Altstraßen im Bereich der TK 25 6534 Happurg
Lage Happurgs am Fuße der Houbirg
Die Pegnitz durchfließt zunächst in Nord-Süd-Richtung den Fränkischen Jura, in den sich der Fluss tief eingeschnitten hat. Dort, wo die Pegnitz aus dem Gebirge austritt und sich ihre Fließrichtung nach Westen ändert, weitet sich das Tal. Hier hat die Pegnitz mehrere Zuflüsse: Von Osten kommt das Högenbachtal, von Südosten ein Tal mit dem Happurger Bach und dem Kainsbach. Zwischen diesen beiden Seitentälern liegt der Bergstock der Houbirg, auf alten Karten, wie im Pfinzing-Atlas von 1594 auch „Hohenberg“ genannt. Am Fuße der Houbirg liegt Happurg.
Der namengebende Ort Happurg für die Karte TK 6534 grenzt im Süden an die Gemeinde Lauterhofen und damit an die Oberpfalz. Auf dem Hochplateau über Happurg befand sich eine keltische Siedlung, die mit einem Ringwall umgeben war. Der Mauerring ist in weiten Teilen noch gut erhalten.
Die Houbirg und ihre Befestigungsanlage
Der Berg liegt ca. 150 m über dem Pegnitztal und fällt auf drei Seiten steil zu den umgebenden Tälern ab. Die den Berg umgebende Ringwallanlage bildet mit einer Länge von rund vier Kilometern und einer Fläche von fast 90 Hektar einer der großen Befestigungsanlagen aus vorgeschichtlicher Zeit. Funde beim „Hohlen Fels“ weisen auf Siedlungsspuren bereits in der Steinzeit. Eine erste Befestigung erfolgte in der späten Urnenfelderzeit. In der späten Hallstatt- und Frühlatènezeit kam es zu einer Erweiterung der Anlage mit einer Umwallung.
Metallabfälle belegen eine intensive Bronzeverarbeitung und spätere Eisenverhüttung. Die Besiedlung der Houbirg bricht um 400 v. Christus ab. Im ersten vorchristlichen Jahrhundert kommt es allerdings wieder zu einer Teilbesiedlung der Hochfläche, die nun auch in die Umgebung der Houbirg ausgreift. Eine so prominente „präurbane“ Anlage wie die zeitgleich existierende Siedlung auf dem Staffelberg kann für die spätkeltische Anlage auf der Houbirg nicht angenommen werden. Allerdings ist die Keltenanlage auf der Houbirg bei weitem nicht so intensiv erforscht wie der Staffelberg.
Der Archäologe Markus Schussmann kommt zu dem Schluss, dass die Gewinnung von Eisen in Kombination mit ihrer Lage im Fernhandel entlang eines Ost-West-Korridors die Mittelpunktsfunktion der Houbirg maßgeblich gefördert hat. Doch stellt er auch auf diesem Gebiet entsprechende Forschungsdefizite fest. [1]
Im Bereich der Karte TK 6534 liegt südwestlich von Happurg das mittelalterliche Kloster Engelthal und die Burganlage Reicheneck. Die Schenken von Reicheneck war mit vielen Geschlechtern des Nordgauadels, bis hinunter ins Altmühltal, versippt und verschwägert.
Altwege um Happurg
Im Bereich des Pegnitztals um Happurg und Hersbruck kreuzen sich zwei Altstraßensysteme: Seit dem frühen Mittelalter führte eine Königsstraße aus Mitteldeutschland und Franken in die Oberpfalz bzw. nach Regensburg. Bereits im Jahre 806 ist im sogenannten Diedenhofener Kapitulare eine Straße erwähnt, die von der Ostsee kommend über Magdeburg, Erfurt, Hallstadt b. Bamberg, Forchheim, Hersbruck, Lauterhofen nach Premberg an der Naab führte. Von dort bestand eine Verbindung nach Regensburg bzw. eine Fortsetzung nach Böhmen. Dagegen verlief in Ost-West-Richtung im späten Mittelalter von Nürnberg aus durch das Pegnitztal über Sulzbach die „Goldene Straße“ nach Prag. Heute erinnert an diese Trassenführung der Verlauf der Bundesstraße B 14 bzw. der Autobahn A 6. Beide Trassen der genannten Straßen von überregionaler Bedeutung berühren die Karte TK 6534 im Norden bzw. Süden des Kartenbildes. Die verkehrspolitische Kreuzungssituation dieser Region dokumentiert sich zudem im Autokreuz Altdorf mit der Querung der A3 mit der A 6 und in dem kleinen Ort Waller in der Nachbargemeinde Alfeld, wo sechs Altwegetrassen zusammenlaufen.
Altwege um Happurg bei Anton Dollacker
Dollacker 95: Die obengenannte Altstraße von 806 kam von der Nordsee bzw. Ostsee und gehört zu den am frühesten urkundlich genannten Trassen. Sie verband die Pfalz Forchheim über Lauterhofen und Schmidmühlen mit dem Königshof Premberg an der Naab. Dollacker hat die Stationen der Trasse von Hersbruck und Happurg aus detailliert beschrieben. Dollacker vermutet allerdings eine bereits in vorgeschichtlicher Zeit genutzte Trasse, die möglicherweise auch die Keltensiedlungen auf dem Staffelberg und der Houbirg miteinander verband.[2]
Altwege Happurg bei Herbert Rädle
Intensiv hat sich auch Herbert Rädle mit dem Altwegesystem im Nordosten von Neumarkt/O. beschäftigt und ist dabei auch auf den Verlauf der Trassen südlich Happurg eingegangen. Rädle 2 c: Die Strecke Unterwiesenacker – Lauterhofen – Alfeld: Sie führt von der Ortsmitte Unterwiesenacker durch das Siebentalweg über Finsterhaid, an Hillohe vorbei nach Lauterhofen, dem karolingischen Königshof. Von dort führt die Trasse weiter nach Schweibach, Marbertshofen und Muttenshofen bis nach Alfeld, um schließlich bei Hersbruck auf die uralte „Erfurter Straße“ zu stoßen, vorbei an der Houbirg und Happurg.[3]
Rädle hat sich zudem in Kapitel 5 seines Autowanderführers „Unterwegs aus Altstraßen im Raum Neumarkt“ ausführlich mit den Trassen des „Altwegesterns“ zwischen Happurg/Hersbruck und Lauterhofen beschäftigt.[4] (s. a. Altstraßen im Bereich der TK 25 6635 Lauterhofen)
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6534: Happurg
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6534: Happurg
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6534: Happurg
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6534: Happurg
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6534: Happurg
Einzelnachweise
- ↑ Bernd Mühldorfer: Die Houbirg im Nürnberger Land, in: Kelten in Franken: Archäologische Funde der Keltenzeit, Regensburg 2025, S. 92 – 107
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 39-43
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 91-133