Wildeppenried (Oberviechtach)
Koordinaten: 49° 30' 15.48" N, 12° 26' 22.56" E
| Wildeppenried (Oberviechtach) | |
|---|---|
Wildeppenried (2025) | |
| PLZ/Ort: | 92526 Wildeppenried, Stadt Oberviechtach |





Wildeppenried ist ein Gemeindeteil der Stadt Oberviechtach im Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz.
Lage von Wildeppenried
Wildeppenried liegt rund fünf Kilometer nordöstlich von Oberviechtach. Durch den Ort verläuft die von Oberviechtach kommende Kreisstraße SAD 44, die nach Pullenried führt. Bei Wildeppenried entspringt am Fuße des 643 Meter hohen Kasbierls der Goldbach, der nach eineinhalb Kilometern linksseitig in die südlich vorbeifließende Murach mündet[1].
Historische Schreibformen von Wildeppenried
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Bedeutung des Ortsnamens Wildeppenried
Ausgehend vom Grundwort riut (Stück Land, das durch Roden urbar gemacht wurde) und dem althochdeutschen Personennamen Ëppo und dem teilweise verwendeten Zusatz des Siedlungsnames Wildstein bedeutet der Name Wildeppenried (bei Wildstein gelegene) Rodungssiedlung des Ëppe. „Der Siedlungsname kann auch als eine das Mittelglied aussparende Klammerform Wild(stein)eppenried aufgefasst werden“, wie der Kommentar angibt[3].
Aus der Geschichte von Wildeppenried
Wildeppenried als Bestandteil des Gutes Wildstein
Wildeppenried war ursprünglich kein eigenes Landsassengut[4], sondern ein Kirchenlehen, das zur Burg Wildstein gehörte, die den Landgrafen von Leuchtenberg unterstand. Bei einem Kirchenlehen handelte es sich um Land oder Rechte, die der Kirche gehörten, aber nicht direkt von ihr bewirtschaftet wurden, sondern zur Sicherung von Diensten verliehen wurden[5].
Folgende Besitzer sind für Wildeppenried belegt:
- vor 1540: Hanns Ochs
- um 1540 bis 1550: Sigmund von Machwitz
- 1563 und 1566: Hanns Sigmundt vnd Hanns Rudinger Mchbitz zu Eppenriedt als Landsassen eingetragen, 1563 mit dem Vermerk sind in der acht des Reichs
- 1570: Hanns Sigmund von Machwitz
Weitere Eintragungen für Wildeppenried fehlen in den folgenden Registern[6]
Historische Beschreibung von Wildeppenried
Die Beschreibung von Wildeppenried erfolgt aufgrund verschiedener Quellen[7][8].
- 1494: „Eppenriett gelegen vntter dem Wilstain“ 11 Mannschaften, „dj mannschafft der Holzschvher, alle obrnkait meinem gnedigsten herrn (Amt).“
- 1581: „Eppenriedt vntern Wiltstain“ untersteht unmittelbar dem Amt.
- 1622: „Eppenrieth (...) mit 30 manschafften vnd der gleichen (geringe) gütlein.“
- 1630: „Eppenriedt vnndern Wildtstain“ 1 Müller, 6 Güter, 19 Gütl („giedl“), 1 Tafern „so ganz paufelig“, 1 Badstube; 5 Inwohner (davon 1 Bader, 1 Hütmann); Gotteshaus St. Bartholomäus.
- 1774: „Wilteppenriet“
- 1792: „Wildeneppenrieth“
- 1916: Wildeppenried und Wildeppenriedermühle
Wildeppenried hatte 1775 insgesamt 30 Anwesen mit folgender Hoffußgröße: 2 Anwesen je ein 1/2 Hof und 2 Anwesen je 1/3 Hof, 8 Höfe je 1/4 Hof (davon 1 Metzger mit Wirtschafts- und Fleischbankgerechtigkeit), 7 je 1/6 Hof (davon 1 Schreiner, 1 Leinweber), 10 je 1/12 Hof (davon 1 Schuhmacher, 1 Leinweber, 1 Schneider), 2 je 1/32 Hof Hoffuß insgesamt: 5 1/3 1/16 Gemeinde: Hüthaus
Erläuterungen zum besseren Verständnis:
Hofgröße:
- Ganzer Hof (Mayrhof/Meierhof): Das größte Anwesen, ca. 40-90 Tagwerk Land, mit mehreren Pferden und Ochsen
- Halber Hof (Huber/Halbbauer): Etwa die Hälfte eines ganzen Hofes, ca. 30 Tagwerk, mit weniger Pferden und Ochsen
- Viertel-Hof (Lehen/Gütler): Ein Viertel der Größe eines vollen Hofes, ca. 15-20 Tagwerk, mit einem Pferd und einem Ochsen
- Achtel-Hof (Sölde/Söldner): Ein Achtel des vollen Hofes, ca. 5-10 Tagwerk Land, oft ohne Pferd, mit einer oder zwei Kühen
- Kleinere Einheiten: Darunter folgten noch Sechzehntel-Höfe (Leersölde, 1-3 Tagwerk) und Zweiunddreißigstel-Höfe (Häusler, Leerhäusler) ohne oder mit sehr wenig Grundbesitz
Gemein
Die bäuerlichen Wirtschaftsgemeinde nutzt einen Besitz gemeinsam wie das Hüthaus.
Aus der Kirchengeschichte von Wildeppenried
Im Jahre 1398 wird Wildeppenried als Eppenrewt als Seelsorgestelle aufgeführt[9]. Nicht zu belegen ist die Annahme, dass der Pfarrsitz von Pullenried ursprünglich in Wildeppenried lag. Ende des 14. Jahrhunderts war Wildeppenried ein Kirchenlehen, da der Ort zur Burg Wildstein gehörte und diese den Landgrafen von Leuchtenberg unterstand[10]. Das älteste Leuchtenberger Lehenbuch, entstanden 1396/99 nennt Eppenrewt, also Wildepperied, als zu Wildstein gehörig[11].
