Niesaß (Oberviechtach)
Koordinaten: 49° 26' 25.44" N, 12° 24' 55.08" E
| Niesaß | |
|---|---|
Niesaß (2024) | |
| Höhe über dem Meeresspiegel: | 620 m |
| PLZ/Ort: | 92526 Niesaß, Stadt Oberviechtach |
| Höchstgeschwindigkeit: | 50 |
| Belag: | Asphalt |
| Verkehrsbedeutung: | Staatsstraße oder sehr gut ausgebaute Kreisstraße |
| Ortsvorwahl: | 09671 |


Niesaß ist ein Gemeindeteil der Stadt Oberviechtach im Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz.
Lage von Niesaß
Niesaß liegt rund 1,5 Kilometer südlich von Oberviechtach[1] am Fuße des 665 Meter hohen Sattelstein[2]. Durch den Ort führt die von Oberviechtach kommende Kreisstraße SAD 2398, die über Dieterkirchen nach Neunburg vorm Wald führt.
Aus der Geschichte von Niesaß
Vorgeschichtliche Funde
Aus vorgeschichtlicher Zeit sind im Gebiet des ehemaligen Landkreises Oberviechtach bislang weder Überreste fester Bauten noch Grabanlagen bekannt, die auf eine dauerhafte Besiedlung schließen lassen. Funde von Feuerstein (Flint) belegen jedoch, dass sich bereits in dieser frühen Zeit Menschen in der Region aufhielten oder das Gebiet zumindest zeitweise durchstreiften. Entsprechende Fundstellen befinden sich bei Niesaß, Eigelsberg und Johannisberg. Die Fundstücke wurden vom Städtischen Museum Regensburg der Mittelsteinzeit (8000 bis 4000 v. Chr.) zugeordnet[3]. Feuerstein diente in der Steinzeit unter anderem zur Herstellung von Pfeilspitzen und Schabern. Da er im Raum Oberviechtach nicht natürlich vorkommt, muss das Material aus anderen Gebieten stammen. Die nächstgelegenen Feuersteinvorkommen befinden sich im Bodenwöhrer Becken und im Naabtal.[4].
Historische Namensformen
Niesaß – eine historische Ortsbeschreibung von 1494 bis 1774
- 1494: „Nyeses“ 2 Mannschaften zum Amt
- 1581: „Niersaß. Der ortten seint drey mannschafften, die zwo“ zum Amt, „die dritte herrn Johann Bernhardten von Stauff zu Dieterskhirchen zugehörig, alle obrigkheit“ zum Amt.
- 1622: „Niersäß (...) 3 manschafften, 2 hiehero, die dritte dem von Wildenstein zu Dieterskirchen gehörig.“
- 1630: „Niersäss“ 1 Hof, 1 Gütl.
4 Anw.: 3 Anw. Amt Murach: 1/1, 1/2, 1/16. 1 Anw. Landgericht Neunburg vorm Wald, Niedergericht und Grundherrschaft Hofmark Dieterskirchen
Hoffuß insgesamt: 2 ½ 1/16 Gemeinde: Hüthaus. Pfarrei Oberviechtach[12]
Heute würde man den Text so verfassen:
Niesaß im Jahr 1494
Der Ort Niesaß wurde damals unter dem Namen „Nyeses“ erwähnt. Zu dieser Zeit gab es dort zwei sogenannte „Mannschaften“. Damit waren keine Soldaten gemeint, sondern in der Regel bäuerliche Anwesen beziehungsweise deren abgabepflichtige Besitzer. Beide Anwesen gehörten zum Zuständigkeitsbereich des damaligen Amtes.
Niesaß im Jahr 1581
Im Jahr 1581 wurde der Ort als „Niersaß“ bezeichnet. Das Dorf bestand nun aus drei bäuerlichen Anwesen. Zwei davon waren dem Amt zugeordnet. Das dritte gehörte dem Grundherrn Johann Bernhard von Stauff zu Dieterskirchen. Die obrigkeitlichen Rechte über alle drei Anwesen lagen jedoch beim Amt. Das bedeutet: Obwohl eines der Anwesen einem anderen Grundherrn gehörte, unterstanden sämtliche Bewohner in bestimmten rechtlichen und verwaltungsmäßigen Angelegenheiten der landesherrlichen Obrigkeit.
Niesaß im Jahr 1622
Im Jahr 1622 wurde der Ort unter dem Namen „Niersäß“ geführt. Es gab weiterhin drei bäuerliche Anwesen. Zwei gehörten zum Amt, während das dritte einem Angehörigen der Familie von Wildenstein zu Dieterskirchen zugeordnet war. Die Besitz- und Herrschaftsverhältnisse hatten sich somit teilweise verändert, während die Zahl der Anwesen gleich geblieben war.
