Altstraßen im Bereich der TK 25 6633 Feucht
Autobahnkreuz von europäischer Dimension
Im Norden der TK 6633 liegt das „Nürnberger Kreuz“, wo mit der A 6 und der A 9 zwei Autobahnen queren, die den Norden mit dem Süden und den Osten mit dem Westen verbinden. Zudem passiert das Kartenbild die Bundesstraße 8, die über den Jura wiederum entlang der alten Königsstraße die beiden ehemaligen Reichsstädte Regensburg und Nürnberg verbindet.
Schwarzenbruck als mittelalterliche Reisestation der deutschen Könige
Seit dem Mittelalter zogen die deutschen Könige etwa entlang der heutigen Bundesstraße 8 aus dem Donaugebiet in die Mainlande. Einer der Stationen war dabei Schwarzenbruck. Allerdings lässt sich in der Neumarkter Senke die Trasse des Königsweges im Digitalen Geländemodell nicht nachvollziehen. Nur der Verlauf der heutigen Bundesstraße 8 gibt Anhaltspunkte über einen möglichen Trassenverlauf.
Die einseitige Beschränkung des Königs auf den sächsischen Bereich, der ein Straßennetz entsprach, das strahlenförmig von Sachsen aus verlief, hatte Kaiser Heinrich II. weitgehend aufgehoben. Seinen Nachfolgern stand ein reich verzweigtes Straßennetz zur Verfügung., in dem Regensburg einen wichtigen Knotenpunkt darstellte. Dieses Verkehrsnetz ermöglichte den Königen ein rasches Eingreifen in allen Reichsteilen.
Von der Donau zum Main
Herausragende Bedeutung kam unter den Saliern und Hohenstaufen der Verbindung von Regensburg zur Mainstraße und diese abwärts ins Rheintal zu. Unter Konrad II. lässt sich die Streckenführung zwischen Regensburg und Nürnberg am klarsten fassen. Als Reisestationen werden genannt: Beratzhausen, Schwarzenbruck und Mögeldorf. In Schwarzenbruck hielt sich Konrad nach Auskunft der Itinerare am 6. Mai 1025 auf, in Mögeldorf am gleichen Datum sowie zusätzlich am 9. September 1030.
Nimmt man die aus der sächsischen Kaiserzeit bekannten Stationen Etterzhausen und See hinzu, so ergibt sich folgender Straßenverlauf: Regensburg – mit der Fähre über die Donau ins Naabtal – Etterzhausen – Übergang vom Naabtal ins Laabertal – Beratzhausen – See – Schwarzenbruck – Mögeldorf.
Diese Strecke legte Konrad II. im Mai 1025 in der Zeit vom 4. bis 6. Mai zurück. Nimmt man dafür etwa eine Entfernung von 100 km an, so hat der König am Tag die Strecke von 35 km zurückgelegt. Im Mai 1034 reiste Konrad mit ähnlicher Geschwindigkeit. Diese weit über dem Durchschnitt einer damals üblichen Reisegeschwindigkeit von maximal 20 – 25 km pro Tag spricht für den guten Zustand des Weges.
Trasse durch das Laabertal
Eine Veränderung der bisherigen Streckenführung durch das Laabertal scheint unter den Staufern stattgefunden zu haben. Friedrich I. nahm im Jahre 1174 seinen Weg von Nürnberg nach Regensburg bereits auf der Jurahochfläche über Hemau (s. späterer Verlauf der Bundesstraße 8). Dieser neue Reiseweg war vermutlich deshalb möglich, weil das große Waldgebiet des Tangrintel bei Hemau durch Rodungen des Klosters Prüfening sowohl für die Siedlung als auch für den Verkehr erschlossen worden war.
Verfolgt man die Entwicklung der Verbindungslinie zwischen Regensburg und der Regnitzachse, so ergibt sich, dass in karolingischer Zeit die Straße von Regensburg über Premberg und Lauterhofen nach Forchheim verlief. Als letzter König nutzte diese Straße offenbar König Heinrich I., als er von Prag über Nabburg nach Quedlinburg unterwegs war. Unter den Ottonen und Saliern trat nun die Straße durch das Laabertal in den Vordergrund. Von Nürnberg aus verlief die Straße dann weiter wie in karolingischer Zeit durch das Regnitztal nach Bamberg, wobei die Orte Erlangen, Forchheim und Hirschaid berührt wurden.
