Großenschwand (Tännesberg)

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Großenschwand (2024)
Großenschwand (2024)

Großenschwand ist ein Gemeindeteil des Marktes Tännesberg im Landkreis Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz.

Geographie

Der Ort Großenschwand liegt an der Bundesstraße B 22 von Weiden nach Cham.

Aus der Geschichte von Großenschwand

Rodungssiedlung Großenschwand

Der Ort ist eine Rodungssiedlung [1], die im 11. Jahrhundert entstand. Henricus de Teininsberg, der in einem Dienstverhältnis zu den Diepoldingern stand, baute um den Sitz in Tännesberg eine Rodungsherrschaft [2] aus. Der Rodungsbereich wird durch die Rodungsorte Etzgersrieth, Woppenrieth, Schwand (Großenschwand, Kleinschwand), Lampenricht, Pilchau, Zeinried und die slawische Siedlung Kaufnitz umschrieben [3].

Paulsdorfer auf Tännesberg und Großenschwand

Die Herrschaft Tännesberg war 1280 im Besitz der Paulsdorfer [4] [5]. Dieses Reichsministerialengeschlecht nannte sich nach dem Ort Paulsdorf in der Nähe von Amberg. Zwei Urkunden aus dem Jahr 1394 und zwei weitere aus dem Jahr 1397 und 1399 liefern einen Überblick über die Besitzgröße des Adelsgeschlechtes der Paulsdorfer, die "ihr oberes und unteres Haus zum Tännesberg mit allen Zugehörungen" [6] an die pfälzischen Wittelsbacher verkaufen. Die Paulsdorfer hatten in Pernhof (Bernhof, Gemeinde Gleiritsch) zwei Höfe, fünf Güter und eine Mühle, in Atzkasrewt (auch Atzlensrewt, Atzkersrewt), dem heutigen Etzgersrieth, drei Güter und Vogteirechte, in Groszen Swant (Großenschwand) sechzehn Höfe, ein Lehen, drei unbesetzte Sölden und Zehentrechte[7]. Zu ihrem weiteren Besitzstand zählten die Zehentrechte an der Kainzmühle, in Kaufnitz ein Gut und ein Weiher, in Lutzel Swant (Kleinschwand) vier Höfe, eine Söldherberge, neun Güter, eine Mühle und Zehntrechte [8]. Es folgt die Beschreibung weiterer Besitzungen in Kleßberg, Ober- und Unterlind, Ödreichersried, Pilchau, Schömersdorf, Tanzmühle, Trichenricht, Voitsberg, Woppenrieth, Zeinried, der abgegangenen Öde Ostraw bei Trichenricht, Böhmischbruck und Teunz, die von den Paulsdorfern an die Wittelsbacher verkauft worden sind [9].

Statistische Beschreibung von Großenschwand

Die Beschreibung der Siedlung Großenschwand erfolgt aufgrund einer Zusammenstellung in einem Salbuch [10] [11] aus dem 16. Jahrhundert:

Großenschwand

  • 31 Anwesen: 3 Höfe, 16, Halbhöfe, 5 Lehen, 4 Sölden
  • Gemein: 2 Hirtenhäuser, 1 Schmiedstatt
  • Zehentrechte: Kastenamt Tännesberg, Pfarrei Döllnitz, Pfarrei Nabburg

Erläuterungen zum besseren Verständnis:

Hofgröße:

  • Ganzer Hof (Mayrhof/Meierhof): Das größte Anwesen, ca. 40-90 Tagwerk Land, mit mehreren Pferden und Ochsen
  • Halber Hof (Huber/Halbbauer): Etwa die Hälfte eines ganzen Hofes, ca. 30 Tagwerk, mit weniger Pferden und Ochsen
  • Viertel-Hof (Lehen/Gütler): Ein Viertel der Größe eines vollen Hofes, ca. 15-20 Tagwerk, mit einem Pferd und einem Ochsen
  • Achtel-Hof (Sölde/Söldner): Ein Achtel des vollen Hofes, ca. 5-10 Tagwerk Land, oft ohne Pferd, mit einer oder zwei Kühen
  • Kleinere Einheiten: Darunter folgten noch Sechzehntel-Höfe (Leersölde, 1-3 Tagwerk) und Zweiunddreißigstel-Höfe (Häusler, Leerhäusler) ohne oder mit sehr wenig Grundbesitz

Gemein

Die bäuerlichen Wirtschaftsgemeinde nutzt einen Besitz gemeinsam.

