von Schmidmühlen hierher eingeheiratet.

Martins Enkelin heiratete 1707 den aus Amberg stammenden Johann Peter Hesele. Er brachte das Hutmacherhandwerk in das Haus.

Erneut wurde eine Enkelin Erbe des Anwesens. Sie heiratete 1793 Alexander Schwarz. Das Schuhmacherhandwerk, welches er mit brachte sollte bis 1915 hier ausgebüt werden. Das Jahr 1800 sollte ein dunkles Jahr werden. Innerhalb weniger Tage ist fast die gesamte Familie Schwarz an einer unbekannten Krankheit verstorben. Lediglich ein dreijähriges Kind hat überlebt. Nun stellte sich die Frage nach der Vormundschaft und der Versorgung des Kindes.

Johann Konrad Weingärtner, ein Schuhmacher aus der mütterlichen Verwandtschaft, übernahm die Verantwortung und kaufte das Anwesen am 10. Januar 1801 von der schwarzischen Verlassenschaft.

Inzwischen wächst die achte Generation seiner Gene in dem Haus heran.

Mit dem Bürgerrecht war stets auch das Braurecht im Kommunbrauhaus verbunden. Nachdem die königliche Regierung 1806 beschlossen hatte, dass alle entbehrlichen Gebäude versteigert bzw. verkauft werden sollten trat auch für das Braurecht eine entscheidende Änderung ein. Am 22. August 1812 kaufte eine private Bürgergesellschaft die Liegenschaften der Brauerei und titelte künftig unter Kommunbraugesellschaft. Johann Konrad erwarb einen der 80 Gesellschaftsanteile.

Fortan wurde die Brauschänke im Haus weiter ausgebaut. In einem Dokument von 1843 steht zu lesen, dass die Wirtschaft 36 Maß und 20 halbe Maßgläser besitzt, dazu drei Tische mit Stühlen. 1853 wurde ein Hopfengarten am Dachelhofener Weg hinzugekauft und im Jahr 1900 ein weiterer Felsenkeller. Mit diesem Kauf vervielfachte sich die Lagerfläche für das eigene Bier.

Mit Beschluß des Bezirksamts Burglengenfeld vom 26. Juni 1900 waren alle Kommunbräuschenken zu schließen. Begründung war: da einige kein Kommunbraurecht vorlegen können und andere die Schankwirtschaftserlaubnis nach der neuen Reichsgewerbeordnung nicht besaßen. Gegen diesen Beschluß wurde Einspruch eingelegt und die Regierung hat ihn dann aus Billigkeitsgründen nicht weiter verfolgt. Dennoch haben die verbliebenen Kommunbräuer ein Schankrecht beantrag. Mit der Folge, dass sie nun nicht nur Bier ausschenken durften, sondern auch Brotzeiten dazu reichen konnten.

Im Jahre 1915 ist der letzte Schustermeister aus der Familie im Krieg gefallen. Damit brach die Einnahmequelle „Schusterei“ weg. Der Schwerpunkt wurde nun auf die Wirtschaft gelegt. 1920 erhielt man die Erlaubnis nicht nur eigenes, sondern auch fremdes Bier in Form von Braunbier, Weißbier und nichtgeistige Getränke ausschenken zu dürfen. 1924 wurde dies in eine volle Gastwirtschaftskonzession erweitert.

Mit Bauantrag von 1925 wurden im 2. Obergeschoß des Hauses vier Fremdenzimmer eingebaut. Damit erschloß man eine weitere Einnahmequelle. Die Stadt Schwandorf betrieb um diese Zeit eine Wanderfürsorgestelle. Nachdem die Räume im Rathaus dafür nicht mehr zur Verfügung standen, schloß die Stadt 1930 mit der Familie einen Vertrag über die Beherbergung der Wanderarbeiter. Diese sollten zur Übernachtung noch einen Teller Suppe und ein Stück Schwarzbrot erhalten. An manchen Tagen war die Herberge dermassen belegt, dass in einem Bett zwei Personen schlafen mussten.

