Altstraßen im Bereich der TK 25 6237 Grafenwöhr

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Die Edelfreien von Hopfenohe

Seit 1908 gibt es den Truppenübungsplatz Grafenwöhr, der heute zum größten Teil zur Stadt Grafenwöhr gehört. Bei seiner Erweiterung im Jahre 1938/39 wurde auch die Gemeinde Hopfenohe aufgelöst. Sie lag mehrere Wegestunden westlich von Grafenwöhr. Der kleine Pfarrort auf einem wasserarmen Jurarücken, der die Wasserscheide zwischen Donau und Rhein bildet, war einst Sitz der Edelfreien von Hopfenohe - (Burg)Lengenfeld – Pettendorf. Das mächtige Geschlecht, das die bei seiner Gründung an das neue Bistum Bamberg gefallenen Gründe der Schweinfurter Grafen im Nordgau verwaltete, blühte nur wenige Generationen, bis es im Mannesstamm ausstarb. Der Besitz dieses Geschlechts war weit über die ganze heutige Oberpfalz verstreut. Wie sie zu diesem umfangreichen Grund kamen, ist nicht bekannt. Ebenso ist die Herkunft dieser Edelfreien ist nicht eindeutig geklärt. Spuren führen nach Mitteldeutschland. Vom abgegangenen Schloss Hopfenohe finden sich in der gleichnamigen Wüstung keine Spuren mehr. Es soll einst auf dem Platz des späteren Pfarrhauses gestanden sein. In der Gründungsurkunde des vom Bamberger Bischof Otto I. errichteten Klosters Michelfeld wird „Hopfenahe“ 1119 erstmals genannt. Doch nur Teile des Ortes gelangten in den Michelfelder Besitz. Weitere Teile des Ortes kamen in wechselnden Adelsbesitz. Die frühere Pfarrkirche, inzwischen Kirchenruine, blieb erhalten und wurde nach ihrer Renovierung ab 2005 wieder zugänglich.[1]

Die Anfänge von Grafenwöhr

Die Anfänge von Grafenwöhr liegen ebenfalls im Dunkeln. Die Stadtrechte bestehen seit 1361. Der Ortsname verweist allerdings auf die Landgrafen von Leuchtenberg, die bei Absterben der Edelfreien von Hopfenohe mit Friedrich III. im Jahre 1119 einen Teil des Hopfenoher Besitzes erbten. [2]

Burglengenfeld als Zentrum an der mittleren Naab

Den südlichen Teil des umfangreichen Hopfenohrer Grundbesitzes, der sich auf den Raum der mittleren und unteren Naab um Burglengenfeld und Pettendorf konzentrierte, erbte Graf Otto V. von Wittelsbach.

Otto hatte Heilika, die andere Tochter des Hopfenohers geheiratet und mit deren Erbe gelang den aufstrebenden Grafen von Scheyern, die sich später nach ihrer Burg Wittelsbach nannten, der Sprung über die Donau. Im Jahre 1180 erhielten die Wittelsbacher das Amt als Herzöge von Bayern, das schließlich erblich wurde und über Jahrhunderte in der Familie verblieb. Als Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern waren sie danach über 700 Jahre an der Macht.

Otto gründete im Jahre 1121 im Vilstal das Kloster Ensdorf als Hauskloster und machte Burglengenfeld zum Zentrum seiner Besitzungen im Nordgau. Grafenwöhr und der ehemalige Hopfenohrer Besitz in der nördlichen Oberpfalz selbst blieb bis zum Jahre 1421 unter der Herrschaft der Landgrafen von Leuchtenberg.[3]

Heutige Verkehrslage Grafenwöhrs

Grafenwöhr liegt an der Bundesstraße 299, die von Altenmarkt a. d. Alz und Landshut über Beilngries, Neumarkt/Opf. und Amberg nach Grafenwöhr und von dort weiter nach Mitterteich und Waldsassen führt.

Die B 299 folgt der Trasse der einstigen Chaussee aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, die Südbayern mit Nordbayern verband und die vor allem militärischen Zwecken und schnellen Truppenbewegungen dienen sollte.

