Schwandorf Bahnhofstraße 21
| Schwandorf Bahnhofstraße 21 | |
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| Adresse: | Bahnhofstraße 21 92421 Schwandorf |

Ein 1938 neu erbautes Haus.
Geschichte
Die ältesten nachweisbaren Eigentümer sind Johann Erhard Demleitner und seine Ehefrau Martha geborene Mayer. Johann Erhard hat hier 1689 eingeheiratet und ist ein Lederersohn vom Marktplatz. Bei der Taufe seiner Kinder wird er als Lederer und Bader bezeichnet. Martha war bei der Hochzeit bereits verwitwet. Ihr erster Ehemann Veith Schmid war Metzger und Garkoch. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat sie das Haus erheiratet und mit in die zweite Ehe gebracht.
Johann Erhard wechselte um 1697 in die Breite Straße. Um 1700 tauschte er dann dieses Haus gegen das Anwesen Marktplatz 31 um eine angemessene Mitgift für seine Tochter Anna Maria zu haben, die daraufhin den Bärenwirtssohn heiratete.
Neuer Eigentümer wurde hier der Bäcker Leonhard Strobl. Er hat ein hohes Alter von 84 Jahren erreicht und in der Zeit dreimal geheiratet. Somit stand eine große Anzahl von Erben zur Verfügung. Es dauerte offenbar bis eine Lösung gefunden war. Erst 10 Jahre nach seinem Tod, 1764, taucht der Garkoch Johann Georg Schreger als weiterer Eigentümer auf.
1774 geht das Gebäude auf Theresia, die Tochter von Georg über. Da diese ebenfalls dreimal die Ehe schloß, wechselte der Familienname von Waffler über Hilburger zu Wiesner. Konrad Wiesner, der dritte Ehemann und spätere Witwer, heiratete anschließen noch zweimal. Alle Ehen blieben kinderlos.
Die Nachbarstochter Anna Maria Rex kaufte 1821 das Anwesen und legte so den Grundstein für ihre nachfolgende Ehe. Franz Josef Dreher ein nicht zur Erbfolge bestimmter Metzgerssohn vom Haus Marktplatz 4 war der Auserwählte. Die Beiden hatten offenbar großen wirtschaftlichen Erfolg, denn sie konnten den Grundbesitz deutlich vermehren. Darunter war 1849 auch die Flurnummer 281/2, ein Gras- und Obst- und Wurzgarten mit Kegelbahn im Bereich des heutigen Anwesens Bahnhofstraße 18. Diese Anschaffung kann wohl mit dem Besitz des Kommunbraurechts gesehen werden.
Mit den Nachkommen waren die Ehegatten nicht so erfolgreich. Von den 10 Kindern hat nur eines geheiratet und für weitere Nachkommen gesorgt. So kam es zum Verkauf. Dies nutzte 1860 der Hufschmid Anton Dormann. Der fortan abwechselnd mal als Schmid und mal als Metzger bezeichnet wird. Er besaß vorher das Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 14. Dort hat er sich als weitern Besitz den Stadl und den Schweinestall vorbehalten und als neuen Bestandteil hier angefügt. Mit der Folge, dass der Vorbehalt die Flurnummer 225/2 erhielt und er zwei Häuser weiter seine Schweine halten konnte. Der Stadl ist 1885 noch als Bestandteil verzeichnet. Dieses Rechtsverhältnis ist zwar inzwischen aufgelöst, doch die Flurnummer gibt es immer noch und erinnert an diesen ungewöhnlichen Vorgang.
1863 verkaufte Anton Dormann das Haus an den ledigen Metzger Michael Rötzer von Oder. Dabei behielt er sich erneut Grundbesitz vor. Darunter die oben beschriebene Kegelbahn. Als die Stadt Schwandorf 1871 begann die heutige Bahnhofstraße zu bauen, stand die Kegelbahn im Wege. Anton gelang es durch Kauf und Tausch einen Bauplatz einzuhandeln. Heute steht darauf das Gebäude Bahnhofstraße 13.
