Altstraßen im Bereich der TK 25 6634 Altdorf
Neue Straßentrassen mit alter Tradition
Den Raum der TK 6634 passieren bzw. streifen drei überregionale Straßentrassen, die in der Tradition mittelalterlicher Altwege zu sehen sind: Die Bundesstraße 8, die Bundesautobahn A 3 und die Bundesautobahn A 6. Am Altdorfer Kreuz im Bereich der TK 6634 queren die zwei oben genannten Autobahnen. Die B 8 und die parallel dazu verlaufende A 3 sind die Nachfolgetrassen einer mittelalterlichen Verbindung von Nürnberg nach Regensburg, während die A 6 (heute auch Via Carolina) entlang der „Goldenen Straße“, parallel zur heutigen B 14, und damit, wie zu Zeiten Karls IV. im 14. Jahrhundert, Nürnberg und Prag verbindet. (s. dazu auch den Kommentar zur TK 6633 Feucht). Nordwestlich des Neumarkter Beckens erhebt sich eine hügelige Juralandschaft, die mit dem Dillberg und seinem Fernsehsender eine weit sichtbare Landmarke darstellt und Höhen bis zu 600 m aufweist. Sie wird zwischen Postbauer und Neumarkt/Opf. von der Bundesstraße 8 in Richtung Schwarzenbruck begleitet und ist Teil der mittelalterlichen Königsstraße von der Oberpfalz nach Mainfranken.
Die Haimburg
Dem Schutz dieser Altstraße diente vor allem die Burg Haimburg auf 576 Metern über dem Meer zwischen Berg b. Neumarkt und Oberölsbach gelegen. Die urkundlich erstmals im Jahre 1102 mit Hilpoldus von Hainberg erwähnte Burg zählt zu den stattlichsten Ruinen der Oberpfalz. Es ist davon auszugehen, dass eine Reihe von Altstraßen zwischen Berg und Altdorf mit dieser wichtigen mittelalterlichen Burganlage in Verbindung stehen.[1]
Zahlreiche Hohlwege im Kartenbild
Die abwechslungsreiche Hügellandschaft zwischen dem Tal der Sulz und dem Neumarkter Becken, das sich entlang der Schwarzach bis in die Gegend von Berg b. Neumarkt zieht, ist von zahlreichen Hohlwegen durchsetzt.
Ebenso wie das digitale Geländemodell zwischen Altdorf und Berg b. Neumarkt sowie die Gegend südlich und östlich von Berg auf den Jurahöhen eine Reihe von Wegetrassen aufweist. Sie sind in ihrem Richtungverlauf als alte Wegeverbindungen in den Raum Amberg/Sulzbach/Lauterhofen zu interpretieren und führen entlang der europäischen Hauptwasserscheide. Sie gehören vermutlich zu einem uralten überregionalen Wegesystem, das aus dem Altmühltal kommend entlang des Sulztales nördlich an Neumarkt vorbei von Südwesten nach Nordosten führt.[2]
Die Altwegetrassen östlich von Berg b. Neumarkt gehören nicht nur zum Altwegesystem, das an Neumarkt vorbei von Südwesten nach Nordosten führt, sondern auch jene Trassen, die nach Dollacker und Rädle aus dem Raum Nürnberg/Altdorf nach Südosten in den Raum Lauterhofen und schließlich weiter zur Naab bei Premberg führen (s. unten Dollacker Nr. 92, Nr. 94 und Nr. 95)
Verkehrsknoten Waller
Das kleine Örtchen Waller mit seinen rund zehn Anwesen und 30 Bewohnern ist heute ein Ortsteil von Alfeld. Es hat neben seiner Margarethenkapelle mit ihrer Verbindung zum Kloster Engelthal, einer alten Wallfahrt, zwei weitere Besonderheiten aufzuweisen: Der kleine Ort hat ein eigenes Wirtshaus aufzuweisen und ein Blick auf die Luftbildaufnahme zeigt Waller als regelrechten Verkehrsknoten mit sechs Wegen, die auf den Ort zuführen bzw. sich hier kreuzen.
