Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 9

Aus OberpfalzWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 9
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 9
92421 Schwandorf
das Bild entstand in den 1920er Jahren

Ein mehrfach umgebautes Haus.

Geschichte

1727 hat der Bäcker Georg Anton Strobl das Gebäude vom Bärenwirt Martin Hermann eingetauscht. Er hat es, genauso wie sein Vorbesitzer, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht selbst bewohnt, da Georg Anton noch Eigentümer des Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 2 war.

Im Jahre 1741 überließ Georg Anton das Anwesen seinem Schwager Stephan Müller, von Beruf Schneider und Krämer.

Vier Generationen lang betrieb die Familie das Handwerk und den Handel im Haus. Die 1850 geschlossene Ehe des Josef Müller blieb kinderlos. Auch die zweite Ehe seiner Gattin, mit Georg Seebauer, blieb ohne Nachkommen. Dieser wurde als Lederersohn in Fronberg geboren und brachte ein neues Handwerk mit.

Erbe wurde 1891 Johann Seebauer, ein Hufschmid wohnhaft im Hause Friedrich-Ebert-Straße 14, der jüngste Bruder des zweiten Ehemanns. Johann übergab alsbald das Anwesen seinem Schwiegersohn Josef Saalbeck, einen aus Hohenburg stammenden Säckler. Somit konnte das Lederhandwerk fortgeführt werden.

In der Folgezeit erweiterte man das Sortiment. 1921 bestand es aus Häute- und Fellhandel, Glaser- und Zinngießerwaren, dazu Kurz-, Leinen-, Woll- und Strickwaren. Auch als die Familie selbst den Betrieb nicht mehr führte, sondern die Räume an die Firma Nehammer vermietete, blieb das Sortiment weitestgehend unverändert.

Inzwischen befinden sich im Erdgeschoß zwei Ladenräume mit unterschiedlichem Sortiment. Die Namen Photo-Porst oder Eduscho Kaffeespezialitäten sind wohl noch in Erinnerung. Derzeit kann man hier Döner kaufen oder sich die Haare auf den neuesten Stand der Mode schneiden lassen.

Architektur

Das Grundstück ist ein Eckgrundstück zur Berggasse hin. Es hat somit von Osten und Süden Zugang und Beleuchtung. Der Bärenwirt Martin Hermann, hatte das Anwesen leer verkauft. Dies bedeutet, daß keinerlei sonstige Gründe an Acker, Wald und Wiese dabei waren. Wohl hatte er diese seinem bisherigen Bestand einverleibt. Nach der Systematik der Hausnummern hat er wohl auch vor 1727, das heutige Anwesen Berggasse 1 abgespalten. Der nur 60 m² große Besitz könnte ursprünglich ein Stadl oder Stall gewesen sein.

Da bis 1741 das Gebäude die jeweiligen Eigentümer nicht bewohnten, es somit ein Mietobjekt war, wundert es nicht, daß noch 1804 bei der Steuerbeschreibung nur „ein gemauertes Haus mit Schneider- und Kramergerechtigkeit“ zu lesen ist. Die Bewohner mußten sich von ihrem Handwerk ernähren und konnten auf keine nennenswerte Landwirtschaft zurückgreifen.

Dies änderte sich erst in den 1810er Jahren als plötzlich mehrere Grundstücke gekauft wurden, man nun sogar einen Stadel vor dem Regensburger Tor benötigte.

Das Baujahr des Gebäudes ist unbekannt. Nach einem Bild von 1875 besitzt es ein Erd- und Obergeschoß. Das Haus wird von einem Walmdach bedeckt.

Das Erdgeschoß hat von West nach Ost ein Fenster, eine Tür und zwei Fenster. Im Obergeschoß vier Fenster. Ein Bild aus den 1920er Jahren zeigt, daß im Erdgeschoß nun eine große Schaufensteranlage mit einer Eingangstür in der Mitte entstanden ist. Lediglich das östliche Fenster blieb erhalten. Die Warenauslage wurde mit einer ausklappbaren Markise vor Sonneneinstrahlung geschützt.

In der Immobilienverkaufsanzeige von 2023 stand zu lesen: „Baujahr 1934“. Ein Bildervergleich mit 1957 läßt jedoch keine wesentliche Veränderung der Fassade erkennen. Lediglich der Ladenraum und die Markise sind „gewachsen“.

Später erhielt das Gebäude ein zweites Obergeschoß, dazu ein Satteldach mit Traufseite zur Friedrich-Ebert-Straße.

Persönlichkeiten

  • Philipp Müller (geb. 18. September 1746, gest. 16. Januar 1815) Krämer und Schneider, Bürgermeister von 1788 bis 1801
  • Anna Maria Müller (geb. 3. Oktober 1762, gest. in Vodnany in Böhmen) sie heiratete am 9. November 1795 den Musikanten Johann Hofmeister, der sich um diese Zeit mindestens 3 Jahre lang in Schwandorf aufhielt. Eine ihrer Töchter wurde Klosterfrau in Prag.
  • Franz Xaver Müller (geb. 6. August 1794, gest. 18. August 1859) 1830 Pfarrer in Neukirchen, Pfarrer von St. Jakob von 1839 bis 1855, ab 1855 Spitalpfarrer in Amberg, Verfasser von Aufsätzen und Gedichten, darunter Oberpfälzer Sagen und Gedichte in: Verhandlungen des historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg, 14. Band, 1850, Seite 189 bis 217
  • Markus Schöll, ehemaliger Vorsitzender der Jungen Union Ortsverband Schwandorf

Einzelnachweise