Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 17.2

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Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 17.2
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 17.2
92421 Schwandorf

Ein verschwundenes Haus

Geschichte

Um 1723 hat der Schneider Abraham Holzbogen wohl die Einfahrt zu seinem Anwesen als einen selbständigen Bauplatz verkauft. Erwerber war Georg Plattmeier aus Pentling bei Cham, der in der Stadt Schwandorf als Wiener Bote gearbeitet hat. Das heißt, daß er regelmäßig wohl zu Fuß nach Wien ging um dort die Korrespondenz auszutauschen.

Als nächster Eigentümer erscheint Georg Roß, ein Hutmacher, der in das Huteranwesen im Löchl eingeheiratet hatte. Da es für die Ehefrau bereits die zweite Vermählung war, brachte diese noch ihr Elternhaus Friedrich-Ebert-Straße 6 mit in die Ehe ein. Die Beiden konnten unmöglich alle Häuser gleichzeitig bewohnen. Dieses Gebäude war zwar das Kleinste, aber das mit der höchsten Frequentierung. Denkbar wäre daher eine Filiale in dem Haus. Denn nach dem Verkauf des Anwesens Friedrich-Ebert-Straße 6, 1781, behielt die Tochter dieses Anwesen weiter im Besitz, bis sie 1791 in die Pfleghofgasse umzog.

Mehrere Taglöhner wechselten sich daraufhin im Eigentum ab, bis 1806 der Nadler und Brunnenmeister Christian Pöttiger das Haus erwarb. Er blieb bis zu seinem Tod.

Danach wechselten sich wieder etliche Taglöhner im Besitz ab, bis 1845 der Heferhändler (Töpfehändler) Wolfgang Tischler einzog. 1859 tauschte er das Haus gegen das größere Anwesen Breite Straße 4.

Erneut folgten in kurzen Abständen weitere Eigentümer, bis 1864 der Nachbar Stephan Gruber das Haus kaufte.

Architektur

Das Grundstück wurde 1723 vom heutigen Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 17 abgespalten. Es handelt sich um einen rund 5 Meter breiten Streifen an der Friedrich-Ebert-Straße. Dies könnte früher eine Einfahrt gewesen sein, denn der anschließende verbliebene Hofraum hatte nun keine direkte Verbindung mehr zur Straße.

Der rund 34 m² große Bauplatz wurde mit einem Gebäude bebaut, dessen vier Außenmauern direkt auf der Grundstücksgrenze standen. Nach Abzug der dicken Sandsteinmauern stand deutlich weniger Wohnfläche zur Verfügung. Über obere Stockwerke und die Dachform liegen keine Aufzeichnungen vor.

An der östlichen Außenmauer befand sich eine Reiche zum heutigen Anwesen Nummer 19. Hier handelt es sich um eine mittelalterliche Brandschutzvorrichtung. Aber durch die Reiche war ebenso eine Entwässerung der dahinter höher liegenden Gebäude und Dachflächen möglich. Es bot sich also an auch die Dachfläche dieses Hauses hier zu entwässern. Daraus ergibt sich, daß das Gebäude wohl ein Satteldach besaß mit einem Giebel zur Straßenseite. Dies hätte ebenso die ohnehin begrenzte Nutzfläche des Gebäudes nach oben hin erweitert.

Da das Gebäude keinen Quadratmeter Außenfläche besaß stellt sich die Frage nach den Lebensverhältnissen im Haus. Zunächst die ungeklärte Frage wie die Bewohner ihre tägliche Notdurft verrichtet haben. Dann wo lagerten die Eigentümer das Brennholz für den täglichen Kochvorgang und der Beheizung des Anwesens. Über die Wasserversorgung erreicht uns eine Nachricht. Zum Grundstück gehörte kein eigener Brunnen, sondern es besaß ein Wasserrecht am städtischen Ziehbrunnen. Allerdings nicht bei der nächstgelegenen Wasserstelle vor dem Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 13, sondern in der jetzigen Spitzwegstraße beim Anwesen Nummer 9.

Aus heutiger Sicht ist die Wasserversorgung als umständlich einzustufen. Warum hat man sich für solch eine Lösung entschieden? Hatte womöglich der Brunnen in der Friedrich-Ebert-Straße nicht das notwendige Volumen aufgebracht um ein zusätzliches Haus zu versorgen?

Die Lage des Anwesens wird als gut eingestuft, direkt neben dem Stadttor hatte es eine große Frequentierung.

Aus den erhaltenen Steuerbeschreibungen ist eine äußerst geringe Steuerlast zu entnehmen. Dort liest man aber auch kein Wort über einen zusätzlichen landwirtschaftlichen Besitz. Die Bewohner mußten sich demnach über ihr Handwerk ernähren. Wollten sie dennoch einen landwirtschaftlichen Beitrag zur Eigenversorgung leisten war dies nur über Pachtflächen möglich. Solche Gründe stellten nicht selten die Stadt als auch die Kirche zur Verfügung.

Wenn man die Berufe der Eigentümer liest, Wiener Bote oder Brunnenmeister, kommt unweigerlich die Stadt als Arbeitgeber ins Spiel. Hier war es üblich, den Sold nicht nur in bar, sondern auch in Naturalleistungen zu bezahlen. Eine Grundstücksüberlassung könnte demnach Teil der Bezahlung gewesen sein. Solche Naturalleistungen sind bis zum heutigen Tag bei Stadt und Kirche üblich.

1865 kaufte der Nachbar das Anwesen und für 1866 ist eine Verschmelzung beider Objekte belegt. Während bei dem verschwundenen Gebäude bei Friedrich-Ebert-Straße 5 heute die Umrisse noch erkennbar sind, ist dieses Gebäude vollständig aus dem Stadtbild verschwunden.

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

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