Altstraßen im Bereich der TK 25 6541 Tiefenbach
Wechselvolle Geschichte des Schwarzachberglandes
Die Altwegekarte Tiefenbach verbindet heute Teile des östlichen Landkreises Schwandorf mit Teilen des nördlichen Landkreises Cham. Das Territorium umfasste bis zur Gebietsreform in den 1970er Jahren Teile des Landkreises Oberviechtach und des Landkreises Neunburg v. W. Im 19. Jahrhundert wiederum gehörten Teile des Gebietes zum Landgericht Neunburg v. W. und grenzten an die Pflegämter Rötz und Waldmünchen. Zahlreiche Burgen bzw. Adelssitze finden sich hier im Grenzgebiet zu Böhmen. Mit der wechselvollen Geschichte dieses Raumes hat sich zuletzt Emma Mages ausführlich beschäftigt. [1]
Das Gebiet zwischen dem Schwarzachtal und der Grenze zu Böhmen gehört geographisch zum Oberpfälzer Wald und wird auch als „Schwarzach-Bergland“ bezeichnet. Der nachmalige Altwegeforscher Dietrich Jürgen Manske hat im Jahre 1966 seine Doktorarbeit an der Universität Erlangen diesem Gebiet gewidmet. [2]
Altwege nach Dollacker
Der Altwegeforscher Anton Dollacker weist im Untersuchungsgebiet die Altwegetrassen 5, 58, 59 und 60 aus. Dollacker Nr. 5: Als „anscheinend uralt“ bezeichnet Dollacker die sogenannte „Sautreibergasse“ (zwischen Dietersdorf und der Landesgrenze), die er zwar von Amberg beginnen lässt, aber vermutlich viel älter ist als die Stadt Amberg. Über Nabburg und Schönsee führt sie über Dietersdorf nach Bischofteinitz. Der Name „Sautreibergasse“ verweist möglicherweise auf einen alten Viehtreiberweg im überregionalen Handel mit Böhmen.
Dollacker Nr. 58: Südlich des Kartenbildes verläuft eine Trasse, die nach Dollacker in Schwarzenfeld beginnt und über Neunburg v. W. und Waldmünchen nach Böhmen führt. Ein Teil der Strecke scheint erst mit der Einrichtung der Post von Amberg nach Waldmünchen entstanden zu sein („Poststeig“), ein anderer Teil der Trasse erst im 19. Jahrhundert. Sie führt jenseits der Grenze über Arnstein, Sofiental südlich an Nepomuk vorbei über Klentsch nach Taus.
Dollacker Nr. 59: Beginnt nach Dollacker in Schwarzhofen und führt nördlich am Warberg und am Kulzer Moos vorbei über Prackendorf, Kulz, Muschenried und Haag nach Treffelstein und Eglsee nach Untergrafenried (s. TK 6542 Untergrafenried). Hatte Anschluss in Schwarzhofen an Nr. 54 (Nabburg – Neunburg v. W.) und an Nr. 57 (Schwarzach – Schwarzhofen). Dollacker Nr. 60: Geht, wie Dollacker vermutet, als Abzweigung der obigen Trasse 58 von Ast aus und führt über Unter- und Obergrafenried (s. TK 6542) Mauthaus, Frohnau, Münchsdorf und Ronsperg nach Bischofteinitz. Die Trasse Ast – Münchsdorf ist in einer Quelle von 1669 als Fortsetzung des Altweges von Schwarzenfeld nach Ast überliefert (s. obige Nr. 59). [3]
Altwege nach List
Ausführlich beschäftigt sich Ulrich List in seiner Arbeit zum „System der Goldenen Straße“ mit dem Verlauf der Trassen im Bereich der Sautreibergasse Nabburg – Schönsee – Bischofteinitz bzw. mit den Routenführungen im Raum Neunburg v. W. – Oberviechtach – Tiefenbach.
List verfolgt die Trasse der Sautreibergasse wie oben Dollacker Nr. 5. Allerdings stellt er im Gegensatz zu Dollacker weitere Verästelungen der Trasse fest und vermutet in Nabburg in der Nikolauskirche in der Nabburger Venedig eine „Magazinkirche“, auf der einst Waren von Naabschiffen auf die Straße verladen wurden und umgekehrt. List stellt dabei zu Dollacker eine Alternativtrasse für dessen Nr. 5 vor, die über Guteneck, Enzelsberg und Niedermurach nach Oberviechtach führte. Über Rackenthal und Schwand lief die Trasse schließlich nach Schönsee hinein. Die Trasse verließ Schönsee in Richtung Dietersdorf und querte bei der Bügellohe die Grenze zu Böhmen.
