Obermurach (Oberviechtach)
Koordinaten: 49° 26' 42.90" N, 12° 23' 28.46" E
| Obermurach | |
|---|---|
Obermurach (2017) | |
| Höhe über dem Meeresspiegel: | 570 m |
| PLZ/Ort: | 92526 Obermurach, Stadt Oberviechtach |
| Belag: | befestigte Oberfläche |
| Verkehrsbedeutung: | Straße an und in Wohngebieten, reine innerörtliche Erschließungsstraßen, verkehrsberuhigter Bereich |
| Ortsvorwahl: | 09671 |


Obermurach ist ein Gemeindeteil der Stadt Oberviechtach im Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz.
Lage von Obermurach
Obermurach liegt knapp zwei Kilometer südwestlich von Oberviechtach auf einer Höhe von rund 570 Metern[1] auf einem Felskegel. Der Ort ist über die Kreisstraße SAD 2198 zu erreichen. In Obermurach befindet sich die Burgruine Haus Murach[2].
Aus der Geschichte von Obermurach
Historische Schreibformen von Obermurach
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Bedeutung des Namens Obermurach
Der Ortsname Obermurach kommt vom althochdeutschen Gewässernamen „Muoraha“. Der Gewässername setzt sich zusammen aus „muor“ (= Moor, Sumpf) und „aha“ (= Wasser(lauf), Fluss). Der Siedlungsname bedeutet „Siedlung an der Murach“ [5]. Zur Unterscheidung von Niedermurach kam später der Zusatz „Ober“ hinzu.
Beschreibung von Obermurach von 1285 bis 1792
Emma Mages beschreibt die landesherrliche Zugehörigkeit bestimmter Orte im Bereich des Amtes Murach so[6]: „Pflegamt Murach
- 1285: Der wittelsbachische Besitzkomplex um die Burg Murach[7] („Proprietates castri in Muhra“) umfaßt Güter und Einkünfte in 49 Orten (wobei einige Orte mehrfach genannt sind)
- 1494: Das Amt Murach hat Zinseinkünfte aus 37 Orten
- 1581: Zum Amt Murach gehören 41 Siedlungen
- 1622: Zum Amt Murach gehören 3 Hämmer, 69 Höfe, 2 „einschichtige“, 7 Mühlen, 112 Güter, 104 Sölden, insgesamt 297 Mannschaften. 2 Mannschaften unterstehen dem Amt Tännesberg, 241 Mannschaften den Landsassen
- 1748/49: Zum Pflegamt Murach gehören unmittelbar 132 8/16 Höfe, einschließlich der Hofmarken, Landsassengüter und einschichtigen Untertanen 210 8/16 Höfe
- 1774: Unmittelbar dem Pflegamt Murach unterstehende Anwesen: Hoffuß 138 ¾ 1/5 1/6.
Dem Amt inkorporierte Hofmarken einschließlich der Baron Karg’schen Herrschaftsgerichte Frauenstein[8], Reichenstein und der Stadt Schönsee: Hoffuß 97 3/64.
Markt Oberviechtach: Hoffuß 13. Gesamthoffuß des Pflegamts Murach: 249 5/6 4/5 3/64
- 1783: Pfleggericht Murach (einschließlich Hofmarken, Landsassengüter, Herrschaften, Stadt, Markt und einschichtiger Untertanten) 256 2/5 5/64 Höfe, 1041 Häuser, 5970 Seelen.
- 1792: 1032 Untertanen, davon 285 seßhafte Bürger; übrige seßhafte Untertanen: 747. Gesamthoffuß: 23414/32 1/5 3/20 1/12 1/6 1/24 7/64 in 51 Dorfschaften (206 3/20 1/12 1/16 1/24 7/64), 15 Einöden (6 14/32 1/15),
Stadt Schönsee[9] (9), Markt Oberviechtach (13). 3 große Weiher, 147 Teiche“.
Heute würde man sagen:
1285: Der Besitz der bayerischen Herzöge
Die Burg Murach und die umliegenden Besitzungen gehörten zum Herrschaftsgebiet der Wittelsbacher, also der damaligen bayerischen Herrscherfamilie. Zu diesem Besitz gehörten Grundstücke, landwirtschaftliche Betriebe und Einnahmerechte in insgesamt 49 Ortschaften. Einige Orte werden in den historischen Aufzeichnungen mehrfach erwähnt.