Zehentrecht

Das Zehentrecht, auch Zehntrecht, bezeichnet das historische Recht, einen Zehnten, also 10 Prozent, der landwirtschaftlichen Erträge (z. B. Getreide, Vieh, Wein, Gemüse) als Steuer abzugeben. Es gab einen Großzehent (z. B. Getreideabgabe), einen Kleinzehent (z. B. Obst- Kraut-, Flachsabgabe) und einen Blutzehent (z. B. Geglügel).

Ursprünglich erfolgte die Abgabe nur an die Kirche zum Unterhalt des Pfarrers. Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Übergang der Abgabe an weltliche Grundherren [12]. Das Zehentrecht konnte verliehen, verkauft oder verschenkt werden. Diese Abgabe in Form des Zehent war bis in die frühe Neuzeit üblich, basierte auf biblischen Geboten, wurde jedoch oft höher und war auch eine wichtige Einkommensquelle für die Zehentempfänger.

Das Zehentrecht wurde in vielen Gebieten im Zuge der Bauernbefreiung im Jahre1848 abgeschafft. An seine Stelle trat ein Steuersystem in Form von Geldleistungen.

Historische Schreibformen des Namens Großenschwand

  • 1394: czu grozzen Swant [13]
  • 1397: zu großen Swantt
  • 1399: zuͦ Groszem Swant
  • 1526: in Swantt
  • 1588: Grossen Schwanndt
  • 1606: von grossen Schwanndt gehnn Reisach

Erklärung des Namens Großenschwand

Das mittelhochdeutsche Wort "swant" bedeutet das aushauen bzw. roden des Waldes. Der Zusatz "grōʒ" (groß) dient zur Unterscheidung zum Ort Kleinschwand, der rund zwei Kilometer nordöstlich von Großenschwand liegt. Der Ortsname bedeutet "(zur großen) Rodungssiedlung" [14].

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Großenschwand bestand aus den Gemeindeteilen Großenschwand, Kaufnitz und Unterkaufnitz. Großenschwand war seit 1821 ein unveränderter Gemeindebezirk [15]. Am 1. Juli 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die bis dahin selbstständige Gemeinde Großenschwand aufgelöst. Sie kam zum Markt Tännesberg [16].

Bilder Großenschwand

Sehenswürdigkeiten in und um Großenschwand

  • Hochspeicher Rabenleite
  • Gemauerter Bildstock (1785) mit Dreifaltigkeitsbild an der Straße in Richtung Weinrieth
  • Dorfkapelle
  • Mahnmal für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege
  • Wendelin-Brunnen

Altstraßen im Bereich von Tännesberg und Großenschwand

Altstraßen sind historische Verkehrsverbindungen von lokaler, regionaler oder überregionaler Bedeutung. Sie dienten vor allem dem Warenaustausch und der Kommunikation. Allerdings unterschieden sich diese deutlich von heutigen Straßen, da früher ein befestigter Unterbau mit Straßengräben und ein regelmäßiger Unterhalt fehlte. Um z.B. auch Steige mit einzubeziehen, spricht man besser von "Altwegen".

Literatur

  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv München I, Landgrafschaft Leuchtenberg, Urkunden Nr. 1
  • Staatsarchiv Amberg, Standbuch Nr. 837
  • Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl, Konrad Ackermann, Vom Abrändler zum Zentgraf, Volk Verlag München, 3. Auflage 2010, ISBN 978-3-937200-65-1
  • Alois Köppl, Tännesberg, Die Marktgemeinde aus der Vogelperspektive. Verlag Katzenstein-Gleiritsch, Gleiritsch 2012, ISBN 978-3-00-039105-7
  • Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, München 1977, ISBN 3-7696-9900-9
  • Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, München 1996, ISBN 3-7696-9693-X
  • Richard Hoffmann, Georg Hager, Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Oberpfalz und Regensburg, VIII Bezirksamt Vohenstrauss, München 1907,
    unveränderter Nachdruck R. Oldenbourg Verlag München und Wien 1982, ISBN 3-486-50438-X

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 6
  2. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 25
  3. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 25
  4. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München I, Landgrafschaft Leuchtenberg, Urkunden Nr. 1
  5. Emma Mages, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 61, Oberviechtach, S. 44
  6. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 47
  7. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 47
  8. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 47
  9. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 27
  10. Staatsarchiv Amberg, Standbuch Nr. 837
  11. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 100
  12. Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl, Konrad Ackermann, Vom Abrändler zum Zentgraf, Volk Verlag München, 3. Auflage 2010, S. 232
  13. Großenschwand In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen
  14. Großenschwand In: Geschichte Bayerns, Historische Ortsnamen
  15. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 222
  16. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 233