Eigelsberg (Oberviechtach)
Eigelsberg ist ein Gemeindeteil der Stadt Oberviechtach im Landkreis Schwandorf.
Lage von Eigelsberg
Eigelsberg liegt einen knappen Kilometer südlich von Oberviechtach auf 590 Meter Höhe. Die Staatsstraße 2398 von Oberviechtach nach Neunburg vorm Wald verläuft mitten durch den Ort[1].
Historische Schreibformen von Eigelsberg
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Bedeutung des Ortsnamens Eigelsberg
Ausgehend vom Grundwort përc, also Berg kommt als Bestimmungswort der mittelhochdeutsche Personenname Īhgēr in Frage. Der Name Eigelsberg bedeutet (Siedlung an/auf dem) Berg des Īhgēr [3].
Aus der Geschichte von Eigelsberg
Erste Nennung
1285 findet sich der Name Ergersperge [4] in einem Verzeichnis, das die Besitzungen Herzog Ludwigs II. von Oberbayern jenseits der Donau [5] auflistet. Als abgabepflichtige Orte finden sich hier neben Vihtach (Oberviechtach), Nvettzenrivt (Nunzenried), Chvnratzrivt (Konatsried) und weiteren Orten auch „Ergersperge“ (Eigelsberg) [6].
Hofmark Eigelsberg
In den Herzogsurbaren aus den Jahren 1285 und 1326 [7] wurde Eigelsberg genannt. Im Jahre 1417 gab Niklas der Paulsdorfer sein Landsassengut Eigelsberg hoff vnd ödt genandt Ergersperg [8] an Wirchart und Birghart von Obermurach weiter. In der Folgezeit, in der von einer Öde zum Eyglsperg in den Schriftstücken berichtet wird, erscheinen folgende Besitzer: Sebastian Bruckner, Nikolaus Herolt, Berthelmes Fischer (1503), Sebastian Teichler (1540). Um das Jahr 1570 errichtet Georg Pülnhofer einen Hof auf Eigelsberg. Als Nachfolger sind belegt: Philipp Pülnhofer (1589), Sebald Stenzing (der Ältere), Sebald Stenzing (der Jüngere). Nachdem Eigelsberg öd, also unbewohnt war und sich in den Händen bürgerlicher Personen befunden hatte [9], setzte Sebald Stenzing bei den Behörden durch, dass Eigelsberg Landsassengut wurde. 1618 kaufte Friedrich von Lentersheim den Besitz, der 1622 an Georg von Rußdorf weiterverkauft wurde. Die Witwe Elisabeth von Rußdorf folgte um 1625 nach. Unter den Auswirkungen verschiedener politischer Ereignisse (Dreißigjähriger Krieg, 1618 - 1648) und religiöser Umbrüche, eingeleitet durch die Reformation, war die Besitzerin zur Emigration gezwungen, da sie ihren Glauben nicht wechseln wollte.
Durch Verkauf gelangte das Gut Eigelsberg an Ludwig Kolb von Raindorf, dem 1624 Ludwig Laminger von Albernreuth folgte. Christoph Andre von Leoprechting ist im Jahre 1668 erwähnt, 1678 sitzt Hanns Albrecht Singer auf Eigelsberg. Ihm folgten die Fernberger.
Das Gut Eigelsberg wurde im Jahre 1694 erweitert. Durch Zukauf von Untertanen aus Dürnersdorf, Murglhof und Oberkonhof konnte es vergrößert werden [10]. Johann Zacharias Fernberger ist 1710 auf Eigelsberg belegt, dem 1726 Georg Niklas von Fernberg folgt. Im Jahre 1728 ist Franz Gaston Paris genannt. Dessen Witwe Helena Maria Eleonora von Paris verkaufte Eigelsberg 1750 an Maria Anna Magdalena von Fernberg, von der es 1782 auf Maria Cordula von Fernberg überging. Diese schloss im Jahre 1785 mit Jakob Vermund von Geyer den Bund der Ehe. 1797 kam es zum Verkauf von Eigelsberg an Anton von Sauer [11].
