Dr. Max Schwarz (Oberviechtach)

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Haus der Schwarz-Stiftung
Eintrag Taufbuch, Nr. 36 (1898)
Dr.-Max-Schwarz-Brunnen am Marktplatz

Dr. Max Schwarz (auch Maximilian Schwarz; * 28. September 1898 in Oberviechtach; † 29. Januar 1977 in München) war ein deutscher Jurist, Wirtschaftsprüfer und Steuerrechtler [1].

Ausbildung

Nach dem Besuch der Volksschule in Oberviechtach wechselte Schwarz im Alter von zehn Jahren an das humanistische Studienseminar in Amberg [2]. Im Jahr 1916 erhielt er ein kriegsbedingtes Notabitur und wurde zum Militärdienst eingezogen. Während des Ersten Weltkriegs leistete er Kriegsdienst. Ab 1919 studierte Schwarz Rechtswissenschaften in München. Daneben belegte er Philosophie, Alte Sprachen und Geschichte und wurde in diesen Fächern zum Dr. phil. promoviert. 1925 legte er das juristische Staatsexamen ab.

Beruflicher Werdegang

Nach dem Staatsexamen trat Schwarz 1925 in den Staatsdienst ein. Bereits 1926 wechselte er zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Süddeutsche Treuhand AG (Südtreu) in München. Im Jahr 1932 wurde er in den Vorstand der Gesellschaft berufen und von der Zulassungs- und Prüfungsstelle München zum öffentlichen Wirtschaftsprüfer bestellt [3]. Ab 1932 leitete er die Steuer- und Rechtsabteilung der Süddeutschen Treuhand AG. [4].

Tätigkeit im Zusammenhang mit jüdischen Kunsthändlern während der NS-Zeit

Rudolf Heinemann

Im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung jüdischer Unternehmer wurde gegen den Kunsthändler Rudolf Heinemann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Heinemanns Emigration in die Schweiz im Jahr 1934 wurde dessen Kunsthandlung im Rahmen einer sogenannten "Strukturanpassung" in eine GmbH umgewandelt. Das Stimmrecht wurde auf die Süddeutsche Treuhand AG übertragen, vertreten durch Max Schwarz. Dadurch sollte das Unternehmen nicht mehr als jüdisches Unternehmen gelten und Verfolgungsmaßnahmen entgehen [5]. Heinemann meldete sein Unternehmen zum 1. April 1934 ab. Seine Ehefrau Betti Heinemann war nach Angaben Steinkes weiterhin für die Galerie tätig. Sie wurde 1938 in London getötet [6].

Das Unternehmen wurde aufgelöst. "Das Restvermögen der Liquidationsgesellschaft übertrug Max Schwarz aufgrund seiner ihm erteilten Vollmachten an Hubert Schmid, der daraufhin eine Kunsthandlung unter eigenem Namen mit diesem Geld betrieb. Ungeklärt bleibt, was mit den Lagerbeständen der Kunsthandlung geschah, in dem sich nicht nur die Besitztümer der Firma, sondern auch die Privatsammlung Bettina Heinemanns befand" [7].

Beteiligung an „Strukturanpassungen“ und Arisierungen

Der Historiker Ludolf Herbst bezeichnet die Änderung von Rechtsform, Eigentumsverhältnissen und Unternehmensleitung mit dem Ziel, ein Unternehmen nicht mehr als jüdisch erscheinen zu lassen, als "Strukturanpassung" [8].

Nach den Forschungen von Melida Steinke vertrat Schwarz neben Rudolf und Betti Heinemann weitere jüdische Kunsthändler in München und war in Vorgänge eingebunden, die im Kontext der nationalsozialistischen „Arisierung“ von Unternehmen standen [9].

Beruflicher Werdegang von Max Schwarz nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Max Schwarz wieder bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Süddeutsche Treuhand AG tätig. Er war in der Folgezeit für das Institut der Wirtschaftsprüfer und der internationalen Wirtschaftsprüfer-Vereinigung (UEC) aktiv. Max Schwarz "bekam das Bundesversdienstkreuz am Band" [10]. Im Jahre 1967 wurde er pensioniert.

Lebensende

1974 erkrankte Max Schwarz. "Dieser Hinweis auf seine 'Endlichkeit', wie er es nannte, gab den letzten Anstoß, zusammen mit seiner Frau Margret sein Testament zu verfassen"[11], um eine Stiftung zu gründen. Dr. Max Schwarz starb am 29. Januar 1977. Nachdem seine Ehefrau Margret Schwarz am 26. März 1993 ebenfalls verstorben war, kam es zur Gründung der Dr.-Max-und-Margret-Schwarz-Stiftung zugunsten der Stadt Oberviechtach.

