Altstraßen im Bereich der TK 25 6741 Cham West
Das Chamer Becken
Im Bereich des Böhmerwaldes überqueren nur wenige höher gelegene Straßen das Mittelgebirge, der Bayern von Böhmen trennt. Nur in der Mitte zwischen Oberpfälzer Wald und dem Oberen Bayerischen Wald besteht ein breites Tor, das „Chamer Becken“. Es ist der westliche Teil der Cham-Further-Senke und heute Herzstück des Landkreises Cham.
Die „Engstelle“ der Further Senke zwischen Arnschwang und Furth ist nur knapp über 10 km lang, die Talbreite unter 500 m Meereshöhe beträgt nur 4 km.
Der Ostrand des wannenförmigen Chamer Beckens ist somit bei Anschwang (381 m) anzusetzen. Von dort erweitert sich der Talboden südwestwärts zu einer kilometerbreiten Wiesenaue; dort tritt das Flüsschen Chamb in das Becken ein. Etwa in dessen Mitte mündet es in den Hauptfluss, den Regen, ein. Dieser entwässert, von Chamerau her das Becken zur Donau hin. Das westliche Ende des Chamer Beckens markiert ein Ausläufer des Traubenbergs unterhalb von Wetterfeld. Dort verengt sich die flache Talsohle auf 500 m Breite. Sowohl zu Beginn des etwa 22 km langen Beckens liegen mit Arnschwang als auch am Ende, mit Wetterfeld, zwei mittelalterliche Wasserburgen.
Der Pfahl
Der von Südost nach Nordwesten verlaufende Quarzgang, der Pfahl, durchquert bei Thierlstein das Becken. Umrahmt wird das Becken im Nordwesten, Norden, Nordosten von bewaldeten Höhenzügen zwischen 500 und 930 m (Schwärzel- und Sattelberg, Brunstberg, Darstein, Kolmberg, Hiener-Klammerfels-Dachsriegel-Gibacht) im Südwesten, Süden, Südosten, zwischen 500/600 m (Falkensteiner Vorwald), 743 m (Haidstein) und 976 – 1079 m (Hoherbogen). Ausnahmen bilden nur die schon erwähnte schmale Further Senke mit 400 – 470 m nach Nordosten gegen Böhmen und die Bodenwöhrer Bucht mit 380 m Seehöhe nach West-Nordwest. An zentraler Stelle des Chamer Beckens liegt am Zusammenfluss von Regen und Chamb und an der „Wespentaille“ des Beckens zwischen Buchberg (563 m) und Lamberg (602 m) die Stadt Cham. Sicher ist es kein Zufall, dass genau an dieser Stelle das politisch-militärische Zentrum, die Reichsburg Cham entstand und gegenüber mit Chammünster der kirchliche Mittelpunkt. Etliche Ortsnamen verweisen allerdings auch auf slawische Siedler.
Siedlungsgeschichte des Chamer Beckens
Allerdings hat das Chamer Becken eine weit längere Siedlungsgeschichte vorzuweisen: Bereits in der Altsteinzeit war das Chamer Becken begangen, Siedlungsspuren gibt es seit der Mittelsteinzeit. Jungsteinzeitliche, bronze- und eisenzeitliche Siedlungen sesshafter Bauern sind durch zahlreiche Funde belegt. Die Funde der jüngeren Jungsteinzeit mit Funden bei Knöbling wurden in der Archäologie unter der Bezeichnung „Chamer Gruppe“ bekannt. Das Auftreten der Kelten ist mit Viereckschanzen bei Nößwartling und Traitsching und den drei Ringwallanlagen auf dem Lamberg belegt sowie dem keltischen Namen des Flusses Chamb. Der Aussage von Ernst Schwarz, dass einst der Volksstamm der Naristen (auch Varisker) an den Ufern des Regenflusses gesiedelt haben soll, wird von Karl Bosl bestritten. Die Funde römischer Münzen aus der Zeit Marc Aurels bei Schlammering und Taus weisen auf einen Handelsweg zwischen den Römerorten Regensburg und Straubing nach Böhmen hin. [1] In der Agilolfingerzeit, die der bayerisch-karolingischen vorausging, erfolgte lange vor dem Jahr 1000 im Raum Cham eine rege Siedlungstätigkeit, wie die vielen Ortsnamen auf -ing belegen. Deren Gründung wird auf die Zeit um 700 datiert. Die bajuwarische Besiedlung des Chamer Beckens erfolgte offenbar aus dem Donautal heraus, vermutlich von Regensburg aus. Als Herzog Odilo im Jahre 788 durch den Frankenkönig Karl d. Gr. abgesetzt wurde, wurde aus dem einst herzoglichen Gut fränkischer Königsbesitz In Roding ist schließlich für das Jahre 844 erstmals ein fränkischer Gutshof erwähnt.
