Altstraßen im Bereich der TK 25 7035 Schamhaupten

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Zentrale Lage im uralten Siedlungsraum

Die zentrale Bedeutung des Raumes um Riedenburg und Schamhaupten belegt das Zusammentreffen von vier Landkreisen aus vier verschiedenen Regierungsbezirken: Kelheim (Niederbayern), Neumarkt (Oberpfalz), Eichstätt (Oberbayern) und Hilpoltstein (Mittelfranken). Zudem stoßen hier die Interessenssphären von zwei Diözesen zusammen: Regensburg und Eichstätt.[1] Der für die TK 7035 namengebende Ort Schamhaupten liegt im Schambachtal und ist heute Ortsteil des Marktes Altmannstein im Landkreis Eichstätt. Das Pfarrdorf liegt an der Bundesstraße B 299, die durch den Ort führt. Der Ort lag früher verkehrstechnisch günstig an einer mittelalterlichen Handelsstraße (Land- und Commerzialstraße), die von Salzburg nach Nürnberg führte. Der Raum um Altmannstein gehört zu den ältesten europäischen Siedlungsräumen. Nur wenige 100 Meter südlich von Schamhaupten verlief der Rätische Limes. Die Schambach (=kurzes Wasser) entspringt unmittelbar am Dorf Schamhaupten (=Haupt/Ursprung der Schambach) und mündet bei Riedenburg in die Altmühl.

Adel um Schamhaupten

Ab dem 11. Jahrhundert lassen sich die hochadeligen Herren von Schamhaupten nachweisen. Im Jahre 1097 erscheinen Maganus und Berthold von Schamhaupten als Zeugen einer Münchsmünsterer Tradition. Die Herren von Schamhaupten scheinen Vögte des Emmeramer Besitzes um Schamhaupten gewesen zu sein. Auf dem Kästelberg befand sich deren frühmittelalterliche Burg, von der heute nur mehr ein hoher Wallgraben zu sehen ist. Als weitere Vögte fungierten die Herren von Altmannstein, die Abensberger, die Wildensteiner und die Hautzendorfer.

Das Kloster Schamhaupten

Im Jahre 1136 wandelte die verwitwete Adelige Gertrud ihr Landgut in ein Augustiner-Chorherren-Stift um. Zur finanziellen Unterstützung überließ der Bischof von Regensburg dem Kloster die Pfarrei, doch die Ausstattung des Klosters war nicht sehr umfangreich, so daß es nie richtig zur Blüte kam. In Schamhaupten nach dem Zinsregister von 1494 gehörten neben neun Untertanen dem Kloster die Taverne, die Obermühle und die Untermühle. In den folgenden Jahrhunderten folgte für das Kloster ein ständiges wirtschaftliches Auf-und-Ab mit wechselnden geistlichen Besitzern. Anfang des 16. Jahrhunderts war das Augustinerchorherrenstift schließlich völlig verschuldet.[2]

Die Propsteikirche St. Georg

Mit der Stiftung des Klosters durch die Witwe Gertrudis im Jahre 1137 entstand auch die dazugehörige Propsteikirche St. Georg, heute Pfarrkirche. Ein eingemauerter romanischer Taufstein stammt noch aus dieser Zeit. Die Familie Muggenthaler stifteten sich im Jahre 1471 ein Familienbegräbnis in der Klosterkirche, wovon noch etliche Grabsteine in der jetzigen Pfarrkirche zeugen.[3]

Die Universitätshofmark

Nach 1485 gelangte die Vogtei über Schamhaupten zusammen mit der ganzen Herrschaft Abensberg und Altmannstein an Herzog Georg IV. von Bayern. Die Bestätigung erfolgte 1488. Im Jahre 1606 erwirkte Herzog Maxmilian beim Papst die Auflösung des von Konventualen völlig verlassenen Klosters Schamhaupten. Güter und Rechte des Klosters gingen 1609 an die Universität Ingolstadt. Zur Universitätshofmark gehörten zahlreiche Anwesen in Schamhaupten, Megmannsdorf, Neuses, Untersandersdorf und Winden.

