Karl Borromäus Fischer

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Karl Borromäus Fischer
Karl Fischer (1904)
Geburtsdatum:26. Dezember 1853
Sterbedatum:5. November 1910
Wahrscheinlich fehlt die Wikidata-Verknüpfung: Q1730977 (Karl_Borromäus_Fischer)

Karl Borromäus Fischer, im Volksmund "Kunst-Fischer" genannt [1] (* 26. Dezember 1853 in Sulzbach; † 5. November 1910 ebenda) war ein Kunsttöpfer und gilt als Wiedererfinder der Terra-Sigillata-Keramik der Römer.

Leben

Er erhielt seine Ausbildung bei der Firma Schwarz und Fleischmann in Nürnberg. 1876 heiratete er in Hirschau die Tochter eines dort ansässigen Töpfermeisters und übernahm dessen Geschäft. Nach Stationen in Amberg (1879–1881) und Vilseck (1881–1883) ließ er sich 1883 wieder in Sulzbach nieder, wo er 1910 verstarb.

Kunsttöpferei Fischer

Kurz nach seiner Rückkehr nach Sulzbach im Jahr 1883 eröffnete Karl Fischer 1884 eine eigene Kunsttöpferei, wo er ab 1894 mit seinem Sohn Georg (1881–1969) zusammenarbeitete. Gemeinsam entdeckten sie die Herstellungsweise der römischen Terra-Sigillata-Keramik neu.[1]

Zudem machten sie sich einen Namen in der Herstellung bzw. dem Nachbau sogenannter Altdeutscher Ofen, die sie u. a. in Museen fotografierten und vermaßen, und anschließend nachbauten. Ein solcher Ofen stand auch in der Hammerphilippsburg in Rosenberg.[2] Fischer lieferte seine Öfen aber auch weit über seine Heimat hinaus: Unter anderem im Moskauer Kreml, auf der Burg Hohenzollern, in bayerischen Ministerien,[1] in der Residenz des Herzogs von Meiningen und in der technischen Hochschule Stuttgart wurden Fischer-Öfen errichtet.[2]

Auf Grund der Besonderheit der Arbeit fand Georg Fischer nach dem 1. Weltkrieg keine Arbeitskräfte mehr und veräußerte das Haus mit Töpferwerkstatt an den Hafnermeister Michael Schötz. Er selbst verzog nach Bamberg, wo er als Kunst-Keramiker wirkte.[2]

Auf der Außenseite der Werkstatt stand der Sinnspruch geschrieben: "Das edle Handwerk der Töpfer war viel länger schon als tausend Jahr, denn Gott Vater formte schon den Adam aus dem Töpferton"[2]

Karl Fischer mit Belegschaft (1904)

Die Nacherfindung der Terra-Sigillata-Technik

Im Gegensatz zu den bisherigen Versuchen, die auf verschiedene Techniken abzielten, den fertigen Scherben zu polieren, überzogen Karl und Georg Fischer den halbtrockenen Scherben mit Schlämme (auch Engobe). Entscheidend war neben der Zusammensetzung der Schlämme auch die Technik des anschließenden Polierens und die richtige Brenntemperatur. Am 15. September 1906 wurde durch das kaiserliche Patentamt in Berlin ein Patent auf diese Technik erteilt. Wegen Einsprüchen wurde es allerdings erst mit dem 2. Februar 1909 endgültig wirksam.[3]

Ehrungen

In seiner Heimatstadt ist die Gasse, in der er seine Werkstatt hatte, als „Kunst-Fischer-Gasse“ nach ihm benannt.[2]

Weblinks

Literatur

  • Rudolf Heinl: Die Kunsttöpferfamilie Fischer aus Sulzbach. Selbstverlag, Sulzbach-Rosenberg 1984.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Sulzbach-Rosenberger Zeitung vom 19. Juni 1965
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Aufzeichnungen von Johann Leinhäupl, Lehrling bei Fischer von 1904 - 1907, dem Verfasser im Original vorliegend
  3. Patent Nr. 206 395, Klasse 80b, Gruppe 23; zitiert nach: Rudolf Heinl: Die Kunsttöpferfamilie Fischer aus Sulzbach. Sulzbach-Rosenberg 1984.
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