Altstraßen im Bereich der TK 25 6733 Allersberg
Wechselvolle Geschichte
Im Bereich der TK 6733 Allersberg stoßen im Raum der südlichen Frankenalb mit dem Landkreis Neumarkt/Opf. und dem Landkreis Roth die Regierungsbezirke Oberpfalz und Mittelfranken zusammen. Die wechselvolle Geschichte dieses Raumes zwischen Franken und der Oberpfalz dokumentieren etliche historische Karten. Enge historische Verbindung zum Raum Neumarkt/Opf.
Die Beziehungen von Allersberg und seiner Umgebung zum Raum Neumarkt/Sulzbürg waren im Lauf der Geschichte immer eng geknüpft: Der Ort wurde im Jahre 1254 erstmals genannt. Das Marktrecht besteht seit 1323 und geht auf die Grafen von Wolfstein zurück, die in Sulzbürg ihren Sitz hatten. Sie gründeten in Allersberg auch das Spital.
Ab 1505 im Fürstentum Pfalz-Neuburg bzw. Pfalz-Sulzbach
Nach wenigen Jahren im Besitz der Wittelsbacher Herzöge ab 1475 kam Allersberg mit den benachbarten Gerichten Hilpoltstein und Heideck im heutigen Mittelfranken nach dem Landshuter Erbfolgekrieg von 1505 mit weiteren Gebieten in der heutigen Oberpfalz und in Schwaben für rund 300 Jahre zum neugegründeten Fürstentum Pfalz-Neuburg bzw. später zu Pfalz-Sulzbach.
Diese historischen Verbindungen waren sicher auch der Grund, warum das heute mittelfränkische Allersberg bis ins 20. Jahrhundert zum oberpfälzischen Amtsgerichtsbezirk Neumarkt gehörte. Dies änderte sich erst mit dem neuen Zuschnitt der Landkreise bei der großen Gebietsreform in den 1970er Jahren.
Straßen im Amt Allersberg bei Christopherus Vogel
Mit der Beschreibung des Pflegamts Allersberg im Teilfürstentum Hilpoltstein-Sulzbach beendet Christopherus Vogel im Jahre 1604 seine Landesaufnahme der pfalz-neuburgischen Territorien. Damals grenzte das Pflegamt Allersberg an das markgrafische Amt Roth, das Amt Schwabach, das Amt Neumarkt und das Amt Hilpoltstein.
Bei der Beschreibung der Grenzen des Amtes des Amtes Allersberg werden folgende Wege ausdrücklich genannt: Gegen das Amt Roth bildet die „Neumarcher Straß“ die Grenze, gegen das Amt Schwabach die „Nurnberger Straß“. Gegen das Schultheissenamt Neumarkt stehen 16 Grenzsteine, die im Jahre 1588 gesetzt wurden.
Dabei steht der erste Stein an der „Straß von Allersperg auf Pierbaum“, der 9. Markstein bei der “Allersperger Straß“ im Bereich des Klosters Seligenporten und der 11. Stein wurde an der „Straß von Schwarzach nach Allersperg“ gesetzt.
Weiters sind genannt eine Furt an der Schwarzach, an der Straße von Neumarkt nach Hilpoltstein gelegen, sowie die Straße zum heutigen Allersberger Ortsteil Ebenried.
Straßen in den Jagdgrenzen
Auch im Verzeichnis der Jagdgrenzen sind Verkehrswege bzw. Wegbegleiter genannt: Etwa die „Rote Marter“ an der Nürnberger Straße, sowie mehrere „Kreutzstraßen“. Darunter fallen die Kreuzstraße von „Pirckha auf Brunau“ und die von Allersberg nach Roth.
Weiters erwähnt Vogel die „Finstermuhller Straß“, „Muhlweg“ genannt. Sie war offensichtlich ein Mühlenweg, der zur Finstermühle (heute Stadt Roth) führte. Dieser Mühlweg hat offenbar eine wichtige Funktion, da er in der Beschreibung der Jagdgrenze mehrfach Erwähnung findet.
Außerdem erscheint im Jagdgebiet (das früher überwiegend den Grafen von Wolfstein gehörte) eine Straße von Harrlach (heute Stadt Roth) nach Allersberg sowie eine Straße von Altenfelden (heute Ortsteil von Allersberg) nach dem „Straßweiher“. Seine Namen verweist ebenfalls auf eine mögliche überregionale Wegeverbindung hinweist.
Mühlwege
Es ist davon auszugehen, dass neben der genannten „Finstermühler Straße“ weitere Mühlwege zu den einzelnen Mühlen geführt haben. Ausdrücklich genannt sind bei Vogel die abgegangene Dockenmühle (bei Appelhof), die bereits erwähnte Finstermühle (Stadt Roth), sowie die Guggenmühle und die Wagnersmühle (beide Markt Allersberg). Den Wasserreichtum der Umgebung von Allersberg belegen zudem die zahlreichen Weiher, die Vogel auflistet.[1]
Altwege westlich Neumarkt bei Dollacker und Manske
Anton Dollacker weist in seiner Altwegekarte von 1938 keine Altwege zwischen Allersberg und Neumarkt nach, obwohl es diese gegeben haben muss, wie die herrschaftlichen Beziehungen der Grafen von Wolfstein auf Sulzbürg in den Raum Allersberg/Pyrbaum im späten Mittelalter belegen. Wenigstens die bei Dollacker in Neumarkt endende Nr. 21 bzw. Nr. 76, die von Neumarkt nach Lauterhofen bzw. Kastl ging, muss eine Fortführung in Richtung Berngau und Röckersbühl gehabt haben. Ziel könnte Eichstätt oder sogar Ingolstadt gehabt haben. Schließlich besaßen Lauterhofen und Ingolstadt fränkische Königshöfe.
