St. Johannes Nepomuk (Johannisberg)

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St. Johannes Nepomuk (Johannisberg)
Wallfahrtskirche St. Johannes Nepomuk (2018)
Adresse:Johannisberg 2
92526 Johannisberg
BLfD-ID:D-3-76-151-34
Q41423185   St._Johannes_Nepomuk_(Johannisberg)

Die Wallfahrtskirche St. Johannes Nepomuk ist ein Kirchenbau in Johannisberg, Stadt Oberviechtach. Das Kirchengebäude ist unter der Denkmalnummer D-3-76-151-34 als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste aufgeführt.

Wallfahrtskirche St. Johannes Nepomuk

1704 [1] ließ der Oberviechtacher Pfarrer Florian Sigmund von Miller eine einfache, sehr kleine Holzkapelle in Johannisberg an der Handelsstraße von Regensburg nach Böhmen errichten. Schon bald besuchten Wallfahrer die kleine Feldkapelle mit einem Bild von Johannes Nepomuk. Aufgrund des großen Zuspruchs entstand in den Jahren 1732 bis 1734 an der Stelle des Holzbaus eine massive Wallfahrtskirche[2], die St. Johannes Nepomuk geweiht war. „Die Bauern fuhren das benötigte Holz, Steine und sonstiges Material herbei. Die Opferfreudigkeit der Bevölkerung von Nunzenried, Tressenried und Konatsried wird in den Quellen besonders hervorgehoben“ [3], wie auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach unter „Kirchen und Kapellen“ [4] zu lesen ist.

Person Johannes Nepomuk

Johannes Nepomuk (ca. 1350–1393) war ein böhmischer Priester, Märtyrer und der bekannteste Brückenheilige der katholischen Kirche[5]. Er gilt als Schutzpatron gegen Wassergefahren (Hochwasser, Ertrinken) und ist Patron von Böhmen und des Hauses Habsburg sowie der Priester und Beichtväter, der Brücken, der Schiffer, Flößer und Müller [6]. Nach der Legende wurde er 1393 auf Befehl König Wenzels IV. von der Prager Karlsbrücke in die Moldau gestürzt, weil er das Beichtgeheimnis der Königin nicht brechen wollte. Die Heiligsprechung Nepomuks erfolgte 1729, also 25 Jahre nach dem ersten Kirchenbau in Johannisberg. Sein Gedenktag ist der 16. Mai.

Beschreibung des Kirchenbaus

Kanzel (2018)

Das Gotteshaus ist ein geräumiger Halbwalmdachbau mit flachgedecktem Langhaus und eingezogenem Chor mit Dreiseitschluss. An der Nordseite befindet sich ein Giebeltürmchen [7]

Hochaltar

Der dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht Hochaltar zeigt auf dem Altarblatt den Kirchenpatron von je zwei Säulen flankiert. Zwischen den Säulen stehen die Figuren von Johannes dem Täufer (links) und Johannes dem Evangelisten (rechts). Über dem Altarblatt befindet sich ein Gemälde mit der Darstellung von Gott Vater, umrahmt von zahlreichen Engelfiguren.

Seitenaltar

Der linke Seitenaltar zeigt Maria (Maria Königin 22. August), die Mutter Jesu, der rechte den hl. Wendelin (Gedenktag 20. Oktober) als Schutzpatron der Hirten, Schäfer, Bauern und Tagelöhner.

Kanzel

An der linken Seite des Langhauses befindet sich die Kanzel, mit Laub- und Bandwerk und Evangelisten-Schilden geschmückt. Gegenüber steht eine große Holzfigur des hl. Johannes Nepomuk.

Heiliges Grab

In einer Nische rechts im Chor befindet sich auch ein "heiliges Grab", wie es früher in vielen Kirchen zu sehen war. Bis zum Jahre 1974 stand es rechts vom Eingang. 1975 drangen Diebe in die Kirche ein und stahlen mehrere wertvolle Engelfiguren, Bildtafeln und Leuchter[8].

