Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 15
| Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 15 | |
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| Adresse: | Friedrich-Ebert-Straße 15 92421 Schwandorf |
| BLfD-ID: | D-3-76-161-8 |
| Wahrscheinlich fehlt die Wikidata-Verknüpfung: Q41420446 (Schwandorf_Friedrich-Ebert-Straße_15) | |
Ein von 1577 stammendes Haus mit einem kreuzgratgewölben Flez mit Schlußstein im Erdgeschoß. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude besitzt eine aus Sandstein gefertigte nachgotische Wendeltreppe.
Geschichte
Der älteste bekannte Eigentümer ist der Bäcker Elias Deischer, auch Teuscher. Er erscheint erstmals 1665 in den Kirchenbüchern. Ältere Eintragungen des Namens Deischer sind nicht zu finden.
Der Gewölbeschlußstein von 1577 wird begleitet von einer Inschrift: „ H W / W / H B / Helena / W “. Die Bedeutung der Inschrift konnte bisher nicht entschlüsselt werden, läßt aber wohl auf den Bauherrn schließen.
Der Vorname Helena ermöglicht eine EDV-Suche in den Kirchenbüchern. Diese ergab die größtmögliche Übereinstimmung mit Helene Weinzirl. Ein Blick auf Ihre Lebensgeschichte ergab: Hans Weinzirl, Bürgermeister und Witwer heiratete am 12. Dezember 1575 Helene Baier, die Tochter des Hans Baier, Müller auf der Brunmühl zu Burglengenfeld. Sie hat mindestens zwei Kinder geboren und ihr wurde als Bürgermeistesgattin achtmal das Amt einer Taufpatin angetragen. Ihr Mann war mindestens von 1571 bis 1593 Bürgermeister in Schwandorf. Ihr Tod trat nach 1601 ein. Aus der Zeit haben sich keine Kirchenbücher erhalten.
Weitere fünf Generationen lang kann die Familie Deischer auf dem Anwesen nachgewiesen werden. Der Weißbäck Josef Georg Deischer tausche 1812 das Anwesen gegen das deutlich kleine Gebäude Spitzwegstraße 10.
Neuer Eigentümer wurde Andreas Scherl, ein Melber und ursprünglich ein Bauernbub aus Niederhof. Da die Ehe dessen Sohnes Michael mit nur einer Tochter gesegnet war versuchte dieser das Anwesen zu verkaufen. Mit Georg Eder, einen Bäcker aus der Pfarrei Moosbach, fand er 1869 zunächst einen Käufer. Doch dieser blieb den Kaufpreis schuldig und so wurde 1873 der Vertrag rückgängig gemacht.
Mit Johann Hierl, einen 24järigen ledigen Sattler fand sich 1880 ein neuer Käufer. Dessen Vater hatte sich von Schwarzhofen kommend in der Brauhausstraße 9 angesiedelt und dort eine Sattlerei eröffnet. Zeitgleich verkaufte der Vater das Anwesen an den Müllermeister Stettner und zog mit hierher.
Nun, vier Generationen später, gehört das Gebäude immer noch den Nachfahren.
Das Lederwarengeschäft ist indes längst aufgegeben. Zur Zeit sucht man einen neuen Mieter für das Erdgeschoß.
Architektur
Das Gebäude steht an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße zur Spitzwegstraße. Der Zugang ist daher von zwei Seiten möglich.
Nach den dendrochronologischen Untersuchungen haben die Balken des Dachstuhls das Fälljahr Herbst 1576, was zum Gewölbeschlußstein paßt.
In der Steuerbeschreibung von 1727 steht zu lesen: Ein Haus mit Stadl und Stall, Backstube. Steuerwert 300 Florin. Das ist von den erhalten gebliebenen Steuerunterlagen der höchste Wert in der Straße, liegt aber deutlich hinter den südlichen Gebäuden rund um den Marktplatz.
