St. Johannes der Täufer (Oberviechtach)

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St. Johannes der Täufer (Oberviechtach)
Pfarrkirche St. Johannes der Täufer (2017)
Adresse:Marktplatz 11
92526 Oberviechtach
BLfD-ID:D-3-76-151-13
Q41423161   St._Johannes_Baptist_(Oberviechtach)  St. Johannes der Täufer (Oberviechtach)
Innenraum (2017)

Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Oberviechtach im Landkreis Schwandorf gehört zum Bistum Regensburg. Das Kirchengebäude ist unter der Denkmalnummer D-3-76-151-13 als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste aufgeführt.

Kirchliche Organisation

Heute gehört das Gebiet des Altlandkreises Oberviechtach zur Diözese Regensburg. Diese Diözese unterstand bis 1817/21 dem Erzbistum Salzburg [1], anschließend dem Erzbistum München-Freising [2]. Das älteste Pfarreienverzeichnis aus dem Jahre 1326 nennt im Oberviechtacher Bereich vier Pfarreien. Das sind Niedermurach, Teunz, Winklarn und Oberviechtach.

Im Pfarreienverzeichnis von 1350 führt unter dem Dekanat "Viechtach" (= Oberviechtach) bzw. Luhe sieben eindeutige Pfarreien auf. Das sind die Seelsorgeeinheiten Gleiritsch, Niedermurach, Oberviechtach, Pullenried, Teunz, Schönsee und Winklarn. Die Matrikel der Diözes Regensburg von 1433 zeigen die Veränderungen im Altlandkreis Oberviechtach. Zum Dekanat Nabburg gehörten damals die acht Pfarreien Gleiritsch, Niedermurach, Schönsee, Stadlern, Teunz, Weiding, Wildeppenried und Winklarn[3]. In diesem Verzeichnis aus dem Jahre 1433 erscheint Oberviechtach nicht mehr als Pfarrei. Viele Orte der Region hatten unter den Hussiteneinfällen schwer gelitten. Die Hussiteneinfälle in der Oberpfalz fanden hauptsächlich während der Hussitenkriege (1419–1436) statt, mit intensiven Angriffen und Raubzügen zwischen etwa 1420 und 1433, wobei die entscheidende Schlacht bei Hiltersried am 21. September 1433 einen Wendepunkt darstellte, als Pfalzgraf Johann die Hussiten besiegte.

Ein weiteres Pfarreienregister aus dem Jahre 1482 nennt die Pfarreien "Viechtach, Winklarn, Schönsee, Weiding (mit Kaplan in Frauenstein), Teunz, Gleiritsch, Murach (Niedermurach), und Stadlern" [4]. In den Wirren der Reformationszeit im 16. und 17. Jahrhundert kam es zu mehrfachen Konfessionswechseln in der Oberpfalz.

Anfänge der Pfarrei Oberviechtach

Die Christianisierung der Region um Oberviechtach dürfte von Perschen[5] aus erfolgt sein. Eine weitere These hält es für möglich, dass Oberviechtach von Chammünster aus missioniert worden ist. Die St. Johannes Baptist geweihte Pfarrkirche könnte eine der alten "Landtaufkirchen" [6] nördlich der Donau gewesen sein. Im Jahr 1237 ist erstmals mit "Rudgerus parrochianus de Viehta" (=Rudger, Pfarrer von Viechtach) [7] ein Parrer nachgewiesen. Da im Nachbarort Hof bereits 1150 eine dem Hl. Ägidius geweihte Kirche erbaut wurde, die zu den ältesten Gotteshäusern im Raum Oberviechtach zählt, könnte der Ursprung der Oberviechtacher Pfarrei auch hier liegen. Der Hl. Ägidius als Kirchenpatron legt eine Verbindung zum Bistum Bamberg [8] nahe.

Die Pfarrei Oberviechtach hatte 1543 einen lutherischen Pfarrer, auf den später calvinistische Prediger folgten. Ein katholischer Priester kann 1625 im Zuge der Gegenreformation nachgewiesen werden. Die Gegenreformation war die Reaktion der katholischen Kirche auf die Reformation ab dem 16. Jahrhundert, die sowohl eine innere Erneuerung (katholische Reform) als auch politische Maßnahmen zur Eindämmung des Protestantismus umfasste. Ziel war es, Protestanten zurückzugewinnen und kirchliche Missstände zu beheben, um die eigene Macht zu stärken.

