Gartenried (Oberviechtach)

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Gartenried (Oberviechtach)
Gartenried (2024)

Gartenried ist ein Gemeindeteil der Stadt Oberviechtach im Landkreis Schwandorf.

Lage von Gartenried

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Gartenried liegt vier Kilometer nordöstlich von Oberviechtach am Fuße des 598 Meter hohen Holzbühl. Der Ort ist über die Gemeindeverbindungsstraße von Pirkhof nach Wildeppenried zu erreichen. Rund 500 Meter südwestlich fließt der Fluss Murach vorbei[1].

Historische Schreibformen von Gartenried

  • 1488: Das dorf Garttenrewt ... Di od Gerttenrewt [2]
  • 1524: Ein öde die Gertenrieder genannt
  • 1581: Gerttenrieth
  • 1604: seine ... lehenpare ode Gerttenried
  • 1622: Garttenrieth
  • 1783: Gartenried

Bedeutung des Ortsnamens Gartenried

Ausgehend vom Grundwort riut (Stück Land, das durch Roden urbar gemacht wurde) und dem mittelhochdeutschen Bestimmungswort garte (Garten) bedeutet der Name Gartenried Rodungssiedlung mit (Baum-/Gemüse-)Gärten[3].

Aus der Geschichte von Gartenried

Eine erste nachweisliche Nennung von Gartenried stammt aus dem Jahre 1488. Das dorf Garttenrewt taucht in einem Leuchtenberger Lehenbuch mit folgendem Eintrag auf.

Gerttenrewt. Zwen hof daselbst in der herschaf Murach, aus dem ain hoff der Smalzhofen pfaff zu Persen (Pfarrer von Perschen) xvi grosch. zins. Das dorf Garttenreut vnd der hamer doselbst, geht alles von landgraffschaf zulehen. Di od Gerttenrewt haben des Contz Herdens selligen hausfraw genant Amelia vnd Anna vnd Magdalena ir tochter innen vnd Gregor Mendl pfleger zu Burg als vormunt vnd trager von irent wegen empfangen[4]

1524 findet sich in einem Reversbrief, also eine vom Lehnsempfänger ausgestellte Urkunde, die den Empfang eines Lehens bestätigte und die Treuepflicht gegenüber dem Lehnsherrn besiegelte, ein weiterer Hinweis auf Gartenried. Ein Schriftstück über die Belehnung mit Fronhof berichtet von ein öd die gertenrieder genannt[5] wird. 1532 ist ein Hanns von Schafhausen als Lehensherr der oede zu Gartenreuth genannt.

Hanns Wolf von Pertolzhofen“ ist noch bis 1630 als Lehensherr und Besitzer einer Mahl- und Schneidmühl in Gartenried benannt[6]. Da er seinen Glauben nicht wechseln und katholisch werden wollte, musste er seine Besitzungen verlassen und auswandern.

Als weitere Besitzer von Gartenried folgen die Muracher, dann Hanns Jakob Portner zu Altendorf, Wilhelm Joseph von Murach, der sich "Herr auf Niedermurach, Altfalter und Gartenried" nannte[7].

In einer Beschreibung der Hofmarken aus dem Jahre 1792 findet sich unter der Hofmark Niedermurach auch der Ort Gartenried als konditioniertes Beutellehen[8]. Im Mittelalter war ein konditioniertes Beutellehen eine Sonderform des Lehnswesens. Der Lehensbesitzer, oft ein Bauer, leistete keine ritterlichen Dienste. Dafür zahlte er eine regelmäßige Geldabgabe ("Beutel") an den Grundherrn.

Historische Beschreibung von Gartenried

Die Beschreibung von Gartenried erfolgt aufgrund des Steuer- und Anlagenbuches des Pflegamts Murach von 1774[9].

  • 1581: Gerttenrieth. Ist mit allen mannschafften Wolfen vonn Pertolzhoff zu Altendorff vnnderworffen, alle andere hohe obrigkheit zum Amt
  • 1606: 8 Mannschaften, Hanns Wolf von Pertolzhofen zu Altendorf gehörig.
  • 1622: „Garttenrieth (...) 8 mannschafften, Hanns Wolffen von Pertolzhouen zu Altendorff gehörig, darunter ein mahl- vnd schneidmühl; vngefähr vor 60 Jahren alß apert lehen churfrstl. Pfalzheimb gefallen.
  • 1630: 1 Mühle, 3 Güter, 3 Gütl, 1 kleines Häusl; 2 Inleute, davon 1 Hüter.

Steuerdistrikte

1808 erfolgte eine Neuordnung des Steuerwesens durch Einteilung in Steuerdistrikte. Einer dieser Distrikte war der Steuerdistrikt Pirkhof mit den Ortschaften Pirkhof, Gartenried, Plechhammer, Gartenriedermühle, Kotzenhof, Lukahammer und Neumühle[10].

Gemeindebildung

Nach den Gemeindeedikten von 1808 und 1818 wurden Ruralgemeinden (ab 1835 in Landgemeinden umbenannt) eingerichtet, um die Verwaltung auf dem Land zu organisieren. „Rural“ leitet sich vom Lateinischen für „auf dem Lande lebend“ ab. Sie wurden von einem Gemeindevorsteher und einem Gemeindeausschuss (Vorläufer des Gemeinderats) verwaltet.

1818 entstand die Landgerichtliche Ruralgemeinde Pirkhof mit den Ortschaften Pirkhof, Gartenriedermühle, Gartenried, Kotzenhof und Lukahammer[11]. Die Familienzahl der Gemeinde Pirkhof betrug zu diesem Zeitpunkt 25 Familien, wobei mindestens 20 Familien für eine Gemeindebildung nötig waren.

Die Gemeinde Pirkhof, zu der die Ortschaft Gartenried gehörte, wurde 1946 aufgelöst. Es erfolgte ein Anschluss an die Gemeinde Wildeppenried. Das Landratsamt schlug 1971 vor, aus den bisherigen Gemeinden Langau, Pullenried und Wildeppenried eine neue Gemeinde zu bilden. 1972 beantragten die Orte Gartenried, Lukahammer und Pirkhof die Ausgliederung aus der Gemeinde Wildeppenried. Sie wollten sich der Stadtgemeinde Oberviechtach anschließen, um einen Anschluss an Teunz oder Pullenried zu verhindern. Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Wildeppenried aufgelöst und dem Wunsch der Bürger folgend nach Oberviechtach eingemeindet[12].

Besondere Veranstaltungen in Gartenried

  • Oldtimertreffen von landwirtschaftlichen Fahrzeugen, alle zwei Jahre organisiert vom Verein Oldtimerfreunde Lukahammer e. V.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Alois Köppl, Altlandkreis Oberviechtach, Verlag Katzenstein-Gleiritsch, 2. Auflage, Gleiritsch 2024, S. 80, 81
  2. Gartenried In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
  3. Gartenried In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen, Regierungsbezirk Oberpfalz
  4. Staatsarchiv Amberg, Lehenhof 851, fol. 58.
  5. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 50: Nabburg, S. 163
  6. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 111
  7. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 112
  8. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 150
  9. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 157
  10. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 203
  11. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 206
  12. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe I, Heft 61, Oberviechtach, S. 218
Straßennamen in Oberviechtach

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Ehemalige Straßennamen:

Wüstungen: Eisberg