Altstraßen im Bereich der TK 25 6642 Waldmünchen
Geographie des Waldmünchner Raumes
Das Gebiet zwischen dem Schwarzachtal und der Grenze zu Böhmen gehört geographisch zum südlichen Oberpfälzer Wald, einer wald- und wasserreichen Mittelgebirgslandschaft. Sie wird auch als „Schwarzachbergland“ bezeichnet. Der nachmalige Altwegeforscher Dietrich-Jürgen Manske hat im Jahre 1966 seine Doktorarbeit an der Universität Erlangen diesem Gebiet gewidmet.
Die Höhenstufen steigen vom Rötzer Becken mit etwa 400 über NN hinauf zum Böhmerwald auf Höhen mit bis zu 900 Metern über NN im Raum südöstlich von Waldmünchen. Wichtigster Fluss dieses Raumes ist die Schwarzach, die nach der Vereinigung der Bayerischen mit der Böhmischen Schwarzach das Schwarzachbergland bis zur ihrer Mündung in die Naab an seiner Südseite begrenzt. [1]
Eisen, Holzkohle und Salz
Seit dem Mittelalter bis hinauf ins 19. Jahrhundert durchzogen unverändert Fernhandelswege das Untersuchungsgebiet. Hier kreuzten sich die von Nürnberg kommende und über Schönthal und Waldmünchen nach Pilsen führende West-Ost-Verbindung mit einer Nord-Süd-Achse, die aus dem Raum Regensburg kam und über Schönsee und Waidhaus ebenfalls nach Böhmen führte. Eine weitere vermutete Altstraße, die aus der Bodenwöhrer Senke und dem Raum Schwarzhofen kam, lief über Treffelstein und Untergrafenried nach Höll. Sie hatte ebenfalls Böhmen zum Ziel. Anfangs der 1820er Jahre wurde die Straße über Rötz und Waldmünchen neu gebaut. Diese beiden Orte profitierten vom Durchgangsverkehr. Es kam hier in der Folge an den Gewässern zur Ansiedlung mehrerer Glasschleifen, während in den Jahrhunderten zuvor die Eisenverarbeitung das Verkehrsgeschehen bestimmte, wie die mehrfache Erwähnung von „Eisenstraßen“ und „Kohlenstraßen“ belegen. ([2] Im Hochmittelalter war zudem Waldmünchen, neben Cham, eine wichtige Zollstation im Salzhandel mit Böhmen, Franken und der Oberpfalz, wie eine Urkunde aus der Zeit um 1270 belegt. [3]
Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert
Das Territorium der TK Waldmünchen umfasste bis zur Gebietsreform in den 1970er Jahren Teile des Landkreises Oberviechtach, Waldmünchen und des Landkreises Neunburg v. W. Im 19. Jahrhundert wiederum gehörten Teile des Gebietes zum Landgericht Neunburg v. W. bzw. zu den Pflegämtern Rötz und Waldmünchen. Zahlreiche Burgen bzw. Adelssitze finden sich hier im Grenzgebiet zu Böhmen. Mit der wechselvollen Geschichte dieses Raumes hat sich zuletzt Emma Mages ausführlich beschäftigt.[4]
Die Anfänge Waldmünchens
Die Gründung Waldmünchens liegt wohl im 10. Jahrhundert, das eigentliche Gründungsjahr ist aber unsicher. Aus welchem Kloster die namengebenden Mönche kamen, darüber ist sich die Forschung nicht einig. Waldmünchen war aber bereits im 13. Jahrhundert Gerichtssitz und ist um 1300 als Stadt nachweisbar. Eine Stadtmauer ist erstmals für 1364 bezeugt. Waldmünchen war schließlich auch Sitz eines wittelsbachischen Pflegamts. Die Forschung ist sich einig, dass die Stadt Waldmünchen ihre positive Entwicklung ihrer Lage an mehreren Altstraßen zu verdanken hat.[5]
Altwege um Waldmünchen nach Dollacker
Der Altstraßenforscher Anton Dollacker vermutet, dass bereits seit der Steinzeit ein Handelsweg über Rötz und Waldmünchen nach Böhmen führte. Dieser Meinung schloss sich in den 1930er Jahren auch der Archäologie Paul Reincke an, der aus vorgeschichtlichen Einzelfunden für den Raum Neunburg v. W. schloss, dass über den Nepomuksattel eine Altwegetrasse von Böhmen in das untere Naabtal bzw. in die Bodenwöhrer Senke führte. Jüngere Funde scheinen diese Vermutung zu bestätigen. Anton Dollacker weist im Untersuchungsgebiet mehrere Altwegetrassen aus:[6]
- Dollacker Nr. 5: Als „anscheinend uralt“ bezeichnet Dollacker die sogenannte „Sautreibergasse“ (zwischen Dietersdorf und der Landesgrenze), die er Amberg beginnen lässt. Über Nabburg und Schönsee führt sie über Dietersdorf nach Bischofteinitz. Der Name „Sautreibergasse“ verweist möglicherweise auf einen alten Viehtreiberweg.