Altwege um Waller bei Dollacker
- Dollacker Nr. 92: Tatsächlich passiert nach Dollacker der Altweg Nr. 92 den Ort Waller. Er kommt von Nürnberg und läuft über Mögeldorf und Weißenbrunn über Waller nach Lieritzhofen, Alfeld, Poppberg, Schwendneröd, Augsberg und Ursensollen nach Bittenbrunn. Von da führt die Strecke weiter über die Vils bei Ensdorf zur Naab nach Schwandorf. Es ist anzunehmen, dass ab Schwandorf diese Trasse weiter nach Osten führt. In einem Akt des Staatsarchives Amberg wird sie „uralte kurzpfälzische Landstraße oder Nürnberger Hochstraße“ bezeichnet. Sie war über Dippersricht und Traunfeld mit der Straße Nr. 93 (s. unten) verbunden.
- Dollacker Nr. 93: Diese Altwegtrasse geht von Altdorf aus und führt über Unterrieden, Eismannsberg, Traunfeld über Nonnhof und Poppberg nach Ursensollen und von da, wie Nr. 92, ebenfalls nach Schwandorf.
- Dollacker Nr. 94: Ebenfalls von Altdorf ausgehend führt die Nr. 94 über Gnadenberg, Bischberg, Pettenhofen, Eidelberg zur Straße Nr. 95 (s. unten) und mit dieser nach Lauterhofen. Sie heißt im Volksmund Eisenstraße.
- Dollacker Nr. 95: Geht von Hersbruck aus und läuft über Happurg, Kainsbach, Waller, Nonnhof, Landnerhof, Gebertshofen nach Lauterhofen. Dort findet sie ihre Fortsetzung über Hohenburg und Schmidmühlen zur Naabfurt beim fränkischen Königshof Premberg. Sie kam nach Dollacker aus Forchheim, dem alten Pfalzort, und verband die bereits im Diedenhofener Kapitulare Karls d. Gr. von 805 genannten Grenzorte zu den Slawen.[3][4]
Altstraße südlich Altdorf nach Rädle
- Rädle Nr. 2 b: Die Trasse verbindet nach Rädle den Ort Unterwiesenacker, wo sich auf dem „Schanzberg“ eine vorgeschichtliche Ringwallanlage befindet, über Dieterskirchen, Lambertshofen und Pilsach mit Altdorf. Die Strecke nach Altdorf führt über Habertshofen mit seinem mittelalterlichen Burgstall nach Dietkirchen, Niederhofen (mit einer innerörtlichen Furt) und Lampertshofen über den Pelchenhofener Berg nach Ischhofen und Pilsach. Ausführlich schildert Rädle in seinem Wanderführer den weiteren Weg über Haimburg, Oberölsbach und Gnadenberg nach Altdorf. Rädle verweist dabei ausdrücklich auf Dollackers Altweg Nr. 94.[5]
- Rädle Trasse Nr. 5a: Sie führt von Altdorf über Oberölsbach und Litzlohe nach Lauterhofen. Auch hier beschreibt Rädle aus eigener Anschauung den Verlauf der Altwegetrassen in der Umgebung von Trautmannshofen und der St. Emmeramer Klosterprobstei Litzlohe. Rädle vermutet, dass das Mehl aus den vier Mühlen dieses wirtschaftlich bedeutenden Gutes des Regensburger Reichsklosters (Schneemühl, Langenmühle, Diemühle, Habersmühle) über Lauterhofen, Utzenhofen, Hohenburg nach Schmidmühlen transportiert wurde. Von der dortigen Schiffslände auf die Vilsschiffe verfrachtet, ging das Mehl an das Mutterkloster in Regensburg. Allerdings ist zu vermuten, dass einige der hier erkennbaren Hohlwege nicht Teil einer überregionalen Trasse sind, sondern als Mühlenwege anzusehen sind.[6]
