Altstraßen im Bereich der TK 25 6641 Rötz
Rötz und das Schwarzachbergland
Am Fuße eines langen Granitriegels des Schwarzachbergland der entlang der Schwarzach verläuft, liegt am Fuße des Schwarzwihrberges, die Stadt Rötz. Die Hügelkette ist sowohl auf seinen Höhen als auch im Tal der Schwarzach mit einer Reihe von mittelalterlichen Burgen und Adelssitzen bestückt. Deren Aufgabe war neben der Grenzsicherung der Schutz der Handelswege nach Osten zu schützen. Das Gebiet entlang der Grenze zu Böhmen fand im Lauf der Geschichte immer wieder das Interesse hochadeliger Geschlechter, wie etwa der Grafen von Schweinfurt oder der Diepoldinger. Schließlich war die Region eine wichtige Landbrücke zwischen Bayern und Böhmen und verband das Donaugebiet mit den Territorien im Osten des Reiches.
Erstnennung von Rötz
Erstmals wird Rötz indirekt im Jahre 1017 im Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Bamberg durch Kaiser Heinrich II. mit der Nennung von „Retsiz inferior“ (heute Wenigrötz) genannt. Der hier der Bamberger Kirche geschenkte Ort scheint ursprünglich aus Schweinfurter Besitz zu stammen, der ihnen nach deren Empörung gegen Heinrich im Jahre 1003 entzogen wurde. Das örtliche Martinspatrozinium weist aber auf eine Gründung von Rötz weit vor der ersten Jahrtausendwende hin.
Lage am Schnittpunkt zweier Altwege
Durch die günstige Lage am Schnittpunkt zweier wichtiger Altwege nach Böhmen konnte sich der Ort am Fuße der Schwarzenburg gut entwickeln und wurde bereits im 13. Jahrhundert zum Markt erhoben. Im Jahre 1299 wird der Ort ausdrücklich als „befestigt“ bezeichnet. Die Verbindung der Region zum Hochadel beweist die Tatsache, dass es der Adelige Friedrich I. von Schwarzenburg im Jahre 1100 sogar zum Erzbischof von Köln brachte.[1]
Altwegeverlauf von der Eisenbahn überlagert
Nach Anton Dollacker führt die Altwegetrasse Nr. 66 von Regensburg aus über Stadtamhof, Reinhausen, Sallern, Gallingkofen, Wutzlhofen, Gonnersdorf, Thonhausen, Unterharm, Kürn, Ödenhof, St. Martin, Nittenau, Bruck, Mappach, Neukirchen-Balbini, Hapassenried und Alletsried angeblich nach Rötz. Hier sind Zweifel angebracht Der bei Altwegen unübliche „Knick“ der Trasse Nr. 66 bei Bruck lässt vermuten, dass die Fortsetzung ab Bruck weiter geradeaus nach Nordosten führte und ab Bruck an der Wende des 19. Jahrhunderts zum 20. Jahrhundert beim Bau der Trasse der Lokalbahn Bruck – Bodenwöhr bzw. Bodenwöhr - Neunburg v. W. überlagert wurde und daher im Gelände als Altweg nicht mehr erkennbar ist. Bei Erzhäuser verließ die Lokalbahn die frühere Altwegetrasse in Richtung Neunburg v. W., während der Altweg schließlich weiter über Pissau nach Schwarzhofen führte. Die eigentliche Fortsetzung der von Dollacker zwischen Bruck und Rötz genannten Trasse 66 nach Südwesten ist daher in der bei Dollacker nur vermuteten Trasse 62 zu suchen, die aus dem Raum Burglengenfeld/Premberg kommend bei Bruck offensichtlich ihre Fortsetzung in der Dollacker-Trasse Nr. 66 fand.
Unüblicher Trassenverlauf auch bei Rötz
Ebenso ist der Anschluss der Trasse Nummer 66 bei Rötz im rechten Winkel auf die Nummer 58 bei Altwegen ebenfalls unüblich. Es ist daher davon auszugehen, dass ursprünglich die Nummer 66 bei Rötz die Nr. 58 kreuzte und von Rötz aus weiter nach Norden führt. Tatsächlich hat Ulrich List diesen weiteren Trassenverlauf nach Norden gefunden. (s. unten)[2]
Die „Böhmenstraße“ bei Rötz
Die West-Ost-Ausrichtung der Ortsachse von Rötz mit der zum Straßenmarkt erweiterten „Böhmenstraße“ weist auf die Bedeutung des Ortes im Fernverkehr hin. Am östlichen Ortsrand zweigt nach dem Friedhof und der „Feslkapelle“ nach Nordosten ein alter Weg ab, der über Egelshof, Berndorf und Hiltersried zur Grenze in Richtung Pivon/Stockau führt und der schließlich die böhmische Bezirksstadt Bischofteinitz zum Ziel hat.
Zwischenetappe Schönthal
Durch landwirtschaftlich genutzte Flächen und daher ohne weiter Hinweise im Gelände verlief die Straße weiter am rechten Schwarzachufer zum Kloster Schönthal. Auf dem entsprechenden Blatt der Bayerischen Uraufnahme führte die mit dem heutigen Straßenverlauf weitgehend identische Trasse, noch bevor sie Grub erreicht, auf der Hochterrasse nördlich von Stegen vorbei und erreicht südlich an den „Strassäckern“ vorbei das bereits im 12. Jahrhundert errichtete Kloster Schönthal. Nördlich am Kloster und Thurau mit seinem Steinkreuz vorbei ging die Straße weiter nach Kritzenast, überquerte früher wie heute die sumpfigen Niederungen der Schwarzach und führte nördlich an Blauberg vorbei nach Ast. Hier ist bereits für das Jahr 1550, ebenso wie in Kritzenast, ein Übergang über die Schwarzach zu vermuten.