- Dollacker Nr. 58: Eine Trasse, die nach Dollacker in Schwarzenfeld beginnt, führt über Neunburg v. W. und Waldmünchen nach Böhmen führt. Ein Teil der Strecke scheint erst mit der Einrichtung der Post von Amberg nach Waldmünchen entstanden zu sein („Poststeig“), ein anderer Teil der Trasse erst im 19. Jahrhundert. Sie führt jenseits der Grenze über Arnstein, Sofiental südlich an Nepomuk vorbei über Klentsch nach Taus.
- Dollacker Nr. 59: Diese Trasse beginnt nach Dollacker in Schwarzhofen und führt nördlich am Warberg und am Kulzer Moos vorbei über Prackendorf, Kulz, Muschenried und Haag nach Treffelstein und Eglsee nach Untergrafenried. (s. TK 6542 Untergrafenried).
- Dollacker Nr. 60: Dollacker vermutet diese Trasse als Abzweigung der obigen Trasse 58 von Ast aus. Sie führt über Unter- und Obergrafenried (s. TK 6542) Mauthaus, Frohnau, Münchsdorf und Ronsperg nach Bischofteinitz. Die Trasse Ast – Münchsdorf ist in einer Quelle von 1669 als Fortsetzung des Altweges von Schwarzenfeld nach Ast überliefert (s. obige Nr. 59).
Dollacker ist offensichtlich entgangen, dass die aus Straubing über die Stallwanger Senke nach Cham führende Trasse Nr. 67 ihre Fortsetzung nicht in der Nr. 61 (Cham – Furth) findet, sondern auf der Trasse der früheren Lokalbahn Cham – Waldmünchen weiter nach Norden führte und hier ihre Fortsetzung in der Trasse Nr. 58 nach Klentsch und Taus gefunden hat.
Auch der Verlauf der bei Dollacker genannten Trassen Nr. 58 (Schwarzenfeld Waldmünchen – Taus) und Nr. 60 (Ast – Bischofteinitz) bedarf zwischen Ast und der Landesgrenze nach den Forschungen von List und Hofinger der Korrektur (s. unten).
Altwege nach List
Ausführlich beschäftigt sich Ulrich List in seiner Arbeit zum „System der Goldenen Straße“ mit dem Verlauf der Trassen im Bereich der Sautreibergasse Nabburg – Schönsee – Bischofteinitz bzw. mit den Routenführungen im Raum Neunburg v. W. – Oberviechtach – Tiefenbach. List verfolgt die Trasse der „Sautreibergasse“ wie oben Dollacker Nr. 5. Allerdings stellt er im Gegensatz zu Dollacker weitere Verästelungen der Trasse fest. List stellt dabei zu Dollacker eine Alternativtrasse vor, die über Guteneck, Enzelsberg und Niedermurach nach Oberviechtach führte. Über Rackenthal und Schwand lief die Trasse schließlich nach Schönsee hinein. Die Trasse verließ Schönsee in Richtung Dietersdorf und querte bei der Bügellohe die Grenze zu Böhmen. List folgt der Alternativtrasse zu Dollackers Nr. 5 mit dem Verlauf über Nabburg, Namsenbach, Mitteraich, Weidenthal, Trichenricht und Teunz nach Rackenthal. (s. oben). Eine Wertung bezüglich der unterschiedlichen Frequentierung beider Trassen lässt sich wegen der ähnlich hohen Anzahl von Spuren nach List nicht feststellen. Allerdings sind nach List im Bereich des Grenzübergangs diesseits und jenseits der Grenze bei der Bügellohe aber fast keine Hohlwegtrassen (mehr) feststellenbar.
