Altstraßen im Bereich der TK 25 6734 Neumarkt Oberpfalz

Aus OberpfalzWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Naturräumliche Verhältnisse

Überragt von Burgruine Wolfstein liegt die frühere Reichsstadt und jetzige Kreisstadt Neumarkt im Albvorland der westlichen Flächenalb, in sogenannten „Neumarkter Becken“. Im Süden der Stadt erhebt sich die steil aufragende Malmkalkstufe mit bis zu 130 m Höhenunterschied. Das Neumarkter Becken wird nach Südwesten hin durch die Sulz entwässert, die bei Beilngries in die Altmühl mündet.

Siedlungsgeschichte des Neumarkter Raumes

Im Raum Neumarkt begegneten sich zwei kolonisatorische Bewegungen des Frühmittelalters: Von Regensburg aus breitete sich entlang der Schwarzer Laber die bajuwarische Siedlung nach Norden aus, während über das Sulztal die fränkische Siedlung voranschritt. Der Name des Neumarkter Ortsteils Pölling verweist neben anderen -ing-Orten im Landkreis (Berching, Wissing, Oberweiling) auf die frühe bajuwarische Siedlungstätigkeit.[1]

Diese Begegnung zweier kolonisierender Ethnien dokumentiert sich im heutigen Landkreis Neumarkt auch in der Begegnung der Bistümer Regensburg und Eichstätt im Süden des Landkreises Neumarkt sowie die großflächige Kreuzung zweier Altstraßensysteme im südöstlichen Teil des Landkreises: Das eine System, von Süd nach Nord verlaufend, kreuzt sich nach Manske mit einem anderen Altwegesystem, das sich von Südwesten nach Nordosten erstreckte.

Erste urkundliche Erwähnung Neumarkts

Die im Jahre 1135 urkundlich erstmals erwähnte Stadt Neumarkt liegt an einer, bisher nur vermuteten Fernstraße, die von Regensburg aus in den fränkischen Raum und vermutlich weiter nach Nordosten führte. Der Ort bekam von Kaiser Friedrich II. die Zollfreiheit zugestanden und war schließlich Sitz eines kaiserlichen Schultheissenamtes. Im Jahre 1329 kam die Stadt an die Wittelsbacher und wurde anschließend Residenzstadt der Linie Neunburg-Neumarkt bzw. der Kurpfalz.

Verkehrsgeographische Verhältnisse

Verkehrsgeographisch kreuzen sich in der Stadt Neumarkt die Bundesstraßen B 8 und B 299, im Osten der Stadt passiert in unmittelbarer Nähe die Autobahn A 3 von Regensburg nach Nürnberg. Im Norden der Stadt verläuft, nur wenige Kilometer vom Stadtgebiet entfernt, die Trasse der Autobahn A 6 von Nürnberg über Waidhaus nach Prag. Die verkehrspolitische Bedeutung der Stadt hat offensichtlich eine lange Tradition, die bis in die Vorgeschichte zurückreicht und zeigt dabei eine frappierende Analogie der Altstraßensysteme mit der frühmittelalterlichen Siedlungsbewegung und eine verkehrsgeographische Kontinuität bis herauf in die Gegenwart.

Altwege um Neumarkt bei Manske

In einer detaillierten historisch-verkehrsgeographischen Untersuchung hat sich der Verkehrsgeograph und Altwegeforscher Dietrich Jürgen Manske in der Festschrift zum Nordgautag in Berching im Jahre 2000 ausführlich mit dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Altwegenetz vor allem im Südwesten des Landkreises Neumarkt beschäftigt. Er konnte sich dabei wenigstens im Umgriff der Stadt Neumarkt auf die Forschungen von Anton Dollacker stützen.[2]

Nach Manske führen mehrere Altwegebündel in bzw. aus der Stadt. Er nennt dabei ausdrücklich die „Alte Straße“ die von Nürnberg über Neumarkt nach Regensburg führte (=Dollacker Nr. 74). Quelle über den genauen Trassenverlauf bilden die Aufzeichnungen des Abtes Altmann von Niederaltaich aus dem Jahre 1367. Vom Generalkapitel in Cambrai kommend reiste er über Postbauer, Velburg und Kallmünz von Nordfrankreich aus in sein Heimatkloster an die Donau.

Trassenwechsel vom Tal der Schwarzen Laaber auf die Jurahöhe

Manske erwähnt, auf Dollacker basierend, dass sich die Kallmünzer Bürger in den Jahren 1499 und 1533 darüber beklagten, dass die Fuhrleute „amtlicherseits“ künftig den Weg von Neumarkt nach Regensburg über Hemau nehmen mussten und ihre Heimatstadt damit wirtschaftlich ins Hintertreffen geriet.[3]

Sechs Trassenbündel aus Südosten

Wiederum auf Dollacker basierend führen nach Manske von den sechs nach Neumarkt zielenden Trassenbündeln aus Südosten nur drei oder vier in die Stadt hinein. Dabei konnte die Stadt von Leutenbach-Winnberg über Weichselstein und Deining, über Arzthofen und Lähr, von Oberbuchfeld über Lengenbach, Lähr bzw. Helena, sowie von Dietkirchen über Lampertshofen bzw. Lippertshofen, Karhof und Höhenberg erreicht werden. Manske schreibt dazu: „Von diesen verdienen die Spuren, welche östlich Lähr… nach Südosten verlaufen, besondere Beachtung. Dies ist einmal der Raum, in dem die pleistozänen Sande am weitesten nach Osten bis an den Rand der Weißen Laber verfrachtet worden sind, wodurch… die schroffe Albstufe hier zu einer relativ sanft geneigten Rampe überformt worden ist. Diese Rampe nutzte sowohl die von Mantlach über Unterbuchfeld, Arzthofen nach Lähr zielende wie die über Deining parallel zur B 8 verlaufende Trasse. Hinzu kam eine Verbindung von Oberbuchfeld/Rothenfels nach Arzthofen. Den Fahrspuren entsprechend muss die Route über Arzthofen als eine der bedeutendsten Verbindungen angesprochen werden. (S. Dollacker Nr. 70, 74, 75, 78)

