Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 16
| Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 16 | |
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| Adresse: | Friedrich-Ebert-Straße 16 92421 Schwandorf |

Ein 1954 von Grund auf neu erbautes Haus.
Geschichte
Die ältesten namentlich bekannten Eigentümer sind 1672 die Schusterehegatten Sebastian Pfendtner und dessen Ehefrau Magdalena geborene Kraus. Beide Ehegatten entstammen alten Schwandorfer Familien, die sich bis zum Beginn der Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern zurückverfolgen lassen. Ob einer der beiden Eheleut das Anwesen mit in die Ehe brachte oder ob sie es gekauft haben, ließ sich bisher nicht ermitteln.
Da die Ehe der Pfendtners kinderlos blieb, erscheint als neuer Eigentümer der Tuchmacher Johann Georg Hildebrand. Johann Georgs Enkel, Franz Leonhard hatte nur eine Tochter, die sich wohl auswärts verheiratet hat. So kam es 1822 zum Verkauf des Hauses.
Neuer Eigentümer wurde Andreas Nothaas, ein Lederer aus Neunburg vorm Wald, der in Schwandorf schon seit mindestens 1802 ansässig war. Er bewohnte wohl auch nicht das Gebäude, da er zur selben Zeit weitere Gebäude in der Stadt besaß.
Fünf Jahre später, 1827, verkaufte Andreas das Gebäude an Kaspar Jäger. Kaspar war verheiratet mit Theresia Witwe Gietl geborene Sedlmeier. Deren Vater Franz Xaver Sedlmeier (gest. 1818) wohnte in der Brauhausstraße 11 und war als consul extra offenbar eine bedeutende Persönlichkeit. Denn die Nachfolger Kaspars machten noch 1887 in der Zeitung Werbung mit den Namen „zum Sedlmeier“. Erst 1897 verschwand der Zusatz „Sedlmeier“ aus der Werbung.
1863 heiratete der aus Erbendorf stammende Tuchmacher Josef Böllert hier ein. Er vermählte sich mit Anna Witwe Jäger geborene Dreer. Sie wurde im Nachbaranwesen Bahnhofstraße 21 geboren. Die von den Beiden veröffentlichte Familiengeschichte [1] [2] [3] läßt sich nicht in allen Teilen bestätigen und betrifft vielfach andere Anwesen.
Nach dem Tod der Ehegatten Böllert entstand eine Erbengemeinschaft bestehend aus den drei Töchtern. Die jüngste Maria, heiratete 1910 Josef Krempl, Redakteur und Buchdruckereibesitzer.
1954 bestellte die Erbengemeinschaft ein Erbbaurecht zugunsten von Josef Nehammer aus Amberg, der später auch das Grundstück kaufen konnte.
1995 wurden diese Rechtskonstrukte aufgelöst und das Anwesen an die heutige Besitzerfamilie verkauft.
Architektur
Das Grundstück hatte eine Zufahrt sowohl von der Friedrich-Ebert-Straße als auch von der Breite Straße her. In der Steuerbeschreibung von 1727 wurde es beschrieben als: „Haus dazu Stadl und Stall“. Während das Grundstück beim Haus an der Ostseite eine Freifläche zur Durchfahrt hatte füllte der Stadl die gesamte Grundstücksgrenze an der heutigen Breite Straße und hatte wohl eine Durchfahrt. Zwischen den Gebäuden fand ein Hofraum und ein Garten Platz.
1852 hält ein Vermessungsoperat fest, dass der Garten überbaut und nun ein Stall sei.
Bereits 1866 wird die Einfahrt von der Friedrich-Ebert-Straße her aufgegeben und durch einen Zimmeranbau geschlossen. In dem Zimmer und den angrenzenden Bestandsraum befindet sich nun ein Laden, der durch den Hausflez zu beteten war. Das Gebäude wird nun beschrieben als Wohnhaus mit Keller, Stadl, angebauten Stall, Schweinestall und Hofraum.
