Schwandorf Bahnhofstraße 24

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Schwandorf Bahnhofstraße 24
Datei:Schwandorf Bahnhofstraße 24.jpg
Adresse:Bahnhofstraße 24
92421 Schwandorf

Ein 1901 erbautes Haus unter Verwendung älterer Mauern.

Geschichte

Im Liquidationsprotokoll von 1839 steht für das Haus 228 ½, heute Schwaigerstraße 7, zu lesen: „das ehemalige städtische Torwarthaus neben dem Regensburger Tor“. Alle späteren Veröffentlichungen basieren auf diesem Eintrag.

Ein Stadttor jedoch läßt sich ausschließlich nur von innen öffnen und verschließen. Wenn der Wärter das Tor verschlossen hat, kommt er somit nicht mehr zu seiner Wohnung, da das Gebäude Schwaigerstraße 7 außerhalb der Stadtmauer liegt. Zudem wäre es im Verteidigungsfall ein Sicherheitsrisiko, wenn vor dem Tor ein Haus steht und darin jemand wohnt, der den „Schlüssel“ hat. Die frühneuzeitliche Torwärterwohnung muß daher zwingend innerhalb der Mauer gewesen sein und wurde erst später verlegt.

Nun schreibt der Pfarrer von St. Jakob am 29. Oktober 1690 neun Worte in das Sterbebuch, die gemeinsam mit der Steuerbeschreibung von 1727 ein ganz anderes Bild zu den bisherigen Veröffentlichungen ergeben. Damals stirbt Leonhard Zweck der Ältere, ein „alter Schmid in dem Torhaus unter dem Regensburger Tor“. Sein Sohn, ebenfalls Leonhard, ist schon seit 1677 Besitzer des Hauses. Der Schwiegersohn von Leonhard dem Jüngeren wird in der Steuerbeschreibung von 1727 als Besitzer bestätigt. Bei dem Gebäude handelt es sich um das Anwesen Bahnhofstraße 24.

Die Nachfahren der beiden Leonhards bleiben noch bis 1783 in dem Haus und betreiben eine Schmiede, mal auch als Hufschmiede oder Kupferschmiede bezeichnet. Durch weibliche Erbfolge änderte sich jedoch der Familienname von Zweck über Dobmeier und Hönig zu Westiner.

1792 erwirbt Martin Dorman, ein Hufschmied aus Schönfeld bei Bamberg das Haus. 1800 tauscht dieser das Anwesen mit Andreas Koch, Friedrich-Ebert-Straße 14. Schon zwei Jahre später wird Urban Weinisch, ein Säckler aus Tirschenreuth neuer Eigentümer. Weitere acht Jahre später tauscht Urban das Haus gegen die heutige Spitzwegstraße 28 vom Glaser Max Schreiner.

Auch die Familie Schreiner blieb nur 16 Jahre und tausche 1826, nun gegen das Anwesen Marktplatz 20 vom Metzger Lorenz Dirrigl.

Drei Generationen lang übte die Familie Dirrigl bis 1880 das Metzgerhandwerk hier aus. Dann erstanden die Güterhändler Gerson Rosenblatt und Josef Knoll aus Regensburg den Besitz. Sie zertrümmerten das Anwesen, das bedeutet, sie verkauften alle dazugehörigen Grundstücke einzeln weiter.

So kam 1881 das Gebäude ohne einen weiteren Quadratmeter Grund in den Besitz von Ludwig Jöhl, einen Webersohn aus Stefling, der zwischendurch als Hüttenarbeiter in Böhmen gearbeitet hatte. Ludwig konnte somit keine Landwirtschaft betreiben und mußte sich ausschließlich von seinem Hutmacherhandwerk ernähren. Später wird er als Kaufmann bezeichnet, da hatte er wohl weitere Artikel in sein Sortiment aufgenommen.

Aus der Habe von Ludwigs Sohn ersteigerte Jakob Stern, ein Realitätenbesitzer aus Crailsheim das Haus. Von diesem kauften die Ehegatten Jakob und Anna Schreiner in Gütergemeinschaft das Gebäude. Der Kauf wurde 1917 ins Grundbuch eingetragen.

Daraufhin verlegten die Ehegatten Schreiner ihr bestehendes Gold- und Silberwarengeschäft hierher. Somit kehrten auch die Gene des einstigen Besitzers zurück.

Die Familie Schreiner betreibt das Geschäft noch immer.

Architektur

Das Gebäude wurde in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts gemeinsam mit der Stadtmauer errichtet. Im Vergleich mit anderen Städten dürfen wir uns wohl ein erdgeschossiges Gebäude vorstellen, über dessen Dach der Wehrgang zum Regensburger Tor verlief.