Die Reichsburg Cham
Das fränkische Recht bestimmte, dass alles herrenlose Land dem König gehörte. Dieses „Bodenregal“ wurde vom König im Chamer Becken an zwei hochadelige Geschlechter verliehen: die Markgrafen von Cham und die Grafen von Bogen. Unbestritten ist die Existenz einer Reichsburg, die vermutlich auf dem Boden einer vorgeschichtlichen Anlage entstand. Die Existenz von zwei Altwegen aus dem Donautal nach Böhmen, die Cham berührten, lässt keine Zweifel zu. Insgesamt sollen im Lauf des Mittelalters neun deutsche Heere das Landestor nach Böhmen passiert haben. Das sogenannte „Marchfutter“, eine Haferabgabe, die auf einzelnen Höfen lag, lässt eine Verbindung zur Reichsburg vermuten und diente wohl dem Unterhalt der Grenzreiterei. Reste einer Reichsburg oder wenigstens eines karolingischen Wirtschaftshofes hat man bislang im Bereich des Chamer Stadtgebiets aber nicht gefunden. Allerdings gibt es verschiedene Theorien, wo sich der Standort der Reichsburg befand. Am schlüssigsten ist die Vermutung, dass sie im heutigen Stadtgebiet von Cham zu suchen sei und im Lauf der Zeit überbaut wurde. Die Burg in Cham geht in ihrer Entstehung vermutlich auf die agilolfingische Zeit zurück und wird im Jahre 976 anlässlich der Niederlage von Kaiser Otto II. gegen Böhmen erstmals erwähnt. [2]
Altenmarkt, ein alter Bauernmarkt
Am hochwassersicheren Steilufer entwickelte sich eine bäuerliche Siedlung mit einer Mühle am Quadfeldmühlbach. Das südliche Hinterland von Cham rings um den Kühberg war ertragreicher als das Land nördlich des Regens und war dichter besiedelt, wie die Mehrzahl der -ing-Orte bis heute erkennen lässt. Bei Altenmarkt bot sich ein günstiger Übergang für die Altstraßen von der Donau her über das Tal nach Norden und Osten. Bereits in frühgeschichtlicher Zeit wurde diese günstige Lage erkannt und Altenmarkt entwickelte sich zum Marktort. Nach der Gründung des „neuen Marktes“, der Neustadt Cham, verlor Altenmarkt seine Bedeutung und der heutige Ortsteil wird im Jahre 1135 bereits als „alter“ Markt bezeichnet.[3]
Das kirchliche Zentrum für den Chamer Raum war nicht die Reichsburg oder die „neue“ Stadt Cham, sondern das benachbarte Chammünster. (s. dazu der Kommentar zu TK 6742 Cham Ost)
Die Reichsburg Cham
Die Reichsburg am Südwesthang des Galgenbergs, unmittelbar an dessen Steilabfall zur Chambmündung gelegen, war der Mittelpunkt der von Kaiser Heinrich III. an der böhmischen Grenze neuerrichteten Mark Cham. Unmittelbar unter der Festung passierte die Heerstraße nach Böhmen und es ließ sich von dieser klimatisch begünstigten „Wespentaille“ das Chamer Beckens das Tal des Regen hervorragend kontrollieren. In Cham um das Jahr 1000 geprägte Münzen belegen zudem die Bedeutung als Handelsplatz, vor allem, wie es scheint, für den Salzhandel mit Böhmen. Aber auch die Stadt Nürnberg scheint ihr Salz via Waldmünchen aus Cham bezogen zu haben, wie das Nürnberger Urkundenbuch für die Zeit um 1270 belegt.
Allerdings waren für die Entwicklung einer Stadt am Fuße des Burgberges die Voraussetzungen nicht gegeben. Die Burg wurde daher um 1200 aufgelassen. Aus „Alt-Cham“ wurde das heutige Altenstadt. Die „Neustadt“ entstand zwei Kilometer weiter westlich in der Regenschleife.
An der Engstelle entstanden mit zwei „Sperrforts“ in der Chamer Buch zwei „modernen“ Burgen, Haidstain und Runding. Allerdings weist das digitale Geländemodell im Bereich des Chamer Beckens kaum Hohlwegspuren auf, nur am Ostrand des Beckens östlich Anschwang und Runding treten Massierungen von Hohlwegtrassen auf. Sie resultieren aus dem Anstieg des Geländes in Richtung Hoherbogen (s. TK 6742 Cham Ost).
