Greiner (Oberviechtach)

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Koordinaten: 49° 30' 17.57" N, 12° 29' 1.93" E

Greiner (Oberviechtach)
Greinerschleif (2026)
PLZ/Ort:Greinerschleif an der Murach
zwischen Tannermühle und Neumühle
Q138413510  Greiner (Pullenried)ODB_S00053871
Die Daten aus dieser Infobox stammen aus OpenStreetMap. Die Daten sind unter einer offenen Lizenz frei verwendbar und wurden letztmals abgerufen am 2026-04-06T11:57:52+02:00.

Die ehemalige Siedlung Greiner, auch Greinerschleif[1] genannt, ist eine Wüstung, die im heutigen Gemeindegebiet von Oberviechtach liegt.

Lage der Wüstung Greiner

Greiner[2], auch als Greinerschleife bezeichnet, lag an der Murach zwischen der Tannermühle und der Neumühle. In der Karte der Uraufnahme von 1808‒1864 ist die Einöde eingetragen. Die Greinerschleif war eine historische Glasschleiferei, die die Wasserkraft der Murach nutzte.

Historische Schreibform

  • 1863: Greiner [3]
  • 1867: Greinerschleife … (Glasschleife)
  • 1877: Greiner
  • 1928: Greiner

Namenerklärung

Der Siedlungsname besteht aus dem Familiennamen Greiner. Als Bestimmungswort kommt Schleif hinzu. Der Name des abgegangenen Siedlung Greiner bedeutet beim Greiner.

Bilder Greinerschleif

Aus der Geschichte der Greinerschleif

Waldung Greiner im Mittelalter

Der Name „Greinerschleif“ kommt von der Waldung „Greiner“, die im Bereich Rackenthal, Schwand, dem Greiner, Langau und Pirkhof lag[4]. Zwischen der Herrschaft Winklarn/Schönsee und dem Amt Murach kam es immer wieder zu Streitigkeiten wegen des Grenzverlaufs, so auch im Jahre 1530 [5].

Erste Nennung eines Schleif- und Polierwerks

Greiner gehörte 1809 zur Pfarrei Pullenried[6]. Im Jahr 1870 ist der Betrieb eines Schleif- und Polierwerks für Spiegelglas belegt [7][8]. Besitzer war damals S. S. Arnstein. Da die Glasherstellung meist nicht in der Nähe der Glasschleifen erfolgte, musste das Rohglas angeliefert werden. Das geschah hochkant stehend in Kisten verpackt [9]. In der Greinerschleif verarbeitete man auch die von den Bahnhöfen Lind und Gaisthal angelieferten Glastafeln.

Technik des Glasschleifens

1862 baute die Nürnberger Firma T. E. Earnshaw die ersten Rundschleifapparate. 1914 kam diese Schleiftechnik auch in kleineren Betrieben zum Einsatz. Die Schleif- und Poliermaschinen wurden durch Wasserkraft angetrieben. Die trüben Glasplatten kamen auf Holztische, die durch Wasserkraft hin- und herbewegt wurden. Das Glas schliff man mit Quarzsand und beseitigte so Unebenheiten.

Glasproduktion

Die Regierung der Oberpfalz forderte mit Schreiben vom 28. März 1870 die Bezirksämter auf, innerhalb von Monatsfrist zu melden, welche größeren Betriebe, auch Glasschleifen, in der Zuständigkeit des Bezirksamtes Waren produzieren. Mit der Aufforderung wollte man eine Übersicht erhalten "um den dermaligen Stand der Industrie bemeßen zu können" [10]. S. Arnstein, Besitzer der Greinerschleif und weiteren Anlagen in Weisbach und Plechhammer, bezog nach diesen Angaben rund 70.000 bis 80.000 Stück Glasrohlinge vom böhmischen Glaswerk Marienthal. Nach Abzug des Glasbruches gingen jährlich rund 68.000 Stück nach Fürth in den Versand [11].

Vertrieb der Glasprodukte

Die weiterverarbeiteten Glastafeln kamen zum großen Teil als Spiegel in den Verkauf. Der Hauptumschlagsplatz für solche Glasprodukte aus vielen Schleifen in der Oberpfalz lag im Raum Nürnberg und Fürth. Von hier aus erfolgte der Versand in die ganze Welt. Rund 75 Prozent der Glasproduktion ging nach Übersee, überwiegend nach Amerika. Mit der beginnenden Glasproduktion in Amerika ging die Nachfrage nach den Produkten aus den oberpfälzer Glasschleifen zurück.

Besitzer der Greinerschleif

Bauplan (1932)
  • 1870: S. S. Arnstein, Fürth
  • 1911: Georg Pregler
  • 1913: Georg Hanauer
  • 1913-1933: Firma Troppmann, Fürth

Die Greinerschleif hatte im Jahre 1911 insgesamt 36 Polierblöcke für die Weiterverarbeitung des Glases [12].

