Dr.-Max-Schwarz-Brunnen





Der Dr.-Max-Schwarz-Brunnen befindet sich am Marktplatz von Oberviechtach.
Dr.-Max-Schwarz-Brunnen
Der Brunnen wurde 1998 auf dem Marktplatz errichtet und erinnert an Dr. Max Schwarz (1898–1977) und seine Ehefrau Margret Schwarz, die mit ihrem Vermögen die Dr.-Max-und-Margret-Schwarz-Stiftung begründeten. Die Stiftung machte die Stadt Oberviechtach zur Alleinerbin und fördert seitdem zahlreiche soziale und öffentliche Projekte. Der Brunnen ist somit ein Denkmal für die größten Wohltäter der Stadt.
Künstlerischer Entwurf
Der Brunnen entwarf der Münchner Künstler Karel Fron [1]. Verwendet wurden Flossenbürger Granit und Bronze. Gestiftet wurde der Brunnen von Erika Odemer, einer engen Vertrauten des Ehepaars Schwarz und späteren Ehrenbürgerin Oberviechtachs. Der Brunnen ist voller Symbole, die auf Leben und Interessen von Max und Margret Schwarz verweisen:
- Bücher bilden das Hauptmotiv des Brunnens. Sie stehen für die große Liebe von Dr. Schwarz zu Literatur, Bildung und Kunst.
- Auf einem aufgeschlagenen Buch erscheint die Burg Haus Murach, ein Symbol der Heimatverbundenheit des Stifterehepaars.
- Das Buch "Margret" zeigt das Profil einer jungen Frau und erinnert an Margret Schwarz.
- Ein Buch mit Toskana-Motiven verweist auf die besondere Liebe von Dr. Schwarz zu Italien.
- Zwei Weinrömer auf dem "Buch des Lebens" symbolisieren Leben und Tod; aus einem zerbrochenen Kelch sprudelt Wasser als Zeichen der Hoffnung und des weiterwirkenden Lebens.
- Ein weiteres Buch trägt die Aufschrift Cicero. Aus ihm fließt Wasser. Das verweist auf den römischen Schriftsteller und auf die humanistische Bildung von Dr. Schwarz.
- Mittelpunkt des Brunnens ist ein Frauentorso ("Das Mädchen von Beröa") in einem antikisierenden Säulenrund.
- Die vier Vertiefungen der Brunnenschale symbolisieren die vier Wegachsen des Marktplatzes.
Das Besondere an diesem Brunnen ist, dass er nicht nur ein Denkmal für die Stifter ist, sondern praktisch eine "Biografie in Bronze und Stein" darstellt. Jede Figur und jedes Buch erzählt etwas über das Leben der Eheleute Schwarz.
Dr. Max Schwarz in der neueren Geschichtsforschung
Seine berufliche Tätigkeit begann Max Schwarz 1925 im Staatsdienst. Schon nach kurzer Zeit wechselte er 1926 zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft-Süddeutsche Treuhand A. G. in München (Südtreu) [2]. Nach wenigen Jahren wurde Max Schwarz im Jahre 1932 in den Vorstand der Gesellschaft berufen. Ab 1932 leitete Max Schwarz die Steuer- und Rechtsabteilung der Süddeutschen Treuhand-Gesellschaft A. G: [3]. Hier war er an der "Arisierung" jüdischer Geschäfte beteiligt. Um solche Unternehmen "zu neutralisieren", wie man dieses Vorgehen bezeichnete, wurde der Kunsthandel in eine GmbH umgewandelt und das Stimmrecht (es folgt ein Zitat) „an die Süddeutsche Treuhand-Gesellschaft A. G., vertreten durch den Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht Dr. Maximilian (gen. Max) Schwarz (1898–1977), in München übertragen, um so nicht mehr als jüdisches Unternehmen zu gelten und Verfolgungsmaßnahmen abwenden zu können“ [4].
Wie Melida Steinke in ihrer Dissertation am der Ludwigs-Maximilians-Universität München aus dem Jahre 2024 weiter belegt, vertrat Schwarz neben Rudolf und Betti Heinemann [5] noch weitere jüdische Kunsthändler in München und war in deren "Arisierungen" involviert[6]. Die Arisierungsvorgänge belegen die Tatsache, dass die Ziele des Nazi-Regimes von den Wirtschaftsprüfern mitgetragen wurden und sie selber davon profitierten.
Literatur
- Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt, Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, Dissertationen der LMU München, Band 97, Erstveröffentlichung 2026, Zugleich Dissertation der LMU München 2024
- Ute Pothmann, Wirtschaftsprüfung im Nationalsozialismus. Die Deutsche Revisions- und Treuhand AG (Treuarbeit) 1933 bis 1945. (Bochumer Schriften zur Unternehmens- und Industriegeschichte, Bd. 19.) Essen, Klartext 2013
Weblinks
- Dr.-Max-Schwarz Brunnen Homepage der Stadt Oberviechtach
- Dr. Max und Margret Schwarz Homepage Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum Oberviechtach
- Lebenslauf von Max Schwarz von Erika Odemer Homepage des Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseums Oberviechtach, abgerufen am 17. Juni 2026
- Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, Dissertationen der LMU München, Band 97 als pdf-Datei
Einzelnachweise
- ↑ Dr.-Max-Schwarz Brunnen Homepage der Stadt Oberviechtach
- ↑ Lebenslauf von Max Schwarz von Erika Odemer Homepage des Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseums Oberviechtach, abgerufen am 15. Juni 2026
- ↑ Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt, Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, S. 65, Fußnote 116
- ↑ Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt, Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, S. 64
- ↑ Gedenkbuch München Betty Heinemann, abgerufen am 17. Juni 2026
- ↑ Melida Steinke, Entrechtet, verfolgt, verdrängt, Jüdische Kunsthändlerinnen und Kunsthändler in München im Nationalsozialismus, S. 65, Fußnote 116