Die Staatsstraße 2168 verbindet Grafenwöhr über Eschenbach und Speinshart mit dem mittelalterlichen Verkehrsknoten und der früheren Kreisstadt Kemnath. Die Karte TK 6237 wird von einer weiteren Bundesstraße passiert, die B 470. Sie verläuft von West nach Ost und beginnt in Burgbernheim an der Grenze zu Baden-Württemberg und führt über Neustadt a. d. Aisch und Forchheim durch die Fränkische Schweiz bis nach Weiden, wo sie an der Anschlussstelle Weiden-West der A 93 endet. Die Anfänge der B 470 liegen in einer Chaussee, die der von Napoleon eingesetzte Verwaltungsdirektor Camille de Tournon in der eroberten Provinz Bayreuth zwischen 1806 und 1810 errichten ließ.

Diese West-Ost-Verbindung aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts hat ganz offensichtlich eine Tradition aus dem Mittelalter, als eine Altstraße von der am Anfang des 9. Jahrhundert erstmals erwähnten fränkischen Königspfalz Forchheim quer durch die nördliche Oberpfalz an die böhmische Grenze führte. Die Pfalz bei der späteren Reichstadt Eger scheint das Ziel des fränkischen Wanderkönigtums gewesen zu sein.

Altwege um Grafenwöhr

Hohlwegspuren von Altstraßen haben sich im ebenen Gelände der Weidener Buch nicht erhalten. Vielfach sind die sandigen Böden mit Kiefernbeständen bewachsen. Nur im Nordosten des Kartengebietes östlich Pressath, wo die Weidener Buch in relativ steilen Anstiegen zum Oberpfälzer Wald hin Höhe gewinnt, haben sie Bündel von Hohlwegspuren erhalten, die zusammen mit der B 299 in nordöstliche Richtung führen.

Anton Dollacker verzeichnet auf seiner Altstraßenkarte der Oberpfalz im Raum Grafenwöhr zwei Altstraßen. Es sind dies die Nummer 1 und die Nummer 98. Die beiden Trassen vereinigen sich in Grafenwöhr und laufen als Nr. 47 weiter nach Norden.

Die Nummer 98 kommt aus Hersbruck und vereinigt sich lt. Dollacker mit der Nr. 99 bei Erzhäusl, während Dollackers Nr. 1, ganz offensichtlich von Amberg kommend, ab Grafenwöhr zusammen mit der Nr. 98 weiter als Nr. 47 nach Norden führt. Vorläufiges Ziel scheint hier Tirschenreuth gewesen zu sein.[4]

Der Truppenübungsplatz hat offensichtlich viele alte Wegeverbindungen zerstört, so dass die von Dollacker genannten bzw. vermuteten Trassen mit Vorsicht zu genießen sind. Auch hat der Altwegeforscher Manske in seiner ausführlichen Untersuchung der Altwege um Kemnath den Verlauf der von Forchheim nach Eger führenden Altwegetrasse quer durch die nördliche Oberpfalz dokumentiert. Sie passiert aber Grafenwöhr um etliche Kilometer weiter nördlich. [5]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schloß Hopfenohe, in: Wikipedia
  2. Hermann Schenkl: Geschichte der Stadt Grafenwöhr. 1. Teil. Grafenwöhr 1961, S. 24 - 39
  3. Alois Schmid: Die Herren von Pettendorf-Hopfenohe - Lengenfeld und die Herrschaft Waldeck. In: Oberpfalz trifft Amerika - Heimat auf Zeit. Beiträge zur regionalen Kulturgeschichte: Festschrift Das Kulturfest der Oberpfälzer - 44. Bayerischer Nordgautag, 20. bis 23. Juni 2024 in der Stadt Grafenwöhr. Hrsg.: Oberpfälzer Kulturbund, Stadt Grafenwöhr, Regensburg 2024, ISBN 978-3-96018-131-6, S. 40-47
  4. Anton Dollacker: Altstraßen der mittleren Oberpfalz. urn:nbn:de:bvb:355-rbh-1575-7, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 88. Hrsg.: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regensburg 1938, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-2740-1, S. 167-186
  5. Dietrich J. Manske: Der Raum Kemnath, ein mittelalterlicher Kreuzungsbereich bedeutender Altfernwege, in: Kemnath: 1000 Jahre und mehr. Kemnath 2008, S. 107 - 160