Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 13

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Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 13
Adresse:Friedrich-Ebert-Straße 13
92421 Schwandorf

Ein unter Verwendung älterer Mauern 1911 grundlegend umgebautes Haus.

Geschichte

Der älteste bekannte Eigentümer von dem Haus ist der Schneider Georg Tretter, der 1689 von Ensdorf kommend in dieses Haus eingeheiratet hat. Seine Frau Regina, ebenfalls eine Schneidertochter, entstammt der Familie Scherer.

Die Familie Scherer läßt sich bis zum Beginn der Aufzeichnungen in den Matrikelbücher in Schwandorf zurückverfolgen. Damals war ein Sebastian Scherer Hutkapfer, also Leiter des Eisenwerks, für Margarethe von Zettwitz später verheiratete von und zu Guttenberg, der Nichte und Erbin von Hans Walram von Vestenberg auf Fronberg.

Sebastian schloß 1595 eine zweite Ehe und zog von Fronberg nach Schwandorf.

Bis 1728 blieben die Nachkommen von Georg Tretter auf dem Haus, dann kam es durch Eheschließung in fremde Hände.

1754 übernahm Bartholomä Reinboth von seinem Onkel das Anwesen und brachte das Metzgerhandwerk mit. Seine Witwe heiratete 1799 den [Schwandorf Marktplatz 30|Kronenwirt]] Andreas Kinskofer. Die Ehegatten wohnten am Marktplatz, somit war wohl das Gebäude vom Eigentümer nicht mehr bewohnt.

1803 übernahm der Bäcker Andreas Kiener das Haus vom Schwiegervater. Ihm gehörten nun zwei nebeneinander liegende Gebäude.

Einige Monate später kaufte der Melber Andreas Deischer das Gebäude. Er stammte aus dem Hause Friedrich-Ebert-Straße 15 und erwarb als weichender nachgeborener Sohn das Nachbaranwesen. Noch im gleichen Jahr heiratete er die 15 Jahre ältere Bäckertochter Margarethe Weigert aus dem Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 2. Die Ehe blieb jedoch kinderlos. Als 52jähriger schloß er mit einer 19 Jahre jüngere Frau einen weiteren Bund fürs Leben. In dieser Ehe wurden zwei Töchter geboren. 1855 verließ die Familie Schwandorf mit unbekannten Ziel.

Bereits 1843 erwarb der aus Oder stammende Melber Josef Seebauer das Anwesen. Dessen Tochter Theresia heiratete 1874 den Hutmacher Josef Brunold. Er brachte nicht nur ein neues Handwerk ins Haus. Auf ihn geht auch der im Volksmund gebräuchliche Begriff „Houtererbrunnen“ zurück, der den öffentlichen Brunnen vor dem Haus bezeichnete. 1910 haben auch die Ehegatten Brunold Schwandorf verlassen und tauchen in den Büchern nicht mehr auf.

Neue Eigentümer wurden die aus Polen stammenden Ehegatten Jakob und Amanda Friedmann. Sie eröffneten ein Herrenbekleidungsgeschäft, in dem es aber auch Fahrräder und Nähmaschinen zu kaufen gab. Da die Ehegatten Friedmann jüdischen Glaubens waren sind sie vor der nationalsozialistischen Partei gedemütigt worden. Nachdem Jakob 1937 in Schwandorf verstorben war, verkaufte seine Witwe 1938 das Anwesen und flüchtete mit ihren Kindern nach Kuba.

Der Friseur Josef und dessen Ehefrau Maria Reiser erwarben das Haus und eröffneten ein Geschäft in welchem es Sportartikel, Badeartikel, Lederwaren und Parfüme zu kaufen gab. Während die Abteilung Parfümerie im Laufe der Zeit aufgegeben wurde kam immer mehr Bekleidung für Damen und Herren ins Sortiment. Bereits 1966 warb man mit „Mode und Sport Reiser“.

1998 ging das Gebäude und Geschäft in die Hände neuer Eigentümer über. Die Familie führt das Sortiment unverändert fort.

Architektur

Das Grundstück ist mit 20 Meter Anteil entlang der Friedrich-Ebert-Straße und seiner ursprünglichen Fläche die größte Liegenschaft innerhalb der Stadtmauer an der Straße. Die heutigen Anwesen Spitzwegstraße 3 und 5 sind Abmessungen von dieser Fläche. Die letzte Abmessung fand 1860 statt.

Das Grundstück hatte zwei Zufahrten von der Straße her. Zunächst eine Hofeinfahrt an der östlichen Grundstücksgrenze. Diese Hofeinfahrt ist im Grunde nach noch heute ersichtlich, da hier nur das Erdgeschoß überbaut wurde. Die oberen Stockwerke halten unverändert einen Abstand zum Nachbarn. Die zweite Zufahrt war eine Gebäudedurchfahrt an der westlichen Grundstücksgrenze. Diese bestand noch 1875 und ermöglichte eine landwirtschaftliche Lagerhaltung im Dachgeschoß des Wohnhauses.

Danach begann eine rasante Entwicklung, denn mit Bauplan von 1907 beantragte man bereits den Einbau eines dritten Ladens mit Schaufenster. Inzwischen wurde aus der Durchfahrt ein Laden und aus dem angrenzenden Zimmer ein zweiter Verkaufsraum. Nun sollte auch aus dem letzten, östlichsten Erdgeschoßzimmer ein weiterer Laden entstehen.

Unmittelbar nach dem Kauf durch die Familie Friedmann, 1910, beantragte diese eine Fassadenänderung zur Straße hin: neue Fenster und Stuck im Stil der Gründerzeit. Dazu ein neues Rückgebäude.

Ob die Fassadenänderung tatsächlich ausgeführt wurde bleibt zweifelhaft, denn schon 1912 wurde ein weiterer Bauplan zur Fassadenänderung mit Aufstockung des Hauptgebäudes vorgelegt. Dieser Plan wurde dann ausgeführt und zeigt im wesentlichen die noch heute vorhandene Gliederung. Lediglich ein damals errichteter Erker, der sich auch auf einigen Bildern wiederfindet, ist inzwischen verschwunden.

Zahlreiche Umbauten veränderten das Erdgeschoß. Aus den drei Läden ist inzwischen ein großer geworden. Eine Schaufensterpassage wurde in den 1926 errichtet, später erweitert und ist inzwischen schon wieder Geschichte. Und die Hofeinfahrt von der Straße her gab man zugunsten einer Ladenerweiterung auf. Das Grundstück ist inzwischen im Erdgeschoß vollständig überbaut und hat keine Freifläche mehr.

Persönlichkeiten

  • Franz Josef Hildebrand (geb. 4. Mai 1697, gest. um 1760) Chorregent von 1722 bis 1742,
  • Franz Bartholomä Reinboth (geb. 30. April 1718, gest. 1799) Metzger, 1775 consul extra

Einzelnachweise