Altwege um Weiding
Obgleich das Nikolauspatrozinium der Weidinger Pfarrkirche eine Beziehung dieser Siedlung zum Fernhandel nahelegt, findet List in der Umgebung, mit Ausnahme zweier Altwegespuren, keine weiteren Zeugnisse dazu. Beide oben genannten Routen erreichen den Ort südlich am Dümmelstein vorbei. Eine der Routen führt durch das Gaisthaler Holz nach Gaisthal und weiter nach Oberviechtach. Die südliche Variante verlief nur wenige Meter im Norden an der Burgruine Frauenstein vorbei, wo sie sich mit drei Spuren mit den Rosshängen herab nach Schneeberg zieht. Die im Topographischen Atlas des Königreichs Bayern noch eingezeichnete Verbindung von Schneeberg über den Wolfsfels nach Altenschneeberg konnte List im Gelände nicht mehr nachweisen.
Altwege um Tiefenbach
Von Tiefenbach in Richtung Böhmen hat List zwei unterschiedliche Trassenverläufe feststellen können: Die nördliche Variante führte in etwa der Staatsstraße 2400 folgend zuerst nach Schönau. Die im Gelände nachweisbare Altstraßenroute führte dann die Südflanke des Grünberges hinauf mit bis zu neun heute noch erkennbaren Spurrillen zum Roten Kreuz und weiter nach Stadlern. Im Topographischen Atlas vom Königreich Bayern ist eine weiter östlich verlaufende Strecke verzeichnet, die durch Charlottental nach Schwarzach führte. Auch in der Bayerischen Uraufnahme zog die Straße von Schönau nach Schwarzach südlich an Charlottental vorbei. Die südliche Wegvariante verließ Tiefenbach nach Osten hin, überquerte bei der Hammermühle die Bayerische Schwarzach und verlief über Breitenbrunn den Schusterhügel zum Breitenrieder Wald, wo sie nach dem Waldeintritt mit sieben bis elf Spurrillen zu erkennen ist. Der weitere Verlauf konnte durch List nicht mehr festgestellt werden, aber er vermutet eine Variante über Steinlohe nach Böhmen.
Trasse aus dem Raum Neunburg v. W. nach Tiefenbach
In der Bayerischen Uraufnahme verlässt Neunburg eine Straße und führt über die Jedesbacher Mühle nach Thanstein und von dort weiter über Hebersdorf und am Kermasweiher vorbei nach Heinrichskirchen und erreicht am Fahrenweiher vorbei Tiefenbach.
Die sogenannte „Südliche Prager Straße“ setzt nach List die Nr. 57 von Dollacker fort, die über den Höhenrücken zwischen dem Auerbachtal und dem Schwarzachtal als „Kohlstraße“ nach Schwarzhofen führt und in der Volksmeinung bereits zur Römerzeit begangen worden ist. Sie findet hier, wie von List bestätigt, ihre Fortsetzung als Nr. 59 über Prackendorf und Kulz nach Tiefenbach (s. oben).
Allerdings hat List hier eine Alternativtrasse gefunden, die jenseits der Schwarzach östlich am Warberg vorbeiläuft. Als „Südliche Prager Straße“ zieht sie von Mitteraschau auf beeindruckenden Hohlwegen hinauf zur Rastkapelle, wo sie auf die alte Verbindung von Dieterskirchen nach Neunburg v. W. trifft. Im Bereich der Rastkapelle zweigt als Höhenweg eine weitere Altwegetrasse in Richtung Osten, die von den Einheimischen als „Salzweg nach Prag“ bezeichnet wird. Allerdings stellt sich hier die Frage, woher dieses Salz gekommen sein soll. Eher könnte das Salz von den Zollstationen Cham bzw. Waldmünchen stammen und von dort weiter in die nördliche Oberpfalz („über die Naab“) und nach Franken verführt worden sein.