Die Matrikel der Diözese Regensburg aus dem Jahre 1433 nennt acht Pfarreien, die zum Dekanat Nabburg gehörten. Das waren Eppenreut, also Wildeppenried, Gleiritsch, Niedermurach, Schönsee, Stadlern, Teunz, Weiding und Winklarn. Die jeweiligen Pfarreien hatten einen eigenen Ortspfarrer.
Im Pfarreienverzeichnis von 1438 wird die Seelsorgeeinheit Wildeppenried als verwüstet bezeichnet. Diese ist aber durch einen Plebanus besetzt. Das bedeutet, dass oftmals eine andere Institution oder Person die Rechte an der Pfründe hatte, aber nicht selbst vor Ort tätig war. In diesem Fall wurde ein Plebanus eingesetzt, um die tatsächliche Arbeit des Pfarrers wie Messen lesen, Sakramente spenden, usw. zu verrichten. Nach der Verwüstung durch die Hussiten erfolgte der Anschluss von Wildeppenried an die Pfarrei Teunz. Die Hussiteneinfälle in der Oberpfalz fanden im Rahmen der Hussitenkriege statt, die sich im Zeitraum von 1419 bis ca. 1434 abspielten. Besonders intensiv waren die Überfälle, Plünderungen und Zerstörungen in der Oberpfalz in den Jahren 1420 bis 1433. Ab 1556 mit Einführung der Reformation wurde Wildeppenried eine Filiale der Pfarrei Schönsee. Im Zuge der Gegenrefornmation erfolgte die Betreuung der Gläubigen in Pullenried und Wildeppenried ab 1665 von Oberviechtach aus. Ab 1697 gehörte der Bereich zur Pfarrei Teunz.
1869 brannte das Gotteshaus in Wildeppenried ab[12]. In der Folgezeit entstand ein Neubeu in der heutigen Form.
In den Jahren 1931 kam es in Wildeppenried zum Bau eines Expositurhauses. Am 1. Januar 1932 übernahm der bisherige Kooperator von Pullenried die Seelsorgestelle in Wildeppenried[13]. Die Expositur Wildeppenried ist seit 1972 nicht mehr besetzt. Sie gehört heute zur Pferreiengemeinschaft Pullenried-Oberviechtach (Stand: Januar 2026).
Steuerdistrikte
1808 erfolgte eine Neuordnung des Steuerwesens durch Einteilung in Steuerdistrikte. Einer dieser Distrikte war der Steuerdistrikt Wildeppenried mit den Ortschaften Wildeppenried, Kühried, Wildstein und Höcherlmühle[14]. 1828 erfolgte eine Umbenennung der Steuerdistrikte in Steuergemeinden.
Gemeindebildung
Nach den Gemeindeedikten von 1808 und 1818 wurden Ruralgemeinden (ab 1835 in Landgemeinden umbenannt) eingerichtet, um die Verwaltung auf dem Land zu organisieren. „Rural“ leitet sich vom Lateinischen für „auf dem Lande lebend“ ab. Sie wurden von einem Gemeindevorsteher und einem Gemeindeausschuss (Vorläufer des Gemeinderats) verwaltet.
1818 entstand die Landgerichtliche Ruralgemeinde Wildeppenried ohne weitere zugehörige Orte[15]. Die Familienzahl der Gemeinde Wildeppenried betrug zu diesem Zeitpunkt 38 Familien, wobei mindestens 20 Familien für eine Gemeindebildung nötig waren.
1946 erfolgte eine Vergrößerung der Gemeinde Wildeppenried. Die Gemeinde Pirkhof wurde im gleichen Jahr aufgelöst. Es erfolgte ein Anschluss der Orte Gartenried, Gartenriedermühle, Kotzenhof, Lukahammer und Pirkhof an die Gemeinde Wildeppenried.
Das Landratsamt schlug 1971 vor, aus den bisherigen Gemeinden Langau, Pullenried und Wildeppenried eine neue Gemeinde zu bilden. 1972 beantragten die Orte Gartenried, Lukahammer und Pirkhof die Ausgliederung aus der Gemeinde Wildeppenried. Sie wollten sich der Stadtgemeinde Oberviechtach anschließen, um einen Anschluss an Teunz oder Pullenried zu verhindern. Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Wildeppenried aufgelöst und dem Wunsch der Bürger folgend nach Oberviechtach eingemeindet[16].
Literatur
- Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007678-0
- Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl, Konrad Ackermann, Vom Abrändler zum Zehentgraf, Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung in Bayern, München 2010, 3. Auflage, ISBN 978-3-937200-65-1
- Georg Hager, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, München 1906
- Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, ISBN 978-3-9819712-3-1
Weblinks
- Wildeppenried In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- Matricula online Pullenried mit Wildeppenried
- Luftaufnahmen Wildeppenried
- Luftaufnahmen Oberviechtach und Gemeindeteile
Einzelnachweise
- ↑ Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, S. 90, 91
- ↑ Wildeppenried In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- ↑ Wildeppenried In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 140
- ↑ Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl, Konrad Ackermann, Vom Abrändler zum Zehentgraf, Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung in Bayern, S. 119
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 141
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 148/149
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 81
- ↑ Matricula online Pullenried mit Wildeppenried
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 140
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 43
- ↑ Georg Hager, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, S. 68
- ↑ Matricula online Pullenried mit Wildeppenried
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 204
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 207
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 218
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