Hauptverkehrsroute um 1500 über Deining

Die Trasse über Deining nach Neumarkt wurde nach Manske etwa um 1500 zur Hauptverkehrsroute von Südost nach Nordwest (und zur späteren Hauptpostroute). Die zahlreichen Altwegespuren um Deining belegen klar die Bedeutung dieser Trasse ab dem 16. Jahrhundert. Folglich muss es sich bei den beiden sich östlich Lähr vereinigenden Trassen über Unter- und Oberbuchfeld um ältere Routen handeln, deren Bedeutung nach 1500 nachgelassen hat.

Trassenwechsel durch die Steinerne Brücke in Regensburg

Nach der hohen Anzahl der Fahrspuren östlich Lähr/Arzthofen könnte es sich um die nordwestliche Fortsetzung von den Historikern postulierten „Laabertal-Straße“ handeln, die vor dem Bau der Steinernen Brücke nach der Überquerung der Donau mit der Fähre bei Prüfening in Richtung Laaber, Beratzhausen und Parsberg weiterführte. Dies war nach Manske vermutlich ab dem Zeitpunkt seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts der Fall (zwischen 1130 und 1140) der Fall, als mit der Existenz eines „neuen Marktes“ zu rechnen war. Vorher verlief die Südost-Nordwest-Route nördlich an Neumarkt vorbei, entweder über Dietkirchen-Ischhofen-Rödelberg oder am Fuße des Wolfsteins, ohne die Stadt zu berühren. Eine wichtige Rolle scheint dabei die sogenannte „Bernfurt“ nordöstlich von Neumarkt gespielt zu haben.[4]

Altwege um Neumarkt nach Rädle

Anton Dollackers Altstraßenkarte der mittleren Oberpfalz weist östlich von Neumarkt mehrere Altwegetrassen auf, die nach Südosten bzw. Nordwesten weisen, deren Fortsetzung er aber nicht mehr weiterverfolgt. Manske und Rädle haben den Verlauf dieser Altwegetrassen im Raum Berching/Beilngries weiterverfolgte, wobei Rädle auf Manske aufbauen konnte und dessen Verläufe weitgehend übernahm. Tatsächlich scheint Rädle maßgeblich durch den Aufsatz Manskes in der Festschrift zum Nordgautag in Berching inspiriert worden zu sein, da seine „Altstraßenwanderungen“ unmittelbar nach der Publikation des Manske-Aufsatzes im Jahre 2003 beginnen. Die Fortsetzung der Dollacker-Trasse Nr. 74 an Neumarkt und Holzheim vorbei in Richtung Schwabach hat Rädle in einem seiner ersten Aufsätze dokumentiert.[5] Rädle sieht dabei die von ihm beschriebene Trasse als Fortsetzung der „Alten Straße“ von Kallmünz nach Neumarkt[6] In Richtung Kastl führt die bei Dollacker genannte Nr. 21, die in der Nr. 76 ihre Fortsetzung findet. Von Neumarkt aus nahm sie vermutlich über Berngau und Röckersbühl ihren weiteren Verlauf in Richtung Südwesten und fand offensichtlich in Eichstätt/ Greding bzw. Ingolstadt ihr Ziel.[7]

Fazit: Mit den Forschungen von Dollacker, Manske und Rädle ist die Altwegesituation um Neumarkt gut dokumentiert. Die Wegespuren des digitalen Geländemodells westlich von Neumarkt verweisen auf Zeugenberge im Westen und Süden der Stadt wie den Dillberg, den Staufer Berg und den Buchberg. Die massive Ansammlung von Hohlwegspuren im Südosten Neumarkts zwischen Sengenthal und Deining rühren aus einer ganzen Reihe von steilen Abstiegen von der Abbruchkante des Jura hinab ins Sulztal. Es kann sich dabei um Mühlenwege handeln, aber auch um einen Königsweg, der südlich an Neumarkt vorbei nach Schwarzenbruck führte.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Dachs: Der Umfang der kolonisatorischen Erschließung der Oberpfalz bis zum Ausgang der Agilolfingerzeit. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1547-3, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 86. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1936, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2742-1, S. 159-178
  2. Dietrich-Jürgen Manske: Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Altwegenetz der südwestlichen Oberpfalz (Kreis Neumarkt). (online verfügbar auf https://oberpfaelzerkulturbund.de/wp-content/uploads/2016/08/33.NGT_Seite-45-64.pdf), in: 33. Bayerischer Nordgautag in Berching. Die Oberpfalz – Mittler zwischen Zeiten und Räumen. 2000, S. 45-63
  3. Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
  4. Dietrich-Jürgen Manske: Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Altwegenetz der südwestlichen Oberpfalz (Kreis Neumarkt). (online verfügbar auf https://oberpfaelzerkulturbund.de/wp-content/uploads/2016/08/33.NGT_Seite-45-64.pdf), in: 33. Bayerischer Nordgautag in Berching. Die Oberpfalz – Mittler zwischen Zeiten und Räumen. 2000, S. 52-56
  5. Herbert Rädle: Wanderung auf der Altstraße Neumarkt – Schwabach, in: Die Oberpfalz 99 (2011), S. 235 – 238
  6. Herbert Rädle: Wanderungen auf der mittelalterlichen „Alten Straße“ zwischen Neumarkt und Kallmünz, in: Die Oberpfalz 91 (2003), S. 299 – 303)
  7. Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0