Pullenried (Oberviechtach)
Koordinaten: 49° 30' 58.68" N, 12° 27' 28.08" E
| Pullenried (Oberviechtach) | |
|---|---|
Pullenried (2024) | |
| PLZ/Ort: | 92526 Pullenried, Stadt Oberviechtach |







Pullenried ist ein Gemeindeteil der Stadt Oberviechtach im Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz.
Lage von Pullenried
Pullenried liegt rund sieben Kilometer nordöstlich von Oberviechtach. Durch den Ort verläuft die Staatsstraße 2160, die vom Bahnhof Lind kommend über Pirkhof, Plechhammer nach Pullenried und von da aus weiter nach Moosbach führt. Der südlich von Pullenried entspringende Weißbach mündet in die Murach, während der nördlich des Ortes entspringende Tröbesbach bei Burgtreswitz in die Pfreimd mündet[1].
Historische Schreibformen von Pullenried
Aus der Geschichte von Pullenried
Pullenried als Bestandteil der Mark Nabburg
Unter König Heinrich III. entstand um 1040 die Mark Nabburg. Dieser schenkte im Jahr 1040 ein Gut in Pillungesriut in pago Norgouue in comitatu Ottonis comitis et in marca que vocatur Nabburg situm an einen gewissen Hezilo[14]. Der Ortsname Pillungesriut wird in der Regel mit Pullenried bei Oberviechtach in Verbindung gebracht. Allerdings handelt es sich bei der Urkunde um eine Fälschung Ende des 11. oder Anfang des 12. Jahrhunderts, so dass nicht mit Sicherheit von einer ersten korrekten Nennung Pullenrieds ausgegangen werden kann[15].
Die Hofmark Pullenried
Sicher belegt ist im Jahre 1285 villa Puelnrivt als Ort, der dem Amt Waidhaus zugehörig war[16]. Das Adelsgeschlecht der Pullenreuther auf Pullenried läßt sich laut Plaß von 1166 bis 1506 belegen[17].
Folgende Hofmarksherrn bzw. Familien sind für Pullenried belegt[18]:
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Historische Beschreibung von Pullenried
Die Beschreibung von Pullenried erfolgt aufgrund verschiedener Quellen[19][20].
- Um 1285: Puelnrivt (villa) im Amt Waidhaus (in officio Weidhusen)
- 1581: Pulnrieth. Ist mit allen mannschafften diser zeit Christoffen vonn Gleissenthal zugehörig. Nota haben sich gemelter Gleissenthaler vnd seine brüder der ortten hoffmarcknsgerechtigkheit, item einer preustatt vnnd fleischbenckh anmassen wollen, wirdt inen vom ambt vnnd marckht Vichtach nit verstauet, sonder mit einreissung vnd Zerschlagung des preugeschirrs darwider gehanndlet worden.
- 1606: Hofmark: 29 Mannschaften
- 1622: Pulnrieth. Ein hoffmarckh (...) mit 29 mannschafften vnd 2 kleine mühln, eine die Hamermühl, die ander im Weißbach genant, gehört Hannß Neidhardten von Gleißenthal daselbst.
- 1630: Hofmark Pullenriedt; Besitzer (wie 1622) emigriert. 14 Söldengütl, 3 kleine Söldengütl, 3 Sölden, 1 kleine Sölde, 1 kleines Söldenhäusl, 1 Schmiedstatt, 1 Täfern, 1 Mühle am Weißpach; 1 Hüter. Gleißenthal besitzt als Grundherr: 1 ödes Gut, 1 ödes Gütel, Gründe eines Gutes, Gründe der eingefallenen Mühle (Emigrant), zuvor die Hammermühl genannt
- 1774: Pullnrieth
- 1810: Puhlenrieth
Im Jahre 1775 hatte Pullenried insgesamt 35 Anwesen mit folgender Hoffußgröße:
- Niedergericht und Grundherrschaft Hofmark Pullenried: 3/16
- 7 je 1/8 (davon 1 Wirtshaus mit Bäcker- und Fleischhackergerechtigkeit, 1 Mühle Honnamihler / später Hannamühle)
- 12 je 1/16 (davon 1 Weber, 1 Schneider)
- 5 je 1/32 (davon 1 Schmied, 1 Müller/Weißbachmüller)
- 10 je 1/64 (davon 1 Leinweber, 1 Bader, 1 Weber)
Erläuterungen zum besseren Verständnis:
Hofgröße:
- Ganzer Hof (Mayrhof/Meierhof): Das größte Anwesen, ca. 40-90 Tagwerk Land, mit mehreren Pferden und Ochsen
- Halber Hof (Huber/Halbbauer): Etwa die Hälfte eines ganzen Hofes, ca. 30 Tagwerk, mit weniger Pferden und Ochsen
- Viertel-Hof (Lehen/Gütler): Ein Viertel der Größe eines vollen Hofes, ca. 15-20 Tagwerk, mit einem Pferd und einem Ochsen
- Achtel-Hof (Sölde/Söldner): Ein Achtel des vollen Hofes, ca. 5-10 Tagwerk Land, oft ohne Pferd, mit einer oder zwei Kühen
- Kleinere Einheiten: Darunter folgten noch Sechzehntel-Höfe (Leersölde, 1-3 Tagwerk) und Zweiunddreißigstel-Höfe (Häusler, Leerhäusler) ohne oder mit sehr wenig Grundbesitz
Aus der Kirchengeschichte von Pullenried
Im Jahre 1398 wird Wildeppenried als Eppenrewt als Seelsorgestelle aufgeführt[21]. Nicht zu belegen ist die Annahme, dass der Pfarrsitz von Pullenried ursprünglich in Wildeppenried lag. Im Pfarreienverzeichnis von 1438 werden die Seelsorgeeinheiten Polnrewt (Pullenried) und Eppenrewt (Wildeppenried) als verwüstet bezeichnet. Diese sind aber durch einen Plebanus besetzt. Das bedeutet, dass oftmals eine andere Institution oder Person die Rechte an der Pfründe hatte, aber nicht selbst vor Ort tätig war. In diesem Fall wurde ein Plebanus eingesetzt, um die tatsächliche Arbeit des Pfarrers wie Messen lesen, Sakramente spenden, usw. zu verrichten. Nach der Verwüstung durch die Hussiten erfolgte der Anschluss von Wildeppenried an die Pfarrei Teunz. Die Hussiteneinfälle in der Oberpfalz fanden im Rahmen der Hussitenkriege statt, die sich im Zeitraum von 1419 bis ca. 1434 abspielten. Besonders intensiv waren die Überfälle, Plünderungen und Zerstörungen in der Oberpfalz in den Jahren 1420 bis 1433. Ab 1556 mit Einführung der Reformation wurden Pullenried und Wildeppenried Filialen der Pfarrei Schönsee. Im Zuge der Gegenrefornmation erfolgte die Betreuung der Gläubigen in Pullenried und Wildeppenried ab 1665 von Oberviechtach aus.