- Rädle Trasse Nr. 5 b: Zu der oben beschriebenen Verbindung Lauterhofen – Altdorf über Litzlohe gab es nach Rädle eine ebenfalls stark frequentierte Alternativstrecke, die fast parallel dazu nur wenige Kilometer nördlich davon verlief. Es handelt sich um die Strecke Altdorf, Gnadenberg, Unterrohrenstadt, Bischberg, Ballertshofen, Pettenhofen, Eidelberg nach Lauterhofen. Die Route wird von mehreren Wegkapellen begleitet, etwa in Eidelberg, Pettenhofen und Bischberg. Sie heißt im Bereich Bischberg, Unterrohrenstadt und Gnadenberg im Volksmund „Eisenstraße“. Tiefe Abfahrtsrinnen bei Bischberg und Unterrohrenstadt belegen die intensive Nutzung. (s. oben Dollacker Nr. 94)[7]
- Rädle Trasse 5 c: Diese Trasse verläuft exakt der obigen Strecke 5 a bis zum Abstieg bei Oberwall. Nach Litzlohe führt sie über Schmidberg, Kadenzhofen, Richtheim, Beckenhof, Wurzhof nach Postbauer und von dort weiter nach Nürnberg. Rädle hat diesen Weg ausführlich beschrieben.[8]
- Rädle Trasse 5 i: Über Waller (s. oben) läuft eine Trasse, die von Hersbruck über Ellenbach, Deckersberg, Hinterhaslach und Waller nach Lauterhofen führt. Sie stellt eine Alternative zu der bei Dollacker genannten mit Nr. 95 (s. oben) beschriebenen Strecke Waller, Schupf, Happurg, Hersbruck dar. Beide Strecken sind Teil einer uralten Fernverbindung Magdeburg, Erfurt, Forchheim, Hersbruck, Lauterhofen, Premberg, Regensburg und wird als „Alte Erfurter Straße“ bezeichnet. Sie wurde angeblich von Karl dem Großen erbaut, wurde aber nach Rädle wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit als Handelsweg benützt. Die obige Straße passiert die große keltische Höhensiedlung auf der „Houbirg“ und die „Alte Erfurter Straße“ findet nach Rädle von Regensburg aus in der Römerzeit ihre Fortsetzung über Pfaffenhofen bei Rosenheim und Wilten bei Innsbruck zum Brenner und weiter nach Italien. Rädle hat den Verlauf der Trasse beginnend von Waller aus auf Wanderwegen über Ellenbach und Deckersberg in Richtung Hersbruck nachvollzogen und in südlicher Richtung in Richtung Gebertshofen, Grafenbuch, Aglasterhof nach Traunfeld beschrieben.[9]
Siehe auch
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6634: Altdorf
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6634: Altdorf
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6634: Altdorf
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6634: Altdorf
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6634: Altdorf
Einzelnachweise
- ↑ Michael Odorfer: Sindlbacher Lesebuch über Burg Haimburg, Heimatdorf und Heimatkirche. Sindlbach 1981.
- ↑ Dietrich-Jürgen Manske: Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Altwegenetz der südwestlichen Oberpfalz (Kreis Neumarkt). (online verfügbar auf https://oberpfaelzerkulturbund.de/wp-content/uploads/2016/08/33.NGT_Seite-45-64.pdf), in: 33. Bayerischer Nordgautag in Berching. Die Oberpfalz – Mittler zwischen Zeiten und Räumen. 2000, S. 45-63
- ↑ Eine nordgauische Altstraße vom Main zur Donau, in: Sonderheft 107 (1991) der „Deutschen Gaue“, S. 1 ff
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 35-39
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 92-95
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 95-99
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 35-39; 99-101
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 130-133