Kirche als "Schwarzbau"

Im Frühjahr 1734 war die Kirche bereits soweit fertiggestellt, dass nur noch die Decke eingebaut werden musste. Der Pfarrer von Oberviechtach, Ferdinand Seeleuthner, richtete daher am 28. März 1734 an den Hochw. Herrn Bischof das Gesuch, das Gotteshaus „simplici modo“ (Übersetzung: in schlichter Form) segnen zu dürfen, um bereits Gottesdienst abhalten zu können. Erst durch das Schreiben vom 28. März 1734, nach Fertigstellung der Kirche, erfuhr das Bischöfliche Konsistorium in Regensburg von dem „Schwarzbau“ und reagierte unverzüglich. Pfarrer Thomas Lang von Nabburg wurde beauftragt, sich nach Oberviechtach zu begeben und genauen Bericht über diese Kirche zu erstatten. Regensburg wollte vor allem wissen, in wessen Auftrag, in welcher Form und mit welchen Mitteln das Gotteshaus erbaut worden ist[9]. Den Nachforschungen des Nabburger Pfarrers sowie einem Bericht des Pfarrers Dr. Zacharias Eder von 1757 verdanken wir auch die Informationen über das Entstehen der Wallfahrt und die näheren Umstände des Kirchenbaus. Mit Verzögerung erteilte schließlich am 1. April 1735 Weihbischof Gottfried Langwert von Simmern dem Pfarrer Seeleuthner von Oberviechtach die Erlaubnis, die Kirche zu segnen und schickte dazu die erforderlichen Hl. Öle und das Gregorianische Wasser[10]. An welchem Tag dann die Benediktion erfolgte, ist aber nicht überliefert, wahrscheinlich aber noch im gleichen Jahr. Die ursprünglich noch vorgesehene feierliche Konsekration durch den H. Weihbischof wurde aber nie mehr vorgenommen.

Rund 240 Jahre später, am 22. September 1974, wurde die nach der Renovierung in neuem Glanz erstrahlende Johannesbergkirche von H. H. Weihbischof Vinzenz Guggenberger feierlich konsekriert [11]

Kirchenglocken

Spenden der Gläubigen ermöglichten es, dass schon bald nach der Fertigstellung des Gotteshauses eine Glocke angeschafft werden konnte. Auf ihr war zu lesen: „1736 goß mich Martin Neumaier zu Statt am Hoff. Ex communi liberalitate Vichtachensium“, (übersetzt: infolge der gemeinsamen Freigebigkeit der Viechtacher). Bilder des hl. Johannes Nepomuk, hl. Johannes der Täufer und Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit schmückten die Glocke. 1942 musste die Glocke der Johannisbergkirche zum Einschmelzen abgeliefert werden, um Material für die Munitionsproduktion im Dritten Reich zu bekommen. Als einzige aller beschlagnahmten Glocken aus Oberviechtach konnte sie nach dem Kriege im Glockenlager Hamburg wiedergefunden werden. Im August 1947 kam sie zurück, war aber derart beschädigt, dass sie nach einem Gutachten der Glockengießerei Otto/Bremen als Glocke zum Läuten nicht mehr brauchbar war[12]. 1950 stiftete Mathias Lohrer aus Schönthan eine neue Glock für die Wallfahrtskirche St. Johannes Nepomuk auf dem Johannisberg.

Bilder St. Johannes Nepomuk

Kirchenrenovierung 1972 bis 1974

Auf Bitten, vor allem der Bewohner von Forst, Nunzenried, Konatsried und Tressenried, nahm der Oberviechtacher Pfarrer Michael Feil 1972 die gründliche Innen- und Außenrenovierung der Wallfahrtskirche in Angriff, da das Gebäude zusehends verfiel. In zwei Bauabschnitten wurden Innen- und Außenmauern trockengelegt, der Außenputz erneuert, Dachstuhl und Bedachung saniert und alle Fenster und Türen erneuert. Zugleich erfolgte der Anschluss des Gotteshauses an das Wasser- und Stromnetz. Die Innenrenovierung lag in den Händen des Chamer Kirchenmalers Greindl. Hauptaltar, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel wurden neu vergoldet, die Wände erhielten einen frischen Anstrich, wobei die Ausmalung von 1909 beseitigt wurde. In dem Kirchengebäude verlegte man einen zeitgemäßen Pflasterboden und baute neue Kirchenstühle ein.

Die Gesamtkosten der Renovierung beliefen sich auf 147.660 Mark[13], wobei ein Drittel der Renovierungssumme durch Privatspenden gedeckt werden konnten. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die vielen, freiwilligen Arbeitsleistungen der Bewohner der umliegenden Ortschaften Forst, Nunzenried, Konatsried, Tressenried und weiterer Unterstützer.

Am 22. September 1974 wurde die in neuem Glanz erstrahlende Johannesbergkirche von H. H. Weihbischof Vinzenz Guggenberger feierlich konsekriert [14].