List folgt der Alternativtrasse zu Dollackers Nr. 5 mit dem Verlauf über Nabburg, Namsenbach, Mitteraich, Weidenthal, Trichenricht und Teunz nach Rackenthal. (s. oben). Eine Wertung bezüglich der unterschiedlichen Frequentierung beider Trassen lässt sich wegen der ähnlich hohen Anzahl von Spuren nach List nicht feststellen. Allerdings sind nach List im Bereich des Grenzübergangs diesseits und jenseits der Grenze bei der Bügellohe aber fast keine Hohlwegtrassen (mehr) feststellenbar.
Bereich um Weiding
Bezüglich der Routenführungen im Großraum Neunburg v. W. sind im Bereich um Weiding noch folgende von Trassen sichtbar: Obgleich das Nikolauspatrozinium der Weidinger Pfarrkirche eine Beziehung dieser Siedlung zum Fernhandel nahelegt, findet List in der Umgebung, mit Ausnahme zweier Altwegespuren, die von Westen her in den Ort führen, keine weiteren Zeugnisse dazu.
Beide oben genannten Routen erreichen den Ort südlich am Dümmelstein vorbei. Eine der Routen führt durch das Gaisthaler Holz nach Gaisthal und weiter nach Oberviechtach. Die südliche Variante verlief nur wenige Meter im Norden an der Burgruine Frauenstein vorbei, wo sie sich mit drei Spuren mit den Rosshängen herab nach Schneeberg zieht. Die im Topographischen Atlas des Königreichs Bayern noch eingezeichnete Verbindung von Schneeberg über den Wolfsfels nach Altenschneeberg konnte List im Gelände nicht mehr nachweisen. Allerding ist die gesamte Westseite des Wolfsfels mit einer Reihe von Einzelspuren durchzogen, die aber etliche 100 Meter auseinander liegen. Nach Westen hin führt diese Route mit sieben bis acht Spuren über das Wirtsholz im Osten von Konatsried nach Oberviechach.
Altwege um Tiefenbach
Von Tiefenbach in Richtung Böhmen hat List zwei unterschiedliche Trassenverläufe feststellen können: Die nördliche Variante führte in etwa der Staatsstraße 2400 folgend zuerst nach Schönau. Die im Gelände nachweisbare Altstraßenroute führte dann die Südflanke des Grünberges hinauf mit bis zu neun heute noch erkennbaren Spurrillen zum Roten Kreuz und weiter nach Stadlern.
Im Topographischen Atlas vom Königreich Bayern ist eine weiter östlich verlaufende Strecke verzeichnet, die durch Charlottental nach Schwarzach führte. Auch in der Bayerischen Uraufnahme zog die Straße von Schönau nach Schwarzach südlich an Charlottental vorbei.
Die südliche Wegvariante verließ Tiefenbach nach Osten hin, überquerte bei der Hammermühle die Bayerische Schwarzach und verlief über Breitenbrunn den Schusterhügel zum Breitenrieder Wald, wo sie nach dem Waldeintritt mit sieben bis elf Spurrillen zu erkennen ist. Der weitere Verlauf konnte durch List nicht mehr festgestellt werden, aber er vermutet eine Variante über Steinlohe nach Böhmen. Der dazugehörige Hohlweg, der auf die Grenze zulief, ist inzwischen aufgefüllt.
Trasse aus dem Raum Neunburg v. W. nach Tiefenbach
In der Bayerischen Uraufnahme verlässt Neunburg eine Straße und führt über die Jedesbacher Mühle nach Thanstein und von dort weiter über Hebersdorf und am Kermasweiher vorbei nach Heinrichskirchen und erreicht am Fahrenweiher vorbei Tiefenbach. Die sogenannte „Südliche Prager Straße“ setzt nach List die Nr. 57 von Dollacker fort, die über den Höhenrücken zwischen dem Auerbachtal und dem Schwarzachtal als „Kohlstraße“ nach Schwarzhofen führt und in der Volksmeinung bereits zur Römerzeit begangen worden ist. Sie findet hier, wie von List bestätigt, ihre Fortsetzung als Nr. 59 über Prackendorf und Kulz nach Tiefenbach (s. oben).
