Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 21

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Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 21
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 21
92421 Schwandorf
Aussehen um 1960

Ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Haus mit zahlreichen späteren Umbauten

Geschichte

Der älteste bekannte Eigentümer ist 1681 Leonhard Dobmeier. Geboren als jüngerer Sohn des Müllers von Schwandorf konnte er die Mühle nicht erben. Daher übte Leonhard hier das Schusterhandwerk aus. Verheiratet war er mit Barbara, eine Tochter des Bäckers Georg Weiß. Leonhard wird 1697 in den Kirchenrechnungen bereits als neben dem Regensburger Tor bezeugt.

1736 kaufte Johann Pirzer, der Sohn des Wirts von Holzhaus, das Anwesen. Er übte hier das Zimmererhandwerk aus und brachte es zum Magister. Drei weitere Generationen seiner Nachkommen sollten ebenfalls das Handwerk hier betreiben.

Dann, 1835, erwarb Johann Baptist Keck, ein Sohn aus der Stegmühle zu Klardorf, das Anwesen. Er brachte das Bäckerhandwerk ins Haus. Kaum ein halbes Jahr später verkauft dieser jedoch das Objekt an den Anton Kleindienst, einen Bäckersohn vom Markplatz. Da der Kaufpreis inzwischen extrem gestiegen war, kann man annehmen, dass zwischenzeitlich ein Backofen eingebaut wurde.

13 Jahre später kauft der Bäcker Benno Schaumberger das Anwesen. Seine Geschäfte liefen offenbar sehr gut, denn er konnte den zum Haus gehörenden Grundbesitz deutlich mehren. Jakob, seinem Sohn und Rechtsnachfolger war allerdings kein langes Leben beschieden. So kam durch Eheschließung der Witwe der Name Bierler aufs Haus. Am Ende erbten 1930 zwei Söhne, beide Priester, den Besitz. Fortan wurde das Gebäude vermietet. Die beiden Patres verkauften 1954 das Haus an eine aus Pfreimd stammende Kauffrau. Auch sie nutzte das Gebäude nicht selbst.

1991 erwarb die jetzige Eigentümerfamilie das Anwesen, ebenfalls als Mietobjekt.

Architektur

Der Bauplatz liegt im Einzugsbereich der Stadtmauer. Aus wehrtechnischen Gründen musste zwischen Mauer und Bebauung ein Abstand sein. Erst Ende des 17. Jahrhunderts, als die Stadtmauer ihren Verteidigungszweck verloren hatte, durfte die Fläche bebaut werden.

Es ist daher nicht auszuschließen, daß der älteste bekannte Eigentümer auch der Bauherr ist. Der Besitz ist zur Straße hin nur sieben Meter breit. Allerdings nach Westen verbreitert sich das Grundstück. Die westliche Außenmauer des Hauses und des anschließenden Nebengebäudes ist die ehemalige Stadtmauer. Nach Auskunft des derzeitigen Eigentümers sind die Schießscharten im Mauerwerk im Obergeschoß noch erkennbar. Die Liegenschaft hat keine weitere Zufahrt.

In der Steuerbeschreibung von 1727 wird lediglich das Wohnhaus genannt. Ein Stadl oder Stall war offenbar noch nicht existent. Dies änderte sich bis 1804, jetzt erscheint ein Stall und eine Schupfe und dazu die Zimmermeistergerchtigkeit. Diese Gerechtsame wurde innerhalt der Stadt nur einmal vergeben und weist somit auf die Bedeutung der Familie hin.

Der Vermessungsplan 1829 zeigt eine vollständige Überbauung zur Friedrich-Ebert-Straße. Entlang der Stadtmauer stand der Stadl, welcher später als Nebengebäude bezeichnet wird. Im Bauplan von 1908 sind innenliegende Fenster eingezeichnet, was auf einen Flez mit Durchfahrt in den Hof hinweist. Das Gebäude könnte einst um den Flex erweitert worden sein.