Auf der Fotografie von 1875 erkennt man für das Gebäude im Erdgeschoß von West nach Ost ein Fenster, dann eine rundbogige Haustür und nochmals zwei Fenster. Im Obergeschoß vier Fenster und im 1. Dachgeschoß zwei kleine Fenster und in deren Mitte ein großes, welches sich im 2. Dachgeschoß wiederholt. Diese beiden Dachgeschoßfenster weisen in ihrer Größe und Form auf eine landwirtschaftliche Lagerhaltung in den Dachgeschossen hin.
Die rundbogige Haustür führt in den gewölbten Flez, der von seiner Größe her für eine Einfahrt geeignet ist, jedoch eine Durchfahrt nicht ermöglicht, da sich hier in der Mitte des Hauses der Backofen befand und im rückwärtigen Teil die sandsteinerne Wendeltreppe sich unverändert befindet. Bereits 1827 ist im Vermessungsplan außerhalb des Hauses bei der Wendeltreppe ein kleiner Schuppen eingezeichnet, der auf eine Toilettenanlage schließen läßt.
Das Gebäude wird von einem Satteldach bedeckt mit Traufseite zur Spitzwegstraße.
Rund 10 Jahre bevor die Fotografie aufgenommen wurde schreibt Joseph Pesserl: „Unter den Privathäusern ragen mehrere an Höhe und Breite gegen andere Häuser hervor. Sie gehörten wahrscheinlich zur Klasse der von Edelleuten bewohnten Freihäuser. Unter solche Häuser zählt das Scherlhaus in der Regensburger Gasse.“
Diese Vermutung über ein Freihaus kann nicht geteilt werden. Dem widerspricht schon das Gebäude selbst, denn Edelleuten bzw. Adligen war es verboten innerhalb der Stadtmauern ein bürgerliches Gewerbe auszuüben oder eine Landwirtschaft zu betreiben. Auch die obigen Ausführungen zur Gewölbeinschrift lassen eine bürgerliche Grundsteinlegung annehmen, auch wenn der mögliche Bauherr durchaus vermögend war und daher einen höheren sozialen Rang in der Stadtgesellschaft einnahm.
1909 gestaltete man die Fassade um. Das Erdgeschoß erhielt zwei Schaufensteranlagen und zwei Ladeneingänge. Die landwirtschaftlich geprägten Fenster der Dachgeschosse wurden umgestaltet. Nun standen zwei Läden für die Eigennutzung als Lederwarengeschäft und zur Vermietung an ein Kaffee-Schokolade-Tee-Geschäft zur Verfügung.
Im Jahre 1932 verabschiedete man sich vollständig aus der Landwirtschaft. Der Stadl wurde im Erdgeschoß zur Werkstätte mit darüber liegenden Wohnung umgebaut. Den Hofraum überdeckte ein Schutzdach.
Der veränderten Warenpräsentation wurde dahin Rechnung getragen, dass man 1955 den westlichen überwölbten Laden nun zu einer Schaufensterpassage umgestaltete, die 1998 wieder verschwand und einer Ladenerweiterung Platz machte.
2005 erfolgte eine Generalsanierung des Hauses mit einer Gebäudeverlängerung in einem Erweiterungsbau.
Persönlichkeiten
- Elias Deischer (gest. 16. Juli 1715), Bäcker, Senator
- Abraham Deischer (geb. 1. März 1669, gest. 6. Januar 1716), Bäcker, innerer Rat
- Johann Evangelist Deischer (geb. 21. März 1802, gest. 12. September 1839) Er starb in Regensburg als Domkapellmeister und Seminar-Inspektor, Priesterweihe 26.5.1826, war Schüler des Violinisten Roth zu Regensburg und wußte dieses Instrument nicht nur selbst mit seltener Fertigkeit und feinem Geschmacke zu behandeln, sondern hatte dazu noch die besonderer Gabe, Schüler in dieser Kunst zu unterrichten.
Einzelnachweise
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