Allerdings hat List hier eine Alternativtrasse gefunden, die jenseits der Schwarzach östlich am Warberg vorbeiläuft. Als „Südliche Prager Straße“ zieht sie von Mitteraschau auf beeindruckenden Hohlwegen hinauf zur Rastkapelle, wo sie auf die alte Verbindung von Dieterskirchen nach Neunburg v. W. trifft. Im Bereich der Rastkapelle zweigt als Höhenweg eine weitere Altwegetrasse in Richtung Osten, der von den Einheimischen als „Salzweg nach Prag“ bezeichnet wird. Er führt über Dautersdorf, wo sich einst die Vorgängerburg von Thanstein, der „Alte Thanstein“ befand. Nördlich an Thanstein vorbei erreicht die Trasse über Pillmersried den Ort Tiefenbach und fand Anschluss an die bereits beschriebenen Übergänge nach Böhmen.[4]
Altwege im Raum Tiefenbach nach Hofinger
Neben Ulrich List hat sich fast zeitgleich Veronika Hofinger mit den Wegen von Bayern nach Böhmen beschäftigt.[5] So gibt es nach Hofinger um die alte Verkehrslinie der Cham-Further-Tauser-Senke drei alte Übergänge über das Grenzgebirge, die von Regensburg kommend über Pilsen nach Prag führten und mit Recht als „Regensburger Straßen“ bezeichnet werden dürfen.
Nur unter Vorbehalt kann dabei nach Hofinger der nördlichste Zweig der drei Trassen, jener über Waldmünchen, als „Regensburger Straße“ bezeichnet werden, nachdem sich im 14. Jahrhundert die wichtigsten Handelswege von Regensburg nach Nürnberg verlagert hatten und somit der nördliche Zweig der „Regensburger Straße“ zum südlichen Zweig der „Nürnberger Straße“ wandelt.
Eine große verkehrspolitische Bedeutung hatten offensichtlich die Stadt Rötz sowie der weiter östlich gelegene Ort Ast. Von Rötz aus führt die aus dem Regensburger Raum kommende Fernstraße entlang der Schwarzach über Schönthal nach Waldmünchen.
Doch nicht alle Verbindungen von Rötz nach Böhmen richten sich an der Schwarzach als Verkehrsleitlinie aus. Eine dieser Verbindungen verließ das Schwarzachtal bereits bei Rötz. Über Berndorf und Hiltersried lief die alte Trasse, wie die heutige Hauptverbindungsstraße, in Richtung Tiefenbach und überquerte die Grenze schließlich bei Höll bzw. Untergrafenried in Richtung Klensch. (vgl. Dollacker Nr. 59; vgl. TK Untergrafenried 6542) ([6] Fazit: Die wechselvolle Verkehrsgeschichte im Bereich der TK 6541 Treffelstein und seine Verbindungen von der Oberpfalz nach Böhmen, die sowohl im Einzugsbereich des Systems sowohl der „Regensburger Straße“ als auch der „Nürnberger Straße“ liegen, dokumentiert sich ausdrücklich auch im digitalen Geländemodell, das in seinem Bereich (und seiner Nachbarkarte TK 6542 Untergrafenried) eine Vielzahl von Hohlwegen aufweist.
Die vielen Wegetrassen in einem Teilbereich der Karte TK 6541 dokumentiert auch ein Inventar der Flur- und Kleindenkmale in der Marktgemeinde Winklarn. Diese exemplarische Bestandsaufnahme ist außerdem mit einem Wanderführer verbunden und reich illustriert. [7]
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6541: Tiefenbach
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6541: Tiefenbach
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6541: Tiefenbach
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6541: Tiefenbach
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6541: Tiefenbach
Einzelnachweise
- ↑ Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Oberviechtach. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007678-0
- ↑ Dietrich Jürgen Manske: Das Schwarzachbergland. Erlangen 1966.
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
- ↑ Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 1: Textband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Kallmünz 2006, ISBN 978-3-7847-6311-8, S. 159-169
- ↑ Veronika Hofinger: Die alte Salzstraße von Regensburg nach Böhmen – Verlauf, wirtschaftliche Bedeutung. Der Abschnitt von Rötz bis Pilsen, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 8 (2002), S. 119 - 128
- ↑ Josef Kraus: Waldmünchen. 1968
- ↑ Werner Winderl u.a.: Flur- und Kleindenkmale im Bereich der Marktgemeinde Winklarn. Selbstverlag 2004