Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 23

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Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 23
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 23
92421 Schwandorf
Aussehen um 1950

Ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Haus, welches 1923 aufgestockt wurde.

Geschichte

Der älteste bekannte Eigentümer ist der aus Mähren stammende Sattler Alexander Deischl, der 1692 hier die in Neuburg gebürtige Maria Keller geheiratet hat. In den Kirchenrechnungen von 1697 erscheint er bereits als Sattler neben dem Regensburger Tor. Es gibt einen Vorbesitzer des Gebäudes, dessen Name nicht zweifelsfrei lesbar ist und mit „Brez“ gedeutet werden kann.

Der Sohn von Alexander, Philipp, betreibt hier bis zu seinem Tod ebenfalls das Sattlerhandwerk. Er muß eine besondere Persönlichkeit gewesen sein, denn obwohl das Gebäude eher klein und unscheinbar war und auch von geringer Steuerkraft, schaffte er es in das Amt eines Bürgermeisters gewählt zu werden.

1750 erwirbt der kurfürstliche Gerichtsschreiber und Lehrer Ferdinand Reinfeld das Haus. Er wurde ab 1752 als „nobili“ bezeichnet. Seine Tochter Theresia verkauft das Gebäude dann 1805 an ihren Schwager Josef Putz, einen Tuchmacher.

Der Seifensieder Josef Glatzl ersteigert 1829 das Haus, nachdem sein älterer Bruder das Elternhaus in der Breite Straße erhalten hat. Neun Jahre später, 1838, erfolgt die nächste Versteigerung. Höchstbietender ist der Metzger Christian Augustin, der noch am selben Tag an den Landkrämer Alois Schlegel weiterverkauft. Schlegel besitzt zudem eine Schneider- und eine Tuchmachergerchtigkeit. Beides übt er wohl nicht aus, da die Gerechtigkeiten alsbald neue Eigentümer finden.

Der zweite Ehemann seiner Witwe, Josef Wagner, bringt 1848 ein neues Handwerk mit ins Haus. Er ist Windmühlmacher. Dabei handelt es sich um eine Getreide-Reinigungs-„Maschine“. Das Handwerk erlernte er von seinem Vater, der nur wenige Meter weiter, außerhalb der Stadtmauer auch Windmühlen verkaufte. Diese Maschinen waren im 18. Jahrhundert eine technische Erneuerung in der Landwirtschaft. 1859 tauschen die Ehegatten Wagner das Haus gegen das Objekt Brauhausstraße 3.

Neuer Eigentümer wird der Tuchscherer Jakob Neukirchner. Sein Sohn Karl verkauft 1874 den Besitz an den Kunstmüller Eduard Hahn aus Ettmannsdorf, der eine Mehlniederlage hier einrichtet und so in Konkurrenz zu den Stadtmüllern tritt.

Nachdem die Kunstmühle in Ettmannsdorf am 20. Februar 1895 an den Strompionier Oskar von Miller versteigert wurde, kam der Mehlverkauf hier im Haus zum Erliegen.

Der Metzgermeister Michael Scharrer aus Naabsiegenhofen kaufte 1897 das Haus und richtete eine Metzgerei und eine Gastwirtschaft ein. Allerdings reichten die finanziellen Mittel nicht aus, so mußte sein Vater den Besitz übernehmen um schlimmeres zu verhindern. Josef Scharrer vermietete dann an Karl Schmidt, der eine Bankfiliale eröffnete. Die Bank siedelte 1916 in die Bahnhofstraße um.

1912 erwarb der aus Unterauerbach stammende Bäckermeister Josef Kiener das Anwesen. Laut Zeitungsbericht begann er schon zwei Wochen später mit dem Verkauf seiner Backwaren. Nach dem Tod des Firmengründers 1933 zogen unterschiedliche Betriebe ins Erdgeschoß.

Inzwischen hat das Gebäude schon dreimal die Eigentümerfamilie gewechselt. Zwar nutzten die Besitzer das Gebäude jeweils kurzzeitig für den Eigenbedarf als Metzgereifiliale, doch hauptsächlich blieb es bis heute ein Mietobjekt mit wechselnden Branchen.

Architektur

Der Bauplatz liegt im Einzugsbereich der Stadtmauer. Aus wehrtechnischen Gründen musste zwischen Mauer und Bebauung ein Abstand sein. Erst Ende des 17. Jahrhunderts, als die Stadtmauer ihren Verteidigungszweck verloren hatte, durfte die Fläche bebaut werden.

So entstand im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts ein Gebäude, das direkt an die Stadtmauer angelehnt war mit einer Länge von rund 11 Meter. Es hatte zur Friedrich-Ebert-Straße hin eine Länge von 5 Meter in welcher Fenster und Tür mit Blick Richtung Marktplatz eingelassen waren. Dies reichte nicht aus, um das gesamte Haus zu Belichten und zu Belüften. Es ist wohl anzunehmen, dass zusätzliche Fenster in die Stadtmauer gebrochen oder vorhandene Schießscharten als Fenster genutzt wurden.

