Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 6
| Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 6 | |
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| Adresse: | Friedrich-Ebert-Straße 6 92421 Schwandorf |

Ein 1892 neu erbautes Haus unter Verwendung älterer Mauern.
Geschichte
Der älteste bekannte Eigentümer ist der Schuster Veith Jakob Zeller, der 1670 hier die Ehe geschlossen hat. Der Familienname Zeller oder Zoller kommt in älteren Kirchenbücher nicht vor, ebenso der Name Pims, der Geburtsname der Ehefrau. Es ist wohl anzunehmen, dass beide Familien erst nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Schwandorf kamen.
Deren Enkelin Maria Magdalena heiratete 1731 den Hutmacher Erhard Brunner, damit kam ein neues Gewerbe ins Haus.
Die nächste Generation erwarb 1792 ein größeres Gebäude in der Nähe vom Regensburger Tor.
Der Krämer Mathias Schlögel, geboren bei Ulm, ertauschte dieses Haus mitten in der Stadt.
Drei Generationen lang machte die Familie hier offenbar gute Geschäfte, denn 1838 konnte Alois Schlegel ein vielfach größeres Haus, ebenfalls in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße, kaufen. Dieses Anwesen überließ er seinem Schwager Anton Fischer, der bei der Stadt Schwandorf als Spitalförster angestellt war.
Der aus Haselbach stammende Bäcker Franz Josef Grabinger kaufte 1853 das Haus. Dabei blieb das Gebäude quasi innerhalb der gleichen Berufssparte, denn Franz Josefs Frau war eine Revierförsterstochter aus Biechheim. Deren Sohn verkaufte den Besitz und zog in einen Neubau an der heutigen Klosterstraße.
Für drei Jahre arbeitete dann ein Weber im Haus, bis es 1867 der Bader Wilhelm Arbeiter ersteigerte.
1872 folgte der Konditor Rudolf Kiesling. Mit dem Handwerk, das fast 90 Jahre lang im Haus bleiben sollte, veränderte sich auch das Gebäude. Deren Schwiegersohn Theodor Villforth verlieh Prinzregent Luitpold den Titel „Königlicher Hoflieferant“. An der Fassade des Hauses wurde daraufhin das Königliche Wappen angebracht.
Die Verleihung des Titels „Königlich Bayerischer Hoflieferant“ erfolgte auf Antrag des Bewerbers. Um den Ehrentitel zu erhalten prüfte die Behörde ob der Bewerber von tadellosen Leumund ist und in soliden Vermögensverhältnissen lebt. Zudem mußte sein Handwerk höchsten Produkt- und Qualitätsstandards entsprechen. Das Unternehmen selbst sollte führend in der Branche sein und sich nach außen mit einer gepflegten Atmosphäre, Innovation und einem Ruf für ausgefallene Waren darstellen. Dabei war es nicht zwingend, dass Waren tatsächlich an den königlichen Hof geliefert werden.
So warb Villforth 1906 in der Zeitung mit „hochfeinen auswahlreichen Eisbackwaren“, die es immer nur Mittwochs oder auf Bestellung gab. Das Gesellenstück seines Lehrlings Georg Reiser erzielte 1910 einen Preis bei einer Ausstellung der Handelskammer und war anschließend im Schaufenster des Betriebs zu sehen.
Der Nachfolger, der Konditor Josef Mangold verkaufte das Anwesen 1960 an die Meiller´sche Druck und Verlags GmbH, deren Verwaltung einzog. Im Erdgeschoß befand sich die Geschäftsstelle des Schwandorfer Tagblattes.
1994 wechselte das Gebäude erneut den Besitzer und wartet seitdem auf eine Wiederbelebung.
Architektur
Nach dem Vermessungsplan von 1827 besaß das Anwesen keinen Zugang von Süden, also von der Breite Straße her. Aber bereits 1804 wird es als gemauertes Wohnhaus mit Scheune und Stallung unter einem Dache beschrieben. Es ist daher anzunehmen, dass die Zufahrt von der Friedrich-Ebert-Straße aus erfolgte.
Bei Betrachtung der noch ursprünglich erhaltenen Kellerräume war das Gebäude zur Straße hin etwa zur Hälfte unterkellert. Erst später erfolgte eine Kellererweiterung nach Westen und Süden. Alle Kellerräume sind gewölbt. Das Maß des Kellers zeigt etwa die Wohnräume und die Durchfahrt im Erdgeschoß.
1835 wurde der Stadel an den Nachbarn verkauft. Damit war die Durchfahrt entbehrlich und auf einen schmalen Gang reduziert. Die gewonnene Fläche brachte zusätzliche Zimmer.
Bis 1892 war das Gebäude nur erdgeschossig mit einem Giebel zur Straße hin.
Das Jahr 1892 brachte eine grundsätzliche Gebäudeänderung. Dabei wurden so viele Mauern wie möglich erhalten. Da man das Haus jedoch aufstockte und verlängerte, gleicht es eher einem Neubau. Die Baumaßnahme brachte die heutige Kubatur mit einem Satteldach und je einem Giebel. Wegen der Aufstockung mußten von den beiden Nachbarn je ein Fenster zugemauert werden. Über dem Treppenhaus ist eine Oberlichte eingezeichnet.
Im Hofraum befand sich eine Holzschupfe mit Torflager. Aus letzterem wurde später ein Waschhaus. Zudem befand sich im Hofraum ein zweistöckiger Abort mit einen überdeckten Gang im Obergeschoß. 1906 erstellte man einen weiteren Anbau aus Eisen und Glas.
1954 konnte der abgegangene Stadel zurückgekauft werden. Gleichzeitig blieb er jedoch an den bisherigen Eigentümer als Backstube verpachtet. 2016 erfolgten eine Sanierung der Bäckerei und eine Betriebsumstrukturierung. In diesem Zusammenhang wurde der Zugang vermauert. Heute besitzt der ehemalige Stadel weder Fenster noch Tür und kann nicht betreten werden.
Kunst am Bau
An der Fassade im ersten Obergeschoß zwischen den Fenstern war das königlich bayerische Wappen angebracht. Die Erlaubnis dafür erhielt Theodor Villforth mit der Verleihung des Titels „königlicher Hoflieferant“ durch Prinzregent Luitpold von Bayern. Selbst Villforths Betriebsübernehmer warb 1911 als „königlich bayerischer Hoflieferant Nachfolger“.
Persönlichkeiten
- Mathias Schlögl (geb. 1729, gest. 19. September 1789) Angestellter der Familie Freiherr Walser von Syrenburg (Schwiegereltern des Pflegers Freiherr von Quentel) in deren Gefolge er nach Schwandorf kam, Krämer
- Josef Clement Schlögl (geb. 11. Dezember 1797, gest. 13. Dezember 1857) Kaplan in Roding, Pfarrer in Kastl bei Stadtkemnath. Neben dem Vorzuge treuen Pflichteifers und edler Herzensgüte besaß er die Fertigkeit einer dem Auge wohlgefälligen, vortrefflichen Handschrift, sowie der Behandlung der edleren Blumenzucht in seltenem Grade. Durch letztwillige Verfügung setzte er die Kreuzbergkirche als Haupterbin seines Vermögens ein.
- Wilhelm Arbeiter (geb. 16. Januar 1840, gest. 24. Oktober 1896) approbierter Bader, Badereibesitzer
- Theodor Villforth, Konditor und königlich bayerischer Hoflieferant