Wallfahrt zum Johannisberg

Die Wallfahrt zur Kirche auf dem Johannisberg erfreute sich großen Zuspruchs, wie dies auch an anderen Orten in der Zeit üblich war. So war zum Beispiel die romanische Kirche Maria Immaculata in Pertolzhofen (Gemeinde Niedermurach) im Mittelalter Wallfahrtsziel[15] von Kranken aus Bayern und Böhmen. Die Wallfahrt zu „Unserer lieben Frau“ in Stadlern [16] bei Schönsee war eine weitere bekannte Wallfahrt in der Region des ehemaligen Altlandkreises Oberviechtach. Von Frühjahr bis Herbst fanden wöchentlich zwei bis drei Gottesdienste statt auf dem Johannisberg statt, manchmal auch mehr, wie Pfarrer Dr. Eder 1757 berichtet. Zum Tag des Kirchenpatroziniums kamen Prozessionen aus Oberviechtach, Teunz, Winklarn und Dieterskirchen [17].

Bruderschaft zum Hl. Johannes Nepomuk in Johannesberg

Aus der Anfangszeit der Wallfahrtskirche existiert eine „Bruderschaft zum Hl. Johannes Nepomuk in Johannesberg“. Sie war ein Ableger der Hauptbruderschaft gleichen Namens an der Stadtpfarrkirche zu Amberg mit den gleichen Statuten und Privilegien. Die Bruderschaft hatte auch außerhalb des Pfarrgebiets Oberviechtach viele Mitglieder. Für das Jahr 1916, also in der Zeit des Ersten Weltkrieges, ist sie noch nachgewiesen[18]. Dann verlieren sich die Spuren.

Klause am Johannisberg

Neben der Wallfahrtskirche existierte vermutlich schon zur Zeit ihrer Erbauung oder bereits vorher eine Klause für zwei Einsiedler [19]. Dies war eine abgelegene Behausung, die als Einsiedelei für Eremiten, Mönche oder religiöse Laien diente. Noch heute heißt das Anwesen neben der Kirche im Volksmund „beim Klausner“.

Kreuzweg von Oberviechtach zur Kirche am Johannisberg

1887 stiftete die Familie Ringlstätter einen Kreuzweg auf dem Steig von Oberviechtach zum Johannesberg. Nach mehreren Restaurierungsmaßnahmen im Laufe der Zeit erfolgte 1973 [20] eine völlige Neugestaltung des Kreuzweges. Die ursprünglichen Bilder wurden durch Bronzereliefs ersetzt, die Granitsäulen erfuhren eine Säuberung und die große Kreuzigungsgruppe am Ende des Kreuzwegs bei der Kirche konnte renoviert werden.

Literatur

  • Johanna von Herzogenberg, Johannes von Nepomuk. In: Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 7, Freiburg im Breisgau 1968, ISBN 3-931820-15-7
  • Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, München 1906, unveränderter Nachdruck 1983, ISBN 3-486-50437-1
  • Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X
  • Manfred Müller (Hrsg.), Matrikel des Bistums Regensburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariats Regensburg 1997, ISBN 3-7696-9915-7
  • Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach (Buch, 2. Auflage). Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, ISBN 978-3-9819712-3-1

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 63
  2. Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach (Buch, 2. Auflage). Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, S. 59
  3. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  4. https://pfarrei-oberviechtach.de/kirchen/ Kirchen und Kapellen in der Pfarrei Oberviechtach
  5. Johanna von Herzogenberg, Johannes von Nepomuk. In: Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 7, Freiburg im Breisgau 1968, Sp. 153–157
  6. https://katholisch.de/artikel/69-bruckenbauer-zwischen-ost-und-west Johannes Nepomuk: Brückenbauer zwischen Ost und West
  7. Georg Hager, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, S. 24
  8. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  9. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  10. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  11. Manfred Müller (Hrsg.), Matrikel des Bistums Regensburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariats Regensburg 1997, S. 475
  12. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  13. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  14. Manfred Müller (Hrsg.), Matrikel des Bistums Regensburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariats Regensburg 1997, S. 475
  15. Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach (Buch, 2. Auflage). Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, S. 154
  16. Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach (Buch, 2. Auflage). Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, S. 305
  17. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  18. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  19. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach
  20. https://pfarrei-oberviechtach.de/johannisberg/ Bericht auf der Homepage der Pfarrei Oberviechtach