Die Fläche außerhalb der Stadtmauer durfte ursprünglich ebenfalls aus wehrtechnischen Gründen nicht bebaut werden. Das Ödland war im Besitz der Stadt. In der Steuerbeschreibung von 1727 wird für dieses Gebäude ein Garten und Stadl an der äußeren Stadtmauer bekundet. Es handelt sich im Wesentlichen um das Grundstück welches 1828 die noch ungeteilte Plannummer 74 erhielt. Der Eigentümer konnte somit eine Öffnung in die Stadtmauer schlagen und seinen inneren und äußeren Besitz miteinander verbinden. Die Gebäude an der heutigen westlichen Seite der Weinbergstraße erscheinen erst später.

In den 1720er Jahren begann die Stadt die Ödung zwischen dem Garten und der heutigen Weinbergstraße als Bauplätze zu verkaufen. Es entstanden drei Wohnhäuser. Den vierten Bauplatz sicherte sich der Hauseigentümer von Friedrich-Ebert-Straße 23. Es handelt sich um den heutigen Parkplatz zum Anwesen Weinbergstraße 5, der später die Plannummer 75 erhielt. Somit war eine Grundstückszufahrt zum Gebäude 23 weiterhin gesichert.

Mitte der 1850er Jahre reifte der Plan das Regensburger Stadttor abzubrechen, um so eine bequemere Einfahrt, für den steigenden Verkehr, in die Stadt zu haben. In einem Protokoll vom 27. November 1858 wird geregelt, dass der Eigentümer einen Meter mit der Fassade zurückweicht und im Gegenzug das Abbruchmaterial vom Stadttor und dem darauf befindlichen Turm erhält.

Mit den Steinen errichtete man eine neue Fassade, nun mit vier Fenstern gegen Süden. Offenbar reichte das Baumaterial für zusätzliche Änderungen. Denn 1866 wird berichtet, dass ein neues Warenlager erweitert wird.

Schon 1874 standen abermals Bauarbeiten an. Laut Vermessungsoperat entstand ein neuer Stall und der Hofraum wurde vergrößert. Die Plannummern 74 und 75 verschmolz man und teilte sodann das Grundstück in Plannummer 74 das Hauptgebäude an der Friedrich-Ebert-Straße und 74/2 Warenlager, Stall und Hof. Da beide Grundstücke alsbald neue Eigentümer bekamen, hatte das Hauptgebäude nun keine Zufahrt mehr von der Weinbergstraße.

Dieser Verkauf stellte sich wohl als nicht sinnvoll heraus, denn 1896 konnten beide Gebäude wieder in einer Hand vereinigt werden. Mit Bauplan von 1905 verlegte man den Zugang zum Hauptgebäude auf die Rückseite des Hauses. Der so frei gewordene Flur wurde mit einem Nebenraum zu einen zweiten Laden vereinigt.

Auch das Rückgebäude veränderte sein Innenleben. Aus dem Schlachthaus und der Wurstküche des Vorbesitzers entstand ein Backofen, Backhaus und Mehlstube. Da sich auch im Nachbarhaus, Friedrich-Ebert-Straße 21 eine Bäckerei befand, standen nun zwei Backöfen nebeneinander, nur durch die ehemalige Stadtmauer voneinander getrennt.

1923 wurde dem Gebäude ein weiteres Stockwerk aufgesetzt. Damit erhielt die Fassade größtenteils das Aussehen von heute. 1949 kam es zu einer Dreiteilung der Plannummer und damit des Gebäudes, mit anschließenden Verkauf in verschiedene Hände. Mit der Folge, dass das Hauptgebäude abermals keinen Zugang von der Weinbergstraße her hatte und der Gebäudeeingang wieder in die Friedrich-Ebert-Straße verlegt werden mußte.

Ende der 1960er Jahre geriet das Gebäude erneut in den Fokus der Verkehrsplaner.

Am 11. Juni 1971 beschloß der Stadtrat einen neuen Bebauungsplan für die Friedrich-Ebert-Straße. Dieser Plan sah einen Ausbau der Straße auf drei Fahrspuren nebst Park- und Ladezonen vor. Dafür sollten die Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 23 und 25 sowie das Bärenwirtshaus geopfert werden.

Soweit ist es allerdings nicht gekommen. Dennoch mußte die Geschäftsfläche im Erdgeschoß zurückweichen, um den Bürgersteig durch das Haus zu führen. Obwohl die Friedrich-Ebert-Straße seit Mitte 1986 nur noch einspurig befahrbar ist, wurde dieses Verkehrsopfer bisher nicht rückgängig gemacht.

Persönlichkeiten

  • Philipp Deischl (geb. 10. Dezember 1694, gest. 12. Oktober 1763) Sattler, consul intern
  • Ferdinand Reinfeld (geb. 1712, gest. 24. April 1797) kurfürstlicher Gerichtsschreiber, Lehrer, ab 1752 als nobili bezeichnet
  • Eduard Hahn (geb. 10. Oktober 1833, gest. 10. Juli 1907) Kunstmüller in Ettmannsdorf
  • Johann Georg Riedl (geb. 13. Januar 1897, gest. 20. April 1974) Bader, Friseurgeschäft, Fußpflege, Puppenklinik

Einzelnachweise