Die Markgrafschaft Cham
Die Reichsburg Cham war das Zentrum der „Markgrafschaft Cham“. Sie hatte Kaiser Heinrich III. zusammen mit der Mark Nabburg gegründet, um Böhmen beim Reich zu halten (Bosl). Schon unter Karl dem Großen waren Marken zur Sicherung und Stabilisierung gefährdeter Grenzräume geschaffen worden. An der Spitze der Mark stand der Markgraf. Im Jahre 1055 wird die Mark Cham erstmals genannt. Ihre Hauptaufgabe bestand in der militärischen Sicherung des Markengebiets gegen Böhmen. Der Versorgung dienten im Umkreis die Bewohner von 60 Dörfern durch die Abgabe des „Marchfutters“, ursprünglich offenbar Hafer für die Pferde. Aus den alten Pfarrgrenze lässt sich nach Piendl der Umfang der Markgrafschaft Cham erschließen. Sie reichte grob von Stamsried im Westen bis Kötzting im Osten.[3]
Die älteren Diepoldinger als Markgrafen
Besitzer der Markgrafschaft Cham waren schließlich von 1077 bis 1204 die (älteren) Diepoldinger, die im Regental schließlich das Kloster Reichenbach als ihr Hauskloster gründeten. Mit deren Aussterben im Jahre 1204 endete die Geschichte der Markgrafschaft Cham. Cham wurde wittelsbachisch. [4]
Entwicklung zum Handelsplatz
In den nächsten Jahrhunderten entwickelte sich die „neue“ Stadt zu einem bedeutenden Handelsplatz zwischen Bayern und Böhmen. Zu Regensburg und Nürnberg unterhielt man enge Wirtschaftsbeziehungen auf der Basis gegenseitiger Zollfreiheit. Vor allem Salz scheint dabei ein wichtiges Handelsgut gewesen zu sein. Auf dem Regen wurde zudem Bauholz und Scheitholz gedriftet und geflößt. Eine Genossenschaft Kötztinger Bürger war maßgeblich daran beteiligt. Mit dem 2. Weltkrieg endete der Holztransport auf dem Regen.[5]
Altstraßen um Cham
Die mehrfach genannte Altstraße, die durch das Chamer Becken in Richtung Furth führte und die Entstehung Chams maßgeblich beförderte, kam aus dem Donautal (Straubing). Den Verlauf der vermutlich bereits vorgeschichtlichen Trasse über den Stallwanger Sattel zeichnet Anton Dollacker mit seiner Nr. 67 nach. Er lässt sie in Cham enden.[6] Nach Hofinger (s. unten) fand die Trasse jedoch ihre Fortsetzung auf der späteren Nebenbahnlinie nach Waldmünchen und führte dann weiter über Höll nach Böhmen.
Cham war mit dem Niedergang Regensburgs als Handelsstadt und dem Aufstieg Nürnberg als Zwischenstation schließlich nicht mehr gefragt. Auch der Grenzübergang in Furth verlor an Bedeutung. Waldmünchen und die Trassen in Richtung Westen wurden damit immer wichtiger.[7]
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6741: Cham West
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6741: Cham West
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6741: Cham West
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6741: Cham West
- Visualisierung der Altstraßen aus den Historischen Karten der TK 25 Blatt 6741: Cham West
Einzelnachweise
- ↑ Helmut Quitterer: Die Besiedlung des Chamer Beckens. Cham 1990, S. 12 - 21
- ↑ Helmut Quitterer: Die Besiedlung des Chamer Beckens. Cham 1990, S. 34 - 39
- ↑ 3,0 3,1 Max Piendl: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Reihe I Heft 8: Das Landgericht Cham. Hrsg.: Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1955, ISBN 3-7696-9809-6, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00007649-4, S. 1-11
- ↑ Tobias Küss: Die älteren Diepoldinger als Markgrafen in Bayern (1077 – 1204). München 2013.
- ↑ Alfred Wolfsteiner: Fluderer-Manner mit da langa Stanga. In: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner: Auf alten Wegen durch die Oberpfalz. Zur Geschichte der Mobilität und Kommunikation in der Mitte Europas. Hrsg.: Tobias Appl, Alfred Wolfsteiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7917-3279-4, S. 120-131
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 179
- ↑ Veronika Hofinger: Die alte Salzstraße von Regensburg nach Böhmen – Verlauf, wirtschaftliche Bedeutung. Der Abschnitt von Rötz bis Pilsen, in: Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung Bd. 8 (2002), S. 93 - 205