Michael Rötzer heiratet noch im selben Jahr Ursula Sperl, eine Gastwirtstochter von Wackersdorf. Michael war kein langes Leben beschieden, denn drei Jahre später heiratete Ursula den Metzger Georg Hottner, geboren in Schwarzenfeld aber von Kreith abstammend. Bis 2008 sollten deren Nachfahren auf dem Haus bleiben und eine Metzgerei betreiben.
Inzwischen wurde das Gebäude schon zweimal verkauft.
Architektur
Ursprünglich stand das Gebäude völlig frei. Es ist von drei Straßen umgeben und auch zum westlichen Nachbarn war es durch dessen Einfahrt, von der Friedrich-Ebert-Straße her, getrennt. In der Steuerbeschreibung von 1727 liest man: neben dem Haus noch einen Stadl und Stall, dazu einen besonderen Stadl in der Stadt am Berg dazu einen Felsenkeller in der Stadt am Berg.
Der Hausstadl und Stall standen direkt an der Grundstücksgrenze zur Breiten Straße. Zwischen Wohnhaus und Stadl befand sich ein Hofraum.
Die besondere Situation Felsenkeller und Stadl am Berg trifft man nur an einer Stelle. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um die Flurnummer 92 an der Spitzwegstraße. Ein Grundstück, bis heute ohne Hausnummer, und noch bis in die 1950er Jahre mit einem Stadl bebaut, heute Parkplatz.
Im Vermessungsplan von 1827 nahm das Gebäude rund 1/3 der Grundstückslänge zur heutigen Bahnhofstraße ein. Das älteste vorliegende Bild zeigt ein deutlich längeres Gebäude. Demnach muß das Haus einen Anbau erhalten haben, wohl ab dem Fallrohr der Dachrinne südwärts. Das Anwesen trägt auf dem Bild ein Walmdach zur Friedrich-Ebert-Straße hin und zum Rückgebäude ein Satteldach mit Giebel.
1877 wird von einem Schlachthaus- und Stallneubau mit Heuboden berichtet. Der Bau wurde wohl direkt anschließend zum Hauptgebäude ausgeführt. An der Ecke zur Breite Straße verblieb ein Hofraum, der noch 1905 verzeichnet ist. Im Grundriß von 1910 für den Nachbarn ist für dieses Haus ein Laden mit Schaufenster an der Nord-West-Ecke eingezeichnet. Der Einbau ereignete sich demnach vorher. Ein Bauplan dazu liegt leider nicht vor.
Im Jahre 1938 erfolgte ein vollständiger Abbruch und Neubau. Es entstand das Gebäude in der Kubatur wie es heute dasteht. Die Fassade zur Bahnhofstraße wird mit zwei über zwei Stockwerke gehenden Erkern gegliedert. Bedeckt ist das Haus von einem langgestreckten Walmdach. Das Grundstück ist vollständig überbaut.
Seit der Gebäudesanierung von 2000 befinden sich im Erdgeschoß drei vermietete Läden.
Persönlichkeiten
- Johann Ernst Demleitner (geb. 1663, gest. 27. Mai 1721) Lederer, Bader, Senator
- Leonhard der Ältere Strobl (geb. 28. November 1668, gest. 4. Januar 1753) Bäcker, Senator
- Andreas Strobl (geb. 24. Februar 1703, gest. 30. März 1758 in Agar/Indien) Jesuitenpater, ab 1736 Missionar in Indien, königlicher Astronom in Jaipur und Delhi, Komponist von Liedern und Litaneien für die Missionsgemeinden
- Franz Josef Waffler (geb. 5. Mai 1775, gest. 15. Mai 1839) seit 1797 Stadtpfarrmesner
- Josef Hottner (geb. 4. November 1868, gest. 1. August 1924) Metzgermeister, Stadtrat
Einzelnachweise
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