Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 17
| Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 17 | |
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| Adresse: | Friedrich-Ebert-Straße 17 92421 Schwandorf |

Ein 1983 von Grund auf neu erbautes Haus.
Geschichte
Die ältesten bekannten Eigentümer sind 1670 die Ehegatten Georg Holzbogen und dessen Ehefrau Margarethe eine geborene Dischinger. Der Ehemann war ein Sohn aus dem Anwesen Friedrich-Ebert-Straße 14. Die Schusterfamilie Dischinger ist schon vor dem 30jährigen Krieg in Schwandorf ansässig.
Nach dem Tod von Georg heiratete die Witwe Margarethe ein zweites Mal und zog in die Spitalstraße. Das Haus behielt sie als Eigentum und übergab es später dem Sohn Abraham Holzbogen.
Abraham blieb bis zu seinem Tod, 1744, hier wohnen. Seine Kinder hatten wohl Schwandorf verlassen, da sie in den Kirchenbüchern nicht mehr zu finden sind. So kam es zum Verkauf des Hauses.
Georg Reinboth, ein Melber, erwarb das Anwesen. Bereits fünf Jahre später starb er 34jährig. Schon drei Monate nachher heiratete die Witwe Margarethe, ursprünglich eine Bauerntochter aus Wiefelsdorf, Georg Mathias Roth von Hirschau, dessen Mutter aus Schwandorf stammt.
Die Ehegatten Roth konnten zwar das Haus noch an ihre Tochter übergeben, aber dann begann ein Reigen mehrerer Erbfälle und zweite Eheschließungen, so daß sich letztlich kein Gen der Ehegatten Roth im Haus erhalten hat. Dann folgten Verkäufe an Familien die nur kurze Zeit im Haus blieben. Allen gemeinsam war das Handwerk der Melber.
Interessant ist auch, dass sich zwischenzeitlich die beiden Backöfen vor dem Regensburger Tor als Alleineigentum zum Besitz gehörten.
1853 erwarb die Spitalstiftung das Anwesen. Behielt sich alle Äcker und Wiesen und auch die Backöfen vor und veräußerte alsbald das Haus ohne jeglichen weiteren Grund.
Stefan Gruber aus Dachelhofen gebürtig kaufte das Haus und rund 10 Jahre später auch das Nachbaranwesen. Durch einen Umbau 1866 verschmolz er die beiden Gebäude zu einem Besitz.
Sechs Jahre später verkauften die Ehegatten Gruber das Anwesen an den Bader Wilhelm Arbeiter. Mit ihm kam ein neues Handwerk ins Haus. Der „Arzt des kleinen Mannes“ blieb bis 1902.
Dann übernahm Alois Haas aus Blaibach die Geschäfte. Er inserierte als approbierter Bader, Friseur und Zahntechniker. Aber auch Schiffspassagen zu den kanarischen Inseln und nach Südamerika konnte man bei ihm buchen.
Später eröffneten die Kinder von Alois Geschäfte im Haus. So hatte Dr. Hans Haas eine Praxis für innere Medizin im Gebäude und Willi Haas verkaufte Uhren, Geschirr sowie Gold- und Silberwaren.
1978 erwarb die heutige Eigentümerfamilie das Haus.
Architektur
Das Grundstück liegt an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße und Spitzwegstraße. Es hat also von zwei Seiten einen Zugang.
Schon im 17. Jahrhundert kam es zu Abspaltungen. Zunächst ein rund 5 Meter breiter Teil an der Friedrich-Ebert-Straße. Dies könnte früher eine Einfahrt gewesen sein, denn der anschließende verbliebene Hofraum hatte nun keine direkte Verbindung mehr.
Ferner ging ein Teil von einem Stadel ab, direkt an der Spitzwegstraße gelegen, der seitdem zum Haus Spitzwegstraße 4 gehört und inzwischen die Hausnummer 2 erhalten hat.
In der Steuerbeschreibung von 1727 steht zu lesen: Ein Haus dazu Stadel und ein kleiner Stall.
