Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 1

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Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 1
Datei:Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 1.jpg
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 1
92421 Schwandorf
Aussehen 1957

Das ehemalige Landgericht

Geschichte

Der älteste nachweisbare Eigentümer ist der Metzger Johann Georg Schreger der 1675 Anna Margarethe Hiltl geheiratet hat. Da Johann Georg aus einem Haus am Marktplatz stammt, hat er wohl hier eingeheiratet. Die Metzgerfamilie Hiltl läßt sich in den Pfarrmatrikeln noch bis 1600 zurückverfolgen.

Durch weibliche Erbfolge wechselte der Familienname von Schreger über Widmann zu Waffler. Bis 1796 wurde auf den Anwesen das Metzgerhandwerk ausgeübt.

Veranlaßt durch die von Maximilian von Monteglas ausgeführten Verwaltungsreformen im Kurfürstentum Bayern, zeichnete sich die Aufhebung der erblichen Pflegschaft in Schwandorf ab. Da der Pfleghof im Privateigentum der Familie von Quentel stand musste eine neue Lösung gefunden werden. Der amtierende Bürgermeister Christoph Pesserl kaufte 1796 mit seinem Privatvermögen das Haus und stellte es wenig später dem Pfleg- und Kastenamtskommißär Benno Weber als privates Wohnhaus zur Verfügung.

Am 21.2.1799 wurde das erbliche Pflegamt aufgehoben und die Wohnung des Kommißärs zum Landgericht ernannt. Gleichzeitig erfolgte der Eigentumsübergang auf den bayerischen Staat. Durch die Fortführung der Verwaltungsreform verlegte man 1803 den Gerichtssitz nach Burglengenfeld.

So wurde das Gebäude für den Staat entbehrlich. 1806 kaufte es der Schneider Philipp Richthammer aus Ensdorf als privates Wohnhaus. Da dieser bereits vorher in Schwandorf ebenfalls eine Schneidertochter geheiratet hatte, übte er nun sein Handwerk hier aus.

Zweimal wurde das Anwesen innerhalb der Familie weiter vererbt, bis 1875 der Nachbar, der Tafernwirt Josef Hubmann, den Besitz kaufte. Hubmann war allerdings weniger an dem Gebäude interessiert, als an dem Garten vorm Haus. Schon ein Jahr später verkaufte er das Haus an den Krämer Georg Straubinger.

Den Garten, es ist heute die Freifläche zwischen dem Haus und dem Anwesen Marktplatz 1, hatte Hubmann vom Besitzer des Hauses Marktplatz 1 erkauft, verbesserte die Zufahrt und nutzte ihn nun als Abstellplatz für Kutschen seiner Gäste.

Die Familie Straubinger blieb nicht lange in dem Gebäude. Schnell wechselten die Eigentümer bis 1896 der Spengler Johann Eisenhart das Anwesen ersteigerte und anschließend seiner Tochter Katharina Seebauer überließ. Ihr Gatte Johann Baptist betrieb nun hier ein Uhrmacher- und Optikergeschäft. Die Geschäftsräume im Erdgeschoß wurden weiter ausgebaut und zeitweise bestanden drei voneinander unabhängige Läden im Haus.

1920 kam der aus München stammende Konditormeister Josef Dobler hierher und verwöhnte die Schwandorfer mit seinen Kreationen. Seinen juristischen Nachkommen gehört das Anwesen noch heute.

Architektur

Der Besitz bestand ursprünglich aus einem Wohnhaus, mit östlich angebautem Stadel und Hofraum und Brunnen. Er grenzt im Norden in voller Länge an die Rückgebäude des Anwesens Marktplatz 1 von denen es bis heute durch eine Reiche baulich getrennt ist. Die Steuerbeschreibung von 1727 ist leider nicht erhalten geblieben.

1806 wird das Gebäude mit Stall und Schupfe und einem Felsenkeller am Berg beschrieben. Stall und Schupfe fielen einem Umbau 1866 zum Opfer. Das Wohnhaus wurde bis zum Nachbargebäude entlang der Straße verlängert. Ein Durchgang ermöglichte den Zugang zum jetzt rückwärtigen Hof.

1866 schreibt Pesserl, daß an der Fassade des Hauses noch das kurfürstliche Wappen über dem Eingang zu sehen war, welches an die Zeit als Landgericht erinnerte. Das Wappen war offenbar um 1800 auf die Fassade gemalt worden.

Schon 1876 erfolgte die nächste Änderung, der Einbau eines dritten Ladens. Die drei Geschäftsräume waren voneinander getrennt und über den Hofraum und einen Flur von hinten zu erreichen. Selbstverständlich hatten die Läden an der Straße Schaufenster und einen Kundeneingang.

Anfang der 1960er Jahre erfolgte ein grundlegender Umbau. Aus den drei Läden im Erdgeschoß wurde ein großer Laden, im Erdgeschoß rückten die Schaufenster um gut einen Meter zurück um einen Durchgang zu schaffen und so den Bürgersteig auf das private Grundstück zu verlegen. Gleichzeitig wurde die Nord-West-Ecke des Hauses abgeschrägt. So ist die Straße an der Stelle breiter geworden und der Verkehr konnte besser fliesen.

Im Jahre 2015 wurde das Gebäude saniert und der 1866 ausgeführte Anbau abgebrochen. An dessen Stelle entstand ein neues Treppenhaus mit einem Aufzug. Der 2025 durchgeführte Ladenumbau brachte ebenso wie die Sanierung von 2015 keinen Rückbau des ehemaligen und inzwischen aufgelassenen Bürgersteiges auf privaten Grund.

Geschichtsrätsel

Dieses Gebäude hat bei der Steuerbeschreibung 1727 die Steuernummer 1 erhalten, bei den Fassionen, die ab 1800 angefertigt wurden, ebenfalls die Nummer 1. 1827 wurden in Schwandorf die bis heute gültigen Flur- oder Plannummern vergeben, die man dann in die Hypothekenbücher und ins heutige Grundbuch übernahm; auch hier die Nummer 1. Selbst bei Anfertigung der Liquidationsprotokolle 1839 erhielt das Anwesen die Nummer 1.

In anderen Orten zum Beispiel in Burglengenfeld erhielt das Rathaus die Nummer 1. In Fronberg, Kronstetten, Steinberg das jeweilige Schloß und in Kronstetten das Wirtshaus unterhalb der Kirche. Allen gemeinsam ist, daß es sich um große und bedeutende profane Häuser im Ort handelt, jedoch um keine Kirchen.

Warum ist das in Schwandorf anders? Warum begann die Zählung nicht beim Rathaus mitten auf dem Marktplatz oder beim Pfleghof, sondern bei einem vergleichsweise kleinen Gebäude in einer Nebenstraße?

Persönlichkeiten

  • Rosina Weber, verwitwete von Reisch, geb. Gleichwich, Präfektentochter aus Regenstauf, Pflegverweserswitwe von Schwandorf und Mutter von drei hochrangigen königlich bayerischen Beamten
  • Benno Weber, Pflegverweser, ab 1799 Landrichter bis September 1803, dann in Regenstauf und später in Eichstätt

Einzelnachweise