Der lateinische Ausdruck „Proprietates castri in Muhra“ bedeutet ungefähr: „Die Besitzungen der Burg Murach“. Das bedeutet allerdings nicht, dass den Wittelsbachern sämtliche Grundstücke in diesen 49 Orten gehörten. Vielmehr besaßen sie dort einzelne Güter oder bestimmte Rechte, beispielsweise auf die Abgabe von Geld oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
1494: Einnahmen aus 37 Ortschaften
Das Amt Murach erhielt regelmäßige Einnahmen aus Besitzungen in 37 verschiedenen Ortschaften. Diese Einnahmen wurden als „Zinsen“ bezeichnet. Gemeint waren jedoch nicht nur Zinsen im heutigen Sinn, sondern vor allem Abgaben, die Bauern und andere Untertanen an ihre Grundherren leisten mussten. Solche Abgaben konnten beispielsweise aus Geld, Getreide oder anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bestehen.
1581: 41 Siedlungen gehören zum Amt
Zum Verwaltungsgebiet des Amtes Murach gehörten 41 Siedlungen. Dabei konnte es sich um Dörfer, Weiler oder kleinere Ansiedlungen handeln. Das Amt Murach war eine territoriale Verwaltungs- und Gerichtsbehörde, die im Auftrag des Landesherrn bestimmte Aufgaben übernahm.
1622: Landwirtschaftliche Betriebe und Untertanen
Im Jahr 1622 werden für das Amt Murach folgende Besitzungen und Betriebe aufgeführt: 3 Hammerwerke, also Betriebe zur Bearbeitung von Metall, häufig Eisen. 69 Bauernhöfe. 2 sogenannte „einschichtige“ Anwesen beziehungsweise Untertanen, die verwaltungsmäßig eine Sonderstellung hatten. 7 Mühlen, 112 landwirtschaftliche Güter, 104 sogenannte Sölden, also kleinere landwirtschaftliche Anwesen, deren Besitzer häufig zusätzlich einer handwerklichen oder anderen Erwerbstätigkeit nachgehen mussten. Insgesamt werden 297 sogenannte Mannschaften genannt. Das Wort „Mannschaften“ bezeichnet hier keine Soldaten, sondern Personen beziehungsweise Haushalte, die einer bestimmten Grund- oder Gerichtsherrschaft unterstanden.
Zusätzlich werden zwei Mannschaften genannt, die dem Amt Tännesberg unterstanden, und 241 Mannschaften, die den sogenannten Landsassen zugeordnet waren. Landsassen waren Angehörige des landständischen Adels oder andere entsprechend berechtigte Grundherren, die innerhalb des Territoriums eigene Herrschaftsrechte ausüben konnten.
Die verschiedenen Zahlen bezeichnen nicht einfach die gesamte Einwohnerzahl. Ein Hof konnte von einer Familie mit mehreren Kindern, Angehörigen und Bediensteten bewohnt werden.
1748/1749: Die Größe der landwirtschaftlichen Besitzungen
Dem Pflegamt Murach unterstanden unmittelbar landwirtschaftliche Besitzungen mit einem rechnerischen Umfang von 132½ Höfen. Wenn man zusätzlich die Besitzungen der örtlichen adeligen Grundherrschaften, die sogenannten Hofmarken, die Landsassengüter und die einzeln zugeordneten Untertanen berücksichtigte, ergab sich ein Gesamtumfang von 210½ Höfen. Die Angabe „132½ Höfe“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass es exakt 132 vollständige Bauernhöfe und einen halben Hof gab. Damals wurden landwirtschaftliche Besitzungen häufig nach ihrer Größe und steuerlichen Bewertung in Bruchteile eines ganzen Hofes eingeteilt.
1774: Die steuerliche Größe des Pflegamtes
Die Verwaltung unterschied nun mehrere Gruppen von Besitzungen:
Erstens: Anwesen, die unmittelbar dem Pflegamt Murach unterstanden.
Zweitens: Hofmarken und andere Herrschaftsgebiete, die verwaltungsmäßig zum Pflegamt gehörten. Dazu zählten auch die Herrschaftsgerichte der Familie von Karg in Frauenstein und Reichenstein sowie die Stadt Schönsee.
Drittens: Der Markt Oberviechtach, der gesondert aufgeführt wurde.
Für jede Gruppe wurde der sogenannte „Hoffuß“ ermittelt. Das war eine historische Berechnungsgröße, mit der man landwirtschaftliche Anwesen nach ihrer wirtschaftlichen beziehungsweise steuerlichen Einstufung erfasste. Der gesamte Hoffuß des Pflegamts wurde mit verschiedenen ganzen Zahlen und Brüchen angegeben. Diese Bruchangaben sind keine Einwohnerzahlen und auch keine genaue Zählung der tatsächlich vorhandenen Gebäude. Sie dienten vor allem der Verwaltung und der Verteilung bestimmter Abgaben und Lasten.