Als die Stadtmauer ihren Verteidigungszweck verloren hatte, wurde das Gebäude im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts privatisiert.

In der Steuerbeschreibung von 1727 steht zu lesen: „ein Haus mit Schmiedgerechtigkeit und Werkstatt in der Regensburger Gass am Weg zum Tor“.

In der Fassion von 1804 steht: „ein gemauertes Haus mit Stall unter einem Dach nebst Schupferl“. Inzwischen hatte sich das Gebäude wohl verändert, denn aus der Werkstatt wurde ein Stall. Da das Gebäude einst mit allen Außenmauern auf der Grundstücksgrenze stand gibt uns das Schupferl den Hinweis, dass ein Grundstück außerhalb der Stadtmauer direkt am Haus dazugekommen sein muß. Das Schupferl war an die Außenmauer des Stadttores angelehnt und sollte später noch eine Rolle spielen. Zudem muß auch eine Tür durch die Stadtmauer geschlagen worden sein, um zum Schupferl und den zugehörigen Hofraum zu kommen.

Bei der Vergabe der Flurnummern, 1827, betrachtete man den Gesamtbesitz bereits als Einheit und vergab für alles nur eine Flurnummer.

Beim Abbruch des Regensburger Tores, 1858, wurde ein Protokoll angefertigt. Aus diesem geht hervor, daß der Eigentümer nichts gegen den Abbruch einzuwenden hatte, wenn die rechtsseitige Einfahrtsmauer, welche zugleich seine Schupfenmauer bildet, stehen bleibt, oder wenn ihm eine andere Mauer für seine Schupfe errichtet wird. Er hat nichts dagegen, wenn dann diese Mauer etwas zurück versetzt wird, so daß sie eine gleiche Flucht mit dem Wohnhaus bildet.

In der ältesten Fotografie von von der Friedrich-Ebert-Straße, 1875, sieht man am linken Bildrand diese Schupfenmauer mit anschließendem Wohnhaus. Das Gebäude selbst hat ein Obergeschoß mit zwei Fenster und darüber wohl ein Mansarddach zur Friedrich-Ebert-Straße hin. Nach einem Bauplan von 1888 hat es nach Süden einen Giebel und zur Hofseite zweifelsfrei ein Mandarddach, das wohl auch zur Bahnhofstraße hin bestand. Die Form des Daches läßt auf eine nicht dokumentierte Baumaßnahme im 19. Jahrhundert schließen.

Mit Bauplan von 1901 erfolgte ein Umbau bei dem die Außenmauer zur Bahnhofstraße hin in gerader Linie um zwei Meter zum nächsten Nachbarn versetzt wird. Dies bedeutete eine Gebäudeerweiterung um rund 30 Quadratmeter. Die Reiche zum Nachbarn wurde geschlossen und das Haus erhielt ein weiteres Stockwerk aufgesetzt. Somit entstand die heutige Kubatur dazu ein zweistöckiger Eckerker mit dominantem steilem Erkerdach. Die Fassade im Stil der Gründerzeit.

Die Stirnseiten zu den Einkaufsstraßen haben sich nur wenig verändert. Zwar wurde die Fassade, zuletzt 1994, dem veränderten Zeitgeschmack angepaßt und 2012 der Laden vergrößert. Doch die Interessanten Veränderungen erfolgten auf der Rückseite. Dort entstand 1902 ein Waschhaus aus Wellbech, dann 1905 ein Pissoir im Freien und es gab einen Schweinestall für etwa zwei Tiere. Letzteres wundert um so mehr, da unverändert kein landwirtschaftlicher Grund zum Anwesen gehörte.

Persönlichkeiten

  • Justine Zweck geb. Strobel (geb. 1650, gest. 14. März 1687) Bürgermeistertochter, Schmiedehefrau, sie wurde in einem Ehrengrab im Friedhof bei St. Jakob beigesetzt
  • Max Schreiner (geb. 13. Oktober 1779, gest. 7. November 1855) Glaser, Stadtmagistrat
  • Jakob Stern (geb. 25. September 1862, gest. 18. Juli 1918) Realitätenbesitzer in Crailsheim, seine Tochter, Jenny Stern verheiratete Grimminger, wurde in Crailsheim geboren und später als Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ in Stuttgart von den Nationalsozialisten ermordet.
  • Jakob Schreiner (geb. 28. Februar 1876, gest. 9. Juli 1923) Goldarbeiter, Gründungsmitglied der Centrumspartei Ortsgruppe Schwandorf und deren Kassier.

Einzelnachweise

Vorlage:Navigationsleiste Gebäude in der Bahnhostraße von Schwandorf