Niesaß im Jahr 1630
In einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1630 erscheint der Ortsname als „Niersäss“. Genannt werden ein Hof und ein Gütl. Ein Hof bezeichnete einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb. Ein Gütl war dagegen ein kleineres landwirtschaftliches Anwesen, das meist über weniger Grund und Boden verfügte. Diese Angabe belegt zwei aufgeführte Wirtschaftseinheiten. Ob daneben weitere Anwesen bestanden, lässt sich allein aus dieser kurzen Notiz nicht sicher feststellen.
Niesaß um das Jahr 1774
Nach dem Steuer- und Anlagenbuch des Pflegamts Murach gab es in Niesaß vier Anwesen beziehungsweise abgabepflichtige Besitzstellen. Drei davon waren dem Amt Murach zugeordnet. Ihre steuerliche Größe wurde folgendermaßen angegeben:
- Ein ganzes Hofmaß (1/1)
- Ein halbes Hofmaß (1/2)
- Ein Sechzehntel-Hofmaß (1/16)
Das vierte Anwesen war dem Landgericht Neunburg vorm Wald zugeordnet. Die niedere Gerichtsbarkeit und die Grundherrschaft lagen bei der Hofmark Dieterskirchen.
Als Gesamtwert ist im Text ein Hoffuß von 2 ½ 1/16 angegeben. Der Hoffuß war eine historische Bemessungsgröße für die steuerliche Einstufung landwirtschaftlicher Besitzungen. Er ist nicht unmittelbar mit einer bestimmten heutigen Flächengröße gleichzusetzen.
Gemeinschaftliche Einrichtungen
Zur Dorfgemeinde gehörte ein Hüthaus, also ein Gebäude, das vermutlich dem Gemeindehirten als Unterkunft diente. Der Gemeindehirte beaufsichtigte das Vieh der Dorfbewohner, das häufig gemeinsam auf die Weide getrieben wurde.
Erläuterungen zum besseren Verständnis:
Hofgröße:
In früheren Jahrhunderten wurden die Bauernhöfe nach dem sogenannten „Hoffuß“ oder „Hofmaß“ eingeteilt. Diese Einteilung diente vor allem dazu, die Steuern, Abgaben und Arbeitsdienste festzulegen, die ein Hofbesitzer gegenüber der Obrigkeit zu leisten hatte.
Als Maßstab galt ein ganzer Hof (1/1). Daneben gab es halbe Höfe (1/2), Viertelhöfe (1/4), Achtelhöfe (1/8) und noch kleinere Anwesen, beispielsweise Sechzehntelhöfe (1/16).
Dabei handelte es sich nicht um genaue Flächenangaben. Ein halber Hof besaß also nicht unbedingt genau halb so viel Land wie ein ganzer Hof. Entscheidend war die damalige steuerliche Einstufung. Diese konnte auch von den wirtschaftlichen Verhältnissen und den Ertragsmöglichkeiten eines Anwesens abhängen. Vereinfacht gesagt:
Je höher das Hofmaß, desto größer war in der Regel die wirtschaftliche Bedeutung eines Anwesens und desto höher konnten seine Abgaben und Dienstpflichten sein.
Das Hofmaß gibt uns heute somit einen ungefähren Eindruck von der wirtschaftlichen Stellung der einzelnen Bauern und Anwesen innerhalb eines Dorfes.
Kirchliche Zugehörigkeit
Pfarrbezirk Oberviechtach mit Niesaß um 1780
Nach der zwischen 1780 und 1787 von Joseph Heckenstaller verfassten Matrikel der Diözese Regensburg gehörte die Pfarrei Oberviechtach zum Dekanat Nabburg. Zur Pfarrei Oberviechtach gehörten neben dem Pfarrort folgende Ortschaften, Weiler und Einöden[13][14]: Gaisthal (die Hälfte des Dorfes diesseits der Ascha), Obermurach, Hof, Rackenthal, Lind, Pirkhof, Nunzenried (in der Matrikel als „Unzenried“ bezeichnet), Konatsried, Tressenried, Sallach, Altweichelau („Ellenhof“), Schwaighof, Niesaß, Eigelsberg, Schönthan, Oedsteinbachhof, Oberköfermühl, Unterköfermühl (Käfermühle), Knaumühl, Steinmühle, Falz- oder Herzoghöf sowie Hornmühle. Die Aufstellung wurde anhand einer Übersicht über die bestehenden Pfarrverhältnisse des Landgerichts Murach vom Januar 1803 ergänzt. In dieser Quelle werden zusätzlich Altweichelau, Dietersdorf, Forst, Zieglhüthen und Brudersbügerl genannt.