1783: Einwohner und Häuser im Pfleggericht Murach
Das gesamte Pfleggericht Murach umfasste einschließlich der zugehörigen Hofmarken, Landsassengüter, Herrschaftsgebiete, Städte, Märkte und einzeln zugeordneten Untertanen: 1.041 Häuser, 5.970 Einwohner, ca. 256,5 rechnerische Höfe
Das historische Wort „Seelen“ bedeutet hier schlicht Menschen beziehungsweise Einwohner. Demnach lebten im Jahr 1783 durchschnittlich etwa 5,7 Menschen in jedem erfassten Haus. Das ist eine besonders anschauliche Angabe, weil wir damit eine Vorstellung von der damaligen Bevölkerungsgröße im gesamten Verwaltungsgebiet bekommen.
1792: Die Verwaltung kurz vor dem Ende des 18. Jahrhunderts
Im Jahr 1792 wurden insgesamt 1.032 Untertanen beziehungsweise steuerlich oder rechtlich erfasste Einheiten angegeben. Davon waren 285 sesshafte Bürger, 747 weitere sesshafte Untertanen.
Die Aufstellung erfasste außerdem Besitzungen in 51 Dorfschaften und 15 Einöden, also einzelnen, abseits liegenden Siedlungen beziehungsweise Anwesen.
Die Stadt Schönsee und der Markt Oberviechtach wurden gesondert berücksichtigt. Auch hier wurden die landwirtschaftlichen Anwesen nach dem historischen Hoffußsystem bewertet.
Die teilweise sehr komplizierten Bruchangaben dienten dazu, unterschiedliche Hofgrößen und steuerliche Einheiten rechnerisch zusammenzufassen.
Bilder Obermurach
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Obermurach (2022)
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Obermurach (2022)
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Obermurach (2022)
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Obermurach (2022)
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Walpurgiskapelle, Burg Haus Murach
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Blick Richtung Antelsdorf
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Blick vom Bergfried
Steuerdistrikte
1808 erfolgte eine Neuordnung des Steuerwesens durch Einteilung in Steuerdistrikte. Einer dieser Distrikte war der Steuerdistrikt Obermurach mit den Siedlungen Altweichelau, Eigelsberg, Knaumühle, Niesaß, Obermurach, Sallach, Schweighof, Steinmühle [10]. 1828 erfolgte eine Umbenennung der Steuerdistrikte in Steuergemeinden. 1828 erfolgte eine Umbenennung der Steuerdistrikte in Steuergemeinden.
Gemeindebildung
Nach den Gemeindeedikten von 1808 und 1818 wurden Ruralgemeinden (ab 1835 in Landgemeinden umbenannt) eingerichtet, um die Verwaltung auf dem Land zu organisieren. "Rural" leitet sich vom Lateinischen für "auf dem Lande lebend" ab. Sie wurden von einem Gemeindevorsteher und einem Gemeindeausschuss (Vorläufer des Gemeinderats) verwaltet. Für eine Gemeindebildung waren mindestens 20 Familien nötig. Zur Gemeinde Obermurach mit insgesamt 46 Familien gehörten 1820/21 Obermurach (39 Familien), Knaumühle (eine Familie), Niesaß (5 Familien) und Steinmühle (eine Familie)[11].
Die Eingemeindung von Obermurach nach Oberviechtach
Die Gemeinde Obermurach verlor 1945/46 erstmals ihre Eigenständigkeit. Nach anhaltenden Protesten der Bürger wurde dieser Schritt 1948 wieder rückgängig gemacht und Obermurach erhielt den Gemeindestatus. Bei der Gemeindegebietsreform erfolgte am 1. Januar 1972 der Anschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinde Obermurach an die Stadt Oberviechtach[12].
Literatur
- Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007678-0
- Georg Hager, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, München 1906
- Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, ISBN 978-3-9819712-3-1
- Alois Köppl, Oberviechtach und Oberviechtacher Land, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, Gleiritsch 2026, ISBN 978-3-9819712-5-5
Weblinks
- Dorfgemeinschaft Obermurach
- Bilder Burgruine Haus Murach
- Bilder Obermurach
- Luftaufnahmen Obermurach
- Luftaufnahmen Oberviechtach und Gemeindeteile
- Obermurach In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
Einzelnachweise
- ↑ Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, S. 46-49
- ↑ Alois Köppl, Oberviechtach und Oberviechtacher Land, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, Gleiritsch 2026, Seite 56
- ↑ Obermurach In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- ↑ Die Belege bis (um 1200) könnten auch die Nachbarsiedlung Niedermurach (mit-)betreffen
- ↑ Obermurach In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 149, 150
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 149
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 150
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S.150
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 203
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 206
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 214
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