Im Jahre 1736 kam auch die Hofmark Steinsdorf ebenfalls an die Universität Ingolstadt. Die Hofmarksgerechtigkeit blieb auch nach den beiden Standortwechseln von Ingolstadt nach Landshut (1800) und weiter nach München (1826) bei der Universität. Als Kuriosum sei vermerkt, dass die Ludwigs-Maxmilians-Universität München als Rechtsnachfolgerin der Ingolstädter Universität bis 1966 (!) für den Unterhalt von Kirche, Pfarrhof und Schulhaus in Schamhaupten zuständig war und sogar noch bis 1974 das (nominelle) Präsentationsrecht für die Schul- und Pfarrstelle besaß. Seit 1972 gehört Schamhaupten zum Markt Altmannstein.[4]

Altwege um Schamhaupten

Der Raum Altmannstein gehört zu einem der ältesten europäischen Siedlungsräume. Donau und Altmühl gelten als prähistorische Verkehrswege, wie die Vielzahl von Funden seit der Altsteinzeit belegen. Mit großer Sicherheit spielte auch das Tal der Schambach eine Rolle als Abkürzung zwischen dem Donauraum um Pförring und dem Altmühltal um Riedenburg. Bei Riedenburg und Dietfurt lagen bedeutende frühe Altmühlübergänge. Insgesamt verläuft in diesem Bereich ein dichtes Netz von Altwegen. Ausgehend von der Donau und der Römerstraße, die entlang der Donau von Kösching über Eining nach Regensburg lief, führten einige wichtige Altstraßen nach Norden, die im Bereich Riedenburg – Dietfurt von Altwegen aus Südwesten nach Nordosten gekreuzt werden. Man kann das Gebiet zwischen Donau und Altmühl und dem Oberpfälzer Jura im Raum Velburg/Hemau durchaus von einem Verkehrsknoten sprechen.[5] s.a. unter TK 7036 Riedenburg

Sowohl frühmittelalterliche Wallanlagen sicherten die Verkehrswege und Klöster lagen häufig an Kreuzungen von Verkehrswegen und dienten nicht zuletzt als Beherbergungsmöglichkeit für Reisende. Dies gilt sicher auch für die mittelalterlichen Straßenverhältnisse um Schamhaupten und deren bauliche Wegbegleitung. Aber auch ein früherer Nikolaus-Altar in der Propsteikirche, das Georgs-Patrozinium und eine 1760 genannte Mautstellte verweisen auf die Lage an einer vielbefahrenen Altstraße. Emma Mages listet ausdrücklich eine Altstraßentrasse auf, die aus dem Raum Ingolstadt kommend über Bettbrunn, Steinsdorf, Waldung Kesselberg, Schamhaupten, Thannhauser Berg, Thannhausen, Thann, Hochweg nach Riedenburg (?) führt.[6]</ref>

Anton Dollacker verzeichnet aus dem Raum Kösching/Riedenburg mit den Routen Nr. 88, 89 und 91 drei Trassen aus dem Altmühltal in die mittlere Oberpfalz bzw. weiter nach Böhmen. [7]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Dachs: Der Umfang der kolonisatorischen Erschließung der Oberpfalz bis zum Ausgang der Agilolfingerzeit. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1547-3, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 86. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1936, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2742-1, S. 159-178
  2. Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Riedenburg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2021, ISBN 978-3-7696-6563-5, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00154504-1, S. 109 - 116
  3. Schamhaupten, in: Friedrich Hermann Hofmann und Felix Mader: Beilngries II: Amtsgereicht Riedenbuerg. Nachdruck. München 1982, S. 138 - 144 (=Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg; 13)
  4. Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Riedenburg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2021, ISBN 978-3-7696-6563-5, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00154504-1, S. 276 - 278
  5. Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Riedenburg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2021, ISBN 978-3-7696-6563-5, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00154504-1, S. 7
  6. Emma Mages: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 61: Riedenburg. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2021, ISBN 978-3-7696-6563-5, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00154504-1, S. 6-7, Karte
  7. Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186