Unter Pfarrer Florian Sigmund von Miller erfolgte der Bau einer hölzernen Kapelle [9] am Johannisberg, die dem Hl. Johannes Nepomuk geweiht war. In den Jahren 1732 bis 1734 folgte ein für die Wallfahrtkirche ein massiver Steinbau.

Beschreibung des Gotteshauses

Entstehung

Von dem gotischen Vorgängerbau der Kirche St. Johannes der Täufer ist nur der Turm erhalten [10]. 1668 begannen Arbeiten zur Erweiterung der Pfarrkirche. Peter Spineta wurde beauftragt das Gewölbe auszuführen. Das gotische Gewölbe war schadhaft geworden. Zudem erwies sich das Gotteshaus als zu klein. Daher entschloss man sich das Langhaus um zwei Joche zu verlängern. [11] Beim großen Stadtbrand von 1773 wurde der Pfarrhof und das Langhaus der Kirche ein Raub der Flammen. In den Jahren 1775 und 1776 erfolgte der Wiederaufbau des Gotteshauses. Der herrschaftliche Maurermeister Johann Wolfgang Diller und der Zimmerermeister Georg Lorenz Graf aus Amberg standen bei der Errichtung des Kirchenbaus beratend zur Seite[12]. Der Hochaltar für die Kirche St. Johannes der Täufer kam 1779 aus Amberg, 1783 folgten die beiden Seitenaltäre. Die Johann Wild zugeschriebenen Deckengemälde entstanden nach 1778.

Restaurierung

Im Jahre 1879 erfolgte eine Restaurierung des Kirchenbaus. Der Hochaltar wurde zugunsten neuer farbiger Glasfenster verkleinert [13]. Diese Umbaumaßnahme wurde 1916 wieder rückgängig gemacht. Die Erweiterung des Langhauses nach Westen nach Plänen von Franz Günthner [14] aus Regensburg erfolgte in den Jahren 1963 bis 1965.

Innenraumgestaltung

Das Kirchengebäude lässt drei Bauphasen erkennen:

  • den gotischen Außenbau des Chores und den Turm
  • den barocken Langhausbau mit der Umgestaltung des Chorraums und der Doppelzwiebelhaube des Turms
  • den Neubau des achteckigen Erweiterungstraktes in den Jahren 1963 bis 1965 [15]

Die Deckengemälde im Chorgewölbe zeigen die „Heilige Sippe“, also die „Heilige Familie und Verwandtschaft“ als Beschützerin der Pfarrei Oberviechtach [16]. An den Seitenwänden finden sich Darstellungen der Beschneidung des Johannes und der Heimsuchung Mariens, im Langhaus des Kirchenbaus Darstellungen der Taufe Jesu, Johannes in der Wüste und Taufe Jesu sowie im Gewölbescheitel Messiasbekenntnis und Martyrium des Johannes.

Der Taufstein und das Weihwasserbecken aus Granit stammt von dem Oberviechtacher Bildhauer Johann Roßmann und entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts [17].

Literatur

  • Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, ISBN 3-422-03011-5
  • Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, München 1906, unveränderter Nachdruck 1983, ISBN 3-486-50437-1
  • Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X
  • Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach (Buch, 2. Auflage). Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, ISBN 978-3-9819712-3-1
  • Konrad Schießl (Hrsg.), Die Pfarrei Oberviechtach in Geschichte und Gegenwart, Katalog zur Ausstellung der Pfarrei Oberviechtach anlässlich der Festwoche der Stadt Oberviechtach, Oberviechtach 1977

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 59
  2. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 59
  3. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 59
  4. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 59
  5. Konrad Schießl (Hrsg.), Die Pfarrei Oberviechtach in Geschichte und Gegenwart, Katalog zur Ausstellung der Pfarrei Oberviechtach anlässlich der Festwoche der Stadt Oberviechtach, S. 5
  6. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 62
  7. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 62
  8. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 62
  9. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 63
  10. Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, S. 41
  11. Ludwig Weingärtner: Peter Spineta - ein früher Barockbaumeister in Böhmen und der Oberpfalz in: Jahresband zur Kultur und Geschichte im Landkreis Schwandorf, 30./31. Band, 2019/2020, Seite 140
  12. Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz, S. 368
  13. Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz, S. 368
  14. Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz, S. 369
  15. Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. überarbeitete Auflage 2024, S. 14
  16. Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz, S. 369
  17. Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern V, Regensburg und Oberpfalz, S. 369