1950 trat eine weitere grundlegende Veränderung ein. Die Nebenerwerbslandwirtschaft rentierte sich auf Dauer nicht mehr. Die landwirtschaftlichen Grundstücke wurden verpachtet und das im Stall vorhandene Vieh stellte den Grundstock für eine neu eröffnete Metzgerei dar. Fortan warb man als „Metzgerei und Gastwirtschaft und Fremdenzimmer mit kalten und warmen Wasser“.

Im Jahre 1957 baute man die entbehrlich gewordenen landwirtschaftlichen Lagerflächen in weitere fünf Fremdenzimmer um.

Nachdem in den 1970er Jahren am Stadtrand eine Großmetzgerei und mehrere moderne Hotels ihre Pforten öffneten gingen die Umsätze stets zurück. Mit dem Umbau 1982 verschwand die Metzgerei, dafür entstanden eine Vergrößerung der Gastwirtschaft und Büroräume in den oberen Stockwerken.

Inzwischen sind Büroräume entbehrlich geworden und man bewegt sich zurück zu den Wurzeln.

Architektur

Das 1567 erbaute Haus hatte eine Durchfahrt vom Marktplatz bis in die heutige Pfleghofgasse.

Es wurde mit je einem Giebel zum Marktplatz hin und an der Westseite erbaut. Das Gebäude ist mit einem Satteldach überdeckt. Das zweistöckige Dachgeschoß diente ursprünglich zur Lagerung von Heu und Stroh. Dazu war es möglich mit einem Fuhrwerk in das Gebäude einzufahren. In der Mitte des Hauses befand sich eine 4 mal 4 Meter große Öffnung, die bis zum Dachgeschoß hinauf reichte. Durch diese Öffnung gelangten die landwirtschaftlichen Erzeugnisse mittels einer Seilwinde ins Dachgeschoß. Auch die beiden mittleren deutlich größeren Giebelfenster dienten den selben Zwecken.

In der Durchfahrt befanden sich auch die Stiege in das Obergeschoß und ein Brunnen zur Wasserversorgung.

Mit Bauantrag von 1925 wurde die Tenne nach oben geschlossen und im 2. Obergeschoß Fremdenzimmer und Kammern für Mägde eingerichtet. Der Umbau von 1950 brachte die Einrichtung eines Metzgerladens. Damit war eine Durchfahrt durchs Haus nicht mehr möglich. Mit dem nächsten Umbau von 1960 vergrößerte man die Gaststätte. Die Bauarbeiten von 1981/82 erweiterten die Gaststätte auf das gesamte Erdgeschoß. In den oberen Stockwerken befanden sich nun Büro- und Wohnräume.

Heute ist im Erdgeschoß die Pizzeria Piccolino.

Kunst am Bau

Um 1750 ließ Jakob Martin Hesele zwei Mauernischen in die Fassade seines Elternhauses schlagen. Darin stellte er zwei aus Lindenholz geschnitzte Figuren die „Schmerzhafte Muttergottes“ und den „gegeiselten Heiland in der Wies“ darstellend.

Persönlichkeiten

  • Johann Faber, vom 20. April 1633 – 1645 Pfleger in Schwandorf, Jägermeisteramtsverwalter und oberster Fischmeister auf dem Nordgau, Hofgutbesitzer zu Nattermoos
  • Stephan Wagner (geb. 23. Dezember 1635, gest. November 1705), Seiler, Stadtrat
  • Johann Wolfgang Hesele (geb. 22. März 1712, gest. vor 1788) Lehrer, Stadtschreiber, 1756 Administrator vom Schloß in Ettmannsdorf
  • Johann Jakob Hesele (geb. 11. November 1714, gest. 23. März 1784) Spitalbenefiziat von 1763 bis 1784
  • Johann Peter Hesele (geb. 5. Mai 1725, gest. 6. November 1800), Schneider, Hutmacher, consul extra 1761 bis 1800
  • Josef Georg Weingärtner (geb. 25. Oktober 1884, gest. 23. August 1915) Schuster, erster Vorstand der Communbraugesellschaft von 1911 bis 1915
  • Ludwig Weingärtner (geb. 5. März 1898, gest. 14. Februar 1956) Gast- und Landwirt, letzter Communbrauer von Schwandorf

Einzelnachweise