Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 5
| Schwandorf Friedrich-Ebert-Straße 5 | |
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| Adresse: | Friedrich-Ebert-Straße 5 92421 Schwandorf |
| BLfD-ID: | D-3-76-161-7 |

Ein unter Verwendung von Teilen des Altgebäudes 1925 neu erbautes Haus
Geschichte
Die ältesten bekannten Eigentümer sind der Tuchmacher Balthasar Pesserl und dessen Gattin Anna Margarethe eine geborene Pertold, die 1677 die Ehe geschlossen haben. Da der Bräutigam aus Seebach in der Pfarrei Deggendorf stammt und die Braut eine Schwandorfer Müllertochter ist, haben die Beiden das Anwesen wohl gekauft.
Vier Generationen lang bis 1804 übte die Familie das Tuchmacherhandwerk hier aus. Dann ersteigerte Josef Pesserl das Kapuzinerkloster und wechselte an die heutige Bahnhofstraße. Neuer Eigentümer wurde der Gerichtsdiener Georg Roll, der es schon wenige Monate später mit dem Anwesen Spitzwegstraße 20 vertauschte.
Der Melber Franz Meyer zog nun ins Haus. Da die Ehe von dessen Sohn Johannes kinderlos geblieben ist, wechselte 1827 erneut der Eigentümer.
Franz Josef List, ein Tischler, ursprünglich aus Nittenau stammend, überließ seinem Bruder das bisherige Anwesen in der Rathausstraße und wechselte hierher. 17 Jahre später tauschte er das Haus gegen das Objekt Friedrich-Ebert-Straße 29.
Der Weber Anton Brandl bot nun für 20 Jahre seine Waren hier an bis er 1864 in das deutlich kleinere Haus gegenüber umzog.
Der Nachbarsohn Josef Schuierer aus dem Haus Friedrich-Ebert-Straße 3 nutzte die Gelegenheit zum Kauf und eröffnete eine Seifensiederwerkstatt. Nur eines von seinen 10 Kindern hat das heiratsfähige Alter erreicht. Die Tochter vermählte sich mit einen Lokomotivführer und verließ Schwandorf.
1904 erwarb der Buchdrucker Johann Georg Meiller das Anwesen. Seine Witwe übergab 1975 Betrieb und Gebäude in jeweils getrennte GmbHs. Inzwischen sind die Firmen abgewickelt und das Haus in fremde Hände verkauft.
Im Erdgeschoß befindet sich eine Filiale der NKD Deutschland GmbH, deren Eigentümer seit 1. April 2026 die Mr. Price Group ist.
Architektur
Das Anwesen stößt mit seiner Nordgrenze an die Berggasse. So wäre eine Durchfahrt durch das Grundstück theoretisch möglich. Im Vermessungsplan von 1827 besteht der Besitz aus einen Haus direkt an der Friedrich-Ebert-Straße, einen Stadel ebenfalls direkt an der Straße und einen weiteren Stadel. Dazu ein geäumiger Hofraum, der zum Wenden von Fuhrwerken geeignet ist. Im rückwärtigen Grundstück zur Berggasse hin ist ein großer Garten. Es ist hier kein Fahrweg eingezeichnet, was sich wohl mit dem Höhenunterschied von rund einem Stockwerk erklärt.
Um 1830 wurde der Stadel an der Friedrich-Ebert-Straße verkauft und zu einen gesondertem Wohnhaus umgebaut. Das neue Anwesen erhielt die Hausnummer und Flurnummer 3 ½.
Das ursprüngliche Baujahr des Hauptgebäudes und dessen Aussehen sind unbekannt. Es wird beschrieben als gemauertes Haus mit einer Stallung. Desweiteren mußte der jeweilige Eigentümer dulden, daß das ablaufende Regenwasser von den Dächern hinter seinem Garten durch seinen Garten und durch die Haustennen des Nebengebäudes auf die Straße fließt. Demnach muß eine Gebäudedurchfahrt vorhanden gewesen sein.
