Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 19
| Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 19 | |
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| Adresse: | Friedrich-Ebert-Straße 19 92421 Schwandorf |
Ein 1983 von Grund auf neu erbautes Haus.
Geschichte
Der älteste bekannte Eigentümer ist 1682 der Schneider Adam Pürner auch Püner auch Piner. Als 1701 dessen Vater starb wurde er als Schneider am Regensburger Tor bezeichnet. Adam war dreimal verheiratet, die dritte Ehefrau und spätere Witwe vermachte das Haus ihrem Neffen Georg Pesserl.
Da Georgs Ehe kinderlos geblieben war, konnte 1730 der Kaminkehrer Sebastian Mayer das Anwesen kaufen. Bis 1830 blieben seine Nachkommen auf dem Haus, auch wenn sich durch weibliche Erbfolge der Familienname in Einweg und Herrmann änderte.
Der Zeugmacher Xaver Luschner vom Marktplatz tauschte 1830 den Besitz mit Ludwig Herrmann. Luschner blieb bis 1847; nach dem Tod der Ehefrau verkaufte das Haus und ging als Mesner ins Bürgerspital.
Neuer Eigentümer wurde der Maler Clemens Letsch, dessen Vorfahren sich bis 1734 in Schwandorf zurück verfolgen lassen. 1862 kam durch Eheschließung der Name Bachl aufs Haus. Das Gebäude wurde offenbar zu klein, denn Anton Bachl siedelte 1896 in das Anwesen Bahnhofstraße 18 um.
Der Schneider Martin Kimmerl, geboren in Immenreuth, ergriff die Gelegenheit zum Kauf. Auch wenn die Familie schon seit 1951 kein Textilgeschäft mehr hier betrieb, behielt sie bis 1977 das Anwesen in Besitz. Dann wurde es an die jetzige Familie verkauft.
Architektur
Der Bauplatz liegt im Einzugsbereich der Stadtmauer. Aus wehrtechnischen Gründen musste zwischen Mauer und Bebauung ein Abstand sein. Erst Ende des 17. Jahrhunderts, als die Stadtmauer ihren Verteidigungszweck verloren hatte, durfte die Fläche bebaut werden.
Es ist daher nicht auszuschließen, daß der älteste bekannte Eigentümer auch der Bauherr ist. Das Grundstück ist zur Straße hin nur fünf Meter breit. Zwischen den Anwesen 17 und 19 befand sich eine Reiche. Die nutzbare Fläche war daher ursprünglich noch geringer.
Das Grundstück hatte von Norden her keine Zufahrt. In der Steuerbeschreibung von 1727 zählen zum Anwesen ein Stadl und ein kleiner Stall. Beides mußte von der Friedrich-Ebert-Straße aus bewirtschaftet werden. Inzwischen änderte sich die Nutzung. Der Stall wurde in das Gebäude integriert und aus dem Stadl wurde eine Freifläche, bis 1836 der Eigentümer seinen nunmehrigen Hofraum an den Nachbarn Friedrich-Ebert-Straße 21 verkaufte.
1883 wird von einem Neubau berichtet. Dabei überbaute man die Reiche im Gebäudebereich. Das neue Haus hatte ein Erd- und ein Obergeschoß und das Satteldach wurde wohl gedreht, so daß sich die Traufseite nun zur Straße hin befand. Bereits 1887 standen wieder die Bauarbeiter vor der Tür. Nun gestaltete man das Rückgebäude um. Im Erdgeschoß befand sich die Werkstätte des Hausherren, im neuen Obergeschoß entstanden zwei Wohnräume. Die Fenster des Rückgebäudes gingen in den Hofraum des Hauses 21. Dabei berief man sich wohl auf eine Vereinbarung aus dem Jahre 1836. Zwischen Haupt- und Nebengebäude befand sich das Treppenhaus, das beide Gebäudeteile erschloß. Das Satteldach des Nebengebäudes hatte seine Traufseiten zur verbliebenen Reiche und in den Hofraum des Hauses 21.
Im Jahre 1904 beantragte der Eigentümer eine Gebäudeerweiterung und eine Fassadenänderung. Das Gebäude steht etwa einen Meter vor dem Anwesen 17. Durch die Überbauung der Reiche 1883 entstand eine Ecke mit einem kleinen Fenster. Diese weniger als einen Quadratmeter große Fläche sollte überbaut werden. Die Stadt hat den Bauplan abgelehnt und so besteht diese Fassadenform bis heute.
1909 wurde dem Mangel einer Außenfläche abgeholfen. Im Bereich des Treppenhauses erhielt das Gebäude eine Dachveranda. Die Belichtung des Treppenhauses erfolgt nun über eine Glasoberlichte.
Bis 1983 fanden keine nach außen hin sichtbaren wesentlichen Veränderungen im Gebäudebestand mehr statt. Dann erfolgte ein vollständiger Abbruch und Neubau gemeinsam mit dem Anwesen 17. Die oben beschriebene Ecke wurde beibehalten. Der Neubau verfügt über ein Erdgeschoß und drei Obergeschosse. Die Fassade dominiert ein gläserner über zwei Stockwerke gehender Erker, der im 3. Obergeschoß mit einer kleinen Terrasse endet. Das Gebäude steht mit allen Außenmauern auf der Grundstücksgrenze und hatte keine Fenster mehr zu den Nachbargrundstücken. Durch eine Rechtsänderung wurden inzwischen Fenster und ein Balkon an der rückwärtigen Hausseite eingebaut.
Persönlichkeiten
- Franz Xaver Luschner (geb. 4. Dezember 1796, gest. 27. April 1866) Zeugmacher, Spitalmesner bis 1866
- Anton Bachl (geb. 30. September 1834, gest. 29. August 1912), Maler; er hat 1890 bei den Erneuerungs- und Erweiterungsarbeiten beim Kloster und der Kirche auf dem Kreuzberg mitgearbeitet. Das Stadtmuseum verwahrt ein Brustbild eines jungen Mannes im schwarzen Rock, weißem Hemd und rot-blau-gelber Fliege. Es ist ein Gemälde von Anton Bachl, seinen Sohn Franz Xaver (geb. 14. Februar 1876, gest. 7. Mai 1893) darstellend, der im Priesterseminar verstorben ist.
- Martin Kimmerl (geb. 13. Februar 1871, gest. 30. Oktober 1930) Schneidermeister, Mitglied des Stadtrates ab 1909 bis mindestens 1924; 16. Dezember 1918 Gründungsmitglied der Bayerischen Volkspartei Ortsgruppe Schwandorf und deren Kassier.
Einzelnachweise
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