Pfarrei Pullenried um 1780
Joseph Heckenstaller verfasste in den Jahren 1780 bis 1787 eine Matrikel, also ein Verzeichnis von Pfarreien, die den einzelnen Dekanaten zugeordnet sind. Die Pfarrei Pullenried war dem Dekanat Nabburg zugeordnet und umfasste folgende Ortschaften:
- Pullenried mit Plechhammer, Neumühle, Unterlangau, Mitterlangau, Oberlangau, Stangenberg, Pirk und Haslöd (Haslöd ist nicht lokalisierbar).
- Filialkirchen Wildeppenried mit Wildstein, Kühried, Gartenried, Kotzenhof und Lukahammer. Im Jahre 1803 kam die Höcherlmühle dazu[22].
Pfarreiengemeinschaft Pullenried-Oberviechtach
Am 1. Januar 1932 übernahm der bisherige Kooperator von Pullenried die Seelsorgestelle in Wildeppenried[23]. Heute existiert die Pfarreiengemeinschaft Pullenried-Oberviechtach (Stand: Januar 2026).
Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele
- Kirche St. Vitus
- Biergarten beim ehemaligen Hofmarksgebäude
- Das "Grüne Gut" in Fritzenhäusl
Steuerdistrikte
1808 erfolgte eine Neuordnung des Steuerwesens durch Einteilung in Steuerdistrikte. Einer dieser Distrikte war der Steuerdistrikt Pullenried mit den Ortschaften Pullenried, Pirk, Unterlangau, Hannamühle und Stangenberg[24]. 1828 erfolgte eine Umbenennung der Steuerdistrikte in Steuergemeinden.
Gemeindebildung
Nach den Gemeindeedikten von 1808 und 1818 wurden Ruralgemeinden (ab 1835 in Landgemeinden umbenannt) eingerichtet, um die Verwaltung auf dem Land zu organisieren. „Rural“ leitet sich vom Lateinischen für „auf dem Lande lebend“ ab. Sie wurden von einem Gemeindevorsteher und einem Gemeindeausschuss (Vorläufer des Gemeinderats) verwaltet.
1818 entstand die Landgerichtliche Ruralgemeinde Pullenried mit den Ortschaften Pullenried, Hannamühle, Neumühle, Plechhammer und Weißbach[25]. Die Familienzahl der Gemeinde Wildeppenried betrug zu diesem Zeitpunkt 47 Familien, wobei mindestens 20 Familien für eine Gemeindebildung nötig waren.
Das Landratsamt schlug 1971 vor, aus den bisherigen Gemeinden Langau, Pullenried und Wildeppenried eine neue Gemeinde zu bilden. 1972 beantragten die Orte Gartenried, Lukahammer und Pirkhof die Ausgliederung aus der Gemeinde Wildeppenried. Sie wollten sich der Stadtgemeinde Oberviechtach anschließen, um einen Anschluss an Teunz oder Pullenried zu verhindern. Am 1. Juli 1972 erfolgte die Eingemeindung nach Oberviechtach. Die Regierung der Oberpfalz wollte diesem Zusammenschluss allerdings nicht zustimmen, weil Pullenried im Nahbereich von Schönsee liegt. Nach Protesten der Bevölkerung gegen eine Zwangseingemeindung von Pullenried nach Schönsee blieb es beim Anschluss an die Stadtgemeinde Oberviechtach[26].
Literatur
- Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007678-0
- Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl, Konrad Ackermann, Vom Abrändler zum Zehentgraf, Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung in Bayern, München 2010, 3. Auflage, ISBN 978-3-937200-65-1
- Joseph Plaß, Der oberpfälzische Adel, Donauwörth 1880
- Georg Hager, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, München 1906
- Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, ISBN 978-3-9819712-3-1
Weblinks
- Matricula online Pullenried mit Wildeppenried
- Luftaufnahmen Oberviechtach und Gemeindeteile
- Luftaufnahmen Pullenried
- Bilder St. Vitus Pullenried
- Bilder Pullenried
Einzelnachweise
- ↑ Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, S. 100-102
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 16/17
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 36
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 124
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 124
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 124
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 124
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 74
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 125
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 170
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 170
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 170
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 170
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 16
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 17
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 123
- ↑ Joseph Plaß, Der oberpfälzische Adel, Donauwörth 1880, S, 162
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 124
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 148/149
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 170
- ↑ Matricula online Pullenried mit Wildeppenried
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 65
- ↑ Matricula online Pullenried mit Wildeppenried
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 203
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 215
- ↑ Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 215
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