Das Gebäude bestand wohl aus einem Erdgeschoß mit zwei Fenster und einer Haustür zur Südseite. Im Obergeschoß drei Fenster und war bedeckt mit einem Krüppelwalmdach.
1865 konnte das Nachbargebäude, die wohl ehemalige Einfahrt, wieder zurückgekauft werden. Laut Vermessungsoperat kam es zu einem Umbau mit Verschmelzung der beiden Anwesen. Dabei wurde der Neuerwerb aufgestockt und mit dem Altbestand verbaut. Der neue Gebäudeteil erhielt nun ein Satteldach mit Traufseite zur Friedrich-Ebert-Straße.
Diese etwas eigenwillige Dachform mit halben Krüppelwalmdach und anschließendem flachen Satteldach ist bereits auf dem Bild von 1875 zu sehen und sollte bis zum Abbruch 1983 nicht mehr verändert werden.
Mit Bauplan von 1909 beantragte der Eigentümer den Umbau eines Stadels, an der Spitzwegstraße, zu einem Wohnhaus. Es bestand aus dem Erdgeschoß mit Einfahrt, ein Obergeschoß und ein bewohnbares erstes Dachgeschoß. Das Gebäude war bedeckte mit einem Satteldach mit Traufe zur Spitzwegstraße und vier Gauben im 1. Dachgeschoß. Auch im Bestandgebäude erfolgten Umbauen: so der Einbau von zwei Abortanlagen und der Anbau von zwei Zimmern. Im Plan ist noch ein Bestandsladen eingezeichnet, dessen Lage und Grundfläche auf eine Entstehung im Jahre 1865 schließen läßt.
Schon zwei Jahre später, wird ein Plan zum Umbau des Ladens vorgelegt. Er soll etwas verkleinert werden. Die abgetrennte Fläche und der Hausflur bildeten einen zweiten Laden. Beide Läden erhielten separate Eingänge mit je einem Schaufenster. Im Gegenzug waren die Wohnräume jetzt nur noch über die Spitzwegstraße erreichbar.
Im Geschäfts- und Adressbuch von 1921 sind dann drei getrennte Geschäfte verzeichnet: der Bader, Friseur, Parfümeriehändler und Zahntechniker Alois Haas, dann die Kolonialspezereiwarenhandlung Maria Reichenberger und der Schuhmacher Alois Lehner. Daraus folgend war inzwischen der letzte Wohnraum zur Straße hin zu einem dritten Laden umgestaltet worden.
In den 1950er Jahren als sich das Gold- und Silbergeschäft Willi Haas etabliert hatte wurde der Eckladen zu einer Schaufensterpassage umgestaltet.
1983 erfolgte der vollständige Abbruch aller Gebäude und es entstand ein von Grund auf neu erbautes Haus. Das neue Bekleidungsgeschäft verfügte über vier Etagen, die mit einem Personenaufzug und einer großzügigen Treppe miteinander verbunden waren.
Doch auch dies ist inzwischen Geschichte. In den 2010er Jahren verschwand der Handel aus dem Haus. Im Erdgeschoß befindet sich nun eine Rechtsanwaltskanzlei und in den oberen Stockwerken Augenärzte. Die Praxis besitzt sogar einen Operationsraum.
Persönlichkeiten
- Alois Haas (geb. 5. Juni 1870, gest. 1950), Bader, Innungsobermeister der Friseure Schwandorf-Burglengenfeld, Träger des silbernen Ehrenkreuzes des Landesverbands der Friseure in Bayern.
- Volker Jakobitz (geb. 11. September 1943; gest. 13. Juli 2016); Er wurde 1993 erstmals mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt, 2000 folgte das Verdienstkreuz 1. Klasse. Der Bayerische Verdienstorden wurde ihm am 9. Juli 2009 verliehen. Darüber hinaus war er Träger des Goldenen Ehrenringes der IHK Regensburg. Von 1998 bis zur Auflösung am 31. Dezember 1999 war er Mitglied des Bayerischen Senats.
Einzelnachweise
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