Der Weg führte nach List über Dautersdorf, wo sich einst die Vorgängerburg von Thanstein, der „Alte Thanstein“ befand. Nördlich an Thanstein vorbei erreicht die Trasse über Pillmersried den Ort Tiefenbach und fand Anschluss an die bereits beschriebenen Übergänge nach Böhmen.[7]
Altwege im Raum Tiefenbach nach Hofinger
Neben Ulrich List hat sich fast zeitgleich Veronika Hofinger mit den Wegen von Bayern nach Böhmen beschäftigt.[8] So gibt es nach Hofinger um die alte Verkehrslinie der Cham-Further-Tauser-Senke drei alte Übergänge über das Grenzgebirge, die von Regensburg kommend über Pilsen nach Prag führten und mit Recht als „Regensburger Straßen“ bezeichnet werden dürfen.
Nur unter Vorbehalt kann dabei nach Hofinger der nördlichste Zweig der drei Trassen, jener über Waldmünchen, als „Regensburger Straße“ bezeichnet werden, nachdem sich im 14. Jahrhundert die wichtigsten Handelswege von Regensburg nach Nürnberg verlagert hatten und somit der nördliche Zweig der „Regensburger Straße“ zum südlichen Zweig der „Nürnberger Straße“ wandelt.
Eine große verkehrspolitische Bedeutung hatten offensichtlich dabei die Stadt Rötz sowie der weiter östlich gelegene Ort Ast. Von Rötz aus führt die aus dem Regensburger Raum kommende Fernstraße entlang der Schwarzach über Schönthal nach Waldmünchen. Doch nicht alle Verbindungen von Rötz nach Böhmen richten sich an der Schwarzach als Verkehrsleitlinie aus. Eine dieser Verbindungen verließ das Schwarzachtal bereits bei Rötz. Über Berndorf und Hiltersried lief die alte Trasse, wie die heutige Hauptverbindungsstraße, in Richtung Tiefenbach und überquerte die Grenze schließlich bei Höll bzw. Untergrafenried in Richtung Klensch. (vgl. Dollacker Nr. 59; vgl. TK Untergrafenried 6542)
Fazit: Die wechselvolle Verkehrsgeschichte im Bereich der topographischen Karten Tiefenbach, Untergrafenried, Rötz und Waldmünchen und ihre Verbindungen von der Oberpfalz nach Böhmen, die sowohl im Einzugsbereich des Systems sowohl der „Regensburger Straße“ als auch der „Nürnberger Straße“ liegen, dokumentiert sich ausdrücklich auch im digitalen Geländemodell, das im Bereich der genannten Karten eine Vielzahl von Hohlwegen aufweist. Vor allem im Umkreis von Waldmünchen und Gleißenberg finden sich zahlreiche Hohlwege, die aus den oben genannten Altwegetrassen resultieren.
Zum Verlauf der einzelnen Trassen siehe auch s.a. TK 6541 Tiefenbach. s.a. TK 6641 Rötz s.a. TK 6542 Untergrafenried
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6642: Waldmünchen
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6642: Waldmünchen
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6642: Waldmünchen
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6642: Waldmünchen
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6642: Waldmünchen
Einzelnachweise
- ↑ Dietrich Jürgen Manske: Das Schwarzachbergland. Erlangen 1966.
- ↑ Josef Kraus: Waldmünchen. 1968
- ↑ Urkunde Nr. 447, in: Nürnberger Urkundenbuch. Nürnberg 1959, S. 277.
- ↑ Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 56: Waldmünchen. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1991, ISBN 3-7696-9917-3, S. 4-11
- ↑ Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 56: Waldmünchen. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1991, ISBN 3-7696-9917-3, S. 74-81
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
- ↑ Ulrich List: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung, Band 11 - Teil 1: Textband. Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der „Goldenen Straße“ zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken. Kallmünz 2006, ISBN 978-3-7847-6311-8, S. 159-169
- ↑ Veronika Hofinger: Die alte Salzstraße von Regensburg nach Böhmen – Verlauf, wirtschaftliche Bedeutung. Der Abschnitt von Rötz bis Pilsen, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 8 (2002), S. 119 - 128