Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 4

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Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 4
Datei:Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 4.jpg
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 4
92421 Schwandorf
Aussehen vor 1900

Ein aus dem späten 16. Jahrhundert oder frühen 17. Jahrhundert stammendes Gebäude, mit einem Dach aus dem 18. Jahrhundert.

Geschichte

Die ältesten bekannten Eigentümer sind der aus Tännesberg stammende Zimmermann Hans Reinboth und dessen Gattin Margarethe eine geborene Pachner, eine Zimmermannstochter, die hier 1675 die Ehe geschlossen haben. Da der Name Pachner in älteren Kirchenbücher nicht vorkommt, haben die Ehegatten oder schon Margarethes Vater Stephan das Haus erworben.

Der Enkel Christian Reinboth verkaufte 1745 das Anwesen an den Schleifer Wolfgang Glöckl. Die Weißbierbrauers- und Hufschmidtochter Maria Anna Holzbogen hatte ihn aus der Ferne als ihren Ehemann mitgebracht.

Deren Schwiegersohn, der Färber Michael Spitzl, vertauschte das Anwesen dann mit seinem gleichnamigen Vater, und zog in die Breite Straße 23.

1797 nutzte der Nachbar Friedrich Walz die Gelegenheit zum Kauf, dieses deutlich größeren Anwesens. Anfänglich konnte Friedrich den Besitz noch mehren, doch es kam zu einem traurigen Ende. Keines seiner acht Kinder aus zwei Ehen ist den Windeln entwachsen. Es folgte 1829 die Nachlaßversteigerung.

Neuer Eigentümer wurde der Händler Peter Buchner. Bei ihm mangelte es an einer konkreten Erbregelung. Erben wurden drei überlebende Kinder von sieben aus der ersten Ehe. Die Witwe und die sechs Kinder aus zweiter Ehe gingen leer aus.

Entschlossen nahm die Witwe die Sache in die Hand, kaufte von den Stiefkindern das Haus und übergab es zweier ihrer Töchter. Die Geschwister einigten sich und letztlich bekam das jüngste aller Kinder das Haus. Anna Buchner heiratete 1848 den Schneidermeister Peter Schuierer.

Deren Nachkommen blieben bis 1993 auf dem Haus. Erneut kam es zu einer unglücklichen Erbregelung in der Vor- und Nacherben und Vorkaufsrechte bestimmt wurden. Doch das Leben ging einen anderen Weg.

1998 kaufte ein Investor das Anwesen und bereits 1999 [1] konnte der Öffentlichkeit ein Sanierungskonzept vorgestellt werden. Seit 2001 steht das Gebäude nun leer und hofft auf die Verwirklichung der Pläne.

Architektur

Das Grundstück hat von Nord nach Süd ein starkes Gefälle von rund 6 %. Das Gebäude wurde um 1600 erbaut und erhielt im 18. Jahrhundert ein neues Dach. Für das Dach zeichnet wohl die Familie Reinboth verantwortlich, da sowohl Vater als auch später der Sohn als „faber ling magister“ – Zimmermeister bezeichnet wurden. Eine Formulierung, die in den Pfarrmatrikeln eher selten verwendet worden ist und eine besondere Stellung in der Zunft darstellt.

1865 schreibt Joseph Pesserl: … ein anderes durch Raum oder Alter hervortretendes Privathaus ist das Walzenhaus in der Regensburger Gasse…

Der 1892 vorgelegte Bauplan zeigt noch die Spuren der alten Bausubstanz. An der Nord-Ost-Ecke des Hauses befindet sich ein gewölbter Hauskeller. Im Erdgeschoß befand sich in der Mitte ein breiter Flez, der eine Durchfahrt ermöglichte. Von hier aus war ein Zugang zum Keller und zu einer gewölbten Küche. Mit dem neuen Dach erhielt das Gebäude auch einen östlichen Anbau. Dabei verlegte man die Küche in den Anbau und im Flez entstand ein Treppenhaus. Spätestens jetzt war eine Durchfahrt nicht mehr möglich. Um 1886 verschob man eine Mauer im Erdgeschoß. Die Hälfte vom Flur wurde einem Raum zugeschlagen, der nun als Ladengeschäft genutzt wurde.

Schon sechs Jahre später wurde erneut ein Bauplan vorgelegt, mit dem der Kaufladen eine weitere Vergrößerung erhielt. Der Zugang zu den Wohnräumen erfolgt nun ausschließlich über den Hofraum. Einher ging eine Neugestaltung der Fassade, die in den Grundzügen noch heute so besteht.

1889 mußte im Anbau ein neuer Kamin aufgezogen werden. Dabei baute man im Obergeschoß ein Badezimmer ein. Ein absoluter Luxus für die damalige Zeit.

1934 erhielt das Erdgeschoß auch Schaufenster in der Neubäckergasse.

Zum Anwesen gehörten ein Stadl und ein Stall. Christoph Reinboth verkaufte einen Teil des Stadels, so entstand das Gebäude Neubäckergasse 4. Die Familie Schuierer kauft 1889 das Haus als Austragshaus wieder zurück. In den 1950er Jahren veräußerte man das Haus erneut, aber inzwischen haben beide Gebäude es wieder den selben Eigentümer.

Das Gebäude wird seit dem 18. Jahrhundert von einem Walmdach bedeckt. Wobei der damals ausgeführte Anbau ein Satteldach trägt mit einem Giebel nach Süden hin. Nach Norden läuft das Satteldach in das Walmdach aus und nimmt dessen Neigung und Höhe auf.

Kunst am Bau

Maria Immaculata

Bereits auf den ältesten Darstellungen des Hauses befindet sich im 1. Obergeschoß der Fassade zur Friedrich-Ebert-Straße hin eine Mauernische. Darin stand die hölzerne Figur Maria Immaculata. Da die Skulptur im Laufe der Zeit durch die Witterung gelitten hat wurde sie in das Gebäudeinnere versetzt und bis 1998 nur noch am Fronleichnamstag am Fenster gezeigt.

Persönlichkeiten

  • Hans Reinboth (geb. 1641, gest. 11. August 1715) Zimmermeister
  • Andreas Reinboth (geb. 9. Juni 1686, gest. 21. April 1750) Zimmermeister
  • Wolfgang Glöckl (geb. 1705, gest. 4. Dezember 1777) Schleifer, Senator von 1760 bis 1777
  • Johann Baptist Wittmann (geb. 15. Juli 1881, gest. 4. März 1966) Rechtsanwalt, Verfasser von heimatkundlichen Aufsätzen in Bezug auf Musik und Gesang
  • Karl-Heinz Schuierer (geb. 5. Dezember 1944, gest. 18. April 1993) städtischer Mitarbeiter, Verfasser von heimatkundlichen Beiträgen

Einzelnachweise

  1. Mittelbayerische Zeitung vom 27. Februar 1999: Schandfleck im Herzen der Innenstadt soll verschwinden