Schwandorf Marktplatz 11

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Schwandorf Marktplatz 11
Adresse:Marktplatz 11
92421 Schwandorf
Aussehen um 1910

Das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde 1548 erbaut.

Geschichte

Nach einem dendrologischen Gutachten vom Dachstuhl wurde als Fälljahr für das Holz 1548 festgestellt.

Der älteste bekannte Eigentümer ist 1663 der Maurermeister Anton Lochermeier. Da dessen Familie nicht so weit zurück zu verfolgen ist, kommen die Vorfahren nicht als Bauherren in Frage. Antons Sohn Georg Kaspar wird als Maurer und Krämer bezeichnet.

Kaspar Lohmayer, Bürger und Landtagsausschuß-Feldwebel hielt 1705 mit 20 Mann Wache, um während der Bayerischen Volkserhebung alle Aufständige gegen die Österreicher von der Grenze zu weisen. "14 Tage lang, spricht er von sich, habe er den Dienst zu des Vaterlandes Besten versehen und dabei sein Leben der Gefahr preisgegeben." Der Aufstand nahm nach dem Chronisten Joseph Pesserl an den Ufern der Schwarzach seinen Anfang [1] und fand einen Höhepunkt in der Sendlinger Mordweihnacht.

Zur dankbaren Erinnerung an die glückliche Abwendung der 1713 drohenden Pestgefahr, die damals im nahen Regensburg etwa 1/3 der Bevölkerung, rund 8.000 Opfer hinraffte, lies Freiherr Wilhelm Franz von Spiering zu Fronberg auf der langen Meile zu Ehren des heiligen Sebastian eine Kapelle nebst einer Klause für einen Eremiten erbauen. Baumeister war Kaspar Lohmeyer, für welchen in der Pfarrkirche daselbst ein Jahrtag gestiftet ist. Heute steht an der Stelle eine Loybrigiussäule.

Im Jahr 1785 konnte Franz Luschner, ein Zeugmacher, ins Haus einheiraten. Er brachte ein neues Gewerbe mit. Seine Kinder vertauschten das Anwesen 1830 mit Ludwig Herrmann, ein Kaminkehrer aus Nabburg, der bereits seit vier Jahren in Schwandorf ansässig war.

Fünf Generationen der Familie Herrmann übten hier das Kaminkehrerhandwerk aus bis 2014 das Gebäude in fremde Hände verkauft wurde.

Architektur

Laut Steuerbeschreibung von 1727 bestand das Anwesen aus einem Haus mit Stadl und Stall und einem Garten. Der Garten befand sich direkt an der Spitzwegstraße anschließend nach Westen hin der Stadl. An diese Stelle wurde 1952 ein dreistöckiges Wohnhaus errichtet, das inzwischen vom Restbesitz abgetrennt und verkauft wurde. Somit hat das Grundstück keinen rückwärtigen Zugang mehr.

Das Hauptgebäude am Marktplatz besitzt einen Rundbogen mit Eingangstür im Erdgeschoß, der die Durchfahrt durchs Haus verschließt. Es ist die letzte noch gebrauchte Durchfahrt am Platz. Die Fassade hat in den 1950er Jahren eine Änderung bekommen: aus den ehemals drei Fenstern im Obergeschoß wurden nun vier. Beim Neubau des Anwesens Marktplatz 12, 1966, ist ein Teil der nördlichen Außenmauer eingestürzt.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Stall ein Nebenhaus. Es hatte im Obergeschoß eine hölzerne Altane zum Hofraum. 1882 beantragte der Eigentümer die Errichtung eines russischen Kamins für dieses Nebengebäude und 1911 bekam das Anwesen eine Abortanlage im Hofraum. 1934, die nächste Änderung im Anbau. Neben einer Kraftwagenhalle und eines Gehilfenzimmers entstand ein Badezimmer.

Persönlichkeiten

  • Georg Kaspar Lochmeier (geb. 1663, gest. 12. Februar 1736) Maurermeister und Kramer, Landtagsausschußfeldwebel, für ihn war ein Jahrtag = jährliche Gedenkmesse in die Pfarrkirche St. Jakob gestiftet. Mit bischöflicher Erlaubnis wurden die Stiftsmessen reduziert.
  • Franz Xaver Luschner (geb. 4. Dezember 1796, gest. 27. April 1866) Zeugmacher, Spitalmesner
  • Josef Herrmann (geb. 16. April 1874, gest. 08. März 1933) Kaminkehrermeister, Kirchenpfleger von St. Jakob

Einzelnachweise

  1. Joseph Pesserl: Chronik und Topographie von Schwandorf, Seite 389; Unveränderter Nachdruck 1989 der Ausgabe von 1866 aus Verhandlungen des Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg Band XXIV