Die Greinerschleif brannte am 5. Dezember 1931 ab. Franz Troppmann baute das Schleif- und Polierwerk 1932 wieder auf [13].

Einwohnerentwicklung auf der Greinerschleif von 1867 bis 1925

Einwohner auf der Greinerschleif:

Jahr 1867[14] 1871 [15] 1880[16] 1883[17] 1886[18] 1925
Einwohner 20 17 16 16 16 9

Pfarreienzugehörigkeit im Jahre 1809

Die Greinerschleif gehörte 1809 zur Pfarrei Pullenried, die aus den folgenden Ortsteilen bestand [19]:

Pullenried, Brandhäuser, Falzhäusl, Greiner, Gütting, Hannamühle, Holzhäuser, Mitterlangau, Neumühle, Oberlangau, Ödreichersried, Pirk, Plechhammer, Stangenberg, Tannermühle, Unterlangau und Weißbach.

Literatur

  • Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007678-0
  • Königlich Bayerisches Statistisches Bureau, Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern, München 1904
  • Adalbert Busl, Oberpfalz, Land der Glasschleifen, Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Nummer 26, Herausgeber Heimatkundlicher Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2023, ISBN 978-3-947247-84-4
  • Staatsarchiv Amberg, Bezirksamt Neunburg vorm Wald, 587
  • Bavaria, Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern, mit einer Uebersichtskarte des diesseitigen Bayerns in 15 Blättern; Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, 1, München, Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1867
  • Statistisches Orts-Lexikon des Königreichs Bayern, ein Handbuch für Amts- und Gerichts-, dann Post-, Telegraphen- und Eisenbahn-Verkehr, herausgegeben nach authentischen Quellen und amtlichen Mittheilungen der kgl. Post- und Eisenbahnbehörden, sowie nach Maßgabe der vom 1. Oktober 1879 und 1. Januar 1880 an bestehenden neuen Gerichts- und Amtsbezirke, Ansbach, Brügel, 1880
  • Valentin Grübel, Statistisches Orts-Lexikon des Königreichs Bayern, Ansbach, Brügel, 1883
  • Valentin Grübel, Statistisches Amtshandbuch für den kgl. bayer. Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, Ansbach 1886

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Greiner In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz, abgerufen am 21. Februar 2026
  2. Königlich Bayerisches Statistisches Bureau, Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern, München 1904, S. 44
  3. Greiner In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
  4. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Oberviechtach, S. 85, Fußnote 496
  5. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Oberviechtach, S. 71
  6. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Oberviechtach, S. 228
  7. Adalbert Busl, Oberpfalz, Land der Glasschleifen, Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Nummer 26, Herausgeber Heimatkundlicher Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2023, S. 72
  8. Infotafel an der Greinerschleif
  9. Adalbert Busl, Oberpfalz, Land der Glasschleifen, Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Nummer 26, Herausgeber Heimatkundlicher Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2023, S. 303
  10. Staatsarchiv Amberg, Bezirksamt Neunburg vorm Wald, 587
  11. Adalbert Busl, Oberpfalz, Land der Glasschleifen, Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Nummer 26, Herausgeber Heimatkundlicher Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2023, S. 280
  12. Adalbert Busl, Oberpfalz, Land der Glasschleifen, Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Nummer 26, Herausgeber Heimatkundlicher Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2023, S. 163
  13. Infotafel an der Greinerschleif
  14. Bavaria, Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern, mit einer Uebersichtskarte des diesseitigen Bayerns in 15 Blättern; Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, 1, München, Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1867, S. 725
  15. Einwohnerzahlen Falzhäusl 1871 und 1925 laut Bavarikon
  16. Statistisches Orts-Lexikon des Königreichs Bayern, ein Handbuch für Amts- und Gerichts-, dann Post-, Telegraphen- und Eisenbahn-Verkehr, herausgegeben nach authentischen Quellen und amtlichen Mittheilungen der kgl. Post- und Eisenbahnbehörden, sowie nach Maßgabe der vom 1. Oktober 1879 und 1. Januar 1880 an bestehenden neuen Gerichts- und Amtsbezirke, Ansbach, Brügel, 1880, S. 227
  17. Valentin Grübel, Statistisches Orts-Lexikon des Königreichs Bayern, Ansbach, Brügel, 1883, S. 216
  18. Valentin Grübel, Statistisches Amtshandbuch für den kgl. bayer. Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, Ansbach 1886, S. 190
  19. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Oberviechtach, S. 228
Straßennamen in der Stadt Oberviechtach

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Ehemalige Straßennamen in Oberviechtach: Adolf-Hitler-Straße | Hindenburgstraße

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