Patrimonialgericht Eigelsberg
Die Gerichtsrechte in den Hofmarken lagen bei den Adeligen, die in ihrem Lehensgebiet die niedere Gerichtsbarkeit ausübten. Ein Erlass vom 16. August 1812 ordnete das Gerichtsrecht neu. Je nach Gebietsgröße gab es hier verschiedene Gerichtsklassen, auf der unteren Ebene so genannte Patrimonialgerichte. Dabei „durfte kein Untertan mehr als vier Stunden vom Gerichtssitz entfernt wohnen“ [12]. Im Jahre 1848 kam es zur Aufhebung aller Patrimonialgerichte.
Ein Verzeichnis der Patrimonialgerichte des Pflegamts Murach aus dem Jahre 1809 listet neben anderen auf:[13]
Eigelsberg, Inhaber: Jakob von Geyer, 17 Familien in Eigelsberg
Bilder Eigelsberg
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Maibaum (2013)
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Dorfkapelle (2017)
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Spielplatz (2013)
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Eigelsberg, Oberviechtach (2024)
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Eigelsberg (2000)
Steuerdistrikte und Gemeindebildung
Das Königreich Bayern wurde 1808 in 15 Kreise eingeteilt. Diese Kreise nannte man nach französischem Vorbild nach Flüssen (Naabkreis, Regenkreis, Unterdonaukreis, usw.)[14]. Die Kreise gliederten sich in Landgerichtsbezirke. Die Bezirke wiederum wurden in einzelne Gemeindegebiete eingeteilt.
Nach den Gemeindeedikten von 1808 und 1818 wurden Ruralgemeinden (ab 1835 in Landgemeinden umbenannt) eingerichtet, um die Verwaltung auf dem Land zu organisieren. „Rural“ leitet sich vom Lateinischen für „auf dem Lande lebend“ ab. Sie wurden von einem Gemeindevorsteher und einem Gemeindeausschuss (Vorläufer des Gemeinderats) verwaltet.
1818 entstand die Landgerichtliche Ruralgemeinde Eigelsberg mit 20 Familien, wobei die gesetzliche Mindestzahl bei 20 Familien lag und die Gemeindebildung knapp möglich war. Weitere zugehörige Ortschaften werden bei der Ruralgemeinde Eigelsberg nicht aufgeführt[15].
Die Gemeinden Eigelsberg, Hof und Nunzenried wurden 1946 aufgelöst und nach Oberviechtach eingemeindet[16].
Literatur
- Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007678-0
- Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 50: Nabburg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7
- Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, ISBN 978-3-9819712-3-1
- Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Ministerium des Inneren, 30292
- Staatsarchiv Amberg, Amt Murach 21, 24
- Monumenta Boica, Band 36/1, 592
- Volkert Wilhelm, Die älteren bayerischen Herzogsurbare (Blätter für oberdeutsche Namensforschung 7
- Ernst Emmering, Die Regierung der Oberpfalz, Geschichte einer bayerischen Mittelbehörde, Beiträge zur Geschichte und Landeskunde der Oberpfalz, Heft 20, Regensburg 1981
Weblinks
- Eigelsberg In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- Luftaufnahmen Oberviechtach und Gemeindeteile
- Luftaufnahmen von Eigelsberg
- Bilder von Eigelsberg
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6540: Oberviechtach und Eigelsberg
Einzelnachweise
- ↑ Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, S. 52, 53
- ↑ Eigelsberg In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- ↑ Eigelsberg In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
- ↑ Monumenta Boica, Band 36/1, S. 419f
- ↑ Volkert Wilhelm, Die älteren bayerischen Herzogsurbare (Blätter für oberdeutsche Namensforschung 7), S. 22 f
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Oberviechtach, Skizze 4: Wittelsbachischer Besitz Murach (um 1285), S. 32
- ↑ Monumenta Boica, Band 36/1, 592
- ↑ Staatsarchiv Amberg, Amt Murach 21
- ↑ Staatsarchiv Amberg, Amt Murach 21, 24
- ↑ Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Nabburg, S. 131 f.
- ↑ Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Nabburg, S. 395 f.
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Oberviechtach, S. 190
- ↑ Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Ministerium des Inneren, 30292
- ↑ Ernst Emmering, Die Regierung der Oberpfalz, Geschichte einer bayerischen Mittelbehörde, Beiträge zur Geschichte und Landeskunde der Oberpfalz, Heft 20, Regensburg 1981, S. 12 ff.
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 207
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 214
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