1860 errichtete man einen Neubau. Ob hier Teile des Vorgängerbaues verwendet wurden ist unklar. 1864 entstand im Inneren des Gebäudes eine Seifensiederwerkstatt. Nach dem Rückkauf des Hauses 3 ½ wurde erneut umgebaut. Im Operat von 1874 liest man: „Wohnhaus mit Stall, Schupfe, Schweinestall, Stadl, Laden, Seifensiederwerkstatt, Hofraum, Keller“. Kaum 20 Jahre später erhielt das Gebäude ein weiteres Stockwerk aufgesetzt. Dabei hat es wohl den Giebel, wie auf dem vorliegenden Foto, erhalten.
Im Jahre 1925 errichtete man erneut ein Gebäude. Dabei sind Teile der Vorgängerbauten übernommen worden. Für den Abbruch benötigte es eine spezielle Genehmigung, denn damals herrschte Wohnraummangel. Der Bauherr mußte den Nachweis erbringen, daß im Neubau die verlorengehenden Wohnungen wiedererrichtet werden. Bei dem Bau entstanden ein Erker sowie einige zeittypische und schmückende Bauelemente. Weswegen man den Bau als „Architektur der Moderne“ kritisierte. Und genau wegen dieser Architektur wurde er inzwischen als ein Einzeldenkmal ausgewiesen.
In den 1970er Jahren erfolgte eine Erweiterung der Geschäftsräume im Erdgeschoß. Eine kurzfristig vorhandene Passage verschwand wieder. Inzwischen füllen die Gewerberäume das gesamte Grundstück zur ebenen Erde. In den oberen Stockwerken befanden sich Wohnräume sowie Büro- und Praxiseinheiten, die inzwischen zu Wohnungen zurück gebaut wurden.
Kunst am Bau
Die Fassade zieren seit 1925 mehrere Objekte, die alle vom Bildhauer Professor Georg Mattes aus München geschaffen wurden. Die Steinplastiken stellen am Giebel eine Maria Immaculata mit Jesuskind auf einer mit Sternen geschmückten Weltkugel und zwischen Erd- und Obergeschoß einen Buchschreiber und einen Buchdrucker dar. Zu beiden Seiten der ehemaligen Einfahrt ist je ein Greif. Wobei der westliche in seinen Krallen das Wappen der Stadt Schwandorf hält. Auf dem Wappen befindet sich ein in Stein gehauenes Vogelnest wo eine Schwalbenmutter gerade ihre Jungen füttert. Zwischen den Fenstern im Obergeschoß befindet sich noch eine Metallplatte, die eine Eule auf einem Buch sitzend dargestellt.
Persönlichkeiten
- Michael Pesserl (geb. 1677, gest. 18. September 1755) Tuchmacher, Senator, Bürgermeister von 1735 bis 1755
- Josef Pesserl (geb. 20. Dezember 1769, gest. 3. Juli 1861) Tuchmacher, er ersteigerte das Kloster St. Magdalena und richtete dort eine Tuchmacherwerkstatt ein. Die Gebäude der ehemaligen Klosterbrauerei bauter er in kleine Wohnhäuser um. Es entstanden die Gebäude an der heutigen Klosterstraße Nummer 1 bis 11.
- Josef Anton Pesserl (geb. 10. Mai 1773, gest. 6. Mai 1852) Pfarrer in Sulzbürg; er stand 37 Jahre seiner Pfarrei als treuer Hirte vor und erwarb sich Wohlwollen bei seinen Pfarrkindern sowie andersgläubigen wie Protestanten und Juden.
- Georg Joseph Pesserl (geb. 22. Mai 1804, gest. 2. November 1882) Priester, war von 1836 bis 1838 Benefiziat auf dem Kreuzberg und ist Verfasser der Chronik und Topographie von Schwandorf, zuletzt Pfarrer in Windischeschenbach.
- Anna Meiller geb. Kleber (geb. 19 Juli 1882, gest. 30. März 1975) Brauereibesitzerstochter von Schwandorf, Buchbinderwitwe, stiftete das Grundstück Ettmannsdorfer Straße 30 a und b – heute Feuerwache – der Stadt Schwandorf
Einzelnachweise
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