In der Beschreibung des Pflegamtes Allersberg von Vogel (1604) ist allerdings ausdrücklich die „Neumarkter Straße“ erwähnt (s. oben), die von Roth aus offensichtlich nach Neumarkt führte. Deren genauer Verlauf ist allerdings im Augenblick nicht dokumentiert, ebenso wie eine ebenfalls bei Vogel genannte Straße von Hilpoltstein nach Neumarkt.[2]
Auch Manske verzichtet in seinem Beitrag in der Festschrift zum Bayerischen Nordgautag in Berching im Jahre 2000 auf die Dokumentation der Fortsetzung der Altwegetrassen nach Westen in Richtung Mittelfranken/Allersberg. [3]
Altwege südöstlich Allersberg nach Rädle
Im Gegensatz zu Anton Dollacker verzeichnet Rädle im Raum westlich von Neumarkt/Opf. eine Reihe von Altwegen, die jedoch alle in Freystadt enden So nennt er eine Altstraße von Freystadt nach Velburg (Nr. 3 f), die in ihrem Verlauf zahlreiche keltische Nekropole und Keltenschanzen aufweist. Sie führt von Freystadt über Rudertshofen nach Berching und von dort schließlich über Holnstein und Gimpertshausen nach Daßwang. Von läuft sie nach Rädle weiter in Richtung Velburg. Rädle listet außerdem in seinem Kapitel 10 insgesamt weitere fünf Altstraßen auf, die von Freihausen ausgehen. Er vermutet in den Trassen, die von der Donau bzw. Regensburg über Hemau und Hamberg, sowie Freihausen und Pollanten nach Freystadt führen, vorgeschichtliche Altstraßen. Schließlich ließen sich entlang der Strecke zahlreiche keltische Bodenfunde finden.
Eine weitere Trasse, die sog. „Alte Poststraße“ (10 d), führt nach Rädle von Freihausen über Batzhausen und Waldhausen ebenfalls in den Velburger Raum wie die obige Trasse 3 f. Bei Oberweiling stößt sie auf eine uralte Süd-Nord-Fernverbindung, die von Dietfurt kommend nach Kastl führt und lt. Dollacker (Nr. 88) als „Fischweg“ nach Mitteldeutschland (Magdeburg) oder alternativ über Luhe nach Böhmen führt. Ihre südliche Verlängerung verläuft über Waldkirchen und Staufersbuch nach Öning und führt von da weiter in den Raum Beilngries bzw. Greding.[4]
Eine einzige Trasse in Richtung Nordwesten verzeichnet Rädle von Holzheim über die Heinrichsbürg, Dillberg, Wurzhof - Postbauer, Oberferrieden, sowie Ober- und Unterlindelburg in Richtung Schwabach. Sie stellt nach Rädle die lineare Fortsetzung der „Alten Straße“ dar, die einst von Kallmünz durch das Tal der Schwarzen Laaber nach Neumarkt führte. Bei Raubersried kreuzen sich zwei Altstraßen, wovon eine nach Süden über Furth, Finstermühle, Brunnau und Eckersmühlen in den Raum Allersberg läuft.[5]
Während die Altstraßenverbindungen zwischen Regensburg und dem Raum Nürnberg gut erforscht sind, bedürfen die Altwege zwischen dem mittelfränkischen Raum um Allersberg/Hilpoltstein/Schwabach und dem oberpfälzischen Neumarkt/Opf. bedürfen noch der weiteren Erforschung. Die kärglichen Spuren des digitalen Geländemodells lassen keine weiteren Interpretationen zu.
Weblinks
- Karte der Hohlwege, Steige und Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6733: Allersberg
- Karte der Hohlwege im Bereich der TK 25 Blatt 6733: Allersberg
- Karte der Steige im Bereich der TK 25 Blatt 6733: Allersberg
- Karte der Denkmäler im Bereich der TK 25 Blatt 6733: Allersberg
Einzelnachweise
- ↑ Günter Frank/Georg Paulus (Bearb.): Das Fischmeister- und Pflegamt Schwandorf, in: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig, in: www.heimatforschung-regensburg.de, S. 816 - 844
- ↑ Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
- ↑ Dietrich-Jürgen Manske: Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Altwegenetz der südwestlichen Oberpfalz (Kreis Neumarkt). (online verfügbar auf https://oberpfaelzerkulturbund.de/wp-content/uploads/2016/08/33.NGT_Seite-45-64.pdf), in: 33. Bayerischer Nordgautag in Berching. Die Oberpfalz – Mittler zwischen Zeiten und Räumen. 2000, S. 45-63
- ↑ Herbert Rädle: Neumarkter Historische Beiträge, Band 6. Unterwegs auf Altstraßen im Raum Neumarkt. Neumarkt 2005, ISBN 3-00-017390-0, S. 185-206
- ↑ Herbert Rädle: Wanderungen auf einer Altstraße Neumarkt – Schwabach, in: Die Oberpfalz 99 (2011), S. 235 – 238