Schon 1887 wird ein weiterer Bauplan vorgelegt. Der Laden erhält nun ein Schaufenster und ist direkt von der Straße aus zu betreten. Dafür wurde der bisherige Hausflur in den erst 1866 errichteten Anbau verlegt.
1914 wird die Lücke zwischen den beiden Häusern, die ehemalige Einfahrt, vollständig geschlossen. Auch zum Hof hin und im 1. Obergeschoß entstehen nun Zimmer und im Anschluß zum Hof hin eine zweistöckige Toilettenanlage.
Bei der Gebäudebeschreibung 1938 war von der landwirtschaftlichen Nutzung nichts mehr übrig. Dafür findet man eine Waschküche, Holzlege, Kohlenschuppen und eine Autohalle heute Garage genannt.
1954 dann der vollständige Abbruch aller Gebäude und es entstand ein Neubau mit einer Schaufensterpassage im Erdgeschoß und Schaufenster im 1. Obergeschoß. Man gewann ein zweites Obergeschoß indem das bisherige Satteldach gedreht und ein flaches Walmdach, mit Haupttraufseite zur Straße hin, aufsetzt wurde. In dem 2. Obergeschoß fand die bisherige Hausbesitzerfamilie eine Wohnung.
Die Firma Nehammer warb mit dem Slogan: „eines der schönsten und modernsten Textilkaufhäuser der Oberpfalz“.
Kurze Zeit später entstanden an der rückwärtigen Seite des Grundstücks entlang der östlichen und westlichen Grundstücksgrenze weitere Schaufenster.
Ende der 1970er Jahre erfolgte ein Um- und Neubau. Die Fassade zur Friedrich-Ebert-Straße wurde geschlossen, die Schaufensterpassage verschwand. Im rückwärtigen Teil des Grundstücks brach man ebenfalls die Schaufenster ab und errichtete einen Anbau mit Erdgeschoß, zwei Obergeschosse und zwei Dachgeschosse. Nun bekam der Laden einen Eingang direkt von der Breite Straße her. Die Geschäftsräume breiteten sich auf drei Vollgeschosse aus.
Das Grundstück indes ist seitdem vollständig überbaut und besitzt keine Freifläche mehr.
Seit 2006 werden in dem Haus keine Stoffe mehr verkauft. Ein weiterer Umbau reduzierte die Geschäftsfläche auf das Erdgeschoß.
Kunst am Bau
Bereits in der ältesten Zeichnung vom Haus, von 1887, ist in der Mitte vom Obergeschoß, zwischen vier Fenster eine Mauernische eingezeichnet. Darin befand sich eine hölzerne, barocke Madonna.
Seit dem Neubau 1954 steht im 2. Obergeschoß an der westlichen Ecke eine Plastik eine Madonna mit stehendem Kind in den Armen der Mutter darstellend.
Persönlichkeiten
- Sebastian Pfendtner (geb. 1649, gest. 2. Dezember 1717) Schuhmacher, Bürgermeister von 1700 bis 1717
- Anna Böllert geb. Dreer Witwe Jäger (geb. 30. März 1827, gest. 27. März 1903) sie war 26 Jahre lang die Vorsitzende des Müttervereins
- Josef Krempl (geb. 1. März 1886, gest. 11. März 1971) Er war Redakteur und Buchdruckereibesitzer, 1946 wurde er in die Verfassunggebende Landesversammlung berufen. Im selben Jahr erfolgte seine Wahl in den Bayerischen Landtag, dem er eine Wahlperiode lang bis 1950 angehörte. 1966 wurde ihm durch Papst Paul VI. das päpstliche Ehrenkreuz verliehen. Er war Mitglied vom Josefi-Verein Schwandorf, Magistrat später auch Stadtrat von Schwandorf, 3. Bürgermeister von 1946 bis 1948. Der Volksmund nannte hin: Heiliger Josef
Einzelnachweise
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