Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 8

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Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 8
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 8
92421 Schwandorf
das Bild entstand um 1900

Ein mehrfach umgebautes Haus.

Geschichte

Der älteste bekannte Eigentümer ist der Schwanenwirtssohn und Metzger Sebastian Lorenz. Er ist wohl um 1727 in dieses Haus ausgewichen, da sein gleichaltriger Stiefvater die Übernahme des Elternhauses blockierte. Seine drei Ehen sind kinderlos geblieben, so kamen sowohl das Elternhaus als auch dieses Gebäude in fremde Hände.

1756 erwarb das Gebäude der aus Sindelbach stammende Metzger Franz Kinskofer. Ab 1798 folgten mehrere Eigentumswechsel an von auswärts zuziehenden Familien. Aber alle übten das Metzgerhandwerk hier aus.

Im Jahre 1810 übernahm Simon Elbinger, ein Austragsbauer aus Richt, das Anwesen. Fortan wurde er als Stadtbauer genannt. Sein Betrieb war eher bescheiden und diente wohl nur zur Selbstversorgung. Das Anwesen erbte seine noch unversorgte Tochter, deren beide Ehemänner dann ebenfalls als Stadtbauer bezeichnet wurden.

Der Regensburger Bote Josef Kölbl erwarb 1827 das Anwesen. Drei Generationen lang blieb die Familie im Haus und verrichtete ihre Dienstleistung. Nebenbei betätigten sie sich als Fragner, eine alte Bezeichnung für Kleinhändler.

Franziska Frischholz und ihr Schwager Emil Liebhardt prüften 1906 ob sich hier eine Buchdruckerei ansiedeln ließe. Dazu reichten sie einen Bauplan ein.

Das Vorhaben zerschlug sich und so tauschte der hiesige Feinmechaniker Johann Rebler, vormals aus Wohlfest stammend, das Anwesen ein. Er verlegte sein 1905 öffnetes ein Geschäft für Fahrräder und Nähmaschinen, dazu gab es landwirtschaftliche Maschinen und eine mechanische Werkstatt. Im Laufe der Zeit wurde das Sortiment auf Automobilteile der Marken Lloyd - Goliath – Borgward erweitert. Zuletzt gab es zudem Motorräder und Kinderwägen zu kaufen. Der Sohn des Firmengründers verlegte 1958 den stets wachsenden Betrieb in die Goethestraße.

Die Geschwister Lina und Heinrich Forster eröffneten dann ein Geschäft für Stoffe und alles was man zur weiteren Verarbeitung brauchte. Es gab Faden, Zwirn und Wolle, Knöpfe und Reißverschlüsse in allen möglichen Farben und Formen und Größen, Vorhangstangen und vieles mehr. Bei Frauen auch begehrt die Strümpfe aus Seide, Nylon und Perlon, sowie deren Reparatur.

1984 gaben die Geschwister aus Altersgründen und mangelnder Nachfolge aus der eigenen Familie den Betrieb auf. Es folgte eine Vermietung an die Firma Hautum, die das Sortiment in weiten Teilen übernahm.

Seit 1996 sucht das Gebäude eine neue Verwendung. Eine kurzfristige Nutzung als Spielstube für Kleinkinder konnte sich nicht dauerhaft etablieren.

Architektur

Nach dem Vermessungsplan von 1827 besaß das Grundstück sowohl von der Friedrich-Ebert-Straße als auch von der Breite Straße her eine Zufahrt. Die Breite Straße hat eine Art nördlichen Nebenarm, der zwischen den zwei Gebäuden Breite Straße 8 und 10 zu diesem Grundstück führt. Zwischen den Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 8 und 10 befindet sich eine Reiche.

Josef Kölbl tauschte 1836 seinen gegenüber gelegenen Stadl mit Friedrich Glatzl und wurde so Besitzer der PlNr. 221/2 mit einer weiteren Zufahrt von der Breite Straße zwischen den Hausnummern 6 und 8. Den ertauschten Stadl verkauft er noch am selben Tag an den Besitzer von Breite Straße 6. Diese Aktion brachte eine ordentliche Menge Geld in die Kasse.

Im Jahre 1812 wurde das Anwesen beschrieben als gemauertes Wohnhaus mit Stallung und Stadl. Dies erweiterte man 1839 um Schweinestall, Hofraum, Brunnen und Keller.

Das älteste bekannte Bild von dem Gebäude entstand um 1900. Es zeigt einen großen Eingangsbereich im Erdgeschoß mit zwei Fenster samt Fensterläden. Im Obergeschoß zwei und ein Fenster. Wobei es bei den beiden nebeneinander liegenden Fenstern dazwischen eine Mauernische gibt, die Platz für eine Plastik bietet.

Das Gebäude überspannt ein Satteldach mit je einem Giebel zur Straße und zum Hofraum.

Die heutige Fassade zeigt den Stil der 1960er Jahre. Das Erdgeschoß zur Straße hin war ein einziger Raum. Der Verkaufsraum mit einer die ganze Breite des Haus einnehmenden Schaufensteranlage.

Persönlichkeiten

  • Josef Kölbl (geb. 12. Februar 1791, gest. 19. Februar 1875) Regensburger Bote
  • Josef Kölbl (geb. 9. Oktober 1823, gest. 25. Dezember 1887) Regensburger Bote
  • Josef Kölbl (geb. 21. April 1856, gest. 21. November 1897) Fragner und Bote
  • Elisabeth Rebler (geb. 14. August 1930) Arme Schulschwester in Neumarkt und Regensburg, Ordensname Maria Lydia

Einzelnachweise