Im Liquidationsprotokoll von 1839 erscheint anstelle der Gerechtigkeit nun ein Backofen. Man liest: „Wohnhaus mit Keller und Backofen unter einem Dache dazu ein Stall und Hofraum.“ Der Backofen wurde wohl kurz vorher, 1835, eingebaut. Das Gebäude wird als Torbäckerhaus bezeichnet. Der Schriftzug „zum Torbäck“ war noch bis 1959 an der Fassade zu lesen.

1836 konnte der Eigentümer den Hofraum vom Nachbarn, Anwesen 17, erwerben. Im Gegenzug musste er jedoch die Grenzbebauung dulden einschließlich der in der Mauer befindlichen Fenster. Ein Zustand, der nach heutiger geltender Bayerischer Bauordnung nicht zu genehmigen wäre.

Im Jahre 1885 fand offenbar ein Umbau statt, der nur beiläufig erwähnt wird. Dabei erhielt das Gebäude im wesentlichen die heutige Fassade mit dem geschwungenen Giebel zur Friedrich-Ebert-Straße.

Für 1908 liegt ein Bauplan zu einem weiteren Umbau vor. Darin wird die Backstube ausgebaut und diese erhielt zudem eine Speis. Im Plan ist auch ein Bäckerladen eingezeichnet der wohl auf das Jahr 1885 zurück geht. Der Laden liegt im Bereich der heutigen Eingangspassage, dem ehemaligen Flez. Was für die damalige Zeit bautypisch war. Der weitaus größere, nebenan liegende Raum wird als Gaststube bezeichnet. Die jeweiligen Eigentümer des Hauses zählen zu den Gründungsmitgliedern der Communbraugesellschaft und waren bis zu deren Auflösung, 1935, mit dabei.

Schon 1912 legt man erneut ein Bauplan zum Umbau der Backstube vor. Das gesamte Erdgeschoß des Nebengebäudes wird für die Produktion umgebaut. Die neue Backstube erhält eine Mehlkammer, ein Lager und einen Gärraum. Ein neuer Backofen samt Kamin runden den Umbau ab. Erstmals sind im Hofraum Toilettenanlagen und ein Pissoir für die Gaststätte eingezeichnet. Alles ist an den öffentlichen Kanal angeschlossen.

In den fast 25 Jahren in denen das Gebäude im Besitz der Erbengemeinschaft, bestehend aus zwei Patres, bestand, fanden keine bedeutenden Renovierungen statt. Mit der Folge, daß sich das Gebäude vom Standard modernen Wohnens immer weiter entfernte. Die Wohnungsmieter verließen das Haus und es konnten keine Nachfolger gefunden werden. Ein Zustand, der bis heute andauert.

Zwar hat die neue Eigentümerfamilie das Erdgeschoß renoviert und eine Schaufensterpassage für den Eigenbedarf eingebaut, aber Maßnahmen um das Gebäude in das neue Jahrhundert zu führen sind ausgeblieben.

Persönlichkeiten

  • Johann Pirzer (geb. 5. Oktober 1710, gest. 30. Mai 1773) geboren in Krondorf, Gastwirtssohn von Holzhaus, Zimmermeister hier
  • Johann Baptist Schaumberger (geb. 14. Dezember 1849, gest. 1908 in Brasilien) 1885 Wallfahrtspriester zum Heiligen Blut in Niederachdorf Pfarrei Pondorf, von 1894 bis 1898 Wallfahrtsinspektor
  • Dr. Johann Baptist Schaumberger (geb. 23. September 1885, gest. 27. August 1955) Redemptoristenpater Clemens in Gars am Inn, war ein deutscher Altorientalist und Wissenschaftshistoriker speziell der babylonischen Astronomie
  • Jacob Thomas Schaumberger (geb. 23. Juli 1887) katholischer Priester und Autor marianischer Schriften, Redemptoristen Pater, in München, dann von 2. März 1936 bis 1. Juni 1941 im Kloster Bickesheim, Gemeinde Durmersheim (Landkreis Rastatt, Baden-Württemberg). Er war ein bedeutender Angehöriger des Ordens der Redemptoristen.

Einzelnachweise