Günzelsried (Oberviechtach)

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Koordinaten: 49° 28' 21.83" N, 12° 25' 43.54" E

Günzelsried (Oberviechtach)
Günzelsried: ungefähre Lage auf einem
Kartenausschnitt aus dem Jahre 1860
PLZ/Ort:Günzelsried, abgegangene Siedlung
im Raum Oberviechtach
Die Daten aus dieser Infobox stammen aus OpenStreetMap. Die Daten sind unter einer offenen Lizenz frei verwendbar und wurden letztmals abgerufen am 2026-02-19T18:24:45+01:00.
Romwegkarte (um 1500)

Die ehemalige Siedlung Günzelsried[1][2] ist eine Wüstung, die im heutigen Gemeindegebiet von Oberviechtach liegt.

Wüstungen im historischen Kontext

Wüstung, auch Ödung, Elende oder abgegangene Siedlung genannt, ist die Bezeichnung für eine aufgegebene Siedlung oder Wirtschaftsfläche, an die nur noch Urkunden, Flurnamen, Bodenfunde, Ruinen oder mündliche Überlieferungen erinnern. Auch Zerstörungen oder Verwüstungen während der Hussiteneinfälle oder des Dreißigjährigen Krieges können eine Ursache für Wüstungen sein. Daher sind auch die Jahreszahlen bei den angegebenen historischen Schreibformen zu beachten.

Die Hussiteneinfälle in die Oberpfalz ereigneten sich hauptsächlich in den 1420er und frühen 1430er Jahren, als Teil der Hussitenkriege (1419-1434), die nach der Verbrennung des Reformators Jan Hus 1415 in Böhmen ausbrachen. Der böhmische Reformator Jan Hus wurde am 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Als Ketzer verurteilt, starb er, weil er sich auf dem Konstanzer Konzil weigerte, seine gegen die Missstände der Kirche wie Ablasshandel und Kritik am Klerus gerichteten Aussagen zu widerrufen. Obwohl ihm freies Geleit zugesichert worden war, kam es zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) hatte verheerende Auswirkungen auf die Oberpfalz. Als Kernland der Kurpfalz und protestantisches Gebiet unter Friedrich V., dem Winterkönig, wurde die Region zum frühen Kriegsschauplatz und erlitt massive Bevölkerungsverluste sowie einen wirtschaftlichen Zusammenbruch.

Lokalisierung der Wüstung Günzelsried

In der Karte der Uraufnahme von 1808‒1864 ist der Flurnamen Günzelsried eingetragen. Daher kann die Wüstung als nordöstlich von Oberviechtach gelegen lokalisiert werden. Die ehemalige Siedlung befand sich rund 500 Meter nördlich des heutigen Industriegebietes Nord.

Aus der Geschichte

Erste Nennung

Im Jahre 1285 taucht der Name Cvntzensrivt [3] in einem Urbar auf. Ein Urbar ist im Mittelalter ein Verzeichnis, das dem Grundherrn zur Auflistung seiner Güter und Rechte diente. Hier wird die Siedlung aus zwei Höfen bestehend beschrieben. In einem Urbar aus dem Jahre 1326 ist von Sluzzelhofen in Gunzerriut die Rede. Da hier von vier Höfen berichtet wird, ist davon auszugehen, dass der früher genannte Ort Sluzzelhofen der gleiche ist wie Gunzerriut [4].

Historische Schreibform

  • um 1285: Cvntzensrivt ... in Gvͦntzensrivt [5]
  • 1326: Gunczersriutt
  • 1532: dey ode gueter zu Gunzesriet

Namenerklärung

Der Siedlungsname besteht aus dem mittelhochdeutschen Grundwort riut, das auf ein Stück Land hindeutet, das durch Roden urbar gemacht wurde. Als Bestimmungswort kommt der Personenname Günzi oder Gunzo hinzu. Der Name des abgegangenen Siedlung Günzelsried bedeutet Rodungssiedlung des Günzi.

Altwege im Raum Oberviechtach und Günzelsried

Hauptartikel: Altstraßen im Bereich der TK 25 6540 Oberviechtach

Der frühere Altlandkreis Oberviechtach lag abseits der alten Fernhandelswege, die die Städte Regensburg und Nürnberg mit Böhmen verbanden. Allerdings durchlief den Raum die von Nord- bzw. Ostsee kommende Pilgerstraße, die Rom zum Ziel hatte und die in der sogenannten „Romweg-Karte“ des Nürnberger Humanisten Erhard Etzlaub aus dem Jahre 1500 kartographisch erfasst ist[6].

Zwei Altwege mit dem Ziel Böhmen durchzogen allerdings den Raum: Eine Trasse führte von Amberg über Nabburg in West-Ost-Richtung von Weidenthal über Trichenricht, Maximilianshof, Spatzenmühle bei Teunz, weiter nördlich an Günzelsried vorbei nach Eisberg, Schwand und weiter über Schönsee, Dietersdorf und den Reichenstein zur böhmischen Grenze. Ziel war nach Dollacker Bischofteinitz. Diese Trasse wurde im Volksmund auch „Sautreibergasse“ oder „Saustraß“ genannt.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Günzelsried In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz, abgerufen am 19. Februar 2026
  2. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Oberviechtach, S. 31
  3. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Oberviechtach, S. 35
  4. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Oberviechtach, S. 35
  5. Günzelsried In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz, abgerufen am 19. Februar 2026
  6. Romwegkarte aus dem Jahre 1500
Straßennamen in der Stadt Oberviechtach

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Ehemalige Straßennamen in Oberviechtach: Adolf-Hitler-Straße | Hindenburgstraße

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