Der Poststeig nach Waldmünchen und die „Böhmerstraße“
Zwar lassen sich nach List an den Hängen des Blaubergs keine direkte Straßenverbindung nach Waldmünchen feststellen, doch mit der Flurbezeichnung „Poststeigacker“ ist eine Alternativroute in der Bayerischen Uraufnahme verzeichnet. Hier zweigt ein vermutlich uralter Steig südwestlich von Kritzenast nach Alberndorf ab. Durch Engelmannsbrunn führt der „Poststeig“ auf Waldmünchen zu, die er durch das „Hamer Thor“ erreicht. Sowohl westlich von Kritzenast als auch östlich von Ast sind in alten Flurkarten „Strassäcker“ genannt. Im Bereich von Ast zweigte eine Trasse der Straße über die heutige Feldflur nach Nordosten ab und verlief an Spielberg (=Spiegelberg=Signalberg) vorbei nach Grafenried. Nördlich am Asterberg vorbei erreichte der Weg über Ziegelhütte schließlich Waldmünchen. Beide Straßen führten auf der „Boehmenstraße“ durch die Stadt und verließen diese durch das „Böhmer Thor“ nach Nordosten.[3]
Nördliche Routenvariante über Hiltersried und Treffelstein
Eine nördliche Variante verließ Rötz bei der „Feslkapelle“ am östlichen Ortsrand. Sie zog über Berndorf und Premeischl in Richtung Hiltersried, immer entlang eines trockenen Höhenrückens. In der Nähe von Premeischl befand sich die Burg „Arnstein“, die auf der Apianschen Landtafel im Jahre 1568 als befestigte Anlage eingetragen ist und ihre erste gesicherte Erwähnung im Jahre 1467 fand. Weiter nördlich, am Hussitenbierl bei Hiltersried, fand am 21. September 1433 die bekannte Hussitenschlacht statt. Da die Hussiten auf ihrem Zug durch die Oberpfalz bis 100 Wagen mit sich führten, ist hier in der Umgebung von einem intensiv befahren Weg auszugehen. Dafür sprechen auch eingefahrene Hohlwegspuren die in großer Breite und Tiefe östlich der heutigen Staatsstraße 2400 am Preglerhof vorbeiführen. Der Weiterweg verlief westlich an Grubhof vorbei durch den heutigen Stausee Silbersee in Richtung Treffelstein. Von Treffelstein aus führten drei Routen weiter über das böhmisch Schüttwa in Richtung Ronsberg bzw. Bischofteinitz.[4]
Altwege um Rötz nach Hofinger
Neben Ulrich List hat sich fast zeitgleich Veronika Hofinger mit dem Verlauf von Wegen von Bayern nach Böhmen beschäftigt.[5] So gibt es nach Hofinger um die alte Verkehrslinie der Cham-Further-Tauser-Senke drei alte Übergänge über das Grenzgebirge, die von Regensburg kommend über Pilsen nach Prag führten und mit Recht als „Regensburger Straßen“ bezeichnet werden können. Nur unter Vorbehalt kann dabei nach Hofinger der nördlichste Zweig der drei Trassen, jener über Waldmünchen, als „Regensburger Straße“ bezeichnet werden, nachdem sich im 14. Jahrhundert die wichtigsten Handelswege von Regensburg nach Nürnberg verlagert hatten und somit der nördliche Zweig der „Regensburger Straße“ zum südlichen Zweig der „Nürnberger Straße“ wandelt. Eine große verkehrspolitische Bedeutung hatten nach Hofinger dabei offensichtlich die Stadt Rötz sowie das weiter östlich gelegene Ast, wo die aus dem Regensburger Raum kommende Fernstraße entlang der Schwarzach über Schönthal nach Waldmünchen und weiter nach Osten führte. Schließlich richten sich nicht alle Verbindungen von Rötz nach Böhmen an der Schwarzach als Verkehrsleitlinie aus. Eine dieser Verbindungen verließ das Schwarzachtal bereits bei Rötz. Wie bereits erwähnt führte eine alte Trasse über Berndorf und Hiltersried, ebenso wie die heutige Hauptverbindungsstraße, in Richtung Tiefenbach und überquerte die Grenze schließlich bei Höll bzw. Untergrafenried in Richtung Klensch (= Dollacker Nr. 59); vgl auch Altstraßen im Bereich der TK 25 6542 Untergrafenried)[6] Fazit: Die lange Verkehrsgeschichte des Raumes im Bereich der TK 6641 und seine Verbindungen von der Oberpfalz nach Böhmen, dokumentiert sich ausdrücklich auch im digitalen Geländemodell, das im Bereich von Untergrafenried, Waldmünchen und Rötz eine Vielzahl von Hohlwegen aufweist. s. Altstraßen im Bereich der TK 25 6541 Tiefenbach, Altstraßen im Bereich der TK 25 6642 Waldmünchen
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6641: Rötz
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6641: Rötz
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6641: Rötz
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6641: Rötz
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6641: Rötz
Einzelnachweise
- ↑ Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 56: Waldmünchen. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1991, ISBN 3-7696-9917-3, S. 81-82
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
- ↑ Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 56: Waldmünchen. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1991, ISBN 3-7696-9917-3, S. 74 ff
- ↑ Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 1: Textband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Kallmünz 2006, ISBN 978-3-7847-6311-8, S. 186 – 187; S. 191 - 195
- ↑ Veronika Hofinger: Die alte Salzstraße von Regensburg nach Böhmen – Verlauf, wirtschaftliche Bedeutung. Der Abschnitt von Rötz bis Pilsen, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 8 (2002), S. 119 - 128
- ↑ Josef Kraus: Waldmünchen. Waldmünchen 1968