Dr.-Max-und-Margret-Schwarz-Stiftung

Die Dr.-Max-und-Margret-Schwarz-Stiftung mit Sitz in Oberviechtach [12] wurde nach dem Tod des Ehepaars Dr. Max Schwarz (1898–1977) und Margret Schwarz (1910–1993) aus deren Nachlass errichtet. Die Stadt Oberviechtach wurde testamentarisch als Erbin eingesetzt.

Dr.-Max-Schwarz-Brunnen

Der Dr.-Max-Schwarz-Brunnen wurde 1998 auf dem Marktplatz errichtet und erinnert an Dr. Max Schwarz (1898–1977) und seine Ehefrau Margret Schwarz, die mit ihrem Vermögen die Dr.-Max-und-Margret-Schwarz-Stiftung begründeten. Die Stiftung machte die Stadt Oberviechtach zur Alleinerbin und fördert seitdem zahlreiche soziale und öffentliche Projekte. Der Brunnen ist somit ein Denkmal für die größten Wohltäter der Stadt.

Literatur und abrufbare pdf-Dateien

  • Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt, Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, Dissertationen der LMU München, Band 97, Erstveröffentlichung 2026, Zugleich Dissertation der LMU München 2024
  • Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, Dissertationen der LMU München, Band 97 als pdf-Datei
  • Steinhäuser, Marie, Jüdische Kunsthandlungen in München vor und während des Nationalsozialismus am Beispiel der Kunsthandlung E. A. Fleischmann, Maximilianstraße 1, Bachelorarbeit, Sommersemester 2021, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Steinhäuser, Marie, Jüdische Kunsthandlungen in München vor und während des Nationalsozialismus am Beispiel der Kunsthandlung E. A. Fleischmann, Maximilianstraße 1, Bachelorarbeit, Sommersemester 2021, Ludwig-Maximilians-Universität München als pdf-Datei
  • Ute Pothmann, Wirtschaftsprüfung im Nationalsozialismus. Die Deutsche Revisions- und Treuhand AG (Treuarbeit) 1933 bis 1945. (Bochumer Schriften zur Unternehmens- und Industriegeschichte, Bd. 19.) Essen, Klartext 2013
  • Angelika Baumann/Andreas Heusler, München arisiert. Entrechtung und Enteignung der Juden in der NS-Zeit, München 2004
  • Christiane Kuller, Finanzverwaltung und Judenverfolgung. Die Entziehung jüdischen Vermögens in Bayern während der NS-Zeit, München 2008
  • Die Dr. Max und Margret Schwarz Stiftung Flip-pdf: Projektseminar Deutsch 2024/2016, Leitung StD. Georg Lang, Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schwarz wurde als Sohn des Postexpeditors Johann Schwarz und dessen Ehefrau Sybille in Oberviechtach geboren Taufbucheintrag auf Matricula-online, Max Schwarz, 1898, lfd. Nr. 36, abgerufen am 15. Juni 2026
  2. Lebenslauf von Max Schwarz, Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum Oberviechtach, abgerufen am 15. Juni 2026
  3. Lebenslauf von Max Schwarz, Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum Oberviechtach, abgerufen am 15. Juni 2026
  4. Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt. Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, München 2024, S. 65, Anm. 116
  5. Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt. Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, S. 64
  6. Gedenkbuch der Stadt München, Eintrag zu Betti Heinemann, abgerufen am 16. Juni 2026
  7. Steinhäuser, Marie, Jüdische Kunsthandlungen in München vor und während des Nationalsozialismus am Beispiel der Kunsthandlung E. A. Fleischmann, Maximilianstraße 1, Bachelorarbeit, Sommersemester 2021, Ludwig-Maximilians-Universität München, S. 23, abrufbar als pdf-Datei unter:Text als pdf-Datei, abgerufen am 21. Juni 2026
  8. Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt. Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, S. 65, Anm. 115
  9. Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt. Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, S. 65, Anm. 116
  10. Lebenslauf Max Schwarz auf der Homepage des Eisenbarth- und Stadtmuseums Oberviechtach
  11. Lebenslauf Max Schwarz auf der Homepage des Eisenbarth- und Stadtmuseums Oberviechtach
  12. Schwarz-Stiftung auf der Homepage der Stadt Oberviechtach, abgerufen am 14. Juni 2026