Pfarrbezirk Oberviechtach mit Niesaß 1913
Im Jahre 1913 wurde Niesaß als Teil der Pfarrei Oberviechtach mit neun Häusern und 52 Einwohnern aufgeführt.[15][16]
Steuerdistrikte
Im Jahr 1808 wurde das Steuerwesen durch die Einteilung in Steuerdistrikte neu organisiert. Zu diesen gehörte der Steuerdistrikt Obermurach, der die Ortschaften Altweichelau, Eigelsberg, Knaumühle, Niesaß, Obermurach, Sallach, Schweighof und Steinmühle umfasste.[17] Im Jahr 1828 wurden die Steuerdistrikte in Steuergemeinden umbenannt.
Gemeindebildung
Auf der Grundlage der Gemeindeedikte von 1808 und 1818 wurden zur Organisation der ländlichen Verwaltung sogenannte Ruralgemeinden gebildet, die ab 1835 als Landgemeinden bezeichnet wurden. Der Begriff „rural“ leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet „ländlich“ beziehungsweise „auf dem Land lebend“. Die Verwaltung der Gemeinden oblag einem Gemeindevorsteher und einem Gemeindeausschuss, dem Vorläufer des heutigen Gemeinderats. Voraussetzung für die Bildung einer eigenständigen Gemeinde war eine Mindestzahl von 20 Familien. Die Gemeinde Obermurach umfasste 1820/21 insgesamt 46 Familien, die sich auf die Ortschaften Obermurach (39 Familien), Knaumühle (eine Familie), Niesaß (fünf Familien) und Steinmühle (eine Familie) verteilten.[18]
Die Eingemeindung von Niesaß nach Oberviechtach
Die Gemeinde Obermurach, zu der die Ortsteile Obermurach, Knaumühle, Niesaß und Steinmühle gehörten, verlor am 12. Januar 1946 erstmals ihre Eigenständigkeit. Nach anhaltenden Protesten der Bevölkerung wurde diese Maßnahme rückgängig gemacht, sodass Obermurach am 20. Februar 1948 seine Selbstständigkeit als Gemeinde zurückerlangte. Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Obermurach und damit auch Niesaß am 1. Januar 1972 auf eigenen Wunsch in die Stadt Oberviechtach eingegliedert.[19]
Sehenswürdigkeit
Unter der Nummer D-3-76-151-35 ist der Glockenturm in Niesaß in die Liste des Denkmalschutzes eingetragen. Der holzverschalte Ständerbau mit flachem Pyramidendach und achteckigem Unterbau stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, die Verschalung aus dem Jahre 1915. Der Glockenturm wurde 2007 saniert.
Literatur
- Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007678-0
- Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Heft 39, Vohenstrauss, München 1977
- Der Landkreis Oberviechtach in Vergangenheit und Gegenwart, Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner, Aßling/Obb. und München 1970
- Antonius von Henle (Hrsg.), Matrikel der Diözese Regensburg, Verlag der Kanzlei des Bischöflichen Ordinariates Regensburg, 1916
- Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg (BZAR): Joseph Heckenstaller, Matricula, S. 184, 187, 190, 191, 193, 195, 196, 198, 200
- Staatsarchiv Amberg (StAAm): Pfarrarchiv Murach, Nr. 51 (Aufstellung über die bestehenden Pfarrverhältnisse des Landgerichts Murach, Januar 1803)
- Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, ISBN 978-3-9819712-3-1
- Alois Köppl, Oberviechtach und Oberviechtacher Land, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, Gleiritsch 2026, ISBN 978-3-9819712-5-5
Weblinks
- Luftaufnahmen Niesaß
- Bilder Niesaß
- Luftaufnahmen Oberviechtach und Gemeindeteile
- Niesaß im BayernAtlas
Einzelnachweise
- ↑ Alois Köppl, Oberviechtach und Oberviechtacher Land, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, Gleiritsch 2026, Seite 62
- ↑ Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, S. 54
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 6
- ↑ Elmar Hartl, Spuren der Steinzeit im Landkreis Oberviechtach, Steinzeitfunde als wertvolle Bereicherung des Heimatmuseums, in: Der Landkreis Oberviechtach in Vergangenheit und Gegenwart, Aßling und München 1970, S. 59–60
- ↑ Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Heft 39, Vohenstrauss, S. 51
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 28
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 164
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 71
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 164
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 164
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 164
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 164
- ↑ Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg (BZAR): Joseph Heckenstaller, Matricula, S. 184, 187, 190, 191, 193, 195, 196, 198 und 200
- ↑ Staatsarchiv Amberg (StAAm): Pfarrarchiv Murach, Nr. 51 (Aufstellung über die bestehenden Pfarrverhältnisse des Landgerichts Murach, Januar 1803)
- ↑ Antonius von Henle (Hrsg.), Matrikel der Diözese Regensburg, Verlag der Kanzlei des Bischöflichen Ordinariates Regensburg, 1916, S. 381
- ↑ Matrikel der Diözese Regensburg, abgerufen am 6. November 2026
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 203
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 206
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 214
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