Von Regensburg zur Mainstraße
Von Bamberg aus gelangte der König auf der Mainstraße über Würzburg, Thüngen an der Wern und Seligenstadt nach Frankfurt/M. Von da führt der Weg über Kelsterbach in verschiedene Richtungen, etwa nach Worms, Speyer, Trebur, Köln, Kaiserswerth, Lüttich, Aachen, Koblenz, Straßburg und nach Burgund.
Alternative Wege
Neben dieser Straße bestanden zwei kürzere Verbindungen zwischen Regensburg und Frankfurt. Die eine verlief von Nürnberg aus über Langenzenn, Windsheim, Tauberbischofsheim, Miltenberg und Seligenstadt nach Frankfurt. Konrad III. nutzte offensichtlich diese Straße im Jahre 1147. Am 25. Februar urkundet er in Regensburg, am 2. März befand er sich auf dem Weg nach Frankfurt in Tauberbischofsheim. Es blieben ihm also vier bis fünf Tag Zeit, um dorthin zu kommen. Ein Umweg über Bamberg schied also in diesem Fall aus.
Auch Heinrich IV. verblieben im Jahre 1078 maximal vier bis fünf Tage, um von Regensburg nach Würzburg zu gelangen. Es ist daher anzunehmen, dass er die zweite Straße benutzte, die von Nürnberg über Fürth, Neustadt/Aisch und Kitzingen nach Würzburg und weiter nach Frankfurt führte.
Neue Bedeutung der karolingischen Trasse unter den Saliern und Staufern
Als Verbindungsstrecke zwischen der Mainstraße und der oberrheinischen Tiefebene gewann unter den Saliern und Staufern erneut die alte karolingische Straße von Worms über Lorsch, Bensheim, Amorbach, Miltenberg und Tauberbischofsheim nach Würzburg an Bedeutung. Vermutlich nutzte sie Heinrich IV. im Jahre 1072 für seinen Weg von Lorsch nach Regensburg. Konrad III. zog 1144 über Amorbach nach Würzburg. Vermutlich reiste auf ihr auch Friedrich I. in den Jahren 1156 von Regensburg über Würzburg nach Worms und 1165 von Regensburg über Tauberbischofsheim ebenfalls mit Worms als Ziel.
Neue Trassenführung mit der Steinernen Brücke in Regensburg
Die Verbindungslinie von Regensburg über Würzburg nach Worms erfuhr durch die Fertigstellung der Steinernen Brücke in Regensburg im Jahre 1146 eine erhebliche Aufwertung. Durch deren Bau wurde der bequemste Übergang über die Donau im gesamten süddeutschen Raum geschaffen. Der Hauptverkehr vom nördlichen Frankreich in den europäischen Südosten wandte sich dadurch von der bisherigen Nibelungenstraße ab und benutzte lieber den Weg von Worms über Miltenberg, Würzburg und Nürnberg nach Regensburg und Passau.
Man kann behaupten, dass der unter den Saliern einsetzende Aufstieg Nürnbergs sowohl zum beherrschenden Mittelpunkt des Königsgutes in Süddeutschland und anschließend als Handelsstadt von europäischer Bedeutung bereits mit dieser Trassenverlegung im 12. Jahrhundert seinen Anfang nahm. Allerdings wuchs mit dem Aufstieg Nürnbergs gleichzeitig auch die Bedeutung der Straßenverbindung Nürnberg – Donauwörth. Regensburg geriet damit politisch ins Abseits und Nürnberg gewann auch durch seine geschickte Zollpolitik – die Stadt hatte schließlich mit über 100 anderen Städten Zollfreiheit für seine Produkte ausgehandelt – als Fernhandelsstadt weiter an Bedeutung.
Über Nürnberg und Bamberg nach Sachsen
Durch das Maintal verlief übrigens auch die Verbindungslinie von Regensburg und Nürnberg nach Sachsen, die über Bamberg direkt nach Norden führte. Welche Straßen die Könige jeweils im Einzelfall für ihre Reisen zwischen Regensburg und Sachsen nutzten lässt sich allerdings nur schwer feststellen, da in den meisten Fällen Stationsangaben fehlen. Absolut sicher fassbar wird die Straße von Regensburg über Frankfurt nach Sachsen als Königsstraße unter den Saliern und Staufern insgesamt fünfmal.[1]
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6633: Feucht
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6633: Feucht
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6633: Feucht
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6633: Feucht
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6633: Feucht
Einzelnachweise
- ↑ Peter Schmid: Regensburg. Stadt der Könige und Herzöge im Mittelalter. Kallmünz 1977, ISBN 3-7847-4006-5, S. 26 - 37